Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 344 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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orcsTiMüe Nr. 344. — 18. 'April 1984 Seit? 3 wmunMwm sich von U im ersten Jahresviertel 1933 auf 34 in der gleichen Periode des laufenden Jahres. Das Wiener Palästinaamt hat vom Einwanderungsdepartement der Jewish Agency in Palästina in der letzten Zeit eine größere Zuteilung von Zertifikaten erhalten. Mit dem Dampfer „Carnaro", der am 11. April von Triest abfährt, treten 30 Chaluzim und Chaluzoth aus Wien die Reise nach Palästina an. Am 24. April wird eine Gruppe von zirka 50 Personen mit dem Dampfer „Jerusalem“ nach Palästina fahren. Ferner begibt sich am 17. April eine Touristengruppe von mehreren hundert Personen zur Levante- Messe nach Tel-Aviv. Inland Nochmals die Kurdirektorstelle in Badgastein In „The Jewish Chronicle" vom 6. d. M. finden wir folgenden Brief des Charge d'A f f a i r e s der österreichischen Gesandtschaft in London, des H e r r n E. v. H e r z f e 1 d. an den Herausgeber: ..Die österreichische Gesa nd schaft wurde auf eine Notiz in Ihrer Ausgabe vom 19. Jänner d. J. aufmerksam gemacht, wonach der Regierungskommiseär von Badgastein von den Bewerbern um den Posten des Kurdirektors den Nachweis der rassischen Zugehörigkeit zur deutschen Nation (membership of the German race-nation) verlangt hätte. Erhebungen in Österreich ergaben, daß Ihre Mitteilung nicht, richtig ist. Bewerber um den Posten hatten nicht ihre Rassenzugehörigkeit (raoial kinship), sondern ihre Volkszugehörigkeit (nationality) nachzuweisen. Da die ungenaue Wiedergabe des j von Ihnen publizierten Sachverhaltes den Zustrom von Besuchern nach Badgastein ungünstig beeinflussen könnte, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Liebenswürdigkeit hätten, die irrige Darstellung in ,The Jewish Chronicle1 richtigzustellen.“ Hiezu wäre zu sagen, daß über Einschreiten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien der Regierungskommissär für Badgastein behauptete, daß das Begehren nach Vorlage des Taufscheines gleichbedeutend sei mit dem Begehren nach Vorlage des Geburtsscheines, Es muß aber angemerkt werden, daß auch das an die Bewerber gestellte Begehren, die Volkszugehörigkeit nachzu weisen, mit den bestehenden Gesetzen über die Gleichheit aller Staatsbürger nicht in Einklang zu bringen ist. Eine Frage an den Herrn Presse-Staatsanwalt Herr Staatsanwalt! Ihre große Praxis in Pressesachen wird es Ihnen ermöglichen, nach der Lektüre der hiemit wiedergegebenen Zitate festzustellen, aus welcher Zeitung sie stammen: „Der Jude ist der Feind aller Völker; er setzt ihrer heiligen Verachtung seine teuflische entgegen. Es gehört nicht wenig Phantasie dazu, um sich in eine Rassenj seele einzufühlen, die sich unter s o j grauenhaften Bedingungen zuj entwickeln verdammt ist. Wer J da noch sagt, daß der Jud ein Mensch wie ein anderer ist, der ist — ein gute« Fressen für die Juden.“ .,— — -- Keiner Regierung könnte* es etwa einfallen, die Juden zum — — S t. a a t s v o 1 k zu machen und uns öster reicher zu entrechten. Das Umgekehrte wäre aber o h n c w o i t e r j möglich Wae ergibt sich daraus? Daß es auoh.. das Richtige w ä r e.‘ ‘ Wir möchten wetten, Herr Staatsanwalt daß Sic sagen werden, es handle sich um i Zitate aus einer in Deutschland erschcinen- | den und in Österreich verbotenen Zeitung, Da irren Sie sich aber. Die Zitate stammen aus der in Wien erscheinenden Mittags | A ti s g a b e des „österreichischen Beobachter“ vom 10. April 1934 und sind dem Artikel „Jüdische Bürger? von Dominikus entnommen. Wir sind überzeugt, Herr Staatsanwalt, daß Sie diese unerhörten Beschimpfungen der Juden, diese Aufreizung zu Feindseligkeiten zum Anlaß nehmen werden, um hier energisch einzuschreiten. * Wie wir bei Drucklegung unseres Blattes erfahren, soll der „österreichische Beobach ter“ wegen Betätigung seiner Mitarbeiter für eine verbotene Partei eingestellt worden sein. Dies macht jedoch die vorstehenden Ausführungen nicht