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Die Stimme · 1934-04-13 · Heft 344 (13.4.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 344 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 341. gebenden Naehtsitzung. Es ist leider diesbezüglich alles beim alten geblieben. Zwei Parallelen drängen sich unwillkürlich auf. Palästina blüht wie eine Wunderblume und dasselbe Palästina wird von einem wüsten Parteihader erschüttert. Man sieht förmlich die wildgewordenen Parteien auf der Wunderblume Palästina herumtrampeln, wie im Sprichwort die Elefanten im Porzellanladen. Und die /weite Parallele: Außenpolitisch gibt es keine besonderen Differenzen. Seihst der schlechte 18. Kongreß bewies, daß die Parteien im großen und ganzen die auswärtige Politik der Exekutive billigen. Noch beim 17. Kongreß war das ganz anders. Innenpolitisch aber tobt ein wüster Kampf. Die Parteien wollen sich gegenseitig knock-out-schlagen, und wenn das so weitergeht, wird England als Ringrichter sich vergnügt die Hände reiben und den ganzen Zionismus auszählen. Dann wird der Zionismus so gründlich „down and out“ sein, daß er sich kaum mehr wird erheben können. Wir wollen uns kein Riehteramt anmaßen, weil wir selbst Partei sind. Die eine Feststellung ist uns aber wohl erlaubt: Das Schuldkonto der Revisionisten ist sehr groß. Es wäre aber falsch, die Sache so darzustellen, daß die Revisionisten und die Misrachisten die schwarzen Schafe sind und die Linken und die Histadruth die Unschuldslämmer. Solange die Führer der Histadruth identisch sind mit den Führern der Linken, und solange die anderen Parteien angehörenden Arbeiter in der Histadrüth nicht vorbehaltlos so gefördert werden, wie die poalezionistischen Arbeiter, solange also die Histadruth nicht neutralisiert wird, und solange der Ichud seine Politik nicht ändert, haben auch die Linken schuld an den bedauerlichen Verhältnissen in Palästina. Und solange poalezionistische Mitglieder der Exekutive sich als Saeh- O GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l.;"Kär[nerslrafje Nr. 61 Besitzer Olfo Kaserer WJENER RÄTHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer waPt^F ihrer Partei und nicht des ganzen Volkes betrachten — ein lehrreiches Beispiel' dafür ist die Zertifikatensperre für Österreich — muß man sagen: Nur jene Gruppe im Zionismus, die den Primat des Volkes höher stellt als die Interessen von Parteien oder Klassen, die jeden Klassenkampf von links und rechts ablehnt, ist allein dazu berufen, die Führung der zionistischen Bewegung zu übernehmen. Diese Gruppe, die viel stärker ist als sie glaubt, sind die Allgemeinen Zionisten. Die Allgemeinen Zionisten müssen sich aber ralliieren und in die jüdische Gasse hinausgehen und werben. Das ist nicht allzu schwer. Der beste Beweis hiefür ist der Zionistische Landesverband für Österreich, der mehr Mitglieder zählt als alle anderen zionistischen Organisationen Österreichs zusammen. Aber die Zeit drängt. In allen Ländern muß die Arbeit sofort oinsetzen. Der nächste Kongreß rnuß uns den Sieg bringen, nicht etwa aus Parteigründen. Die Existenz der zionistischen Bewegung steht auf dem Spiel. Die Linken und die Rechten haben in Jerusalem, jeder nach seiner Meinung, einen Sieg erungen. Das war aber, wenn es ein Sieg war, ein Pyrrhussieg. Wir fürchten: Noch so ein Sieg — und die zionistische Organisation ist verloren. Die Zertifikatsperre für Oesterreich Die Empörung über die sachlich ungerechtfertigte Sperre der Zertifikate ist eine allgemeine. Dem Laudeskomitee werden seitens zahlreicher Mitglieder des Landesverbandes die schwerwiegendsten Maßnahmen empfohlen. Das Landeskomiteo hat in seiner Sitzung vom 11. d. M. zunächst einhellig die Ab.sendung eines zweiten Protesttelegrammes nach Jerusalem und 13. April 1934 —jw-jfiiHuiiim— London beschlossen und die sofortige Aufhebung der Sperre verlangt. Bisher fehlt jede. Gegenäußerung der