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Die Stimme · 1934-04-13 · Heft 344 (13.4.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 344 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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W. 344. 13. April 1934 DIE STIMME Seite 3 Haowdim ist b o i weitem nicht so fertig, wie sie sich seihst vorkommt. I h r o Monopolstellung wird auch von mir abgelehnt. Man muß der Histadruth zugute halten, daß sie heute eine Fülle von sozialen Aufgaben erfüllt (Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung), die bei normalen Verhältnissen von der Gesamtheit der Nation erledigt werden. Wir müssen schnellstens dazu kommen, daß der Arbeitsmarkt durch eine übergeordnete nationale Instanz, die zusammen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern alle Entscheidungen zu fällen hat, in umfassendster Weise geregelt wird. Wichtigste Voraussetzung ist die Schaffung einer starken allgemeinen Zionistischen Organisation, die sich für alle Schichten des Jischuw in gleicher Weise verantwortlich fühlt und für die Stärkung der Autorität unserer Exekutive. Auch dem Misrachi sei gesagt, daß er seine berechtigten Forderungen nur durch geistige Beeinflussung und durch eine Änderung der Erziehung zur Tradition der Verwirklichung wird näherbringen können. Mit Gewalt oder durch formale Beschlüsse wird er niemanden der Religion verbinden; er wird nur einen gefährlichen überflüssigen Kulturkampf erzeugen. Ich bin der Meinung, daß die zionistische Bewegung alles tun soll, um den gesamten Jischuw mit unserer Geschichte und mit den alten Formen jüdischen Lebens zu verbinden. Gewissenszwang wird aber hier immer nur das schlechteste Mittel sein. Dem gegenwärtigen Parteienkampf muß ein Ende gemacht werden. Er kann uns der Verwirklichung unsere Ziele nicht näher bringen. Bei normalen Völkern bedeutet eine letzte innerpolitische Entscheidung zugleich auch eine veränderte außenpolitische Situation. Was aber bedeutet bei uns ein innerpolitscher Sieg? Nichts anderes als das Niederringen eines Volksteiles und in keiner Weise die Möglichkeit einer neuartigen Verwendung der uns zur Verfügung Stadt im Werden Von unserem Korrespondenten Ch, Baller, Tel-Awlv Und Gott sprach• Wer in diesen Tagen nach dem Hazäfon Tel-Aviva, in der Richtung zum Jarkonflussc, seine Schritte wendet, dem kommen die einfachen und immer so eindruckstiefen Worte der Schöpfungsgeschichte in „Bereschith“ in den Sinn: „Und Gott sprach: Es lasse die Erde sprießen... Da ward es also.“ Es ist nicht mehr nötig, zwei oder gar fünf Jahre zurückzugehen. An einem sonnenglänzenden Oktobertag des letzten Jahres, vor kaum fünf Monaten, versammelten sich tausend oder zweitausend Menschen auf einem wüsten Sandhaufen am Ufer des Jarkon in Gegenwart der Oberkommissärs und führenden Leute des Jischuws zur Feier der Grundsteinlegung für die vollständig neu zu errichtende Levantemesse. Wir sahen: in einigen hundert Meter Entfernung den weitgestreckten Bretterzaun des Stadionsplatzes, links und hinter uns eine verstreute Gruppe von Häuschen der „Schchunath Hazafon“ und rechts den der Mündung ins Meer unmittelbar zufließenden Jarkon. Und außerdem gab es Boden — erwartungsvollen Boden. Was der Teilnehmer an dieser Grundsteinlegung heute, nach dieser kurzen Zeit sieht, ist nicht so leicht wiederzugeben. Vor allem muß er suchen, sich selbst, in seinem Innern und in der äußeren Umgebung, zurecht zufinden. Das bloße Wissen um die „Allmacht der