Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 346 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Kr. 346. - 20. April 1034 DIE STIMME Seite 7 Zehn Matt Schönheil kanten in die Well ♦ ♦ ♦ Von Ego (JomtMloni) PERSONAtNACHRICHTIg^^ Alexander Apter ~ 70 Jahre all Zehn Maß Schönheit kamen in die Welt; nenn davon entfielen auf Jerusalem — heißt, es im Midrasch. Jerusalem ist eine goldene Kugel, gofiiljt mit Schlangen — behauptet, ein arabisches Sprichwort. Wo fasse ich dich, unendliches Jerusalem V * Das Bild dieser erhabenen, leuchtenden und oft so verworfenen .Stadt — auf Bergen gebaut, von Bergen umkränzt -- viel besungen, bedichtet und gelästert — überglänzt von Davidstern, Halbmond und Kreuz — geschwängert von allenWeisheiten und Irrtiiniern der Erde — durchsetzt von allen Kunst- und Lebensstilen der Vergangenheit — dieses Bild ergreift wie ein Traum — .Siebe, Jerusalem und stirb! * Vierhundert Jahre alt ist die Mauer, die die Altstadt mit Kraft umkreist; wo sic heute •deht, standen vor zweitausend Jahren die Wälle der alten jüdischen Tempelburgen schon. Auf- und absteigende enge Straßen, gebirgsstädtisch, erfüllt von Historie; hinter unscheinbaren Toren geräumige Klosterhöfe; auf der Via Dolorosa die Leidensstationen Christi; in das unwürdige Kunstgeklimper der Grabeskirche teilen sich mehrere Sekten; in der sopbardischen Synagoge zeigt man den Sitz Rabbi Joobanan Ben Sakais; und überall Fremdeuf (ihrer, Kinder, hartnäckig Backscbisch verlangend — # Unter gotischen Bögen, bei spärlichem Licht, lärmendes Leben im Ssuk, in tausend tiefen Ladonböhlen, zum Bersten gefüllt mit Früchten, Gemüsen, Spezereien, Würzen und Weinen, oder auch mit Gewebtem und Gewirktem, Gestantzem und Gegossenem. Welche Ordnung in der Unordnung von Streit und Geschrei: eine Händlergruppe schließt sich stramm an die audere an, keinem Klempner wird eseinfallen,, mit seiner klirrenden Werkstatt unter die klopfenden Schuster zu gehen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend durchfluten Menschen aller Rassen das krumme Gewirr. Ein blindes Kamel zieht, in einer dunklen Hausung das Rad einer Ölmühle, trostlos trottet die Trauer im Kreise. Ein Sargtischler pfeift ein Lied vor sich hin, vom Tod scheint sichs nicht schlecht zu leben. M Wieviel Einwohner hat JerusalemV Nach der |etzten amtlichen Zählung, die aber noch um zehntausend Seelen zu tief greifen dürfte, sind es 00.000: 50.000 Juden, 20.000 Christen (auch viele Araber unter ihnen) und 20.000 Mohammedaner. 52 verschiedene Sprachen sprechen die 90.000! Die Stadt wächst, und wächst, ihr steinerner Urgrund wird zu Häusern geschlagen und gemeiselt, zwischen den verwandelten Steinen wachsen auch die Blumen aller Zivilisation; warenüberladene Schaufenster, bunte Kinoplakate, hinter glitzernden Fenstern Kaffeehäuser, das zuletzt eröffnete heißt „Europa“... * Die Fremdenkolonien, der christliche Stadtteil Musrara, die altjüdiseho Moa Scharim, der ungarische Kolel, das Viertel der bucharifichen Juden — auch diese früheren Anßonbezirke sind schon wieder Innenstadt. Da1 wuchs in den letzten Jahren das architektonisch modern gestaltete Rehavia. Inmitten der Villen die schlichte, blumenumrankte ßaraeko des Arbeiterführers Bon-Zwi, nah seinem Kampfplatz der Arbeit in der Regierung des jüdischen Volkes, der großen, stets zu vergrößernden „Hanhalla“, dem Sitz von Keren Kajamoth, Koren Hajessod, Jewish Agonei. Eine