Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 346 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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'Nr. 346. — 20. April 1034 DIE STIMME Seite 5 PALÄSTINA MELDET: | Z|jR LEVANTE-MESSE NACH PALÄSTINA Die neuen jüdischen Investierungen in Palästina Jerusalem, 17. April. Auf Grund einer Umfrage bei den maßgebenden Finanzinßtitutionen konnte der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur feststenen, daß im Verlauf eines Jahres (April 1933 bis Mürz 1934) weit mehr als 6 Millionen Pfund von Juden und jüdischen Gesellschaften in verschiedenen Unternehmungen Palästinas investiert worden waren. Die Summe übersteigt um daß Doppelte die Investierungen im vorangcga.ngenen Jahre und gibt einen Spiegel der Entwicklung, die Palästina jetzt durclimacht. Tn diese Summe sind die etwa 500.000 Pfund, die für die Hebräißchc Universität, das Ilaifaor Technikum, das Iladassah-Gosundheitswosen und andere In slit.utionon aus dem Ausland horeingokom men sind, nicht eingerechnet. Ein Viertel der genannten Investitionßsumme wurde in privaten Plantagen investiert; etwas weniger CARO & JELIINEK Spedltlons- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft Zentrale: Wien, I., Deutschmeieterplatz 4, Tel. A 18-5-bO Serie Lagerhaus mit eigenem Bahn- und Zollamt Station Wien Traisengasse Trockene lichte Lagerräume ffir 1200 Waggons, Inland- und Zollgüter tZolleigenlager) Eigenes Möbellagerhaus in Betonbau mit versperrbaren Kabinen EllsantmeSverkehr von und nach Palästina via Triest und per Donau Eigene Kozernhäuser in allen wichtigsten Handelsplätzen der Welt Am Am Mai mit der „Vulcanla“ Neapel—Haifa Mai mit der „GerUSalentnte1* Triest—Haifa NORDISCHES REISEBUREAU (R«i*alaitung N. M. Raekarl Wien, I., Sailergatsa 3. Talaphon R 25-0-32 Polen - Palästina als anderthalb Millionen Pfund wurden vom Keren Hajessod, der PICA und Privatpersonen. in landwirtschaftlichen Unternehmungen, etwas weniger alß 1 Million Pfund in Industrieunternehm/ungen investiert. * Zehn Millionen Pfund Depositen ln den Palästina-Banken Die Gesamtsumme der Depositen, die in Palästina-Banken hinterlegt sind, beträgt jetzt nicht weniger als 10 Millionen Pfund und übersteigt diie vom Ende 1932 um das Doppelte. Eß handelt sich hier um Gelder, die noch nicht in die palästinensißohe Wirtschaft investiert sind und die als Reserve für zukünftige wirtschaftliche Betätigung anztjsehen sind. Der starke Zufluß von Barkapital bringt es mit sich, daß die Banken nicht in der Lage sind, für diese brachliegenden Gelder Zinsen zu zahlen. ★ Entwicklung von Afuleh Jerusalem, 17. April. Amerikanische Juden, die im Gebiete der Stadt Af u 1 eh im Emek-Jezreel ausgedehnten Grundbesitz haben, haben sich zu einer Gesellschaft zusamunengesohlossen, um dieser Stadt, die in einem Zustand der Stagnation geraten war, zu neuer Entwicklung zu verhelfen. Es wurde beschlossen, vor allem die Wasserversorgung in Angriff zu nehmen. * Syrien und Palästina t» Syrien, das Nachbarland Palästinas, leidet unter der Wirtschaftsnot. Innerhalb der Syrischen Republik wurdeu Ende März 50.190 erwerbslose Fachleute und Kaufleute gezählt, davon in Damaskus 14.250 Facharbeiter und 900 Kaufleutc, in Iloms 5400 Facharbeiter und 200 Kaufleutc, in Hania 9400 Facharbeiter und 340 Kaufleute, in Aloppo 16.500 Facharbeiter und 1200 Kaufloute. Bei den Facharbeitern handolt es sich in der Hauptsache um Weber. Innerhalb der Republik Groß-LLbanon schätzt man die Zahl der erwerbslosen Facharbeiter und Kauflouto auf 30.000. Für die ungelernten Arbeiter werden noch orhoblich höhere Erw e rbßl os o n z-i ff er n ge na.nn t. Man vergleiche diese Daten mit den Nachrichten über Palästina und wird daun die imposanten jüdischen Leistungen richtig einschätzen. Die Beziehungen zwischen Polen und Paläßtina werden immer inniger. Der letzte Ausweis der Bevölkerungsstatistik und Emigration ist in dieser Beziehung überaus oh arakte ristiß oh: Palästina steht als Emigrationsland an erster Stelle. Somit ist das wachsende Interesse Polens an dem Wiederaufbau Palästinas und der Errichtung des jüdischen, nationalen Helms noch mehr gestiegen. Der Generalsekretär des Immigrat.ionsdepartoments der „Jüdischen Agenz“ in Palästina, Herr Ch. B a r 1 a s, hat fcstgestellt. daß der Anteil der jüdischen Emigrationsbewogung aue Polen in der G e samt einig ration der Juden nach Palästina im Jahre 1933 50 Prozent