Technik“ ist nicht so stark genug, um zu verhindern, daß man von dem Wunder des Werdens erfaßt wird. Die Levantemesse ist von der so schönen, sauberen und farbigen Zeichnung, die uns die Baumeister und Ingenieure damals im Hotel Ritz, unmittelbar nach jener Feier, vorgeführt und erklärt haben, herunter und auf jenen Sandhaufen getreten, und sie steht stehenden Machtmittel. Die revisionistische jetzt lebendig und in eisenbetongreifbarer PALESTIN E & ORIE NT LLOYD die WELTORGANISATION ä für PALÄSTINAREISEN t? D . ■ VERTRETUNG FÜR . . V 5 - ÖSTERREICH': \ \ \A/|Ckj I REISEBÜRO CITY \ , l/'Aui kk K ni/r d dr.j:h körner KOHLMARKT 8 TUEPHON NiTÜ::26-4-29 Partei hat gezeigt, daß sie nicht zu uns gehört und nicht zu uns gehören will. Ihre provozierenden Deklarationen können nur den Sinn haben, daß sie den Ausschluß aus der Zionistischen Organisation dem Austritt yorzieht. Von der Exekutive ist zu verlangen, daß sie sich entschließt nachzuholen, was die zentralen Instanzen der Zionistischen Organisation seit Jahrzehnten versäumt haben: Durch Schaffung einer zentralen Stelle für Propaganda und Erziehung ist der Kampf gegen die zentrifugalen Kräfte ira Judentum neu aufzunehmen, und nur der Zionismus kann auf die neue Weltentwicklung den Juden eine Antwort geben. Der Vorschlag, die Exekutive dadurch zu erweitern, daß Vortreter anderer Gruppen in sie eintreten, wird in seiner Bedeutung überschätzt. Der Vorschlag ist abzulehnen, wenn etwaigo neue Mitglieder dor Exekutive sich dort in erster Linie als Gesandte außenstehender Gruppen fühlen. Weit wichtiger als die Erweiterung dor Exekutive ist die Aktion für dio Erneuerung der produktiven Kräfte in unserer Bewegung. österreichische Handelskammer entsendet Delegierten zur Levante- Messe nach Tel-Avlv Wie wir erfahren, wird die österreichische Handelskammer als offiziellen Delegierten zur Tol-Aviver Levantemesse den Regiernngsrat. Dr. Sattler vom Außenhandelsdienst dor österreichischen Handelskammer entsenden. Wirklichkeit vor dem Auge. Mit Palästen und Zinnen, Türmen und Häusern, großen und kleinen, mit Portalen und Transformatoren, Röhrenleitungen, Betonstraßen, Gartenanlagen, Baumpflanzungen, mit mit... Noch ist alles ein einziger, arbeitswimmelnder Werkplatz. Es arbeiten noch die Ebnungsmaschinen, es werden Gehwege gepflastert, elektrische Motore montiert, es wird gestrichen, gegossen, gefärbt, . geschmückt, es werden hundert Arbeiten gleichzeitig ausgeführt. Sie greifen ineinander und das Ganze wird offenbar von einer bis in die letzte Einzelheit vorausberechneten Disposition durchgeführt. In 10 bis 12 Tagen ist ein Haus gebaut, in vier Wochen ein großes Gebäude fertig, das sonst mehr als 4 Monato erfordert. Wird das Werk zum bestimmten Termin fertig? Die Leitung bejaht es mit bestimmter Sicherheit. Im Gogensatzo zu den früheren Messen hofft sie dio Arbeiten einige Tage vor der Eröffnung zu beenden. Aber das Wunder beschränkt sich nicht allein auf die Messe, die nach dem Willen und der Vorausberechnung eines großen Unternehmens mit Pläneu, Ingenieuren und einer umfangreichen Maschinerie hergestellt wird. Eis wächst auch ringsum und in weiter Umgebung parallel und spontan. Um die Messe ontsteht in einem Tempo, das auch für diese schnellwachsende Stadt ungewöhnlich ist, eine Stadt, eine neue Stadt. Ganzo Straßonreihen von Häusern sind schon iu dem gleichen Zeitraum entstanden — und sie sind bewohnt. Und darin offenbart sich die Natürlichkeit und die lebendige Dynamik dessen, was hier geschieht. Es