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Die Stimme · 1934-04-24 · Heft 347 (24.4.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 347 (24.4.1934)
Date
1934-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 347 - 24. April 1084 Eine Statistik Eine ungarische nationalsozialistische Zeitschrift „Die Fackel“ veröffentlicht eine Statistik über den Prozentsatz der Juden auf dem Gebiet des Theater-, Musik- und Filmwesens in Ungarn. Es wird dargetan, daß die Juden in diesen Kunstzweigen zwischen 80 und 100 Prozent er Stellen besetzt haben. Diese Statistik ist bestimmt unrichtig, würde aber doch nur beweisen, daß die Magyaren diese von den Schwankungen des Publikums und des Geschmackes abhängenden und deshalb unsicheren Berufe meiden. Aber die „Reichspost“ findet, daß hier eine Monopolstellung des Judentums vorliegt, die „unertäglich und gefahrdrohend“ ist, Dazu doch die Voraussetzung gehören, daß „das Judentum“ die Arier oder die Turanier bewußt von diesen Geboten zurückhält. Aber das ist nicht zu erweisen und so bleibt man bei der Hetze. „Tag des südamerikanischen Judentums“ in Peru Lima, 19. April. In Lima wurde von der dortigen jüdischen Kolonie der „Tag des eüdamerikanischen Judentums“ gefeiert, der vor drei Jahren zum erstenmal als Symbol der Einigkeit des südamerikanischen Judentums eingeführt wurde und seither jährlich begangen wird. Bei der diesjährigen Feier hielten der Redakteur der Zeitung „Nos Ost-ros“ Robert Feldmann und Vertreter jüdischer Verbände, darunter der „Union Israelita de Peru“, dee ..Kulturzentrums“, des Schulyereines u. v. a„ Ansprachen. Polnische Hitler-Bewegung Warschau, 19. April. In der großen Partei der Nationaldemokraten, die in ihr Programm die Entrechtung der Juden aufgenommen hat, hat sich eine Spaltung vollzogen. Der jüngere Flügel der Partei hat sich von der Organisation losgelöst und konstituierte sich als eine eigene Partei, die den Namen „National-radikales Lager“ (Nationalsozialisten) führt. Ziel dieser neuen Partei ist, das nationaldemokratische Programm schärfer i m Sinne des Hitlerismus auezugestalten und namentlich die Bewegung zur Ausmerzung der Juden in Polen kräftiger zu betreiben. Das Programm dieser „Jungen Front“ der Nationaldemokratie Ist vollkommen von dem der deutschen Nationalsozialisten abgeschrieben. Während den Ukrainern und W e i ß r iu> s e n volle Bürgerrechte zuerkannt werden, wird mit Bezug auf die Juden bestimmt, daß diese nie und nimmer Bürger des polnischen Staates sein dürfen und — so lange sie überhaupt noch in Polen leben — als „Fremde“ ▲AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Tüchtige Weißnäherin übernimmt Wäsche zum Ausbessern, in und außer Hause, hat eigene Maschine. Frau Berta Steuermann, II., Gr. Schiffgasse 24/p behandelt werden sollen. Der Jude dürfe keinen Boden besitzen und keine Vermittlerrolle im Handel spielen. Juden haben kein Recht auf Arbeit und ihre vollständige Auswanderung aus den polnischen Ländern sei anzustreben. Entjudung der Städte sei Vorbedingung für die gesunde Entwicklung der nationalen Wirtschaft. Der Parteirat der „Alten Front“ der Nationaldeinokraten unter Führung des berüchtigten Judengegners Roman D m o wb k i ist unter dem Eindruck der Abspaltung der Jungen 'zu einer Konferenz zusammeugetreten, in der berichtet wurde, daß namentlich das „opportunistisch e“ Judenprogramm der Nationaldemokratie den Jungen nicht genügte. Es wurde beschlossen, die Zügel nicht aus den Händen zu geben, sondern Programm und Taktik so auszubauen, daß die Jungen in der Partei verbleiben können. Der Kampf gegen die Regierung des Marschalls P i 1s u d s k i und der Ausrottungskampf gegen die Juden werden demgemäß intensiviert werden. Nach Bekanntgabe des neuen Programms des nationaldemokratischen Parteirates hat die Regierung die Schließung des ältesten nationaldemokratischen Klubs in Warschau, in dessen Räumen die Konferenz stattgefunden hatte, verfügt. Inzwischen haben die jungen Nationaldemokraten in Polnisch-Oberschles i e n begonnen, das neue Judenprogramm durchzuführen. Trupps polnischer Nationalsozialisten blockierten in K a 11 o w i t z die jüdischen Geschäfte und hielten mit Gewalt die Käufer fern. Die Polizei verhaftete einige polnische Hitler-Leute. