Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-04-13 · Heft 344 (13.4.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 344 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054098--4145-3059737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Solle 0 DIE STIMME WHiii wwumv ,i -swuuu llili.» .fiMIMWUWKUr^— Ty&niel Tscharnl aus Lettland aus• gewiesen Riga, 10. April. Auf Befahl »lo.= lcttlämlischcn Innenministeriums ist der bekannte jiddische Dichter und Pul»liz.i>t Daniel T s c h a r n i, clor vor einigen Monaten aus Berlin n a e h R i g a ii t> e r s i c d e 1 t war. aus Lettland au.^gewiesen worden. Wie die Zeitung ..Frimorgn” mitteilt, war gegen Techarni vorher eine Pressehetze ins Werk gesetzt worden. die auf die Initiative d e r deutschen Gesandtschaft zurück zu führen ist. Nachdem bereits vor mehreren Monaten der jid lische Volks Wirtschaftler und Korrespondent des Ncw-Yorker „Forward“ Jakob Lestschin.sk y. wie die gleichgeschaltete „Rigaer Rundschau“ feststellte, ebenfalls auf Betreiben der deutschen Gesandtschaft-, wegen seiner Artikel gegen die deutschen .Judenverfolgungen, aus Lettland ausgewiesen worden war. macht sich nun in jüdischen Kreisen eine Protestbewegung dagegen geltend, daß ausländische jüdische Schriftsteller in Lettland schutzlos sein und vom Belieben deutscher Kreise abhängen sollen. Sowohl Tscharni als auch Lestschineky sind, litauische Staatsangehörige. ftin *e.s^ überzeug.i ln allen Apott»eken- .S IMj wirkt rasch und sicher bei Rheumatischen Gichtischen Beschwerden, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. 6000 Ärztegutachten 1 Togal scheidet die Harnsäure aus, geht daher direkt zur Wurzel des Übels. Deutsche Behörde veranlaßt zwei Jüdische Ärzte Oberschlesiens ihre Klage beim Gemischten Gericht zurückzuziehen Warschau, 8. April. Zwei deutsch-jüdische Ärzte aus Oberschlesien, Dr. Feuereisen und Doktor Frankel, die auf Grund de.s Arierparagraphen von den Krankenkassenbehörden der Stadt Beuthen entlassen worden waren, werden nun wieder eingestellt werden. Die beiden Ärzte hatten gegen ihre Entlassung beim Gemischten deutsch-polnischen Sohiedsgerichtshof in Oberschlesien Klage erhoben, über die dieser Tage verhandelt werden sollte. Die Krankenkassenbehörden hatten sich durch Vermittlung eines Rechtsanwalts aus Kattowitz C an die beiden Ärzte mit dem Angebot gewandt, sie wieder anzustellen. Gleichzeitig baten die Behörden die Ärzte, ihre Klage, die auf Grund der Genfer Verträge über den Schutz der nationalen Minderheiten angestrengt worden war, zurückzuziehen. Die jüdischen Ärzte gingen auf diesen Vorschlag ein und zogen die Klage zurück. I' | Touristen, _ | Auswanderer, Reisende! H| Wenn Sie nach Palästina kommen, speisen Sie 1 gut, schmackhaft und billig In der Pension “| Abraham Schmid y | Tel - Aviv, Nachlat Benjamin 83 | Nette, reine Zimmer zu billigen Preisen Antisemitische Presseangriffe amtlich verboten in C har bin betreiben weißgardistische russische Offiziere in ihrem Organ „Naschput“ seit längerer Zeit eine antisemitische Hetze. Wie nun die in Shanghai erscheinende Zeitung „Israels Messenger“ meldet, erteilte das Ministerium des Äußern in Tokio dem Polizeichef von C har bin Johisuki Matsuda telegraphisch den Auftrag, alle antisemitischen Presseäußerungen zu unterdrücken und ebenso wie Verleumdungen des Judentums außerhalb der Presse strenge zu bestrafen. „Hut ab, vor Japan!“, schreibt „Israels Messenger“, „Europa sollte sich an den Asiaten ein Beispiel nehmen!