Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 348 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rm Seite 4 DIE STIMME Nr. 348. - 27. April 1931 ZIONISTEN! JUDEN! GDUD Wollt Ihr eure Kinder vor Assimilation schützen? Wollt Ihr sie zu guten, auf« rechten Juden erziehen? Schicket eure Kinder in den jüdischen Jugendbund x Z’IRIM, Heime: II., Untere Augartenstrafie 35, VI., Loquaiplatz 11, IX«, Hörigasse 13, XV., Herklotzgasse 25, XVII«, Rotzergasse 10 nen Beriehtsperiode in seiner Schriftenreihe zwei neue Broschüren erscheinen lassen: E 1 y Strau ß: ..G eilt das J u d e n t u m u n t e rV" (Eine Entgegnung auf das koinmunistische Buch von Heller ..Untergang des Judentums") und in letzter Zeit eine Broschüre ,.D e r Z i o n i s m u s u n d nein Wer k“. Während der Berichtsperiode reorganisier t-en wir das lamlerskoniitee und das Organ „Die Stimme" vollkommen und können heute mit Genugtuung feststellen, daß diese Reorganisation nach jeder Richtung hin gelungen ist. ..Die Stimme“ erscheint zweimal wöchentlich. Schließlich übermitteln wir Ihnen folgenden Bericht d e 6 P a 1 ä s t i n a- Amtes: Das Palästina-Amt hat in der abgelaufencn Periode 451 Pensonen nach Palästina irnstradiert; diese verteilen sich wie folgt: Mit Zertifikaten der Jewish Agency (Arbeiter) 380 Personen, Touristen 61, mit Verwandtenzertifikaten 6, mit Eigenkapital 4 Personen. Nach Berufen verteilen sich die beim Palästina-Amte angemeldeten Reisewerber wie folgt: Technische Berufe 334, Baufach 282, freie Berufe 198, Landwirtschaft 159, Autoun.d Transportwesen 103, Installation und Heizung 61, Haushalt (Frauen und Mäd dien) 60, Lehr- und Erziehung&faeh 48 Druckerfach 34, Gastgewerbe 20 und Ge werbetreibende ^Schneider, Stricker, Schuh macher, Friseure, Bäcker, Hutmacher Fleischhauer, Kürschner, Ledergalanterie arbeiter) 465, zusammen 1764. Vor einem halben Jahre hat das Palä Stil m-Amt eine eigene Wirtschaft*? stelle gegründet, die von Volkswirtschaft lieh geschulten Fachleuten geführt wird; die in wirtschaftlichen Fragen vorsprech enden Parteien erhalten weitestgehende Beratung und Auskunft, Stell ungtsu oben de werden mit entsprechendem Adresoenmateriad versehen und eine umfangreiche diesbezüglich geführte Kartothek gibt die Möglichkeit, Ar beitgeber und Arbeitnehmer fallweise zusaminenzufithren. Der Parteienverkehr und die Korrespondenz sind sehr 1 umfangreich, die Arbeit wird aber dadurch erschwert, daß von den palästinensischen Wirtschaftsstellen authentische Wirtsohaftsbc richte nur spärlich und unregelmäßig einlangen. Nach einer längeren Debatte, an der die Delegierten Dr. Z. F. Finkelßtein, Präsident Dr. Friedmann, Dr. Karl E 11 i n g e r, Dr. Michaed S t e i n b e r g, Dr. 0 s t e rer, Adolf Böhm und Freibrunn teilnahmen, wurden die folgenden Resolutionen angenommen: Zur Frage der Erweiterung des Landesverbandes Die Landeskonferenz begrüßt die Verbreiterung des Landesverbandes und ermächtigt das Landeskomitee auf diesem Wege fortzuschreiten und der Delegiertenyersammlung zu berichten. * Zur Frage der Fonds Die Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes erklärt die nationale Kolonisation als einen wesentlichen Teil der Arbeit für den Wiederaufbau unseres