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Die Stimme · 1934-04-24 · Heft 347 (24.4.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 347 (24.4.1934)
Date
1934-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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■». •v'tf.JV.V. «n. Saft« 2 DIE STIMME Nr. 247 — 24. April 1081 erst als er die Scharniere an verschiedene Unternehmer liefern wollte, wurde die Annahme wehren de> deutschen Ursprung“» der Ware verweigert. So sah er sich genötigt., die ganze Warenlieferung der Utility Products Company zuriiekzugchen. Der Richter um Munizipalgericht, Harold P. Künstler, gab Haies reeht und wies die Klage der Company zurück. London, 18. April. Im Rahmen der von der englischen Judenheit beschlossenen zweiten großen Sammelaktion zugunsten des Hilfswerkes für deutsche Juden wurde am 15. April in London ein .,Tag der deutschen Judenheit“ veranstaltet, an dem jüdische Führer aller Dichtungen, unter ihnen Sir Osmond d’Avig* dor Goldsmid, Neville La«ski, Claude Monteßore, Leonard Montefiore, Lord Melchett und Chief Rabbi Dr. H. H. Hertz, ferner Lord Strabolgi (Oberst. Kenworthy), Lord Erleigh und Colonel Wedgwood in sämtlichen Synagogen Ansprachen hielten and auf die Notwendigkeit, das Hilfswerk für die deutschen Juden innerhalb und außerhalb Deutschlands fortzusetzen, hinwiesen. Die Versammlungen fanden während des ganzen Tages statt, viele Redner sprachen nacheinander in mehreren Synagogen. Der Leiter cler Aktion Lord Melchett sagte, daß im Zuge der neuen Aktion bereits J0Ü.000 Pfund gezeichnet wurden, also mehr als bei der ersten Sammelaktion im gleichen Zeitabschnitt, und daß zu hoffen sei, die neue Kampagne werde das Gesamtergebnis des Vorjahres, in (lern insgesamt 200,000 Pfund aufgebracht wurden, wesentlich übertreffen. Der Internationale Status der Staatenlosen London, 18. April. In der am 16. April, nachmittags, abgehaltenen Sitzung des Unterhauses wiederholte Abg. Geoffrey Mander die in der vorigen Woche vom Abg. Graham White an den Außenminister gerichtete Anfrage über die letzten vorliegenden Nachrichten, betreffend die Konvention über den internationalen Status der durch Auswanderung staatenlos Gewordenen. In Beantwortung dieser Anfrage erklärte Außenminister Sir John Simon, die Konvention sei bisher von Belgien, Frankreich, Ägypten, Ungarn und Norwegen unterzeichnet worden. Die Unterzeichnung sei jedoch seitens aller dieser Staaten unter zahlreichen Vorbehalten erfolgt und keiner von ihnen habe bisher die Konvention ratifiziert; sie sei demnach nicht in Kraft getreten. KIHOPROGR AMME DER WOCHE Leopoldstädter Volkskino Telephon8Rr"f4)-P 8 Vom 24 bis 20 April Kfiihe v. Nagy u. Wolf Albach*Ito<t)r Int „Einmal eine große Dame sein“ Wochentags */»6. '/,S, '/tlü Uln, Sonnu. CelortaRB V»4 Uhi Schändung der Synagoge in Oslo Oslo, 20. April. Die Presse der norwegischen Hauptstadt Oslo berichtet Uber die Schändung der Oslöer Synagoge in Bjergstlen 18 und spricht dabei die bestimmte Vermutung aus, daß es deutsche Nationalsozialisten gewesen seien, die durch eine solche Provokation die Aufmerksamkeit auf «ich lenken wollten. Die Zeitungen bemerken weiter, der Käuferstreik des arbeitenden norwegischen Volkes gegenüber deutschen Waren werde durch derartige Provokationen keineswegs gemildert werden. Das Portal und die Mauer der Synagoge waren ilbersät mit rot, blau und weiß (Landesfarben) gemalten Hakenkreuzen, die große Mossingklinke war umgedreht, ein Bunin im Garten war verwüstet, von dorn Eisenportal war die eino Hüllte entfernt, und weit weggetragen, sö daß anzunehmon i«t, daß kräftige Hände am Werke waren. in Kapstadt dem General diesen Entschluß. In einem Brief an General Srnuts sagte der Präsident