breite, asphaltglatte Ronnstraße, die einmal Jerusalems Whitehall werden soll, führt in den Cottage-Vorort Talpioth. Überwältigend der Blick auf Hügel und Tal, hinunter in die Das Präsidialmitg-lied der zion. Sekt. Prater Gg. Isakschein erleidet einen schweren Verlust durch das plötzliche Ableben seiner liebevollen Mutter, aus we’chem Anlasse der Vorstand der Sektion Prater ihm das herzlichste Beileid ausspricht kahle verkrustete Hitzehölle der Wüste Judäa bis zu des Toten Meeres giftiger Lauge, hinüber zur Stadt zwischen Tempel, Turm und Tor, Berg und Burg — *- Das Christentum ist in ungefähr vierzig Schattierungen vertreten. „El Kuds“ nennen die Mohammedaner die Stadt, „Das Heilige“. Ihr Allerheiligstes, ihr Schönstes, ist die Omar-Moschee. Sechsmal führen Treppen, unter Säulenbögen endend, auf das weite Steinparkett, das das gewaltig übcrkuppeltc, prächtig ummosaikierte Achteck trägt. Hier bauten die Kreuzfahrer, hier betete Mohammed, hier herrschte Herodes, Salomos Tempel stand hier, und hier war Abraham Isaak zu opfern gewillt. Der Opferstein, ein gewaltiger Fels, liegt in der Mitte dos Doms. Nach alter Überlieferung reicht der Felsen, der Mittelpunkt dos Alls, mit seinen Wurzeln bis auf den Grund des Weltmeeres hinunter. * In großen Synagogen und kleinen Gebetsliäusem stehen die Heiligen Rollen. . „Von gnitiitiiiiiitiiiiimiiiiiiiiiiiiimiiiiiitmiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiimiiniiiiiiimiiiiiiiimitiiiiiiiiiiumii'j | New Hebrew Coogreg-ation Roeland | | Street, Kapstadt, Südafrika g | -tKDBp <DT!K mUK p"p ( | rvörnn npHsst | | Hauptkantor § I wird von obiger Gemeinde göSUCht* f | Gründlich ausgebildete und durchaus | | erfahrene Bewerber wollen sich melg g den unter genauer Angabe von Aus- | | bildung (in Hebräisch, Musik, allge* j | meiner Bildung) Erfahrung, Alter, | | Zivilstand und Gehaltsansprüchen, an I g den Gemeindepräsidenten Herrn Adv* j | M. Alexander, K. C., M. P., Temple g | Chambers, 4, Wale Street, S. Africa | fiiiiiiiiiiiiiHiiiniiniiiiiiiiiiniiiiniiiitiuiniiiiitiiiiiiiniiiiiiminiiimiiiiniiimminmiiiiiiiiiiitninil Ausschluß der Jüdischen Schüler aus den höheren und mittleren Schulen Preußens Der preußische Uriterrichtemiiraster hat eineu neuen Erlaß zur Diirchfühnmg des Gesetzes gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen gerichtet. Die die j ii d i s e h o Schülerschaft betreffenden Bestimmungen lauten: „ ... Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß die zur Ausführung des Roichisgesetzes gegen die Überfüllung deutscher Schülern und Hochschulen ergangenen Erlässe betreffend die Aufnahme von NiohtarLern in höhere und mittlere Schulen selbstverständlich auch fernerhin und zwar sowohl für öffentliche wie für private Anstalten in Geltung bleiben. Zur weiteren Durchführung des genannten Gesetzes bestimme ich sodann, daß auch bei der Neuaufnahme von Nichtariern, dio den Beschränkungen des Gesetzes vom 25. April 1933 unterworfen sind, die Abstammung angemessene Berücksichtigung zu finden hat. Unter den Anmeldungen ist, soweit die hinreichende Begabung für einen erfolgreichen Besuch einer höheren oder mittleren Lehranstalt anzuerkennen ißt, den Niohtarieru mit naohgowieseneau arischen Bluteinschlag der Vorzug vor Niehtariem und den Kindern ans seit längerer Zeit in Deutschland angesessenen Familien der Vorzug vor den Kindern orst seit kurzer Zeit, insbesondere seit 1914, eingewanderter