nationalen Gemeinwesens E r e z Israel. Sie mißbilligt aufs schärfste alle Versuche, die Tätigkeit zugunsten der nationalen Fonds zu stören oder zu behindern und macht es den Zionisten Österreichs zur Pflicht, für Keren Kajemeth und Keren Haje s s o d eifrig zu wirken. Insbesondere erachtet die Landeskonferenz die Beteiligung an der Kfar Ussischkin - Aktion als Pflicht jedes Zionisten. * Zur revisionistischen Petitionsbewegung Die Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes bringt den Juden Österreichs neuerdings den Beschluß der zionistischen Exekutive betreffend Verbot einer Beteiligung an der Petitionsbewegung der Union der Zionisten-Revisionisten in Erinnerung und verbietet den Mitgliedern des Lan desverbandes die Petition zu fertigen. Die Landeskonferenz bedauert daher, daß es in Jerusalem nicht zu einer Verbreiterung der Exekutive gekommen ist. Die Exekutive hat mit dem Anträge auf Einführung der nationalen Arbitrage einen begrüßenswerten Schritt nach vorwärts getan. Die Landeskonferenz erwartet, daß die Exekutive — bewußt ihrer Stellung als Repräsentantin der ganzen Bewegung — alle Anstrengungen machen wird, um eine innerzionistische Befriedigung herbeizuführen. Insbesondere erwartet die Landeskonferenz die tatsächliche Neutralisierung der Histadruth Haowdim, die Durchsetzung der vom A. C. beschlossenen nationalen Arbitrage bei Arbeitskonflikten, die gründliche und rechtzeitige Vorbereitung einer Revision der Geschäftsordnung des Kongresses, die Reform des Schekelwahlrechtes und des Statuts der Jewish Agency. * Parteigericht: Dr. B i r n s t e i ti, Dr. S eh u h m a n n, Dr. G. Direktor W e 1t- 1 i n, Dr. G r o ß, Dr. K ä s, Dr. »S e h m e r- 1 e r, Dr. Henny L i e h t o n s (, o i n - R a pp a p o r t. Mit einem Schlußwort des Präsidenten Dr. Grünbaum, der um tatkräftige Mitarbeit hat, wurde diic Konferenz geschlossen. VMnmiiimimmmimiiimmmiiiiiiirimitinimmiimmiiiimimimmiiiiüniimiiimmiimnimniig Staatlich geprüfte Lehrerin der französischen Sprache erteilt Nachhilfeunterricht. S.St. II. Wolfgang Schmälzl-G. 3/5 Nationalsozialistisches Friedensangebot abgewiesen Der Kampf der ägyptischen Juden gegen den Nationalsozialismus geht dem d e u tsehen Gesandten in Kairo auf die Nerven. Außerdem wirkt sich der Boykott deutscher Waren stark aus. So ereigneto sich der bemerkenswerte Fall, daß der deutsche Gesandte in Kairo den jüdischen Führern in Ägypten ein Friedensanbot machte. Er stellte das Aufhören antisemitischer Angriffe seitens der Deutschen in Kairo in Aussicht, falls die Juden Kairos ihre Agitation gegen Deutschland einstellen. Dieses Anbot wurde von der ägyptischen Sektion der Liga gegen den Antisemitismus, wie „The Jewish Clironicle“ meldet, abgelehnt. In der Begründung heißt es, daß die Stellungnahme der Juden gegen Deutschland eine durch die Behandlung der Juden in Deutschland aufgezwungene Retorsionsmaßnahme ist, die aufhören würde, sobald die Juden Deutschlands wieder im Besitz der Gleichberechtigung sein würden. gMmmmmnnmiminimmnmnmmmmmnmimmnmiiiinmmmmiis CAPE VICTORIA AN SCHOTTENFOR Zur Frage der Landespolitik Die Delegiertenversammlung wird ermächtigt, den Beschluß des außerordentlichen Delegiertentages vom 12. Februar 1931 betreffend