“ Zusammenschluß alter Staats• zlonlsten Deutschlands Berlin, 8. April. Die Staats zionistische Organisation teilt mit: Sämtliche Staatszionistiseho Gruppen, die bisher in Deutschland bestanden, die Staatszionistisehe Organisation, der Verband der Zionisten-Revieionisten und dor Verband der Staatszionisten, haben sieh in der Staatszionistischeu Organisation vereinigt.. Diese ist somit die Einheitsorganisation aller staatszionistisch eingestellten Zionisten Deutschlands. An der Spitze der Organisation steht der ehemalige Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde Dir. Georg K a. r e s k i. Vizepräsident ist der ehemalige* Vorsitzende der Staatszionistischen Organisation Adolf FI i r s c h f e 1 d t. Dem Präsidium gehören ferner an: die ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes der Zio nis ten-Re vlsion teten Doktor Justus Schloß und Ernst Hamburger, der ehemalige Vorsitzende des Verbandes der Staatszionisten Rudolf Nathansohn, der Bundesleiter der Nationalen Jugend Herzlia (Betar) Willi W. Cegla, der Leiter des Brith Hasehomrim N. Scheinesohn und Louis Fließ. Uniformverbot für die jüdischen Jugendverbände ln Deutschland Berlin, 10. April. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit: Auf Wunsch derReichsjugendführung weisen wir nochmals nachdrüc.klichst darauf hin, daß das Tragen von Uniformen oder uniformähnliehon Bekleidungsstücken für alle jüdischen Jugend verbände verboten ist. Auch das Tragen von Koppeln jeder Art ist untersagt. Auslands- und Grendandsf ährten bedürfen der Gi'm hmigung durch die Reichsjugendführung. ★ Gegen die jüdischen Kleinhändler Berlin, 10. April. Der Deutsche Industrie- und Handelstag, die zentrale Organisation der Kleinhändler und der Verband der Angestellten unterbreiteten gemeinsam dem Reichswirtschaftsminister ein Ansuchen, ab 1. Juli 1934 Gewerbescheine für Kleinhändler auszugeben, womit der Kleinhändilerberuf an eine Lizenz gebunden sein wird. Man befürchtet, daß sich diese Aktion gegen die jüdischen Kleinhändler richtet, denen Gewerbescheine votenthalten werden sollen. Cadolzburg Ist stolz Fürth, 9. April. Auf einer Kundgebung der NS-IIago in Cadolzburg führte der erste Bürgermeister Eichner-Zirndorf, dem Fürther Anzeiger zufolge, aus, Cadolzburg könne stolz sein, keine Juden m besitzen, und es dürfe nie mehT einem solchen Einlaß bieten. * Die Dachauer „Kiesgrube“ Saarbrücken, 9. April. Ein deutscher Sozialdemokrat, der lange Monate im Konzentrationslager zu Dachau zugobracht hat und sich nun im Ausland befindet, sendet, der „Deutschen Freiheit“ in Saarbrücken einige Auszüge aus einem demnächst. erscheinenden Erinnerungsbuche, die bestätigen, daß die Lage der jüdischen Häftlinge womöglich schlimmer ist als die der niohtjtidischen. Die meisten sozialdemokratischen Funktionäre und besonders die Juden — so erzählt der deutsche Sozialdemokrat — erduldeten in der berüchtigten Kiesgrube die schlimmsten Drangsalierungen. Unzählige Gefangeno haben das Erdreich der Kiesrube mit Blut, Tränen und Schweiß genetzt. Hatte der Scharführer Frank aus Würzburg das Kommando über diese Arbeitsstätte, mußte zumindest einer bewußtlos vom Platze getragen werden. Es ist unmöglich, die Namen all derer zu nennen, die in der Kiesgrube ihr Blut verspritzten. Der jüdische Arzt Dr. Erich Braun aus Coburg, wird weiter erzählt, wurde am 1. Juli, vormittags 10 Uhr, im Keller unter der Gefangenenküche unter Aufsicht des Scharführers Erbsmüiler mit einem Ochsenziemer und Gummiknütteln derart geschlagen, daß ihm die Haut und das Fleisch in Fetzen von Gesäß und Rücken hingen. Dr. Braun lag monatelang im Revier. Vom rechtem Gesäßbackcn wurde ihm später das abgestorbene Fleisch ausgeschnitten, wobei ein fast zwei Hände großer Fleischfetzen abgelöst werden mußte. Als Dt. Braun nach seiner Genesung in die Kiesgrube abkommandiert wurde, schlug man ihn neuerdings bewußtlos. DeT Reisevertreter J. Wilmersdörfer aus Weiden wurde so oft und so fürchterlich gepeinigt, daß er den Scharführer Frank wiederholt bat: „Herr Scharführer, bitte, erschießen Sie mich doch!