betrag. Dieser Anteil ißt umso bemerkenswerter, da die jüdische Agenz infolge der außerordentlichen Verhältnisse in Deutschland, vor allem darauf bedacht war, die Einwanderung der deutschen Juden nach Paläßtina zu fördern. Die Zahl der polnischen Juden, welche ßich im Jahre 1933 in Palästina ansässig gemacht haben, erreichte die Ziffer von 17.000 Personen. Die Hälfte hievon waren Arbeiter, etwa 8, Prozent Kapitalisten, 1 Prozent Studenten und der Reßt entfällt auf verschiedene Kategorien. Trotz der immonßen Immigrationssohwierigkeiten ist dieser Strom stets kn Wachsen begriffen. Selbstverständlich hat dieße gesteigerte Emigrationsbewegung auch einen lebhaften Güteraustausch zwischen beiden Ländern zur Folge. Die Einfuhr polnischer Waren nach Palästina erreichte im letzten Jahre die Ziffer von 5,000.000 und wird, wenn die neue Entwicklung andauert, zweifellos im laufenden Jahre ßich'verdoppeln. In dieser Beziehung kommt’ namentlich' der Levante-Messe in Tel-Aviv große Bedeutung zu. Viele Hunderte von Touristen haben bereits zium Zwecke der Organisierung der tont Graf Puslowski die Macht und Größe des Rufes nach der Wiedererlangung dcß Zions nach 18 Jahrhunderten der Zerstreuung.“ „Der Staat ißt die einzige B;usis der Volkßentwicklung. Wege dem Volke, welches diesem Ideal untreu wird.“ Unter den Vertretern deß polnischen Staates, die an der Eröffnung der Levante- Messe in Tel-Aviv teilneh.men werden, befindet sich auch der General Gustaw O r 1 i e z - D r e s z e r, der Präsident der polnischen Meeresliga, der sich auch an die Spitze deß polnißchen Pro-Palästina- K o m i t e e ß gestellt hat. In der Sondernummer deß polnischen „ J ournal of Commerce“ schreibt General D r e s z e r: „Der neue Meereßtrakt, der Polen über Konstanza und Haifa mit dem asiatischen Festland verbindet, ist als eine hervorragende, den Durchschnitt überragende Tat unseres Geschlechtes von immenser Bedeutung für die Realisierung des großen Programms einer starken Polnischen Republik, welcho die gebührende Achtung bedeutender Völker errungen hat und die sieh auf den Wohlstand und die Kultur der eigenen Bürger stützt.“ In dem Artikel des Sektioijschefs dos Handelsdepartements im polnischen Handelsministerium, M. Sokolowski, ist der Gedanke besondere hervorgehoben, „daß Palästina dazu prädestiniert ist, eine hervorragende Rolle in der Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Westen und dem Osten zu spielen“. Sokolowski ist voll des Lobes für die großen Errangen schäften, die Palästina zu verzeichnen hat. Er bezeichnet als eine der wichtigsten Auf gaben der polnischen Handelspolitik die Entwicklung' der' wirtschaftlichen* Wechselbeziehungen zwischen Polen und dem nahen Osten. Aue dem Inhalt dieser bemerkenswerten Publikation sind noch ein Artikel von GRAND-HOTEL PANHANS, SEMMERING Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrliche Tennisplätze, Golfplatz. In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpenhof“. SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliche Familienpension. polnischen Messeabtoilung ßich nach Tel- Aviv begeben und mit dem letzten dicswöchigen Dampfer werden hervorragende Persönlichkeiten und Repräsentanten der polnischen Wirtschaft diese schöne Frühjahrsreise antreten, um sich von den grandiosen Fortschritten der Entwicklung des jüdischen Palästina zu überzeugen. Nicht nur die jüdische Presse, allen voran die Tageszeitung „II a j n t“ und die Monatsschrift der polnisch-palästinensischen Handelskammer, haben interessante Sondernummern anläßlich der Levante-Messe in Tel-Aviv herausgogeben, sondern auch das angesehene wirtschaftliche Tagblatt „G azeta Handiowa“ (Handelszeitung) ißt mit einer besonderen Spezialpublikation ,N c a r East-Polan d“ hervorgetreten. Kein Geringerer als der Weltruf genießende frühere Außenminister August Zaleski schrieb die einleitenden Worte, die einen freudigen Widerhall in allen jüdischen Herzen finden werden. „The Nation whieh baß regninod ißt own independenoe cannot possibly yfa-it t.o wish succeßs to the Jcwish nation in its endeavoure to attain an independent Fatherland.“ Diese Worte stimmen fast wörtlich mit einer Äußerung überein, die jüngst in einem Interview Graf Ksawery Puslowski gemacht hat. „Ich verstehe nicht, daß es Juden geben könne, die ßich nicht für die Idee der Wiedererlangung der eigenen jüdischen Staatlichkeit, begeistern.“ ,.A!