Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 348 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 348. — 27. April 1934 DIE STIMME Seite 5!f Dr. Jakob Rosenthal: jubilierende Tel-Aviv | Begegnung mit Tel-Avivs Bürgermeister Mayer DixengofiE ■ 8 o n n t a g\ (Ion 20. April, beginnt, wie bereits gemeldet, in T e 1 - A v i v anläßlich des 25jährigen Bestehens der jüdischen Stadt Tcl-Äviv eine J u b i I;i u m s f e i o r, die bis Donnerstag, den 3. Mai, datiert. Aus diesem Anlaß hat der Bürgermeister von Tel-Aviv, Meier Dizengoff. an die jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt die Einladung ergehen lassen, an dieser Feier durch Entsendung einer Vertreterschaft teilzunehmen. Der „ewige Jüngling“ Dizengoff Boi der jüdischen Olympiade in Tol-Aviv im Frühja.hr 1932 erregte os hollste Begeisterung, als der Einmarsch der Vertreter der verseil jeden en Nationen mit einer Reitergruppe, vom Bürgermeister von Tol-Aviv, Meier Dizengoff, angeführt, eröffnet wurde. Auf einem herrlichen weißen Hengst «aß stolz in jugendlich frischer Haltung der damals 70 jährige Dizengoff, der „ewige Jüngling“, wde ihn seine Freunde nennen. Mit elastisch-jugendlichem Gang tritt mir in der Halle eines Wiener Hotels Tel-Aviv« Bürgermeister entgegen. Eine überaus sympathische Erscheinung von mittelgroßer Gestuft mit angegrautem Kopf, lädt mich Herr Dizengoff in das bescheidene Hotelzimmer ein. DeT Stolz der Tel-Aiver, ja aller Juden auf diesem Frühlingshügel, ist berechtigt. Begreiflich die rührende Liebe, mit der Tel- Aviv« Bürgermeister an dieser Stadt hängt, und das stolze Gefühl, mit dem er beim Erzählen über da« Werden dieser grandiosen Schöpfung erfüllt ist. Mit sichtlichem Stolz bereitet Herr Dizengoff vor dem Besucher ein Album von Tel- Aviv aus. Es ist kein gewöhnliches Album, keine bloße Sammlung von Aufnahmen von Straßenbildem, Denkmälern üsw. Eine' jede Aufnahme aus der Gegenwart hat ihr Gegenstück in einer von gestern und vorgestern, und zeigt so da« fast märchenhafte Wachstum der Stadt in den interessantesten imd entscbeidensten Phasen von der Gründung bis heute. mehr als 980 Seelen. Während des Weltkrieges blieb die Bautätigkeit und die Entwicklung der Stadt unterbunden, sämtliche Einwohner von Tel-Aviv, die inzwischen auf 10.000 Seelen angewachsen waren, wurden in diesem Zeitabschnitt verbannt und die entvölkerte Stadt blieb verlassen und Öde. Diese Phase bezeichnet Herr Dizengoff auf meine Frage nach den interessantesten Phasen in der Entwicklung der Stadt als die schwierigste in der fast fünfundzwanzigjäbrigen Geschichte Tel-Avivs. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, im Jahre 1919, sind c« noch bloß 3604 Einwohner mit 120 Häusern und 101 Hektar Boden. Durch die gesteigerte jüdische Einwanderung setzte dann eine neue Entwicklungsphasc ein. Im Jahre 1921 sind es 12.862 Einwohner mit einem Budget von 14.996 Pfund Sterling und 147 Hektar Boden. Heute zählen die Boden - ansmaße Tel-Avivs rund 1000 Hektar, ihre Einwohner 100.000, das Budget beträgt für das Jahr 1934 die stattliche Höhe von 200.000 Pfund Sterling. Das