dor Zionistischen Föderation, Dr. I. L. Landau, daß Großbritannien durch die Namen Lord Balfour und Lloyd George für immer mit Palästina verbunden sei. General Smuts richtete äfl Dr. La n d a u daß folgende Antwortschreiben Lieber Doktor Landau! Ich bin tief geehrt durch den Entschluß der* Südafrikanischen Zionistenorganisation, daß e i n Landstrich in Palästina nach mir benannt werden soll. Mit der zionistischen Bewegung so verbunden zu sein, empfinde ich als seltene Au sz eie h n u n g und bin tief bewegt durch das großartige Gefühl. das diesen Entschluß inspirierte. Meine Arbeit für den. Zionismus war von Anfang an von Liebe und Zuneigung bestimmt. Die Dienste des kleinen jüdischen Volks an die Menschheit waren unvergleichlich groß und unsere westlic he Zivilisation lebt heute größtenteils von den Er leuch tu nge n j ü d ls eher Propheten und Seher. Daß so ein Volk durch Jahrhunderte im Exil und fern von seiner natürlichen Heimat leben soll, -war eine historische Anomalie und. eine Ungerechtigkeit, die gutgemacht werden mußte. Daher meine Verbindung mit der Wiedergutmachung dieses Unrechtes durch die Deklaration des Nationalstaates Und mein tiefes Interesse für die Ausführung dieser Deklaration. Diese Deklaration war d i e w e r tv ollste Errungenschaft des W eltkrieg es und läßt vieles andere dieser Zeit vergessen machen. Heute ist der Erfolg augenfällig. Jüdische Einwanderer und jüdische Generosität haben aus Palästina das aufblühendste Land der Alten Welt gemacht. Mit der Beständigkeit und Hartnäckigkeit, für die das jüdische Volk berühmt ist, wird dieser Prozeß sich fortsetzen, bis sich die Prophezeiung des Propheten erfüllt hat und die glorreiche Rückkehr vollzogen sein wird. Religiöse Erneuerung Wie berichtet, hat die „R e i c h s p o s t“ am 11. d. einen Antrag der Agudas Jisrael-Jugendgruppe Leopoldstadt abgedruckt, der unter Berufung auf den Schuldhaft Aruch den Rücktritt dos Vorstandes der Kultusgemeinde fordert und um dies zu erzwingen, eino Vorsprache beim Bundeskanzler anregt. Die „Reichspost“ hat dann mitgeteilt, daß der Antrag aus formalen Gründen in der fraglichen Generalversammlung nicht eingebraoht worden ist. Die „Jüdische Presse“ berichtet nun, daß der Vorsitzende der Laüdesversammlung de« „Verbandes agtidistischer Jugendvereinigungen“ am 15. d. erklärt habe, daß sich die thoratreue Jugend Österreich« mit dom Inhalt diesos Antrages vollkommen identifiziere; das ist ein bißchen zu viel gesagt. Denn von dieser thoratreuen Jugend wäro die Misraohi-Jugend abzurechnen, dio sich mit einer Messirah bestimmt nicht identifiziert. Der Bericht ist aber auch unrichtig. Denn in einer Zuschrift an das Präsidium der Kultusgemeirido erklärt der Vorsitzende, daß der Antrag gar nicht eingebracht worden ist, und fährt dann fort: „Der Weg, den die Antragsteller ohne unser Wissen besch ritten haben, widerspricht den disziplinären Regeln unserer Organisation, was hiomit klar zum Ausdruck gebracht werden soll. Sollte ein ordnungsgemäßer Antrag bei dor Wiener Jugondgruppe eirdaufen, wird ihn dieselbe mit Ernst behandeln und ihn wahrscheinlich den zuständigen jüdischen Instanzen zuweisen.“ Das klingt doch anders als die Mitteilung der „Jüdischen Presse“. Das Blatt kftttpft dann an dio Angelegenheit eine Reihe vön Bemerkungen, die erkennen lassen, wie gut eich diese Herren folgen. Nun, da cs die Basis in der alten Heimat gefunden hat, kann es mit unerschütterlichem Vertrauen in die Zukunft schauen. D äs nationale tt ei. n\ w i r d w i ed c r er b au t w er d e n, wie der T e mpel nach seiner Zerstörung. Die Wüste wird durch die geistigen Quellen befruchtet zum Wolde des geistigen Lebens der Nachkommen. Die Jesaia, Spinozas und Einsteins werden einmal