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Die Stimme · 1934-04-20 · Heft 346 (20.4.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 346 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 346. — 20. April 1034 Dr. Chaim Tartakower i Zurück zu Herzls Einheitsorganisation Die Parteieuzersplitterung und die Par teionkämpfe untergraben den Bau der Zionistischen Weltorganisation. Ich will nun zusammen mit Gg. Gustav S e i d e m a n und anderen zionistischen Freunden, dar unter auch mit einem zionistischen Jugend btmd, einen konkreten Versuch machen, tun in einer neuen Organisationsform den Fluch der Parteizerklüftung zu überwinden. Wir bilden eine zionistische Gruppe mit Namen „0 m e r“ (die Garbe) innerhalb des zionistischen Landesver b a n d e s. Wir sehen in diesem und dessen Exekutive, dem Zionistischen Landes komitee, die historisch gegeben Form des Zionismus. Wir unterwerfen uns dem zionistischen Landeskomitee, aber nicht irgendeiner Partei, weil wir jed Partei im Zionismus ablehnen Ens erscheint die Quelle allen Unglückes in der „Partei“ als solcher zu liegen. Wir meinen, daß der „Omer“ eine breite Platt form für alle Zionisten bietet, die ehrlich den Zionismus wollen, aber die Zugehörig keit zu einer „Partei“ ablehnen. Die Gruppe, die von uns geschaffen wird, lehnt jede Ideologie ab, weil s-ie nichts so per phorres-ziert, als ihre Mitglieder auf Programme festzulegen un~ eine Partei zu bilden. Sie will dem organisatorischen Chaos steuern und versuchen, eine neue Form einer echten zionistischen Zelle zu schaffen. Sie wird zwei Arten von Mitgliedern haben: Ordentliche und Hospitanten. Ordentliche Mitglieder müssen in erster Linie Pflichten erfüllen, und zwar: 1. Jährlich einen Schekel erwerben, 2. den Organisationsbeitrag zahlen, 3. Keren-Hajessod; Frauen: Keren-Hana- 8chim leisten, 4. Keren-Kajemeth-Selbstkontingent aufbringen, 5. jährlich mindestens ein hebräisches Buch erwerben. Nur Personen, die diese fünf Pflichten erfüllen, die ja kardinale zionistische Pflichten sind, ohne die die Zionistische Organisation nicht bestehen kann, werden bei uns Rechte haben. Die Verpflichtung, mindestens ein hebräisches Buch jährlich zu erwerben, ist neu, aber zionistisch lebenswichtig, weil hebräische Kultur und Zionismus zusammengehören. Die Zionistische Organisation kann nicht züsehen, wie die hebräische Literatur verdorrt, weil das hebräische Buch keine Leser und keine Käufer hat. Es muß uns leicht gelingen: 500 regelmäßige Käufer hebräischer Bücher in Wien allein zu gewinnen und wir sind überzeugt, daß unser Beispiel Nachahmer finden wird. Hospitanten werden an allen Veranstaltungen (vor allem an den regelmäßigen wöchentlichen Zusammenkünften) teilnehmen können. Sie werden Schekel kaufen und eine Keren-Kajemeth-Büchse haben müssen. Alle anderen Rechte der Gruppe bleiben ihnen versagt, solange sie nicht alle anderen zionistischen Pflichten e t f ü 1- 1 e n. Wir wollen das Zionist-Sein nicht leicht machen. Die wöchentlichen Zusammenkünfte werden an ein für allemal festgesetzten Tagen sfcattfinden. Die Führerschaft der angesohlossenen Jugendgruppen werden an diesen Zusammenkünften teilneihmen. Das Programm dieser Zusammenkünfte wird umfaesen: Einen kurzen Bericht über Erez-Israel. Einen kurzen Bericht über die hebräische Bewegung. Vorlesung aus der hebräischen Literatur in deutscher Sprache. Pflege des gemeinschaftlichen hebräischen Gesanges. Referate