nichtarischer Familien zu geben. Ich gebe der Erwartung Ausdruck, daß die Anstaltsleiter in sachgemäßer Anwendung der hiermit gegebenen Richtlinie dafür Sorgo tragen, daß von den Anmeldungen der unter die Beschränkung des Gesetzes fallenden Nichtarier in erster Linie diejenigen Berücksichtigung finden, denen vom Standpunkt einer im nationalsozialistischen Geiste geführten Gemeinschaftserziehung diio verhältnismäßig geringsten Bedenken entgegensteheu. Daboi ißt darauf zu achten, daß dort, wo die Zahl der angomeldeten aufnahmereifon Schüler Zion geht die Thora aus, das Wort Gottes von Jeruseholajim“. Im Jahre 960 fragten rheinische Juden beim palästinensischen Gaonat an, wann der Messias erscheine. Im Jahre 1933/34 zogen viele ihrer Nachkommen ins Land, den Rhein mit dem Jordan vertauschend. Vorher hatten ihre Brüder aus dem europäischen Osten heimgefunden, polnische Juden, russische Juden. An der «alten Mauer standen sie und weinten. Beim Raw K u k aus Kurland hockten sie und beteten. * loh sah den fast Siebzigjährigen am Simchas-Thora-Fcst, dem T.age der Gesetzesfreude, in seiner foliantenvollen Schule, ein Denkmal der Würde und Weisheit, von einem Kreis junger Männer umgeben, mit leiser Stimme, in schönen jiddischen Worten, des Festes Sinn erläuternd. Dann begann der Gottesdienst. Ein Freudendienst. Ein Jubeldienst. Ekstatisch, im wilden Feuer der erregten Herzen,., umta.nzten die Männer unter unablässigem Gesanggeschrei die Rollen des alten Gesetzes — bis zur körperlichen Erschöpfung. * Die Söhne bleiben nicht immer klagend im Schatten der. Mauer. Tragen nicht immer Käppchen über bleichen Gesichtern und sich kringelnde Peijes. Lernen nicht immer Talmud, Gemahra und Misohnah. Sie werden Arbeiter oder Bauern. Bauern in Erez Israel. Bauern von Erez Israel. Von der Thora über die Balfour-Deklaration zur landwirtschaftlichen Rentabilitätsberechnung. Selbst im Weichbild Jerusalems steht eine genossenschaftliche Siedlung: fern den frommen Betstuben, dicht neben der stolzen, machtverkündenden Bürg des Hohen Koanmissars der englischen Mandatarm^cht ducken sich die Hühnerställe der Kwuzzah Gdud am Boden des Heiligen größer als die Zahl der verfügbaren Plätze ist, Kinder arischer Abstammung auf keinen Fall hinter solchen nich ta usch er Abstammung zurüokgeeetzt werden. Zum Besuche der höheren und mittleren Lehranstalten geeignete Kinder arischer Abstammung verdienen vielmehr den Vorzug beider Aufnahme, selbst wenn dann die Zabl der zur Aufnahme kommenden Nichtarier hinter der Verhältniszahl Zurückbleiben sollte. N e uäüfnabmen an - höheren uitd mittleren Lebra.nsta.lten, die ihrer besonderen Zweckbestimmung nach gerade für den Besuch der jüdischen Schüler(innen) bestimmt sind, dürfen in diesem Jahre, gleich ob es sich um öffentliche oder private Lehranstalten handelt, nicht erfolgen. — Gez. Rust.“ Dieser, nunmehr vierte, Erlaß des Kultusministers Rust zur Durchführung des „Gesetzes gegen dio Überfüllung“ kommt einem fast totalen Ausschluß der jüdischen Schülerschaft aus den mittleren und höheren . mmmmmmmm .. h—iiii »ri ....mm n Spiekecid i/ott yewaUct! VERWENDET EURE TREFFER ANLEIHE FÜR EINE LEBENSVERSICHERUNG Am 22. d. M. begeht unser allseits beliebter Gesinnungsgenosse, Herr Alexander Apter, der Vater des verdienstvollen Mitgliedes des Zionistischen Laudeskoinitees, Herrn Direktor Hermann A p t e r, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der Fürsorgerat