die führenden Leuchten auf dem menschlichen Pfad sein. Ich nehme dankbar u n d gerührt, die Ehre an, meinen Namen auf die Karte des Heiligen Landes zu vereungen. Präsident Sokolon wird gegenwärtig in Südafrika erwartet. In Johannesburg wird eine Feier veranstaltet werden, bei der General Sinnt« die Urkunde überreicht, werden wird. * General Smuts bei der Grundsteinlegung einer Synagoge in Kapstadt Kapstadt, 20. April. Am 18. d. fand die Grundsteinlegung zur neuen Kapstädter Synagoge statt. Bei der Feier hielt der Justizminister und ehemalige Ministerpräsident von Südafrika General S in u t s — Oberstkommandicrender der südafrikanischen Truppen im Weltkrieg und später Mitglied des britischen Reichskabinetts — eine Ansprache, in der er unter anderem erklärte: „Ich bin fest davon überzeugt, daß der Antisemitismus bei uns nicht erfolgreich sein wird. So lange ich Justizminister sein werde, wird es gleiches Recht für alle geben. Es wird in Südafrika nicht zu Zurücksetzungen und zur Errichtung eines Ghettos kommen. Den südafrikanischen Juden braucht es um ihre Zukunft nicht bange zu sein.“ Zum Schlüsse gab General Smuts seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Entwicklung letzten Endes überall zu einer Rehabilitierung der Juden führen werde. ln dio gegenwärtig herrschende Terminologie hineingelesen haben. Da findet man die „faule, innerlich morsche Demokratie“, den „jüdischen Liberalismus und die noch wilderen Ausartungen des jüdischen Nationalismus“, „eingerostete freidenkerische Vorurteile“ und den „religiös-autoritären Gedanken“. Dann wimmelt es von, sagen wir, B e h a u p t u n g o n. Es wurde ein junger, bestqualifiziortor Mann zur Roligionslohrorprüfung nicht zugelassen, nur deshalb, weil er strenggläubig ist. Das ist unwahr, denn in dem hier angozogenen Fall hat der Mangel der österreichischen Bundesbürgerschaft und nichts anderes entschieden. Die Jugendgruppe bekommt keinen Groschen Subvention; sie bekommt nur lumpige 400 S für ihre Bibliothok. Auch das ist unwahr. Dio Jugondgruppe hat 800 S, also doppelt so viel erhalten, und zwar sowohl für die Bibelschulc als auch für die Jugondbündo. Dann wird erzählt: Die strenggläubigen Juden erfahren bei dor Steuerbomcssung weniger Schonung und ihre Rekurse werden niemals günstig erledigt. Dagegen haben die Zionisten das Frauenwahlrocht dekretiert. Alle dieso Behauptungen bilden dio Basis für die folgende Drohung: „Und wird cs nicht in und mit dor Gemeinde gehen, so wird es nobon und außerhalb der Gemeinde geschoben! Die Zeit, in dor roligiöso Menschen dom Gewissenszwang Irreligiöser auagullefcrt sind, ist unwiederbringlich vorüber. Entweder wird die jüdische Gomeindo r o 1 i g i ö s oder wir sohalTen uns dio se 1 bßtä nd i go religiöse Gemeind e.“ Wir unterlassen os, dieso Ankündigung zu qualifizieren. Die gunzo Sache ist ein Versuch, die Methoden dor slowakisch-j tt dis chen Orthodoxie nach Österreich zu verpflanzen. Das wird die Wiener Judenschaft nicht dulden. Religiöse Erneuerung stellt man sich hierzulande anders vor. Der Bundeskanzler über religiöseToleranz In Währing fand die Grundsteinlegung zu einem Erweiterungsbau der Pfarrkirche statt, an der auch Bundeskanzler Dollfuß teilnahm. Der Bundeskanzler sprach über dio Bedeutung des religiösen Lettens und sagte unter anderem: „Als Katholiken sind wir allen, auch anderen religiösen Ans c. h n u u ng“cn gegenüber, tolerant, wie cs die Vorschriften unserer Religion verlangen. Aber wir wollen, daß auch das knth Jisclie Leben von allen Seiten geachtet werde, ja, wir sind überzeugt, daß wir nach den Grundsätzen, nach denen unser Volk groß und stark geworden ißt-, zu einem Knlf’rvolk wurden, bei dem sich deutsches Volkstum und christlicher katholischer Glaube vermählt. haben.