Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 346 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 346. — 20. Aprü 1034 Blnlik ist, weil er im alten, traditionellen Leben wurzelt. Und wenn unsere .Jugend nicht genug davon weiß, soll sie wenigstens so viel wissen, daß ihre Kultur aus dieser alteö Kultur hergeloitet wird. Es Ist bezeich netid, daß gerade Kinder derjenigen Men sehen, die im Ghetto die Verbindung zwi sehen unserer alten Kultur aufrechterhalten haben, den Zusammenhang mit der alten Kultur verloren haben. Worin liegt das? Dio Erziehungsmethode war eine schlechte. Die Kluft zwischen Eltern und Kindern besteht in verschiedenen geistigen und kulturellen Ursachen, die die Kinder von der Religion entfernt haben. Auch ökonomische Ursachen spielen hier eine Rolle. Man muß versuchen der Jugend geistig niiherzukommen. Mit Oppositionen und Resolutionen wird man nichts erreichen. Man muß versuchen, die Ursachen zu finden und sie zu entfernen Das ist-, glaube ich, das Gebot der Stunde in bezug auf diese Frage. Wir müssen die Jugend erkennen lassen, daß ihre Zukunft in der Vergangenheit wurzelt. Die Lieder, die sie jetzt singen, sind das Echo dieser alten Zeit. Es war mit Genugtuung zu konstatieren, daß die Parteien, die nicht recht behielten, gleichfalls zufrieden waren. Es war sehr interessant zu hören, wie die Linken von ihrem Zusammenhang mit der Tra dition gesprochen haben. Bei diesem A. C. hatte man gefühlt, es kommt eine Annäherung, eine Verbrüderung zustande. Wenn wir in Palästina Kämpfe haben, wo Juden die Hand heben gegen andere Juden, dann ist dies ein politisches Unglück. Wir verlangen von der Welt, daß man uns die Möglichkeit gibt, uns zu erneuern. Die Welt ver steht nicht und wird es nie verstehen, daß Juden nach Palästina gehen, um dort Kämpfe untereinander zu führen. Das ist — politisch gesprochen — eine große Gefahr. Das ist ein Unglück für das Volk. Ich habe mit den Behörden Palästinas gesprochen. Die Regierung Palästinas sieht diese Sachen und hört sie. Auch in Genf hört man sie. Das ist die große politische Gefahr. Doch mich interessiert die Zukunft, daß morgen nicht solche Geschehnisse Vorkommen. In dieser Sitzung des A. C. haben wir doch erreicht, daß gerade die Linken erklärt haben: „Wir wollen auf manches verzichten, in bezug auf Religion und in bezug auf ÄAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Das Vorstandsmitglied der Zion. Sekt. Prater Gg. Moses Rubin erhielt die freudige Nachricht von der Verheiratung seiner vor kurzem nach Palästina eingewanderten Tochter, aus welchem Anlasse das Präsidium ihm die herzlichsten Glückwünsche darbringt rfVfVfVffffWfffVffVVJVTfTVTfTrJ Arbeit, um zu einem Regime der Verständigung zu kommen.“ Es ist das erstemal, daß ich solche Worte gehört habe. Man spricht so viel von der Notwendigkeit einer Verständigung zwischen Juden und Arabern. Schaffen wir doch erst eine Verständigung von Juden zu Juden. Die Linke muß viel nachgeben, viel Zugeständnisse machen. Ich bin gegen Zugeständnisse in bezpg auf äußere Politik. Innerlich jedoch müssen wir Zugeständnisse machen. Denn nur auf diese Weise ist es möglich, einen Frieden in unserem Innern z-u stiften. In bezug auf die Exekutive haben wir uns nicht geeinigt. Sie ist nicht erweitert worden. Man hat diese Frage zu ernst genommen, sie war nicht von so großer Wichtigkeit. Das Problem ist nicht die Erweiterung der Exekutive, sondern das Bewußtsein, daß die Exekutive, die man hat, nicht parteimäßig handelt oder denkt, sondern die ganze Bewegung umfaßt. Ich war der einzige in dieser Sitzung, der keine Partei hinter sich hatte, denn meine Partei hatte mich verlassen. Ich kann feststellen, daß die Exekutive vollkommen unparteiisch in