über aktuelle zionistische und hebräische kulturelle Fragen und Diskussionen. Wir werden uns bemühen, das Programm mit eigenen Kräften zu bestreiten. Wir werden auch Vertreter von zionistischen Richtungen zu Referaten einladen und ihnen die Möglichkeiten geben, i n einer Atmosphäre der Ruhe und Sachlichkeit sich auszusprechen. Die Leitung wird vornehmlich aus Referenten entsprechend den zionistischen Pflichten bestehen. Nur Personen, die selbst alle Pflichten erfüllen, werden in die Leitung kommen können. Technische Fragen werden nur in Komitees von 2 biß 3 Personen entschieden werden, niemals aber in großen Ausschüssen, oder gar in den Plenarversammlungen. Mitgliederversammlungen dienen in erster Linie geistigen Dingen. Die Mitglieder müssen das Gefühl haben, daß sie geistig gewinnen, wenn eie an den Zusammenkünften teilnohmen. Daher wird der zionistischen und hebräischen Literatur viel Platz eingeräumt werden, nicht zuletzt dem gemeinsamen hebräischen Lied. Wir wollen ehrlich versuchen, die geisttötende „hochpolitische“ Vereinsmeierei auszumerzen. Jedes Mitglied wird organisatorisch in einer Fünferschaft erfaßt werden. Der Leiter derselben wird den Referenten für die Erfüllung der zionistischen Pflichten verantwortlich «ein. Vielleicht wird es gelingen, diese Fünfergruppen zu geistigen Arbeitsgemeinschaften auszubauen. Wir wollen zusammenfassend sagen: Die neue Gruppe will Zionisten z»usammenfassen, die in erster Linie ihre zionistischen Pflichten (dazu gehört die hebräische Kultur bedingungslos) ernst nehmen und sie will sich bemühen, ihren Mitgliedern eine Stätte ernsten geistigen Genusses zu verschaffen. Vielleicht gelingt es uns, eine Musterzelle zu schaffen, von der der Anstoß zur Reformierung der zionistischen Organisation und Bewegung an Haupt und Gliedern ausgeht. Boden - Boden - Boden Von Dr. Ignatz Schwarzbart So oft ich an TJssischkin denke, ersteht in meiner Erinnerung eine durch die Entfernung von zwanzig Jahren schon umnebelte Szene des IX. Zionistenkongresses in Wien, eine nicht endenwollende Ovation der Delegierten und des Publikums. Mehrere Minuten lang durchbrauste den schönen, großen Kongreßsaal so elementare Freude, daß ich den Widerhall noch heute empfinde. Tausende von Händen erheben sich wie Fahnen, die im Triumph getragen werden. Auf der Tribüne eine mächtige, wie aus Granit gehauene Gestalt, scheinbar ruhig, als ob dieser Jubel nicht ihr gelte. Die Wellen der Ovation senkten sich aufs neue und schwollen an, als ob sie sich an dieser monumentalen, hartnäckige Entschlossenheit symbolisierenden Gestalt brechen wollten. Sie umbrausten den 50jährigen Ussischkin, der soeben den Beschluß über die Gründung der Hebräischen Universität in Jerusalem und die erste große Spende für diesen Zweck verkündete. Die Hebräische Universität wurde damals zum Symbol der Sprengung der Fesseln, ein Manifest unseres Willens, gleichen Schritt zu halten mit anderen Völkern. Wie vieles im Zionismus, so schien auch die Universität ei nnie zu verwirklichender Traum. Wie vieles im Zionismus, wurde auch die Universität durch Optimismus, Entschlossenheit, Zähigkeit, Fanatismus und grenzenlose Liebe Wirklichkeit. Die stärkste Personifikation dieser Elemente des Zionismus ist Ussischkin, ein hartnäckiger, unbeugsamer Fanatiker der Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Deswegen umbrauste ihn die Freude über den ersten Baustein für die künftigen Fundamente