im Aufbau Tel-Aviv« investierte Kapital wird auf nahezu 15 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Tel-Aviv wa.r die erste Stadt im ganz nahen Osten, deren Rat durch direkte Wahlen aller Einwohner bestellt wurde. Tel- Aviv war auch die erste Gemeinde, die das Fra/uenwahJreöht anerkannt hat. Im Jahre 1921 erhielt Tel-Aviv die Bewilligung zur Aufstellung einer eigenen jüdischen Stadtpolizei, welche, aus ehemaligen jüdischen Legionären bestehend, die erste jüdische Schutzmannschaft der Welt ist und gegenwärtig 70 Mann zählt. verhandelte Dizengoff mit der Leitung der Wiener Messe A. G. zwecks Errichtung eines ständigen Palästina-Pavillons auf der Wiener, respektive eines österreichischen auf der Levante-Messe von Tel-Aviv. ••und als Kultur- und Erziehungszentrum Tel-Aviv ist nicht nur das wirtschaftliche Zentrum der neuen jüdischen Ansiedlung in Palästina, es ist auch der Brennpunkt des kulturellen Lebens im Lande. Einen Gradmesser par exoellence für die kulturellen Bedürfnisse der neuen jüdischen Einwanderer Palästinas bietet Tel-Aviv mit seinen zahlreichen und großen Verlagsanstalten, seinen modern auegestatteten Druckereien, zahlreichen Zeitungen und Theater, Oper usw, („Übel“, „Habima.h“, Satirisches Theater). Tel-Aviv ist der Mittelpunkt der hebräischen Buch Produktion, das hebräische Leipzig. Es hat nicht weniger als sechs Verlagsanstalten, darunter die führenden „Stybel“, „Dwir“, die neben dem alten und neuhebräischen Schrifttum adle bedeutenden Dichter und Denker der Vergangenheit und Gegenwart in hebräischer Sprache herausbringen. Die zahlreichen kulturellen Schöpfungen Tel-Avivs werden durch ein ganz hervorragendes Erziehimgs- und Schulwesen gekrönt. Vom städtischen Kindergarten bis zum Gymynasium und Polytechnikum sorgt ein weitverzweigtes Schulnetz für die Erziehung und Ausbildung der Tel-Aviver Jugend. Tel-Aviv .ist die einzige Stadt im durchzuführen, um seine Stadt in die Höhe zu bringen. Das Stadtmusum in Tel-Aviv ist kein Plan mehr. Es ist bereits eine Schöpfung, Dizengoffs Schöpfung. Er hat sie auf die einfachste Weise durchgeführt. Seine schöne Villa hat Dizengoff in ein Museum möge wandelt, vier Säle bereit« mit Bildern, Skulpturen, Porträts jüdischer Künstler angefüllt. In seinen Augen leuchtet. cs hell, spricht er von dieser jüngst en Schöpfung, für deren Ausarbeitung er jetzt, trotz seiner 71 Jahre, eine Propaga.iv.lureise durch Europas Kulturzentren unternimmt. Auch der Aufenthalt Dizengoffs in der Kunststadt Wien galt dem Zweck, Kunstk reise für die Förderung des Tel-Aviver Stadtmuseums zu interessieren. Das Museum widerspicgelt das gesamte jüdische Kunstschaffen der alten und neuen Zeit sowohl in Originalen, als auch in Reproduktionen, und besteht aus drei Abteilungen, einer K u n s t g a 1 e r i n moderner und alter Werke jüdischer Künstler, ferner einer ethnographischen Abteilung und schließlich einer Bibelgalcric. Die letztere umfaßt eine Sammlung aller in bezug auf dio Bibel im Laufe der Jahrhunderte geschriebenen Werke. -V- Mit einem Gefühl der Bewunderung ver*< läßt man den Mann, dessen ungeheurer Energie und zähem Idealismus Tel-Aviv sein Entstehen und Werden verdankt, und der trotz seines hohen Alters mit unverminderter Kraft an der Ausgestaltung seines Lebens werkes weite rarbeite t. Motzkin-Straße In Tel-Aviv Tel-Aviv, 23. April. Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv beschloß, eine Straße nach Dr. Leo M o t z-. k i n zu benennen. 200,000-Pfund-Etat Tel-Avivs ge• nehmigt Jerusalem, 24. April. Die Palästina-Regierung hat den ihr vorgelegten Haushaltsplan der Stadt Tel- ZUR LEVANTE-MESSE NACH PALÄSTINA Am 2. Mai mit der VyVulcanla'* Neape Am 9. Mai mit der „Gerusalemine“ NORDISCHES REISEBUREAU Tel-Aviv 1908 Auf einer weiten Sanddüne steht eine Menschengnippe, Kaufleute, Beamte, Arbeiter, deren Ökonomiisclie Interessen sie an die Hafenstadt Jaffa binden. Ihr Wunsch ist, außerhalb der schmutzigen arabischen Hafenstadt zu wohnen. Sic wollen einen Villenvorort, eine Gartenstadt gründen. E« war die Versammlung der Gründer von Tel- Aviv, Mir Führer Digengoff. Wohl niemand ahnte damals, daß Tel- Aviv die Hafenstadt Jaffa cinholen und überflügeln werde. 20 Jahre später Anstatt einer freundlichen Vorstadt inmitten stiller Gärten an der Mittelmeerküste ist Tel-Aviv eine Stadt geworden, die «ich nach allen Richtungen ausdehnt, ein Zentrum für Handel und Industrie, und immer mehr Brennpunkt dos kulturellen Lebens im ganzen Lande. Ein bißchen Statistik••• Ein paar Zahlen veranschaulichen am deutlichsten die ganz unglaubliche Entwicklung Tel-Aviv«. Im Jahre 1909, dem Gründungsjahr Tel- Avivs, sind es nur 11 Hektar Boden, 500 Einwohner, 65 Häuser mit einem Budget von 166 Pfund. Bei Ausbruch de« Weltkrieges gibt es in Tol-Aviv 182 Villen mit kleinen Gärten und einer Bevölkerung von nicht ZU PFINGSTEN BILLIG NACH ▲ POLEN IAUSTROBUS Abreise am 17. V. 1934 BÜRO DR. S. TOCKERS l.t KBrntncc-ring 12 Toi. U 4 -3 \. Ring des 12. Novum* bor 12. Toi. II24* -1D (Reiseleitung N. M. Racker) Wien, I., Seilergasse 3. Telephon R 25-0-92 Tel-Aviv als Handels« und Industriezentrum Die ersten Einwohner von Tel-Aviv besorgten ihre Einkäufe in Jaffa und in den einzelnen Kaufläden außerhalb der Tore von Tel-Aviv. Der Handel war nach Bestimmung der Gründer von der Gemarkung Tel- Avivs ausgeschlossen. Die Jaffaer arabischen Überfälle im Mai 1921 bewirkten es, daß sich ein angesehener Teil der jüdischen Kaufleute von Jaffa entschloß, den Geschäftsbetrieb nach Tel-Aviv au verlegen und von da an beginnt die Entwicklung von Tel-Aviv zu einem Handelszentrum. Mit der Entwicklung der Stadt wurden allmählich auch verschiedene Werkstätten und Fabriken gegründet. Im Jahre 1910 gab ee noch keine einzige Fabrik, im Jahre 1919 bereits 32, im Jahre 1926 ist ihre Zahl auf 152 gestiegen und heute gibt es in Tel- Aviv 307 Industrien und Werkstätten, die ständig 4000 Arbeiter beschäftigen, jährlich Werte für 1,000.000 Pfund Sterling produzieren, und in denen 1,000.000 Pfund investiert wurden. Im Jahre 1925, dem Jahre der Eröffnung der Ersten hebräischen Universität, wurde die erste Tel-Aviv-Mesße eröffnet, die sich dann von Jahr zu Jahr zu einem überaus wichtigen