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Die Stimme · 1934-04-13 · Heft 344 (13.4.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 344 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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/3lätter der jüdiscn i I rau Aus der Wizo Wiens Drei Vorträge über „die jüdische Frau" Den Auftakt in der Kulturarbeit der „Wizo14 bildete der Vortrag des Herrn Dr. Leo Goldhammer' über „Die j üdisehe Frau als Wegbereiterin moderner Industrie n“. In ferne Vergangenheit zurückgroifcnd, ließ er uns den hohen Wellengang jener stürmischen Zeit erblicken. Jüdische Pein in fremden Landen. Die Judenvertreibung aus Wien. Erschütternde historische Ereignisse — geeignet, an Gegenwärtiges im Nachbarstaate zu gemahnen. Zu jener Zeit aber hütet der Jude treu seine „heilige Lehre“. Ihr zu dienen ist ihm heiligstes Gebot. Vernehmlichste Pflicht. Der Handel hingegen ruht vorwiegend in den Händen der Frau. Ihr obliegt es, den Kampf ums Brot für Mann und Kind aufzunehmen. Wer weiß — was das bedeuten will? Unter den ganz besonderen Begabungen wird der Dame Grazia Mendesia, der späteren Glückei von Hameln, und der Frau Esther Liebmann rühmlich gedacht. Letztere durfte sogar den selbständigen Tiel einer „Hofjürlin“ für sich beanspruchen. Sie war ein ausgesprochenes Finanzgenie und Wegbereiterin moderner Industrien. Zwei sehr wichtige Zweige verdanken ihr das Entstehen, und Pension Eckslein - Semmering zwar die Silber- und Kupferschmelzmanufaktur und die Seidenwarenerzeugung, da sie als erste den Seidenkokon nach Deutschland einführte. In weiterer Folge hielt Frau Dr. Martha II o f m a n n einen Vortrag über „Inte ressante Frau engest alten in der modernen Literatu r“. Sie führte uns in die Gefilde moderner und modernster Dichter und zeigte uns die Gestalten der Jüdinnen, wie sie sich in der Literatur spiegeln. Sie bringt die scharfsinnige Beobachtung, daß diese Dichter ihre Stoffe und Modelle zu ihren Romanheldinnen, ja, sogar die Namen, der Bibel entlehnen. Uber „Das Alltagsleben der jüdischen Frau in der Vergangenheit“ sprach zuletzt Herr Prof. Dr. B. M u r in e 1 s t e i n. In seiner Einleitung betont Herr Professor die große Bedeutung, welche diesem geistigen Problem zukommt. Im Judenturne sind Frauen Führerinnen, Prophetinnen, Königinnen gewesen. In den vielen Jahrhunderten dor Zerstreuung leisten sie nebst ihren schweren häuslichen Pflichten Mustergültiges. Es gibt unter ihnen Talmud-Autoritäten und Doktorinnen der freien Medizin. Lange vor dor neuzeitlichen Emanzipation. Als die große Zeit der „Romantik“ herangebrochen war, beherrschten Jüdinnen, wie Henriette Herz, Rachel Varnhagen, Dorothea Mendelsohn u. a. m., das geistige Leben Berlins. In ihren damals berühmten „Salons“ verkehrton die größten Dichter und Denker und wurden von diesen Frauen stark beeinflußt, ln dor Ära der großen Ronaissanccbewcgung finden wir die markanto jüdische Frauongestalt von heute wieder dort — von wo sie einst ausgegangon. In Erez Israel. Dort weiht sie wieder ihre Kraft dem Boden des Mutterlandes, die neuo Generation in eine frohere Zukunft hinüberleitond. Und hier anknüpfend. wurden dem Wirkungskreis der „Wizo“ Worte wärmster Anerkennung zuteil. Ottilie G r ö b 1. URALT Es war der Vollmond nach Frühlingsbeginn. Eine magische, duftende Mondnacht über Jerusalem. Riesengroß, greifbar nahe, quellend in ihrem flüssiggelben Licht, hing die Mondschale über dem Löwentor Bab el Isbad, durch das die Straße nach dem Wallfahrtsorte Nebi Musa — dem angeblichen Grabe Mosis — führt. Wir wanderten heimwärts von einem unvergeßlichen Sederabend in der Jerusalemer Gartenvorstadt Itechawja. Ich war fremd damals in Jerusalem und einer der Freunde — jüdischer Dichter und feiner Kenner der Stadt — brachte mich durch die herrliche Mondnacht heim in das Stadtviertel Musrara, wo ich logierte. Noch heute sehe ich jede Einzelheit dieses Weges mit all der visionären Klarheit vor mir, wie nur Erlebnisse von einmaliger Wucht sie dem verleihen, der sich lange danach gesehnt hat: ich sehe die Winkel, die Gassen und Bazargewölbe der Heiligen Stadt, von balsamischem Lichte milchweiß überflutet, sehe huschende Schatten