den Umfang des Tätigkeitsbereiches des Zionistischen Landesverbandes für Österreich ganz oder teilweise außer Kraft zu setzen. * Zur zionistischen Situation Die schwere Judennot und die Auswüchse des Parteienkampefs in der Zionistischen Organisation haben erschreckende Formen angenommen. Mehr denn je ist es die Pflicht aller Zionisten den Primat des ganzen Volkes zu vertreten und alle auf die Erhaltung und Festigung der Zionistischen Organisation gerichteten Bemühungen der Zionistischen Exekutive tatkräftig zu unterstützen. Dank an Dr. Z. F. Finkeistein Die Landeskonferenz spricht Herrn Gg. Dr. Z. F. F i n k e 1 s t e i n für seine jahrelange, selbstlose und erfolgreiche Arbeit als ehrenamtlicher Redakteur der „Stimme“ den besten Dank aus. Dank an die adonistischen Kultusmandatare Die Zionistische Landeskonferenz spricht den zionistischen Mandataren der Wiener Kultusgemeinde für ihre im Interesse der österreichischen Juden geleisteten Dienste den Dank aus. Hierauf erstattete Frau Dr. Sophio L öwenherz als Vorsitzende des Permanenzausschusses die folgenden W ahlVorschläge dio angenommen wurden. Zum Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich wurde Herr Dr. Oskar Grünbaum wiedergewählt. Ine Zionistische Landeskomitee werden entsendet: Direktor Hermann A pt e r, Dr. Paul Borger, Dr. G r ü n b o rg e r, Dr. H o r o w i t z, Akim L e w i t h, Ignaz Müller, Frau Sabine Paßweg, Dr. P1 a s c h k e s, Dr. P i c k h o 1 z, Dr. R e z e k, Dr. R o 11 e n b e r g, Mendel Teig und Dr. Wieselberg. Revisoren: Direktor Wilhelm Ep-? t e i u und Josef Schur. Verbandsanwalt: Dr. Leonhardt E k s t c i n. Obmann des Verbands geriehtes:Dr. Kybaczo wsky. WIEN I. SCHOTTENTOR f inmiiniinnniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiniiniiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiil Kommen Sie nach Deutschland! Derzeit wird in England eine reichlichst subventionierte deutsche Fremdenverkehrspropaganda betrieben. „Kommen Sic nach Deutschland!“ heißt es in den Plakaten und Prospekten. „In ganz Deutschland werden Sie eine freundliche Atmosphäre und dio herzlichste Aufnahme finden.“ Wie diese freundliche Atmosphäre und die herzlichste Aufnahme in der Praxis aussieht, berichtet Lord William C e c i 1 in einem Briefe an dio „T i m e s“. Sein Enkel saß mit einer deutschen Damo in einem Kaffeehaus in München. Dio Damo wurde von Nazis angOBtänkert, weil sio sich die Nase puderte. Als Lord Cecils Enkel die Dame in Schutz nahm wurde er von den Nazis zu Boden geschlagen und durch Schläge auf den Kopf fürchterlich zugerichtet. „Das scheinen ja wilde Tioro zu sein“, schreibt Lord C e c i 1 der „Times“, und er fügt hinzu: „Deutschland scheint derzeit kein Aufenthaltsort für aehtbaro Menschen zu sein.