der Israelitischen Kultusgemeindc ist,, erfreut sich als aufrechter Jude, als hilfsbereiter Mensch, der überall, wo es sich um Milderung jüdischer Not handelt, seine tatkräftige Unterstützung leibt., allgemeiner, großer Beliebheit. Am deutlichsten kommt das charitative Wirken des Herrn Apter in dem von ihm im Jahre 1918, in den Tagen bitterster allgemeiner und spezieller jüdischer Not, begründeten jüdischen Kranken - Unterstützung»- verein „J osohuath A c h i m“ zum Ausdruck. Mit der Gründung allein war es nicht getan. Herr Apter löste im Läufe der Jahre die schwierige Lokalfrage des Vereines und als der Andrang an Bedürftigen immer größer wurde, wuchs a/ueh der Arbeitskreis dieses Vereines längst über einen bloßen Krankenverein hinaus. Er ist, zu einem Unterstützung«verein für jüdische ', Bedürftige geworden, der seiner Tradition gemäß, so auch bei den letzten Pe&saohfeier-’ tagen eine Uute[“Stützungsaktion für etwa' 100 arme Juden durch Beteilung von Pessa eh - Lebe nsm i ttel n durchführte. Herr Apter hat auch viel Wertvolles auf dem Gebiete des Bethausvereines in seinem Bezirk geleistet. Als treuer Zionist — seine Tochter, Fray, Winkelsbcrger, ist, die bekannte zionistisebe. Organisatorin und Leiterin der „W i z o“ in der Ostslowakei — ist Herr Apter ein ergebenes Mitglied der Zionistischen Bezirks- Sektion Leopoldsfadt. Aus Anlaß seines Geburtstages wird Hcrf" Apter Gegenstand zahlreicher Ehrungen sein. Der Verein „Jeschuath Achim“ veranstaltet am kommenden Samstag in seinem Bethaus ihm zu Ehren einen Festgottesdienst., in dessen, Rahmen der Rabbiner Horowitz die Verdienste...de%rf Jubilars würdigen wird. Auch wir schließen uns den zahlreichen Wünschen mit dem Rufe „Ad meah weesrim Sch au all“ an. Der Bundespräsident, bat mit Entschließung. vom 28. März d. J. dem Rabbiner der Israeli-; tischen Kultusgemeinde Graz, Tit. a,-o. Uhiversitätsprofessor Dr. David Herzog, taxfrei das „Goldene Ehrenzeichen für Verdi ensto um die Republik Österreich“ verliehen. Touristik- und Skiklub „Hakoah“. Ausflugsprogramm für Sonntag, den 22. April: 1. Wienerwald, Auninger. Zusammenkunft: 9 Uhr, Mauer. Weiterfahrt nach Mödling. Führer: Ernst Grab. 2. Freie Wanderung. Zusammenkunft: 9 Uhr Endstation der Stadtbahn in Hütteldorf. Führer: Ernst Korber. 3. Kletterkurs. Peilstein. Zusammenkunft: Samstag, den. 21. April, halb 3 Uhr, Mauer. Leiter; Meißner. FILM Freitag: „Kriegsschiffe vor {Jan Pedro“ im Kreuz-Kioo Heute findet im Kreuz-Kino dio Uraufführung dieses neuen Fox-Filmes statt. Dio Hauptrollen spielen Sally Eilers und James Dünn. Regie führte Raoul Walsb. Einen neuen Rekord hat das vor einigen Tagen in der Annagaßse 3 eröffnete „Ä. K.“ aufgestellt. Einen Rekord in jeder Beziehung deshalb, weil das neue Unternehmen voll und ganz auf die heutigen Verhältnisse eingestellt ist Alles, was Küche und Keller bieten, ist von bester Qualität, dabei hat dio Leitung Preise festgesetzt, die jedermann den Besuch dieser Gaststätte ohne nennenswerte Ausgaben ermöglichen. Die Aufmachung ist sehr geschmackvoll, der Aufenthalt, inj großen Saal, der sich in einen Heurigep-Garten verwandelt hat. sehr angenehm und für dio kommende heiße Jahreszeit aufs beste zu empfehlen. Beim Eintritt schon gewinnt man den Eindruck, daß man sich hier wohlfühlen muß und nicht zum letztenmal hier gewesen ist. Ein einmaliger Versuch wird den Besucher zum Stammgast machen. Landes. LETZTE NACHRICHTEN