vorüberhastender Araber und die hagere Gestalt eines armenischen Mönches, dessen dunkle Hautfarbe sich mit der schwarzflatternden Kutte zu spukhafter Harmonie vermählt. Wie erschrak ich Ortsunkundige, als der düstere Fremde plötzlich an uns heran trat, um — wie ich bald belehrt wurde — meinem Begleiter in arabischer Sprache um eine milde Gabe zu bitten. So eigenartigen Zaubers voll war diese Mondnacht, daß ich gerne einwilligte, als mein Dragoman, der Dichter, mich bewog, mit ihm auf niedriger Treppe die Stadtmauer zu ersteigen, die in breitem Bogen die unvergleichliche Stadt umsäumt. Von hier aus ließ sich das webende Geheimnis der mondbeglänzten Stadt mit ihren zahllosen Kuppeln und Gewölben, ihren Türmen, Moscheen und Toren, mit ihren Hügeln und den weithin sich erstreckenden Stadtmauern am ehesten entwirren. Aufwärts blickten wir zum ölberg und zum Berge der Späher — abwärts in das tief sich senkende Kidrontal. Groß stand der Mond über Bab el Isbad, von wo .die Straße nach Nebi Musa führt... „Kommen Sie morgen mit mir“, sagte mein Führer. -Ich zeige Ihnen den Einzug der Beduinen von El Challi, die stadtwärts ziehen, um das Fest zu begehen.“ „Welches Fest?“ fragte ich verständnislos. Denn ich begriff nicht, daß es jetzt ein anderes Fest als PeSvSach oder das christliche Ostern geben könne, so fern war ich noch dem Leben der Araber. Da aber zeigte mein Begleiter nach Nori den hin, dort, wo die Wüstendünen seltsam gefaltet gegen das Tote Meer hin ziehen. Jetzt, in der weißen Dämmerung des Mondes, konnte die Landschaft nur erraten werden — nicht erkannt, wie am hellen Tage von Roehawja aus. Westlich des Toten Meeres — erzählte mir nun der Dichter — abzweigend von der Straße nach Jericho, führt der Weg zwischen kleinen Hügeln durch dio Ebene zum sogenannten Grabe des „Propheten Moses“. „Des Moses Rabbonu?“ fragte ich in fast empörten Staunen. „Starb unsor Lehrer Moses denn nicht im Ostjordanland, blickte er nicht brechenden Auges vom Berge Nobo in das Gelobte Land, das er niomals betreten sollte? Wie also?...“ Er unterbrach mich fcinlüehelnd. Kundig des Arabischen und des in diesem Idiome NEBI MUSA Von Martha Hof mann lebenden Volkes, wußte der Dichter, daß nach islamischer Lehre Allah in seiner Gnade den Leichnam des Propheten Moses — „Nebi Musa“ — hierher überführt habe, um den Gläubigen des Koran die Wallfahrt zu erleichtern — und so könnten denn auch wir „Ungläubigen“ die Schar der Pilger, mit feierlichem Tanz und Gepränge von dem Grabe zurückkehren, in den heiligen Haram von Jerusalem einziehen sehen. Und er erzählte mir mit lebendiger Anschaulichkeit, wie es in diesen Tagen in dem kleinen arabischen Pilgerorte Nebi Musa zugehe, wo er erst gestern geweilt, selbst in arabischer Tracht mit Tarbusch und Galabija und dem Perlenkranze der Gläubigen zwischen den Fingern. Langlockige Beduinen strömten, so erzählte er mir, aus der ganzen Umgegend zum Grabe, ja selbst aus dem Ost-Jordanland kommen Pilger nach El Chalil. Ein Kranz ärmlicher Gaststätten und schmutziger Pilgerquartiere aus Leinwand und Lehm beherbergen die Festteilnehmer, bis die Gläubigen aus Jerusalem sie feierlich einholen, um mit ihnen durch das Löwentor nach dem Haram zurückzukehren. Ob ich nun also diese Heimkehr mit ihm am nächsten Morgen betrachten wolle? Freilich wollte ich dies. Und so begab ich mich in Begleitung meines Führers anderen Morgens zum Stadttor, das von buntwogenden Menschenmassen umlagert war, von arabischem Volke aus Jerusalem und den umliegenden Dörfern. Männer und Knaben hockten und standen dicht gedrängt seitlich der Straße in der frühen Sonnenglut. Wasserverkäufer — der Hitze Rechnung tragend — liefen in ihrer roten Türkentracht hin und wieder, klapperten mit den Metallschalen und schrien mit gellendem Schrei „Gazoz“ (Limonade), um die Dürstenden anzulocken. In seltsamem Gefäße tragen sie, quer vor den Leib gehängt, das dunkle Tamarindengebräu, das sie besonders liebon, in Gefäßen, die — wenngleich aus gelbem Metall — heute noch an den Ziegenbalg erinnern, der ihre Urform war. Mein Begleiter warnte mich, den süßlichherb duftenden Trank selbst bei größten Durst zu versuchen. Ruhr und Typhus könnten die Folgen sein. An der anderen