der Universität in Form einer spontanen, elementaren, bis zur Weißglut entfachten Ovation. Nach zwanzig Jahren sitzt Ussischkin beim 18. Kongreß wiederum am Präsidententisch. Sein Haar stark grau meliert, der Ausdruck der Ermüdung auf dem Gesicht, sitzt er still, als würde er den Schritten der Zeit nachlauschen, die erbarmungslos die Jahre vorwärts treibt. Er wirkt nicht mehr so unbeugsam wie einst. Milde ruht sein Blick auf dem Kongreßsaal, aus dem ihm Dankbarkeit, Liebe und Huldigung entgegenströmen — heute hat er das 70. Lebensjahr vollendet. Legt er in Gedanken den großen Weg seines Lebens zurück, zieht er die Bilanz dieses Lebens und gedenkt dabei auch der bitteren Stunden, die ihm in der Arbeit für den Zionismus nicht erspart blieben? Vielleicht erinnern ihn die vor ihm liegenden Rosen an die Dornen seines mühevollen Weges. Damals empfanden alle, daß dieser stolze, aber traurige und deswegen uns vielleicht noch nähergerückte Mensch — Menahem Ussischkin, der Ingenieur — in Wirklichkeit Baumeister des herrlichsten Gebäudes sei, das je ein Ingenieur ersinnen konnte: das Gebäude eines neuen Daseins für sein Volk. Groß sind die Errungenschaften von Ussischkins Leben. Er kann, wie kaum ein anderer, von sich behaupten, daß seine Devise die Tat ist. Er verachtet die Phrase. Er baut ununterbrochen, täglich, stündlich, seit mehr als 40 Jahren. Er meidet Politik und baut mit grenzenloser Liebe die inneren Kräfte seines Volkes auf. Jeder Gedanke, jede Stunde war und ist der Beseitigung des Bodenmangels gewidmet, der die Quelle unserer furchtbaren Tragödie ist. Auf dem VI. Kongreß war Ussischkin der Tribun des Zionismus. Klar Umrissen, stark — ein Fels. Später stützte und baute er den Geist seines Volkes und seit Jahren weckt er das Bewußtsein der Juden durch den Ruf: Boden, Boden, Boden! Er lebt nur diesem Gedanken. Er reiht Fläche an Fläche, mit der Liebe eines Vaters entreißt er sie dem Nichts und schenkt sie den kommenden Generationen. Mit überaus kluger Strategie, die in die Tätigkeit des Keren Kajemeth Planmäßigkeit, Zielbewußtheit und Vorsicht gebracht hat, blickt er in die Zukunft des jüdischen Volkes. Einst wird die Zeit kommen, in der man die tiefe Staatsidee, die in der Tätigkeit Ussischkins auf dem Gebiete der Wiedergewinnung des verlorenen Bodens zum Ausdruck kommt, voll würdigen wird. Wir sind stolz, einen Mann wie Ussischkin in unserer Mitte zu haben. Wir lieben ihn. Heute sollen wir diesen großen Juden ehren. Wir werden das am besten tun durch die Erlösung einer neuen Bodenfläche für kommende Generationen, auf der Kfar Ussischkin entstehen soll. Ussischkin verlangt nichts für sich. Erfüllen wir in Dankbarkeit seine warnende Forderung: Boden, Boden, Boden! Errichten wir ihm ein Denkmal aus dem Material, das dem heimatlosen Volke am meisten fehlt, aus lebenspendender Erde, lebenden Generationen bestimmt. Möge nicht ungehört unserem Gewissen die Stimme ertönen: Boden, Boden, Boden! Feierstunde! Wenn ich durch die Straßen gehe Im beschmutzten Arbeitskleid, Atmet meine Lunge freier, Freude spannt die Brust mir weit. Mit gestrafftem Rücken spür' kh Baden, meinen Heimatboden, Den im Schweiße ihrer Arbeit Männer meines Volkes roden. Männer meines Volkes sind es, Die die Axt, den Hammer tragen; Die den Pflug und die den Traktor Durch die harte Erde jagen. Und die Erde, harte Erde, Beugt sich unsrer jungen Kraft; Dürre Wüste, tausendjährig, Flieht vor unsrer