überflüssig. Himiiiiiniiitiiiiitiiiiiiiiiiii:mmmiim!mminiimmnmiiiiiiiiiiiiimnimiiimmimnniimniiiiiiii|M 1 CAFE I VICTORIA 1 AH SCHOTTENTOR ( WIEN I. ( SCHOTTENTOR IniurnmiiwniimmniiiinmiiHimiiiiiiiminiiimmiiminmimiiiiiimmiiiiiiimniiiiiiimiinmiifs Agudah-Jugend In der „R e i c h e p o s t“ vom 11. April linden wir unter der Überschrift „J ü d ische Jugend für religiöse Erneuerung“ folgende Notiz: ln der am 8. d. abgehaltenen Generalversammlung der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe (Wien-Leopoldetadt) wurde, wie der „Reichspost“ berichtet wird, ein Antrag eingebracht, der den Vorstand auffordert, an die Führer der religiösen Judenheit Wiens mit folgendem Ansuchen heranzutreten: 1. Beim Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens vorstellig zu werden und ihm nahezulegen, nachdem er fast durchwegs au« Männern besteht, die nach dem Schulchan Aruch (Jüdisch-religiöses Gesetzbuch) ein unreligiöses Leben führen, ihr Amt niederzulegen und durch Ernennung oder Wahl solche Personen in den Kultusvorstand zu entsenden, die durch ihren traditionstreuen Lebenswandel geeignet erscheinen, der Kultusgemeinde vorzustehen. 2. Sollte diese Vorsprache ohne den angedeuteten Erfolg bleiben, so werden die Führer der religiösen Judenheit Wiens aufgefordert; bei Herrn Bundeskanzler Dr. Dollfuß vorzusprechen und, nachdem der Herr Bundeskanzler über die Verwaltung und Zustände in der Kultusgemeinde entsprechend informiert wurde, an ihn die Bitte 7,u richten, es möge ein Gesetz ausgearboitet werden, wodurch nur solche Personen als Kultusvorstände gewählt werden können, die durch ihren einwandfreien, dem Religionsgesetz (bei Juden der Schulchan Aruch) entsprechenden Lebenswandel geeignet erscheinen, die Kultusgemeinde in wahrhaft religiösem Sinne zu führen, damit auch ein wirklich religiöses Geschlecht herangebildet werde. Von diesem Antrag wurde auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und der Bundeskanzler verständigt. Daß eine Agudas-Jisroel-Jugendgruppe gerade die „R e i c h s p o s t“ als Publikationsorgan gewählt hat, spricht Bände. Daß die Agudisten einerseits Subventionen von der Kultusgemeinde in reichlichem Maße einheimsen und andorseit in einem antisemitischen Blatt dieselbe Kultusgemeinde durch ihre Jugendlichen verunglimpfen lassen, das soll „religiöse Erneuerung“ sein? Das kann nicht einmal die „Rcichspost.“ glauben. Die Publikation hat in allen Wiener jüdischen Kreisen die hellste Empörung ausgelöst. Die Qualifikation dieses Vorgehens ist eine einhellige, ebenso wie die Qualifikation der Denunziation „über die Verwaltung und die Zustände“ in der ganz hervorragend verwalteten Wiener kultusgemeinde, deren Präsidium und Vorsteher die vollste Achtung des Wiener Judentums genießen. Die Agudas-Jisroel- Jugendgruppe hat sich sehr rasch den bezüglich der jüdischen Fragen herrschenden Methode angepaßt und geht auf die Gleichschaltung los. Angesichts der Kräfteverhältnisse im Wiener Judentum sind solche Tendenzen mehr als lächerlich. Aber sie lassen den Geist erkennen, der in den Kreisen dieser sonst unbekannten und geringfügigen Jugendgruppe herrscht. Die Agudas Jisroel wird erklären müssen, ob sie dieses Vorgehen einer Jugendgruppe billigt. KINOPROGRAMME DER WGCN E LeopoldstSdter VolKskino Telenhon R 40-0-23 vom 6. mb iß. April Joseph Schmdt in: „Wenn da lang bist, gehört dir die \ieit“ mit Szöke Szakall und Otto Treßler Wochentags VA VA ’/*lö Uhi, Monnu. Feiertags '/t4 Oht Auslands-Chronik Die nationalsozialistische Propaganda in Amerika New York, 11. April. Vor den Richtern in Los Angeles hat der Major Bert Allen, der beauftragt war, eine Untersuchung gegen die „Freunde des neuen Deutschland“ durchzuftthren, erklärt, der Organisator dieser Vereinigung, ein gewisser Dietrich G e fk e n, habe ihm selbst eingestanden, der Verband diene in Wahrheit nur dazu, die Sturmabteilungen zu tarnen. Die Nazis seien der Meinung, Amerika stände angesichts seiner wirtschaftlichen Lage am Vorabend einer Revolution. Sie bereiteten sich deshalb auf die Machtergreifung vor, genau so wie