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich in einigen anderen Städten Polnisch-Oberschlesiens. Rohm über nationalsozialistische Revolution Berlin, 20. April. Bei einem am 18. April im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda stattgefundenen Empfang der Vertreter der Auslandspresse, zu dem auch die Botschafter von Großbritannien, Italien und der Sowjetrepubliken sowie die Gesandten und Geschäftsträger von Bolivien, Rumänien, der Tschechoslowakei, Argentinien, der Schweiz, Österreichs, Griechenlands, Irlands, Polens, Kolumbiens, Estlands, Panamas, der Türkei, Uruguays, Afghanistans, Venezuelas, Kubas, Norwegens, Jugoslawiens, Nikaraguas, Litauens und Lettlands erschienen waren, hielt nach einleitenden Worten des Reichsministers Dr. Goebbels, Reichsminister Stabschef Ernst Rohm eine große Rede über „Die nationalsozialistische Revotution und die S. A.“, in der er die nationalsozialistische Revolution als Aufkommen einer neuen Weltanschauung charakterisierte und dann ausführte: Für Übelmeinende sind die Konzentrationslager, ist die Ausrottung zersetzenden Schrifttums und undeutschen Kunstschaffens, ist die Rückführung der Juden auf den ihrem Bevölkerungsanteil entsprechenden Stand in den akademischen Benifen, ist die Säuberung der deutschen Presse von gehässigen Gegnern der Nationalsozialismus schlechthin! Alle diese Dinge sind vorgekommen. Ein paar tausend jüdische Intellektuelle samt ihren Familien haben ihre Existenz verloren. Ein paar zehntausend minderwertiger Subjekte, die ihr schlechtes Gewissen nicht schlafen ließ, ist der Boden des neuen Deutschlands zu heiß geworden; sie sitzen im Ausland, fallen dort der Mildtätigkeit zur Last und machen sich dadurch unbeliebt, daß sie durch ihre Hetz- und Schmähschriften gegen das neue Deutschland ihren Wirteländern Ungelegenheiten bereiten. Ein paar Dutzend Terroristen, deren sich der junge Staat versichert hatte, sind auf der Flucht aus den Konzentrationslagern erschossen worden. Aber was besagt das? Das sind bei Revolutionen reine Selbstverständlichkeiten! Im Gegenteil, es ist erstaunlich, mit welcher Milde die nationalsozialistische Revolution in Deutschland mit ihren Feinden und Hassern uragegangen ist. ★ Ausschließung jüdischer Schüler aus den Gymnastikschulen Berlin, 18. April. Um in allen dem Reichsverband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im Nationalsozialistischen Lehrerverband angehörigen Aiisbildungsstätten eine vom nationalsozialistischen Geist erfüllte Schuldisziplin sicherzustellen, hat die Verbandsführung angeordnet, daß 1. keine dem Reichsverband angeschlossene Ausbildungsstätte Juden zur Ausbildung aufnehmen darf, 2. keine in jüdischen Schulen ausgebildeten Arier Aufnahme in den Reichsverband finden, 3. keine Mitglieder des Reichs¬ Getarnte Weltjudenhetze der Nationalsozialisten Prag, 20. April. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der Verband deutscher antikommunistischer Vereinigungen den Namen „A n t i k o m i nt e r n“ angenommen und will nach dem Vorbild der kommunistischen Internationale eine Weltpropaganda durchführen, ohne daß dadurch die Hitlerregierung belastet wird. Daß sich die Tätigkeit der „Antikoraintern“ nicht im Kampfe gegen den Bolschewismus erschöpft, geht daraus hervor, daß ihr z w e i Institute zur Erforschung der Freimauerei und des Judentums angegliedert wurden. verbandes an jüdischen Ausbildungsstätten unterrichten dürfen. * Jüdische Schulen aufgelöst Berlin, 22. April. Aus verschiedenen Teilen des Reiches laufen Meldungen ein, daß jüdische Schulen infolge der schwierigen Finanzlage der Gemeinden aufgelöst werden mußten und daß die Lehrer, die oft jahrzehntelang an der Schule wirkten, der Not anheimfallen, da keine Mittel für die Auszahlung der Pensionen vorhanden sind. So wurden unter u. a. die seit 60 Jahreai bestehende Schule in Warburg, die in Borken, eine der ältesten jüdischen Schulen in Hessen-Nassau und die in Guxhagen, Bezirk Kassel, aufgelöst. Dr. Krüger-Heim, II., Malzgasse 7 Tel. A 48-0-77 >dinellkochfcurs Vegetarische und Weekendküche Anmeldungen sofort. Beginn Mittwoch, den 2. Mai. Streng rituell Der Pogrom in Gunzenhausen Prag, 22. April. Wie nachträglich mitgeteilt wird, stand der Pogrom in Günzenhausen vor dem Pessach-Fest unter dem Befehl des Ortsgruppenleiters Hans Beer. Im Verlauf des Pogroms wurden das Hotel des jüdischen Besitzers Strauß und das Cafe Waldmann vollkommen demoliert und auch mehrere Privatwohnungen devastiert. Die jüdische Bevölkerung hat bereits die Hoffnung aufgegeben, daß je eine Untersuchung gegen die Urheber des Pogroms und die Mörder des greisen Rosenau und des jungen Rosenfelder eingeleitet werden wird. ★ Wieder eine amtliche Greuelmeldung Berlin, 22. April. Der „Preußische Pressedienst der NSDAP.