den letzten neun Monaten vorgegangen ist Was hat der Zionismus dem jüdischen Volke gegeben? Politisch gesagt: Er hat uns eine Vertretung des jüdischen Volkes gegeben, die seit 1900 Jahren nicht existiert, hat, anerkannt irn Mandat, und das ist der höchste politische Schatz, den wir Juden besitzen. Wir kommen heute mit Forderungen, wir hüben Rechte in Palästina. Diese Rechte basieren auf dem Mandat, auf der Existenz einer Repräsentanz des jüdischen Volkes. Wollen wir diese Repräsentanz vernichten, weil in dieser Generation Menschen leben, die sie nicht genügend richtig band haben? Das wäre Selbstmord. Die politische Vertretung des jüdischen Volkes ist das Beste und Wichtigste, was wir haben. Prof. Brodetsky betont, daß die Exekutive gegenüber den Revisionisten an Langmut nichts zu wünschen übrig ließ. Die Maßnahmen der Exekutive gegen Brith Trumpeldor sind erst nach der Verbreitung des Zirkulars durch den Brith Trumpcldor er griffen worden. Wir können es unter keinen Umständen zulassen, sagte Prof. Brodetsky, daß Gruppen unsere schwere und verantwortungsvolle Arbeit durchkreuzen. Wir haben auf Grund international fundierter Rechte die Möglichkeit, Forderungen an die Mandatarniacht zu stellen. Für England wäre cs viel leichter, die Wünsche der einen oder der anderen Gruppe nach Zertifikaten zu erfüllen. Aber wir hätten uns des Rechtes begeben, die Forderung im Namen des ganzen jüdischen Volkes geltend zu machen. Eck« KümtnarstraB« i iaa«S Heneriffnnng Wiens Sensation "Aia K>a" Luftiger Saal für 700 Personen Suppen SS Gr. 2 Zuspeisen 35 Gr. Gulasch oder 2 Zuspeisen mit Fleischauflage 50 Gr. Braten mit 2 Zuspeisen S 1*— Menüs S 1*30 Naturweine von 35 Gr. aufwärts Faßbier 7« 13 Gr. Das Wort Boykott ist mir verhaßt, denn wir leiden an Boykott 1900 Jahre. Ich würde nie zugeben, daß Juden Juden boykottieren sollen. Es ist die Frage, ob Gentlemen-Farmer im Lande wichtiger sind als eine arbeitende Bevölkerung. Aus erste ren werden wir nie ein Volk machen, wir brauchen jüdische Arbeiterhände in Palästina. Wir haben den Arabern Millionen Pfunde gegeben. Haben wir je ein Wort der Anerkennung gehört? Im Gegenteil, gerade diese Araber sohreien am meisten, man solle Juden keinen Boden verkaufen. Es gibt noch einen Faktor, der heißt jüdische Arbeit. Das heißt, was in Palästina geschieht, muß durch jüdische Hände geschehen. Dieses Prinzip haben wir noch nicht verstanden. Die Geschichte von Kfar Saba wird lange in der Geschichte leben als ein Zeichen der Unwürdigkeit dieser Generation. Im Jahre 1929 war eine Shaw-Kommission, die die Aufgabe hatte, die dislozierten Araber festzustellen. Das war alles auf Lüge aufgebaut. Vier Jahre haben wir unter dieser Peitsche zu leiden gehabt. Diese Peitsche ist veraltet und eine neue Peitsche erfunden: die arabische Arbeit. Es gibt aber auch eine jüdische Immigration, die man unter allen Umständen Alleres rüsflges Ehepaar, Holla« brunn, sucht erfahrene UlrftMerln NMheres Dr. Kerl lelllnek, Wien, Marlahllferstr« 100. Tel« R 35-400 unterdrücken muß. Die Unterdrückung derjenigen Juden, die mit großen Summen zu Bodenspekulationszwecken nach Palästina kommen. Diese sind Verräter am jüdischen Volke. Nicht der Jude, der kein Geld hat, ist dio Gefahr für Palästina, sondern diejenigen Juden, die mit ihrem Geld Spekulationen betreiben. Dio Araber müssen die Überzeugung gewinnen, daß die Juden nicht mehr aus Palästina wegzudenken sind. Das hängt aber von einer großen jüdischen Bevölkerung ab. Das ist das Problem der jüdischen Arbeit. Wenn es in Palästina Menschen gibt, die sagen, daß die Regierung recht habe, wenn sie uns zwingen will, Araber zu beschäftigen, dann sind diese Patrioten falsche Patrioten. Heute darf es nur ein einziges Volk