ist, wie wenn lange zurückgehaltene Kräfte einen Ausweg gefunden und mit Macht ins Leben drängen. Was schon gebaut ist, ist nur ein Teil eines weit größeren Werdens in dieser neuen Stadtgegend. Kilometerweit erstreckt sich die Straße von dem Ausgangspunkt, der mit der Alleenstraße Elieser ben Jebuda zusammenfällt bis zum Endpunkt am Jarkon, und diese Straße füllt mit großer Schnelligkeit ihre beiden Fronten mit Häusern. Ja, die Messe verursachte oder beschleunigte den Bau zweier weiterer, nicht weniger langer Parallelstraßen, die eine schon fertig, die andere ihrer Fertigstellung entgegengehend, an denen nicht nur der gleiche Bauprozeß vor sich geht, sondern zwischen ihnen sind schon, wie im Netzwerk einer Spinne, die Querverbindungen im Entstehen begriffen. So sprießt es wahrhaftig, wie auf Gottes Geheiß, auf dem Boden ... 50.000 Quadratmeter umfaßte die letzte Messe vor zwei Jahren, 100.000 Qudratmeter ist das heutige Gebiet groß und man dachte zunächst für die unmittelbare Zukunft vorgesorgt zu haben. Da heißt es, daß schon für diesmal der Raum nicht genügen soll... Nach welcher Richtung wird man Abhilfe schaffen? Im Westen ist das Meer, im Norden der Jarkon, über den noch keine Brücke führt, die Grenze. Im Süden und Osten sind bereits an die Wohnhäuser Tel-Avivs erreicht. Aber der Messegott sorgte offenbar durch das Vorhandensein des anschließenden riesigen Stadionplatzes vor, der wahrscheinlich in der Not „einspringen“ kann. Weiter aber kann man auch hier nicht Vorsorgen. Die ffJarkonschlangeu In unmittelbarer Nähe dieser zauberhaften Entstehung von „Häusern und Schlössern“, von Stätten des Verdienens und Geschäftemachens, gibt es aber Menschen, für die das alles so ist, wie wenn es gar nicht existierte und die sich ganz anderen Interessen hingeben. Dicht hinter der Mauer, die das Messegebiet äbschließt, läuft der Jarkon und an dessen Ufer machen sich nackte, halb- und viertelwüchsige Buben mit den Booten zu schaffen, auf und unter denen sie wie die Ratten herumklettern, wobei es ihnen sehr wenig ausmacht, wenn hin und wieder einer ins Wasser fällt. Sie haben nur das eine Ziel, eines der schweren Boote flott zu machen und dann an der Fahrt teilzunehmen. Ist aber die Hoffnung, daß dem einen oder andern von ihnen später einmal der Sinn für die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“, die hier entstehen, aufgehen wird, nicht verschwunden, so sind die Interessenten der „Jarkonschlange“ dafür wahrschleinch unnettbar verloren. Die „Nachschon“ ist ein Segelboot ,das seetüchtig zu machen ein Bachur und eine Bachurah, er und sie im Badetrikot, beschäftigt sind. Die junge Frau befestigt eifrig die Segel an die Masten, der wetter- und muskelstarke Mann zieht sie hoch und reguliert sie windgerecht. Die palästinensische Märzsonne übergießt den Fluß und die Landschaft mit einer Fülle von Glanz und Wärme und das Meer lockt stärker als alle Geschäfte und wirtschaftlichen Persepktiven. Es dauert nicht lange und die „Nachschon“ ist seebereit, und in schellem Schuß gleitet sie der nahen Mündung zu und ins weite, licht- und farbenschimmemde Meer hinaus. Regierung schenkt arabischen Landwirten 96*000 Pfund Jerusalem, 9. April Die Palästina-Regierung hat Schulden palästinensischer Landwirte an Steuern und Raten für Landwirtschaftsdarlehen in der Ges amsumme von rund 96.000 Pfund gelöscht. Dieser Vergünstigung wurden ausschließlich arabische Landwirte teilhaftig. (Mit einem Wort: Mandat gegen das jüdische Volk. Die Red.) Frtck