“ veröffentlicht einen Hinweis auf die vor einiger Zeit erfolgte Schließung des Warenhauses der W r o n k e r A.-G. in Frankfurt a. M., weil hierin ein treffendes Beispiel dafür zu orblicken sei, wio die Warenhausfrage gelöst werden könne. Bei dieser Gelegenheit werden Angaben darüber gemacht, inwieweit für die 445 Angestellten und Arbeiter dieses Warenhauses neue Beschäftigung geschaffen werden konnte. Die halbamtliche Korrespondenz teilt darüber folgendes mit: „Mit großer Tatkraft hat sich die NS.-Hago für die arbeitslos werdenden Volksgenossen eingesetzt, und es ist ihr gelungen, sofort 385 Angestellte und Arbeiter in anderen Stellungen unterzubringen. Ein Teil der älteren Angestellten konnte sich selbständig machen, da der Garantieverband der Handelskammer die Bürgschaft für die aufgenommenen Kredite übernahm. Der Rest der nicht in Arbeit gebrachten Angestellten besteht größtenteils a u s jüdischen Abteilungsleitern des Warenhauses. Ein Ausverkauf der Warenbestände fand nicht statt, vielmehr wurden diese von den einzelnen Berufszweigen übernommen.“ ★ Der jüdische Handel ln Deutsch- Oberschlesien Der „Völkische Beobachter“ vom 14. April berichtet über eine Sitzung der Einzelhandelsvertretung bei der Industrie- und Handelskammer der Provinz Oberschlesien. Der erste Vorsitzende, Klose, sagte, in Oberschlesien sei die Säuberung des Einzelhandels von ungeeigneten Elementen um so notwendiger, da nach Schätzungen in den letzten Jahren etwa 11.000 „sogenannte Kaufleute“ über die Ostgrenze aus Galizien nach Oberschlesien eingewandert seien. Leute aus aller Herren Länder, die keine Ahnung von ehrbaren kaufmännischen Angelegenheiten haben, vernichten durch Sehleuderangebote die Existenz vieler deutscher Kaufleute. Durch die Einführung der Hand eis karte werde künftig ein schrankenloses Hereinströmen in den Einzelhandel'verhindert werden können. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Oberschlesiens, Radmann, wies darauf hin, daß man zwei Fronten in Oberschlesien beachten müsse: einmal die weltanschauliche und rassische Front und auf der anderen Seite die grenzpolitische. ★ „Nacht der langen Messer“ für die Juden im Saargebiet? Die führende demokratische Zeitung „Politiken“ veröffentlicht einen Bericht über die Rede des nationalsozialistischen Führers Scherrer, die dieser in Dillingen über die Pläne der NSDAP, im Saargebiet gehalten hat. Scherrer sagte unter anderem: „Nach dem Plebiszit im Jahre 1935 wird unsere Partei in einem Zeitraum von 24 Stunden im Saargebiet einen exemplarischen Rassenfeldzug durchführen. Wir haben den Führer um 48 Stunden gebeten, aber nur die Hälfte erhalten. Brüder, haltet eure Fäuste bereit; wir werden keine Sekunde verlieren dürfen, wenn wir an einem einzigen Tag die Arbeit vollenden sollen, für die kaum viele Tage genügen würden.“ Ar Was amtlich gemeldet wird Das Staats presseamt gibt bekannt: „Der 27jährige jüdische Kaufmann Willi Bendorf aus Ober-Ramstadt wurde zum Schutze seiner eigenen Person am 11. April dem Staatspolizeigefängnis zugeführt, weil er mit der 17jährigen Deutschen Emma Katharina Kehr aus Ober-Ramstadt. geschlechtlich verkehrt hatte. Der Name der Kehr wird deshalb veröffentlicht, weil sie dem Begehren des Juden keinerlei Widerstand entgegensetzte und damit ihre Pflichtvergessenheit gegenüber ihrer Rasse zum Ausdruck brachte.“ Deutsch-jüdische Schule in Schweden Eine Schule für jüdische Kinder aus Deutschland wird am 1. Mai atif einem Bauernhof in der Gemeinde H ö gs e r ö d in der südschwedischen Provinz Schonen eröffnet. Unter der Leitung von Dr. Ludwig P o s e n e r hat eine Interessengemeinschaft vorläufig auf die Dauer eines Jahres das Gehöft mit Garten und einem größeren Stück Land gepachtet, um hier die Kinder nicht nur in den üblichen Schulfächern, sondern auch in Gartenarbeit und anderen praktischen Arbeiten zu unterrichten. Es werden 50 bis 100 Kinder hier Aufnahme finden. Aus dem Dritten Reich lllllllllllllilllllllllllllin HERZL-ABEND Sektion Döbling, XIX., Billrothstraße 49, Cafö Döblingerhof, Dienstag, 24. April, 8 Uhr abonds Gedenkrede: Prof. Dr. Wilhelm Stein Aus Herzls Schriften: Oskar Teller Musikalischer Teil: Violinvirtuose Kurt Fuchögelb Am Klavier: Klaviervirtuose Walter Spitz

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