geben, und wir müssen immer auf dem Boden des Am E c h a d stehen, das ist das jüdische Volk, das in der Vergangenheit gelebt und in dieser Generation das Privilegium hat, das jüdische Volk zu sammeln und die Heimat seiner Zukunft wieder aufzubauen. (Stürmischer Beifall.) Präsident Dr. Friedmann dankte dem Re ferenten für die Zuversicht,, die er in unsere Kreise getragen. Diese Worte — sagte I’r;; sident Dr. Friedmann — waren notwendig uni uns in den schweren, Verantwortung» vollen Tagen neuen Mut und Kraft zu geben Wir sehen Palästina, wie es steht und wie es größer und größer wird, und wir sehen die Hoffnung unseres Volkes in Palästina und jeder, der aus Palästina zu uns kommt, ist ein Sendbote für den Zionismus und ein Sendbote für den Glauben an die Unver gänglichkeit des jüdischen Volkes, und die sen Gedanken hat Prof. Brodetsky meister halt zum Ausdruck gebracht. Mit dem Absingen der „Hatikwah“ fand dio Eröffnungssitzung ihren Abschluß. Fortsetzung und Vertagung der Landeskonferenz Die Zionistische Landeskonferenz fand am Mittwoch, dem 18. d., im Heim der Zionisti sehen Bezirkssektion Leopoldstadt ihre Fort Setzung. Unter Vorsitz von Prof. Stein und Frau Federn-Lipschütz spra chen an diesem Abend Präsident des Zioni stischen Landeskomitees Dr. Oskar Grün bäum, der Vertreter der Radikalen Doktor Leopold Plaschkes und schließlich hielt Prof. Brodetsky noch einmal eine län gere Ansprache. (Wir berichten hierüber in der nächsten Nummer der „Stimme“.) Jn folge vorgerückter Stunde — es war bereits Mitternacht geworden — wurde die Zionisti sehe Landeskonferenz für Mittwoch, den 25. d., vertag t. de Pressekonferenzen bet Professor Brodetsky Der Zionistische Landesverband benützte die Anwesenheit des Mitgliedes der Zionisti sehen Exekutive, Prof. B r o d e t s k y, in Wien zur Veranstaltung von z w e Pressekonferenzen, die beide über aus erfolgreich verliefen. Mittwoch mittag empfing Prof. Brodetsky die Vertreter der Wiener Tagespresse, denen er in einer einstündigen Ansprache ein lebendiges Bild über die grandiosen Fortschritte der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina vermittelte Die großen Wiener Tageszeitungen widmeten den Ausführungen Prof. Bodetskys großen Raum. Am Vorabend desselben Tages sprach Prof. Brodetsky vor den jüdischen Auslandberichterstattern, die nahezu vollzählig erschienen waren. Die Wiener Amtliche Nachrichtenstelle sowie der Vertreter des Reuter-Bureaus in Wien haben die Referate Prof. Brodetskys der Auslandpresse weitergeleitet. Die politische Studienkommission des zionistischen Aktionskomitees Jerusalem, 16. April. Einer der wichtigsten politischen Beschlüsse der letzten Aktions-Komitee Tagung betraf die Bildung einer politi sehen Studienkommission, deren Aufgabe es sein soll, als Vorher eitungsarbeit für den nächsten Kongreß die wichtigsten politischen Probleme der zionistischen Bewegung zu bearbeiten und einheitlich Vorschläge zu erstatten. Diese Vorschläge sollen dann der politischen Kommission des Kongresses vorgelegt werden. Die Stellung der Kommission gegenüber der Exekutive ist eine ausschließlich beratende. Die Kommission wird aus COGNAC- und SPIRITUS¬ BRENNEREI ntoddrn«r Bmtrlmb« selbst Fachmann, sucht Kompagnon zwocfcsjUberslodliing noch Palästina. Unter „Kompagnon“ ao die Administration des Blattes. zwei Sektionen bestehen, von denen die eine ihren Sitz in Ixmdon, dio andere in Jerusalem haben wird. Der Londoner Sektion der Studienkommission gehören vorläufig Dr. Nahum G o 1 d m a n n, M. J a r b 1 u m, Harry Sacher und Dr. S c h w a r z b a r d an. Die Jerusalemer Sektion der Kommission besteht aijs M. M. Ussisehkin, I. Ben Zwi, Dr. B. Mors innon, H. F a r bstein und Ing. S. K a p 1 a n s k y. Ex