“ Einheitlicher Rahbinlseher Rat für Palästina Jerusalem, 19. April. Ober die Vorschläge zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen der öffentlich-rechtlich anerkannten Organisation der palästinensischen Judenheit, der Kneseeth Israel, und den in der Aguclath Israel zusammengefaßten, streng orthodoxen Juden, die die Anerkennung als Sondergemeinde anstreben und die Rechtsprechung des Rabbinischen Rates der Kneseeth Israel bisher abgelelmt haben, werden der Jüdischen Telegraphen-Agentur Einzelheiten mitgeteilt, die in den Besprechungen festgelegt wurden, bei denen im Auftrag der Palästina-Regierung ihr Chefsekretär als Unterhändler mitgewirkt hat. Grundlage des Verständigungsvorsehlage;- ist dio Beibehaltung de« einheitlichen, öffentlich anerkannten Rabbinischen Rates für dio gesamte jüdische Bevölkerung Palästinas. Doch soll der Rat dadurch eine Umbildung erfahren, daß drei von seinen zehn Mitgliedern (mit Ausnahme der beiden Oberrabbiner) Mitglieder der Agudath Israel sein können. Einen der für dio Agudath Israel reservierten Sitze soll der Oberrabbiner der Aguda erhalten. Im Zusammenhang damit soll vom Rabbinischen Rat die Zuständigkeit der religiösen Gerichte der Aguda für diejenigen Mitglieder dieser Organisation, die aus der Knesseth Israel ausgetreten sind, in derselben Wei3e anerkannt worden, wie die in der Jüdischen Gemeindoordnung vom Jahre 1927 festgelegte Gerichtsbarkeit der Gerichte dör Knesseth Israel über deren Mitglieder. Ferner sollen neben den bisherigen Rabbinern a g u d i s t i s c h e Rabbiner in denjenigen Gemeinden bestellt werden, in denen 25 Prozont der jüdischen Bevölkerung oder mindestens 50 Gomcindemitglieder der Aguda angehören. Religiöse Gerichte der Aguda sind dort einzusetzen, wo mindestens 400 erwachsene Agudisten leben. Auch soll Vorsorge dafür getroffen werden, daß dio Aguda bei allen vom Rabbinischen Rat der Regierung vorgelogtoil und die Aguda bötreffenden Angelegenheiten entsprechend vertreten sei. Die agudistischen Mitglieder des Rate« werden die Aufsicht über die agudistischon religiösen Gerichte führen. Das Wahlmänner-Kollogium für den Rabbinisclion Rat soll künftighin zu 25 Prozent aus Agudisten bestehen. Dem Kollegium werden 60 Prozent Rabbiner und 40 Prozent Laien angehören. Die Wahl der Rabbiner der Knesseth Israel wird jedoch! nur auf Grund eines von dieser Körperschaft erstatteten Wahlvorschläges erfolgen, ein analoger Vorgang ist für die Wahl aer Aguda-Rahhiner vorgesehen. Man erwartet, daß der neue einheitliche Rabbinische Rat Staatlich geprüfte Lehrerin der französischen Sprache erteilt Nachhilfe« unterricht. S. St. II. Wolfgang SchmälzbG. 3/5 Wichtig für Polenrelsende. Zu Pfingsten findet vom 17. Mai bis 4. Juni eine besöndors billige Reiße nach Pölon statt. Wegen Platzreservierung ist es notwendig, sieh schon jetzt anmeldon zu wollen. Auskünfte unrl Anmeldungen: Polnisches Vorkohrsbureäu „Francopol'1, Wien, ITT., Heimweg l, Telephon U16-4-90. General Smuts über das jüdische Nationalheim Wie seinerzeit berichtet, hat die südafrikanische zionistische Föderation beschlossen, den Namen des General Smuts zum Dank für seine Verdienste um die zionistische Bewegung durcii Benennung eines Landstrichs in Palästina zu verewigen. Eine Abordnung der Föderation überbrachte vor einigen Tagen Es gibt heule Manches in der Situation der Juden, das b e n n ruht g c n d, j a s og a r c r r c g e n d ist. Aber das Volk, das der Welt die wert vollsten Güter und Erkenntnisse gegeben, hat. kann durch solche gelegentliche Rückschläge nicht gefährdet werden. Es wird seinem Stern bis ans Ende „Tag der deutschen I Judenheit" in London

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