ß Epigone des polnischen Romautismus, wie «ich dieser bedeutende Staatsmann selbst bezeichnet, be- Pir. Hoofien über „Palestine’s Prosperity“ und die Artikel von Bürgermeister M. Dizengoff und Präsident M. Ussischkin hervorzuheben. In dieser Nummer kommt auch der Bürgermeister von Haifa Hassan Shukri zu Worte. Wenn man seinen Artikel aufmerksam liest, glaubt man ßich um 20 Jahre in der Entwicklung des'Landes zurückversetzt, denn der Araberführer spricht so, als ob Palästina noch ein Teil des Ottomanisohen Reiches und seine arabischen Bewohner nichts anderes als gute Türken wären und sich für nichts mehr, alß für daß Wohl der Türkei interessieren würden. Der ganze Komplex der aktuellen wirtschaftlichen Probleme, die den Im- und Export betreffen, wird in dieser Sondernummer gründlich behandelt. Auch der Sekretär des Pro-Paiästina-Komitces, Herr Janusz M ak a r c z y k. hat einen Beitrag über „Polen und Palästina-Orangen“ geliefert. Es ist zu hoffen, daß dieser vielversprechende Anfang den Auftakt für eine weitere gründliche publizistische Behandlung der Palästina-Fragen in der ernsten polnißchen Presse bilden wird. Pr. Arnold Friedmann. Beisetzung Leo Motzklns ln Jerum salem Jerusalem, 10. April. Die Beisetzung der aus Paris nach Palästina überführten sterblichen Reste des früheren Präßidenten des Zionistischen Aktions-Komitees Leo M 0 t, z k i n ist für Donnerstag, den 19. April, festgesetzt worden. Zu den Beisetzungsfeierlichkeiten worden große Vorbereitungen getroffen, lin Verwaltungsgebäude der Je wish Agency findet ein Gedenkgottesdienst statt. Von dort wird der Sarg auf den ölberg getragen, wo er beigesetzt werden wird. Wechsel ln der Leitung des Polä* stlnenslschen Einwanderungsamtes Jerusalem, 16. April. Die Ernennung des stellvertretenden Cliefsekretärß der Palästina-Regierung Eric M i 11 zum Leiter des Einwanderungsamtes an Stelle des bisherigen Einwanderungs- Direktors Hyamgon wird noch im Laufe der nächsten Woche öffentlich bekanntgegeben werden. Anfang Mai soll der neue Leiter der Immigrationsabteilung sein Amt antreten. * Kaschruthzwang für die Arbeiter* hüchen Jerusalem, 16. April. Aus dem Protokoll der letzten A. C.* Tagung geht hervor, daß auf einer der letzten Sitzungen durch den Vorsitzenden Beschlüsse der Histadruth Haowdim betreffend Kaschrufch in den öffentlichen Arbeiterküohen verlesen wurden. Der Vorsitzende Pension Eckstein - Mm betonte, daß diese Beschlüsse von der Histadruth ohne fremde Einflußnahme spontan gefaßt worden ßind. Die Beschlüsse lauten: Jede den Namen der Histadruth Haowdim tragende öffentliche. Küche muß allen Mitgliedern der Histadruth ohne Unterschied ihrer religiösen Einstellung zugänglich sein. Jeder jüdische Arbeitsmensch soll die Möglichkeit' haben, sich dieser Einrichtungen zu bedienen. Deshalb beschließt die Leitung der Histadruth, daß in allen öffentlichen Küchen, ebenso wie dies schon früher für die Kupath Cbolim festgesetzt wurde, die Kaschruth gewahrt werden soll. Wenn Institutionen der Histadruth auf einen Sabbath oder Feiertag Veranstaltungen ansetzen, so sollen dabei öffentliche Handlungen vermieden werden, die zu Mißachtung dee Sabbath oder Feiertags führen. Dio Levantc-Mosse in Tel-Aviv können Sie besuchen und das erhebende Erstlingsfest (Schcwuoth) in Haifa initmaehen, wenn Sie mit dor „VulUania“ am 2. Mai mitreisen und sieh beim Nordischen Roisebureau (Reisoloitung N. M. Racker). 1., Keilcrgassc 3, Telephon R 35-0-92, ehestens amnolden. Antideutscher Boykott ln Palästina Jerusalem, 18. April. In ganz Palästina geht jetzt eine intensive Kampagne für Boykott deutscher Waren und Dienste vor sich. Ein in diesen Tagen erscheinender „Wegweiser“ wird Ladenbesitzer und Konsumenten darüber informieren, welche Waren — und es sind dies fast alle — man in gleicher Qualität und Preislage oder gar noch günstiger aus außerdeutschen Ländern beziehen könne. ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiuiiiiimuiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiu I CAFE I VICTORIA 1 ( AM SCHOTTENTOR ü s WIEN I. 1 SCHOTTENTOR g siniiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiH Zahlreiche Geschäftsinhaber haben sieh verpflichtet, die Bekanntmachung auszuhäugen, daß sie in Deutschland erzeugte Waren nicht mehr führen. In Tel-Aviv haben die Mehrzahl der Eisen-, Galanterie- und Baumaterialienhändler sowie fast alle Kleinhändler sielt schriftlich verpflichtet, deutsche) Waren weder zu kaufen noch zu verkaufen.