Faktor im ökonomischen Entwicklungsprozeß Palästina« und insbesondere Tel-Avivs gestaltete. Don ersten großen internationalen Erfolg brachte die im Frühjahr 1932 im Anschluß an die erste Makkabiade abgehaltene Levante-Messe, die schon damals als größte Messeschau dos Nahen Ostens bezeichnet wurde. An dor Ausgestaltung die«er Institution, die eine stilu lige sein wird und für die wirtschaftliche Entwicklung Tol-Avivs, ja de« ganzen aufstrebenden Landes, von ungeahnter Bedeutung werden kann, arbeitet Bürgermeister Dizengoff mit außerordentlichem Eifer. Auch bei seinem Wiener Aufenthalt Nahen Osten, die allen Kindern — ohne Ausnahme — Schulbildung gewährt. Dies ist um so bemerkenswerter, als die palästinensischen Landesgesetzc keinen Schulzwang kennen. Heute gibt es in Tel-Aviv 43 städtische und 18 private Kindergärten mit über 1838 Kindern, 10 städtische Volksschulen mit 129 Klassen, die von 5250 Schülern besucht werden, 20 private Volks- und Mittelschulen vom konservativen bi« zum modernen Schultyp, Reiigkxns- und Gewerbeschulen, Abendkurse für die arbeitende Jugend, spezielle Sprachkurse für Neueingewanderte, insgesamt sind es 92 Erziehungs- und Unterriohtsansta.lten mit über 12.000 Schillern (davon 61 Prozent Mädchen). Die Unterhaltskosten für das Schulwerk in Tel- A v i v für das Verwaltungsjahr 1934/35, der städtische Einnahmen in der Gesamthöhe von 200.000 Pfund vorsieht, genehmigt. Die Hälfte dieses Betrages soll au« Steuern und Lizenzgebühren eingeh en, ein weiteres Viertel betrifft die Einnahmen aus der Wasserabgabe, der Rest verschiedene kleinere Einnahmequellen. Hiebei -wird auch ein Beitrag der Palästina-Regierung in der Höhe von 12.000 Pfund in Anschlag gebracht. Die Einnahmen im neuen Verwaltungsjahr sind um 50.000 Pfund höher präliminiert als die Einnahmen de« letzten Jahre«. An Ausgaben sind für da« neue Verwaltungsjahr über 90.000 Pfund vorgesehen. In diesem Betrag sind 27.000 Pfund inbegriffen, die die Stadt zur Rückzahlung alter Anleihen GRAND-HOTEL PANHANS, SEMMERING tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrlidie Tennisplätze, Golfplatz. In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpcnhof". SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliche Familienpensioh. Aviv betragen 72.000 Pfund. Da« Schulbudget der Stadtverwaltung beträgt 18.000 Pfund, das durch die privaten und Regierungszußohüsse die Höhe von 50.000 Pfund erreicht. Der „Louvre“ von Tel-Aviv, die Lieblingsidee Dizengoffs Tel-Aviv« Bürgermeister, der seit dreißig Jahren in Palästina lebt und an jeder Entwicklungsphaso Tel-Avivs von ihrer Gründung an stärksten Anteil nimmt, ist fortwährend bestrebt, neue Ideen und Aktionen verwenden will, sowie die Ausgaben für das städtische Sanitäts- und Schulwesen. Gegen die Weltkonferenz für jüdisches Recht Jerusalem, 23. April. Oberrabbiner Kook und die Exekutive des Misrachi-Vorbandcs ha ben einen Aufruf erlassen, in dem sie vor Beteiligung an der Wcltkonferonz für jüdisches Rocht, die am Sonntag, den 22. April, in Tel-Aviv eröffnet wurde, warnen, ln dem Aufruf wird erklärt, daß die Veranstalter