Leidenschaft. Bäume sprießen aus der Rodung, Acker drängt empor zum Licht; Zeigst du, Seele meines Volkes, Schon dein wahres Angesicht? David Neumann, Tel-Aviv; Der König und das Minfan „UUnivers Israelite“ erzählt folgende intern essante Anekdote: Einige Tage nach der Ge* hurt des Königs Viktor Emanuel in Rom ver* anstaltete die römische jüdische Gemeinde einen besonderen Dank- und Bittgottesdienst zu Ehren der Königin und des Neugeborenen. Der Oberrabbiner von Rom wurde daraufhin zu Hof geladen, weil ihm der König persönlich danken wollte. Der König sagte dem Rabbiner: „Ihre Gemeinde um die erste in Italien, dk. für den jungen Prinzen betete. Ich nehme an, da Sie bei dieser Gelegenheit in Ihrer Syn* agoge mehrfach Minjan hatten!“ rAuf die er* staunte Trage des Oberrabiners, woher derrt König diese intime Kenntnis jüdischen Brau* ches und jüdischer Gesetzesvorschrift komme, erzählte dieser, er sei als junger Offizier in der Garnison Turin eines Tages mit seinem un* mittelbaren Vorgesetzten, dem jüdischen Gene* rät Ottölenghi, späterem italienischem Kriegs* minister, zusammengetroffen. Ottölenghi, detj sich auch sonst nichts weniger als Hebens* KINOPROGRAMME DER WOCHE Leopoldstfldter VoMino Te tephon8 R r°9-^-23 * Vom 20. bis 23. April: . Magda Sehneider ln: „Ein Hödel wirbelt durch die Welt“ Mit Harald Paulsen, Hugo Schräder und Theo Lingen Wochentags 7,6, 7,8, 7,10 Uhr, Sonnu. Feiertags 7,4 Uhr Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Versicherung*« Ges«/ Wien/IJC«/Alserpla<s3 HERZL, ABEND Sektion Döbling, XIX., Billrothstraße 49, Cafö Döblingerhof, 8 Uhr abends Gtdsnkrsds: Direktor Siegfried Altmann Aus Htrzls Schriften: Oskar Teller Muslkslhthw Tdl: Violinvirtuose Kurt Fuchsgelb Am Klsvhr: Klaviervirtuose Walter Spitz würdig zu zeigen pflegte, war an diesem Tage geradezu wütend. Auf die Frage, tvas denn die Ursache der schlechten Laune sei, habe der, General geantwortet: „Ich bin erbost auf die, jüdische Gemeinde hier. Ich ging in die Sytw agoge und habe nicht beten können, weil eirt Minjan fehlte.“ — „Aber, 'warum haben Sie denn keines mitgebracht?“ ,— „Eure Hoheit scheinen zu glauben, daß es sich hier um ein Gebetbuch handelt. Das ist nicht der Fall. Min* jan ist die Vereinigung von zehn Männern im Tempel. Ohne sie kann man keinen Gottes• dienst abhalten.“ — „Auf diese Weise“, so schloß der König, „erfuhr ich, was ein Minjan ist.“ Und er fuhr fort: „Ich erfuhr damals auch, daß der General, so oft er nur irgend konnte, die Synagoge besuchte, was ihn nicht daran hinderte, einer der besten Generäle der italie* nischen Armee zu sein.“ * Der Zionismus und sein Werk Unter diesem Titel erschien soeben in der Schriftenreihe des Zionistischen Landeskomitees eine neue Broschüre. Sie behandelt unter anderem die Geschichte der zionistischen Bewegung, den Aufbau der zionistischen Weltorganisation und des Zionistischen Landesverbandes für Österreich und schildert die Leistungen der Organisation in Palästina. Spezielle Kapitel behandeln die Wirtschaft und Verwaltung Palästinas und die Einwanderungsbestimmungen. Diese Broschüre bietet Zionisten und Nichtzionisten wertvollen Lesestoff. Die Broschüre hat 32 Selten Umfang und kostet 50 Groschen bei Abholung im Landeskomitee, mit Postversand 70 Groschen. Mit Rücksicht auf die beschränkte Auflage empfiehlt es sich, Bestellungen sofort vorzunehmen. 815301^8

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