ln Palästina Jerusalem, 10. April. Der Reiöbsinneuminister der Hitler-Regierung; in Deutschland Dr. F r i c k wellte am E Sie orofte Wie lei SHoffen- Iotterie $900.000 toieler lei lei „(Melle 6tein" nn let „Solen Mia 332t ber geftent borgenommenen hntrbc .bte grofje grämte ber 30. Älüffenlottette S 500.000 (eine fj-ntbe ttffilfton ©djiHing) «uf ba$ 9h. 61262 8/8 loteöcntm, olfo mm* ntel)r 3um fünften ÜJtoXc bon ben gtücfltdjen Slunbctt bet: „©lüffftelle ©teilt" ffc* trennen. „®>lüc£ftelle ©tetn", SC&ieit, I., 2Bi$M lingerftm^e 21, an ber ,^o^en ©rüde", Filialen: VI., SJtartütytlfetftrafec 105, X., rttcnftrajje 101. 7. und 8. April Im Palästina. Die Polizei hatte einen speziellen Schutzdienst für ihn eingerichtet. Über deu Grund «eines Palästina-Besuches wird nichts mitgeteilt. 1500 städtische Arbiter helfen den Kolonisten Tel-Aviv, 9. April. Etwa 1500 städtische Arbeiter begaben eich in die Kolonien und in die Oramgenplantagen, um den Kolonieten bei der Ein*» bringung der Ernte und hei den übrigen Saisonarbeiten zu helfen, da sich infolge der Einwanderungseinsohränkung seitens der Palästinaregierung ein empfindlicher Mangel an Arbeiterhänden auf dem Lande bemerkbar macht. Die Mehrzahl dieser Arbeiter verzichtete freiwillig auf die in der städtischen Bauindustrie bestehenden ungleich besseren Bedingungen, nur um den Kolonisten aus ihrer Verlegenheit zu helfen. Viele Hunderte Schulkinder haben sich ebenfalls den Kolonisten zur Verfügung gestellt und lagern in Zelten rings um die Plantagen. Unter den freiwilligen Arbeitern befinden sich sehr viele Mädchen. Infolge des Abströmens vieler städtischer Arbeiter aufs Land wurde die Bautätigkeit in Tel-Aviv fast ganz unterbrochen, obwohl ein empfindlicher Mangel an Wohnungen und Geschäftsräumen besteht. Man hofft, daß der von der Palästina-Regierung zu erteilende neue Vorschuß an Zertifikaten diesem Zustand ein Ende machen wird. Wirkliche Erholung der Haut bt die schnelle, sanft-scharfe SWING Die Juden ZZ Prozent der Gesamtbevöllterung Palästinas Jerusalem, 11. April. Wie aus soeben veröffentlichten amtlichen Statistiken hervorgeht, ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung Palästinas an der Gesamtbevölkerung im Laufe des Jahres 1933 auf volle 22 Prozent gestiegen. Ungeachtet der Hindernisse, die die Palästiaaregierung der jüdischen Einwanderung entgegenstellt, wurden im Jahre 1933 30.327 jüdische Neueinwanderer registriert. Die jüdische Bevölkerung Palästinas zählt jetzt 245.000 Seelen. Über 15.000 jüdische Neueinwanderer haben im Verlauf des letzten Jahres Arbeit auf verschiedenen Gebieten gefunden. In industrielle Betriebe wurden 4000 Arbeiter neu eingereiht. Ebensoviele hat die Landwirtschaft aufgenommen. Die ü rigen Einwanderer haben als Beamte und Angestellte Beschäftigung gefunden. Die Auswanderung aus Österreich nach Palästina Wien, 9. April. Das österreichische Wanderungsamt gibt in seinem dieswöchigen Bericht eine Zusammenstellung der Ein- und Auswanderungen im Jahre 1933 und im ersten Quartal 1934. In Gegensatz zum starken Rückgang der Gesamtauswanderung stehen die Zahlen über die österreichische Auswanderung nach Palästina, die im Jahre 1932 bloß 81 betrugen, im Jahre 1933 aber auf 229 gestiegen sind. Auch das erste Quartal 1934 zeigt ungeachtet der Drosselung der jüdischen Palästina- Einwanderung durch die englische Administration eine Zunahme der österreichischen Einwanderung nach Palästina. Sie erhöht

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