es Hitler in Deutschland getan habe. Er führte ins Treffen, daß man im Jahre 1930 in den Vereinigten Staaten 1,608.000 Personen deutscher Geburt und 6,873.000 Menschen deutscher Abstammung gezählt habe, und daß die Steuben- Gesellschaft im Jahre 1930 allein 3K Millionen deutscher Mitglieder umfaßte. Die Mitglieder der Sturmabteilungen müssen hundertprozentige christliche Amerikaner sein. Major Allen unterbreitete dem Gericht Flugschriften der Nazis, in denen behauptet wird, Präsident Roosevelt sei jüdisch-holländischer Abstammung und habe seine Wahl den Spenden der Juden zu verdanken. Die amerikanische Wirtschaftsgesetzgebung sei ein Machwerk jüdischer Bankiers. üt Codreanus Freisprechung Bukarest, 8. April. Das Kriegsgericht des 2. Armeekorps hat im Prozeß gegen die Mörder des Ministerpräsidenten Duca ein Urtedl gefällt, das in Rumänien und im Auslande Aufsehen erregt hat. Von den 52 Angeklagten wurden allein der Mörder Constantin e s c u und seine beiden Helfershelfer B e- 1 i m a c e und Caranica zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt, hingegen wurden die Führer der faschistisch-antisemitischen Eisernen Garde Codreanu und Genera! Cantacuzino sowie alle anderen angeklagten Mitglieder der Eisernen Garde frei gesprochen. Da« Urteil, wie die Prozeßführung überhaupt, geht auf eine Rehabilitierung der von der Regierung bekämpften und verbotenen Eisernen Garde hinaus. Sofort nach der Urteilsverkündung trat die Regierung zu einer Beratung zusammen. Nach der Urteilsverkündung demonstierte eine große Menschenmenge vor dom Geniohtosgebäude für Codreanu. In politischen Kreisen hält man unbeschadet des UrteiLspruches die Position der Regierung für nicht unmittelbar gefährlich. Das Gesetz zum Schutze deB Staates, das soeben vom Parlament angenommen wurde, gibt der Regierung die Handhabe, der Umtriebe der Führer der Eisernen Garde Herr zu werden. Das Gesetz untersagt den geheimen politischen Organisationen jede Propaganda der Gewalt und sieht Maßnahmen gegen jene Organisationen vor, die auoh nach ihrer Auflösung ihre Tätigkeit fort* setzen. * Der chilenische Außenminister über die Einwanderung deutscher Juden Santiago de Chile, 10. April. Der Außenminister von Chile gibt amtlich den Wortlaut einer Erklärung bekannt, die er als Antwort auf Bitten, die Einwanderung deutscher Juden nach Chile zu erleichtern, abgegeben hat. Die Erklärung; lautet: Die Regierung steht den verschiedenen an sie gelangten Gesuchen betreffend die Einwanderung deutscher Juden nach Chile mit großer Sympathie gegenüber. Die, Regierung wartet Informationen und die Beantwortung von Anfragen zwecks Herausgabe eines detaillierten Communiques zu diesem Gegenstand ab. Von Spanien aus liatj die Regierung das Ersuchen um Ein wänderungserlauibnis für 2000 deutsche Juden erhalten. Obwohl die chilenische Regierung in Einwanderungsfragen keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden macht, hält sie doch eine Einwanderung solchen Ausmaßes mit Rücksicht auf die starke Arbeitslosigkeit im Laude nicht für wünschenswert. Die gegenwärtig in Chile; lebenden 12.000 Juden stellen ein arbeitsames BcvöIkcrungseiJemont dar, das sich1 den Landesverhältnissen gut angepaßt hat, * Spanien naturalisiert die sephar* ätschen Juden Madrid, 8. April. Der spanische Ministerpräsident, Sonor L e r r o u x, erklärte, die Regierung werde Vorkehrung treffen, daß der dem Parlament vorliegende Antrag, eephardische Juden, Abkömmlinge der im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Juden, die jetzt im Ausland leben und sich um die «panische Bürgerschaft beworben, in Spanien zu naturalisieren, dring lieh behandelt werde. LANDESKONFERENZ DES ZION. LANDESVERBANDES FÜR ÖSTERREICH Dienstag, den 17. April, 8 (Jhr abends im Festsaal des Nied.-Öst. Gewerbevereines I., Eschenbachgasse 11 Referat: Universilaisprelesscr Dv. S. Brodeisky (Lenden)* Die gegenwärüge Lage 11X1 ZtCDiSXKItfS Eintritt nur für Mitglieder des Zion. Landeeverbandca. Karten zum Prciae von S 2*~ im Zion. Laudeskomitee, L, Kärntneratraße 28, Telephon R 27-4-68