“ Der Pogrom in Gunzenhausen In gianz Mittolfranken wird — wie aus Nürnberg hier eintreffende Nachrichten besagen — zur Zeit eine scharfe Pogromhetze betrieben. Außer in Gunzenhausen kam es auch in Ansbach, Neustadt, Windsheim und in anderen Orten in den lotzten Wochen wiederholt zu blutigen Judenverfolgungen. In Günzenhausen wurden 1600 Mann auf die Beine gebracht, um ganze 19 jüdische Familien eanzufangen. Die schwere Panik, unter der diie Judenschaft dieser Gegend dauernd lebt, wird noch dadurch erhöht, daß keine Untersuchung nach den Schuldigen eingeleitet wurde. Die amtliche Version betreffend den mit mehreren Messerstichen in Brust und Rücken auf der Straße tot aufgofundonon 60jährigen Rosenau und den mit gräßlichen Verstümmelungen erhängt auf gefundenen jungen Rosenfelder lautet auf Selbstmord, eine ärztliche Obduktion der Leiche hat nicht stattgefunden. Sio Situation in Mittclfranken wird charakterisiert durch die Rede, diie Julius Streicher vor clen Arbeiterräten Nürnbergs gehalten hat. Streicher sagte: „Wenn ihr in eurem Betriebe einen Juden auf der Treppe trefft, so schmeißt ihn hinunter, daß das Blut nur so rumspritzt. Zeugen brauchen nicht dabei zu sein.“ Das im Zürich erscheinende „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ hat einen authentischen Bericht tibeT den Pogrom in Gunzenhausen erhalten, dem zu entnehmen ist: Ohne äußeren Anlaß überfielen am Sonntag, 25. März, in der Zeit von 9 biß 10 Uhr abends, Truppen von SA und SS sämtliche jüdischen Einwohner von Gu nzenhausen. Die Leute wurden in ihren Wohnungen überfallen. Wo die Türen nicht freiwillig geöffnet wurden, wurden sio mit Gewalt elngesohiLagen. Sämtliche jüdischen Männer, zum Teil auch Frauen und sogar Kinder, wurden ins Gefängnis geschleppt und auf dem Wege dorthin in fürchterlicher, roher Weise mißhandelt und verprügelt. Nach einer Schilderung des Todes des greisen Rosenau und des jungen Rosenfelder heißt es dann: Ein Greis von 76 Jahren, sehr gebrechlich, wurde auf dom Woge ins Gefängnis besonders schwor mißhandelt. Ein fürchterlicher Anblick: wehrlose Männer, notdürftig gekleidete Frauen und schreiende Kinder von einer sich wie wild gebärdenden Hordo durch das Städtchen geführt zu sehen. Die Grausamkeiten Nr. 314. — 13. April 1934 Tabak Preisermäßigungen ab 9« April 1934 Das Sinken der Kaufkraft, dos Publikums als Folge der Wirtschaftskrise hat, wie überall, auch in Österreich zu einem starken Abwandern der Raucher von den teueren zu den billigeren Fabrikaten geführt. Der Rückgang im Absatz der höher tarifierten Fabrikate bat einen besonders großen Umfang deswegen angenommen, weil die Preise dieser Fabrikate den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht mehr entsprechen; die Preise der höher tarifierten Zigarren stammen noch aus der Zeit der besten Konjunktur; die besseren Pfeifentabake sind fast durchwegs Neueinfiihrungen aus jüngster Zeit, bei denen eine viel weitergehende Steuerbelastung eingerechnet wurde als bei den aus früherer Zeit stammenden billigeren Pfeifentabaken; die teueren Zigaretten haben .1931, also gerade beim Eintritt. der wesentlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse, aus rein fiskalischen Gründen eino Erhöhung erfahren, die das Mißverhältnis zwischen sinkender Kaufkraft und Tarifpreis noch verschärft hat. So beträgt der «eit 1930 eingetreteno Rückgang im Verschleiß aller Zigarren des Luxus- und Spezialtarifes, der Ravag und Auslese- Zigarren des allgemeinen Tarif es mengenmäßig und im Geld insgesamt rund 45 Prozent. Der Verschleiß der mit 9 Groschen und höher tarifierten Zigaretten ist seit der Tariferhöhung im Oktober 1931 der Menge nach um 61 Prozent und im Golde um rund 57 Prozent zurückgegangen, bei Belvedere und Gloriette um nahezu %, bei der früher sehr beliebten Khedive von 5 auf etwas über eine Million Schilling. Auch die meisten Pfeifentabake des Spezialtarifes und die Blechpackungen des allgemeinen Tarifes sind rückgängig. Der in der letzten Zeit zu beobachtende Stillstand, bezw. die leichte Aufwärtsbewegung der Konjunkturkurve hat dazu geführt, daß die rückläufige Entwicklung der Verscldeißeinnahmen ebenfalls zum Stillstand gelangt ist, ja sogar eine leichte Besserung zu spüren ist. Die Tabak regio erachtet daher den Zeitpunkt für gegeben, die einsetzende Wendung zum Besseren durch Belebung des Absatzes der teueren Fabrikate zu beschleunigen. Bei dem Mißverhältnis zwischen Kaufkraft und Tarifpreis glaubt die Regie, einen solchen Impuls nur durch eino den wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßte Herabsetzung der Tarifpreise als ersten notwendigen und ausschlaggebenden Schritt zu einer Neubelebung des Verschleißes der besseren Sorten orzielen zu können. wurden im Gefängnis fortgesetzt und spotten jeder Beschreibung. Am Montag, 26. März, mußten auf Befehl alle jüdischen Geschäfte geschlossen bleilben. Erst diie von der nahen Großstadt herbeiigemfene Hilfe hat diesem zügellosen Treiben ein Ende gesetzt, und nachdem die Grundlosigkeit dieses Überfalles festgestellt war, wurden die gepeinigten Juden, nach 24stündigem Martyrium, wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Vorfall ist um so beschämender, als nicht einer den Mut aufbrachte, für die Juden, die schon Jahrhunderte das Städtchen friedlich bcwohi nen, einzuspringen, und sie so ihrem Schicksal überließen. Die Lage in großen Teilen Deutschlands, wird der Zeitung weiter gemeldet, wird immer bedenklicher. In Schlüchtern (Hessen) wurde dem Fabrikanten Wolf die bekannte Drciturm-Soifenfabrik einfach enteignet. Der Vorgang erregte riesiges Aufsehen. Man muß leider damit rechnen, daß die Tendenz, die Juden auszuhungern, in der Provinz immer mehr herrschend wird. Darübor hinaus ist auch in Tollen Bayerns die Pogromgefahr unmittelbar akut geworden. Die Juden des Auslands werden daran denken müssen, die Juden gewisser Teile Bayerns, wo Hitlers Duzfreund Streicher allmächtig ist, aus direkter Lebensgefahr zu retten. In Düsseldorf hatte der in seiner Ehre beleiidigto jüdische Rechtsanwalt Gottlieb den Beleidiger verklagt und ein obsiegendes Urteil erzielt. Bei einer Juristentagung in Köln hat nun Reiehsjustizkomrnissar Frank es für abwegig erklärt, daß ein Jude einen Ehrverletzungsprozeß gewinnen könne. ZIONISTENI JUDEN! GDUD — Z’VIMI. Heime : II«, Untere Augartenstrafle 35, Wollt Ihr eure Kinder vor Assimilation schützen? Wollt Ihr sie zu guten, aufrechten Juden erziehen? Schicket eure Kinder in den jüdischen Jugendbund: VI«, Loquaiplatz 11, IX«, Hörigasse 13, XV«, Herklotzgasse 25, XVII«, RÖtzergasse 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.