“ Solcho Abfuhren scheinen aber Goebbels nicht zu genieren. Er versendet in letzter Zeit eine neue prächtig illustrierte Zeitung in englischer Sprache an die Abgeordneten des englischen Unterhauses. Die Zeitung hat ein Riesenformat und ist 60 Seiten stark. Sin enthält durchwegs nationalsozialistische Propagandaartikel und verstreut in ihnen Angriffo auf die Juden. Dafür gibt ob also noch Geld in Deutschland, nicht aber zur Bezahlung der Auslandschuiden. beste Lage, großer schöner Garten, § fließendes Wasser, Bad im Hause, | komfortable Einrichtung mit und ohne | Wäsche, staubfreie Lage, in Sauer- 1 | brunn, Badgasse 15, billig zu ver- § | mieten. Tel. U 22-9-51. | g Ruhiger Aufenthalt - Keine Belästigung § ^iiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiml Demission des Präsidenten Dr. Ornstein Wie die Union österreichischer Juden mitteilt, hat Präsident Dr. Jakob Ornstein seine Stellen als Präsident der Union österreichischer Juden und als Vizepräsident der Wiener Israelitischen Kultusgemcindo wegen seines hohen Alters und wegen Arbeitsübcrbürdung nicdergelegt. Diese Aussendung der Union wird nicht verfehlen, wegen ihrer Begleitumstände allgemein Befremden zu erregen. .Sie erfolgte, bevor noch der Präsident der Kultusgemeinde Gelegenheit nehmen konnte, die Demission des Herrn Dr. Ornstein der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zuzuführen. Die besorgte Eile der Union, die nichts wichtigeres zu tun hatte, als bereits vorher, dio Demission ihres Präsidenten der Öffentlichkeit mitzuteilen, scheint tiefere Ursachen zu haben. Es ist nicht anzunehmen, daß Herr Dr. Ornstein von der Stätte seines lang«* jährigen Wirkens so ganz freiwillig scheidet. Wenn man überdies hört, daß die Demission des Herrn Dr. Ornstein wegen seines hohen Alters und seiner Überbürdung erfolgt sein soll und daß die Union trotzdem Herrn Doktor Ornstein für ein noch schwereres, aufreibendes Amt vorgeschlagen hat., wird man sich des Eindruckes nicht erwehren können, daß Herr Dr. Ornstein auf eino ungewöhnliche, kränkende und unverdiente Art und Weise abgesägt wurde. Diese Behandlung eines um seine Organisation und die jüdische Gemeinde so verdienten alten Mannes kann nur Bedauern hervorrufen. Antisemitische Eisenbahnexzesse in Rumänien Czernowitz, 24. April. „Gzemowitzer Morgenblatt“ berichtet, daß es in einem Waggon dritter Klasse des von Bukarest nach Czernowitz verkehrenden Schnellzuges zu schweren antisemitischen Exzessen gekommen ist. Jugendliche Exzedenten, die selber dem Fa.hrkartenkontrollor erklärten, sic hätten keine Fahrkarten gelöst, forderten alle Mitreisenden auf, sich zu legitimieren. Die jüdischen Reißenden wurden verhöhnt und tätlich m i ß h u n d o 11. Einer der Reisenden ersuchte das Bahnpersonal um Hilfe, dieses wollte sich aber um die Sache überhaupt KINOPROGRAMME DER WOCKE 11. Kotensterngasae 7a Telephon R 49-0-23 Leopoidstfldter Volhshlno Vom 27. April bis 3 Mal : Elisabeth Berguer In: „KATHARINA DIE GROSSE“ mit Douglas Fairbanka jun. Wochentags 7»6, 7*8, V410 Uhr, Sonnu. Feierlaga 7,4 Uhr nicht kümmern. Erst in Pascani konnten dio jüdischen Reisenden den Wagen verlassen. Auf der Fahrt Pascani—Czernowitz wiederholten sich in oinom anderen Wagen dieselben Szenen. Auch hier wurden jüdische Reißende tätlich attackiert, wobei einer der Exzedenten versuchte, einem Juden den Bart anzuzünden. In der Stadt R a d a u t z in der Bukowina wurde der Kaufmann Berl Schüler auf offener Straße von einem Trupp Ilakenkreuzler, offenbar Studenten, schwer mißhandelt und gezwungen, „Es lebe Cuza!“ zu rufen. Dann wurde Schüler mit Füßen getreten, wodurch er mehrfache schwere Verletzungen davontrug. Sein Zustand ist ornst.