officio gohöron der Kommission dio politischen Leiter der Agency-Exekutivo in liniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitniiiniininiiinimniinmnmmiinmiiminiuminiiniinimiiiiiii^j | beste Lage, großer schöner Garten, | fließendes Wasser, Bad im Hause, | komfortable Einrichtung mit und ohne | Wäsche, staubfreie Lage, in Sauer- 1 brunn, Badgasse 15» billig zu ver*! mieten. Tel. U 22-9-51. Ruhiger Auf- I enthalt — Keine Belästigung London und Jerusalem an. Außerdem hat die Studienkommission das Recht, auf Grund einstimmigen Beschlusses neue Mitglieder zu kooptieren. Wie aus der Liste der Mitglieder der Kommission zu ersehen ist, wurden in diese auch Vertreter der Opposition, nämlich der B-Gruppe der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi, gewählt. Der Fraueimotdlenst Radiovortrag der Frau Sophie Löwenherz Frau Sophie Löwenherz hielt vor kurzem im Radio einen Vortrag über den von Frau Bundespräsident Leopoldine Miklas initiierten Frauennotdienst. Die Wohlfahrtspflege, führte die Vortragende aus, hat in den letzten Jahren eine starke Wandlung erfahren. Sie entfernte sich von dem früheren, etwas primitiven Grundsätze, „dem Armen eine Wohltat zu erweisen“, immer mehr und setzte an dessen Stelle sozusagen das Recht des Befürsorgten auf Hilfe und dio Pfliöhfc des Besitzenden oder der sie vertretenden Gemeinschaft, diese Hilfe zu leisten. Es wurde aber in der Wohlfahrtspflege eid wertvolles Element in den Hintergrund gedrängt: der persönliche Kontakt der Hilfsbedürftigen mit Menschen, die für den Einzelfall stärkere Impulse zur Hilfeleistung aufzubringen vermögen als der Fürsorger von Beruf. Durch den persönlichen Kontakt verschiedener Bevölkerungsschachten wird aber auch in hohem Maße dem zweiten Leitgedanken unserer Aktion gedient, dem Gedanken des Friedens und der Versöhnung. Über alle konfessionellen und politischen Schranken hinweg, unbeschwert durch gesellschaftliche und soziale Unterschiede, werden Menschen zueinander finden, die sich bisher fremd und teilnahmslos, oft sogar feindlich gegenüberstanden. Die Frau soll wieder zu ihrem ursprünglichsten, zu ihrem ureigensten Gebiete zurückfinden, zu dem der Nächstenliebe, zur Arbeit für ihre unter den mannigfachsten Formen der Not leidenden Mitmenschen. Krankheit, Erwerbslosigkeit, Delogierungsgefahr, Mangel an Nahrung und Bekleidung, diesen Schrecken der Armen soll die Frau ihr gütiges, verstehendes Herz entgegenstellen, ihre Kraft und ihren Willen, zu helfen. Zu diesem Werke der Nächstenliebe hat die Aktion die Frauen aufgerufen, auch dio jüdischen, als deren Vertreterin in der Aktion ich heute spreche. Es ist erfreulich, welchen Widerhall der Ruf bereits gefunden hat, und doch ist noch alles zu wenig, ich appelliere an die jüdischen Frauen, denen durch ihren Glauben, durch den Bibelsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ die werktätige Hilfe für Arme seit Jahrtausenden zum religiösen Gebote geworden ist, die sich in dieser Stadt in jahrhundertelanger Mitarbeit an Werken der allgemeinen Nächstenliebe beteiligt haben, sich unserer Aktion anzuschließen, ihre Anmeldung, soweit sie picht bereits geschehen ist, bei der Fiirsorgezentralo der Kultusgemeinde unverzüglich vorzunehmen und dadurch ihren Beitritt in die Reihen jener zu vollziehen, die als freiwillige Helferinnen gegen Not und Verbitterung kämpfou wollen. Oos Palästina-Amt Wien teilt mit Dio Abfahrt österreichischer Chaluzim nach Erez Israel, dio für den 24. April d. J. geplant war, erfolgt atn Montag, den 23. d., uni 21.30 ab Wien-Südbahnhof. Dio Chaluzim treffen Dienstag in Triest ein, übernachten im dortigen Emigrantenheim ijnd werden sich Mittwoch, den 25. d„ auf dom i Dampfer „Gerusälemnie“ einpehiffen.