Seite der Straße, auf den alten, niederen Stadtmauern, hocken dichtgedrängt im Türkensitz Knie an Knie die arabischen Weiber in ihren schwarzen Mänteln, das Gesicht mit weißem oder unheimlich buntei Seidentuch dicht verschleiert. Aufgeregtes Wogen durchbrandet die Schar der Verhüllten, urplötzlich aber erhebt sich ein ohrenzerreißendes Zungenschnalzen, Zirpen und Zischen, ein nicht mehr menschenähnlicher Laut, den die unzähligen Frauen mit Zunge und Gaumen hervorbringen; das ist das Zeichen der Anfeuerung, des begeisterten Zurufs — unserem „Hurrah“ vergleichbar — dor der eben einziehenden Vorhut der Derwische und Bauchtänzer gilt, welchen die kriegerischen Beduinen hoch zu Roß, mit großer Flinte und edelsteingeschmüektem Dolch bewaffnet, in weißem Burnus und Kefija folgen. Halbwüchsige Beduinenknaben sah man da, kindlich schmal, in langen Gewändern, die sie noch schmächtiger erscheinen ließen, das glatte, dunkle Haar in den Nacken gekämmt, während ihnen von den Schläfen lungo Haarsträhne, deren der frommen Judenknaben nicht unähnlich, herniedcrwallon. Ja, auch geflochtene Zöpfchon und kunst- FRAUENBEILAGE DER „STIMME. FREITAG 13. APRIL1934 Us.NlSAN) 2. JAHRGANG NUMMER 7 voll gedrehtes Gelock tragen viele der tarizenden Beduinen seitlich der Schläfen. In gleitenden, wiegenden Tanzschritten kamen sie näher, halbkreisförmig um ein Bläserpaar gereiht, das in der Mitte schritt und aus einem einfachen Hirtenrohr langgedehnte, endlos tremolierende Töne hervorlockte. Kein Weib war im Zuge. Die Jünglinge und Männer aber, welche die Flötenspieler umringten, wandten sich in dem zuckenden Rhythmus des arabischen Bauchtanzes, wobei jeder Muskel des Leibes mitspielt und sich mitwiegt. Ein allmähliches Anschwellen zu ekstatischer Bewegung, eine immer raschere Drehung bis zu fanatischer Raserei — dann ein Abflauen und wieder Anschwellen — so schiebt sich dieser trunkene Zug bald rasch, bald stockend bis in die Tore der Stadt, von den schrillen, zirpenden und schnalzenden Tönen der begeisterten Weiber zu immer neuer Wildheit entfacht. Dann sprangen kräftige Reiter auf herrlichen, langmähnigen Araber!)engsten herbei, die mit reichen Schabracken behängt sind. Die prächtigen Tiere in jäher Drehung herumwerfend, vollführen die bewaffneten Reiter wilde Schwerthiebe nach allen Seiten des Himmels und zeigen, mit phantastischer Kühnheit der Reiterpose, ihre Künste des abenteuerlichen Schwerttanzes, wobei sie wilde, nationale Gesänge mit heiser-gutturalen Lauten hervorstoßen. Dazwischen immer wieder die grellen: „Gazog-Rufe“ der Limonaden- und Wasserverkäufer, das begeisterte Jauchzen der Menge, das Schnalzen der Weiber, der schrille Gesang der Sehwerttänzer. Und von allen Seiten der endlose Schrei der Gläubigen: „La illahäh illah alläh wamuhamad rasul alläh.. Verwirrt und halbbetäubt von all dem Wogen und Treiben ringsum, dem orgiastischen Zuge der kreisenden Tänzer, von all dem wilden, schrillen Geschrei und lechzend durch die nun erbarmungslos heruntergltihendo Mittagshitze, fasse ich den Arm meines Dragoman und finde Zuflucht im schattigen Tor, dessen uralte Quadersteine erquickende Kälte ausströmen. Und bald erfrischt mich mein Begleiter durch den kristallklaren Trank des modernen Gazozhändlers: reines Sodawasser. Tabakpreisermäßigungen ab q, April 1934 Zigarren: Imperiales um 30 Groseheu; Olympien« um 20 Groschou; Ideales, Corouas, llluslres, Entraetos, Tivoli und Ravag um 10 Groschen; Rosenburg um 8 Groschen; Herzdame, Großglockner, Frau Hitt um 6 Groschen; Kobdnzl, Kobenzl-Auslese, Nobel- Virginier Auslese um 4 Groschen; Nobel- Virginier, Britaniea Auslose, Trabucos Auslose um 2 Groschen. Zigaretten: Belvedere um 3 Groschen; Holiane, Gloriette, Harun, Egyptischo I. Sorto um 2 Groschen; Kliedivo, Asta, Nil, Egyptischo II. Sorte um 1 Groschen. Pfeifentabake: Amerikan Blend und My Friend in Blechdosen ä 50 Gramm um 40 Groschen; Blue Bird und Bobbys Dream in Manschettenpaekungen ä 50 Gramm, Latakia in Päckchen ä 25 Gramm um 20 Groschen; Latakia in Blechdosen ä 50 Gramm um 05 Groschen; Oaballoro, Extrafein Dreikönig, Knaster, Rio Ln Blechdosen packungen ä 50 Gramm um 25 Groschen.

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