Exekutive. Die von der Ita am 11. d. M. veröffentlichte Meldung über eine Beilegung des Konfliktes entspricht n i c b t den Tatsachen. Palästinaabteilung "■«-TObno Josef Po^osr!!ll!Milllll!illl!lllI!lI!lllll!lA Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial - Waren transporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Tagesordnung für die am 17. und 18. April 1934 stattfindende ordentliche Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes für Österreich. Dienstag, 17. April 1934, %8 Uhr abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, l„ Eschcnbachgasse 11: 1. Eröffnung durch den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees, Herrn Dr. Oskar G r ü n bäum; 2. Bericht des Landeskomitees; 3. Wahl des Permanenzausschusses; 4. Referat des Mitgliedes der Zionistischen Weltorganisation, Herrn Prof. Dr. S. Brodetzky über Palästina. Mittwoch, 18. April 1934, A8 Uhr abends, im Heime der Zionistischen Bezirkssektion, II., Praterstraße 13. 3. Debatte; 6. Beschlußfassungen und Neuwahlen; 7, Anfälliges. Brodetsky über die A. C, Jerusalem, 9. April. Die Londoner und die palästinensische Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hielten in Jerusalem eine gemeinsame Sitzung ab, in der über die Modalitäten der Durchführung der von der Jerusalemer A. C. - Session angenommenen Beschlüsse beraten wurde. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen - Agentur äußerte sich der Leiter des Politischen Departements der Londoner Exekutive Prof. Dr. Selig Brodetsky wie folgt, über die Bedeutung der soeben abgeschlossenen Jerusalemer A. C.-Tagung: Die erste Jerusalemer A. C.-Tagung war gekennzeichnet durch die von der Exekutive ausgegangenen Friedensaktionen, die bezweckten: Erstens: Erreichung einer prinzipiellen Einigung in bezug auf das wichtigste aller internen palästinensischen Probleme: Schaffung eines Arbeitsfriedens durch Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie zwischen den. verschiedenen- Arbeitergruppen untereinander. .. - .......; Zweitens:, Regelung des . Probleriis.; der r e 1 lg i ö s e. n 'Haltung des Jischuw. Drittens: Schaffung einer Basis, für Erweiterung der Exekutive durch Auf-, nähme von Repräsentanten aller Gruppen der Zionistischen Organisation in dieselbe*. Will man feststollen, ob diese Bestrebum gen der Exekutive sich in der A. C*:Session, durchsetzten, so muß darauf hingew.iesen werden, daß alle die verschiedenen Grup-, pen innerhalb der zionistischen Bewegung, mit Ausnahmo der Revisionisten, mit Bezug auf die Probleme der Arbeit und der Religion einen entschiedenen Willen zu einem gegenseitigen Verständnis gezeigt haben und einem solchen Verständnis so nahe waren, wie seit vielen Jahren nicht. Dies ist die Situation nach der A. C.-Tagung. Es ist sehr zu bedauern, daß den Bestrebungen, die Exekutive durch Einbeziehung der noch außerhalb stehenden Gruppen zu erweitern, der Erfolg versagt blieb. Die Exekutive war durchaus zu einer solchen Erweiterung bereit, aber die Einigung scheiterte an der Haltung des Misrachi und anderer Faktoren, die unerfüllbare Bedingungon, noch dazu in einer lächerlichen Art, gestellt hatten. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist es aber doch, daß auf der verflossenen A. O.- Sossion eine g e m e i n s a m e Front hinsichtlich der Position des Zionismus, sowohl im inneren jüdischen Leben, als auch gegenüber dem Völkerbund und der M a n d a t a r m a c h t, sich herauskristallisiert hat. Ich bin der Ansicht, daß für eine solche Front nunmehr eine neue Basis geschaffen ist, da ein E i n v o rs t. ä n d n.i s über die politischen Grundsätze erreicht worden ist, Es ist sehr wünschenswert, daß diese gemeinsame Front sich während des kommenden Jahres in einer Welse konsolidiert, daß der nächste Kongreß eine sichere politische Basis. .vorfindet. ii-araWsche VerständigungsversMche in Palästina Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus bestinformierter Quelle erfährt, sind derzeit führende arabische Persönlichkeiten ernsthaft bemüht, mit den Juden zu einer Verständigung über die jüdischen, bezw. arabischen Rechte in Palästina zu gelangen. Dieselben Kreise treten gleichzeitig energiscli den in der arabischen Presse veröffentlichten Meldungen entgegen, daß E tu i r Abdullah von Transjordanien schon anfangs Juni zürn König von Palästina und Transjordanien gekrönt werden soll, falls er die Balfour-Deklaration als Grundlage für die Beziehungen zu den Juden in Palästina anerkennen werde. An diesen Gerüchten, erklärte der Gewährsmann der JTA, ist nur das eine wahr, daß man in gewissen arabischen Kreisen eine Verständigung mit den Juden wünscht und verschiedene Wege zu einer solchen sucht; von einer Ausrufung Emir Abdullahs zum König kann gar keine Rede sein. Der Bürgermeister von Jerusalem bei der Jewish Agency Jerusalem, 9. April* Der arabische Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, der seit Jahren keine Beziehungen zur Jewish Agency unterhalten hat, stattete am 5. April dem Leiter der politischen Abteilung der Palästina-Exekutive, Mosehe Snertok, während der Tagung de* Aktionskomitees einen Osterbesuch im Gebäude der Jewish Agency ab. Dieser Akt des Jerusalemer Bürgermeisters hat hier viel Aufsehen erregt. Das Wahlkomitee des Jerusalemer Magistrats hat mit der Zusammenstellung des Wählerverzeichniisises begonnen. Voraussichtlich werden die Wahlen in die Stadtvertretungen ganz Palästinas im Verlauf des Monats Mai stattfmden.; Während der Generaldebatte in der Sitzung des Zionistischen A.-C. in Jerusalem hielt Kurt Blumenfeld eine Rede, in der er die zionistische Lage kritisch beleuchtete. Blumenfeld führte ungefähr folgendes aus: Mit ernster Sorge muß man heute den Zustand der Zionistischen Organisation und das Verhalten der einzelnen Teile der palästinensischen Judcnheit betrachten. Wir sind noch weit davon entfernt, uns als eino fertige und vollendete Volksgemeinschaft zu fühlen. Wir benehmen uns aber so, als wären wir ein großes und fertiges Volk, das es sich leisten kann, seine Energien vor allem im inneren Parteienkampf aufzubrauehen. Gewiß werden die Parteien in der Zionistischen Organisation nicht beseitigt werden können, sie existieren und haben in einem gewissen Ausmaße auch Existenzberechtigung. Man kann eine Exekutive bekämpfen, aber auch für die Opposition muß diese Exekutive den Wert und die Autorität der obersten Instanz der zionistischen Bewegung haben. Jede Exekutivo ist immer unsere Exekutivo und nicht nur die Exekutive derjenigen Delegierten, die auf dem Kongreß für sie gestimmt haben. Gerade diejenigen, die allein im „Staat“ das Heil erblicken, müssen Verständnis für Disziplin haben. Was in einem Staat die Steuern sind, ist bei uns das durch die Fonds repräsentierte nationale Kapital. Wie jeder Bürger verpflichtet ist, auch einer ihm nicht genehmen Regierung seine Steuern zu zahlen, so ist jeder Zionist verpflichtet, die* ihm durch Kongreßbeschluß auferlegten Beiträge für Keren Hajessod und Keren Kajerneth zu bezahlen. Man kann der Exekutive nur den einen Vorwurf machen, daß sie zu spät und nicht I energisch genug eingegriffen hat. Ihr Ver- : halten gegenüber den Revisionisten war, j notwendig und muß vom A.-C. gebilligt werden. Die so viel angegriffene Exekutive hat 1 auf allen Gebieten, insbesondere auch auf! politischem Gebiet, gut gearbeitet. Die Exekutive muß dafür getadelt werden, daß die | zionistische Öffentlichkeit nicht über ihre i Tätigkeit informiert hat. Unter anderem jßörflUcH leicht nemncht“ setzt keine Kenntnisse voraus udü vermittelt ohne Vokabelbüffeln einen reichen Wortschatz sowie Grammatikkenntnisse an Hand palästinensischer, transkribierter Zeitungstexte. Das beste Selbstunterrichtsbuch! 170 Seiten Taschenlexikonformat. Im Inland S 7*20,beiVoraus* Zahlung für die kartonierte Ausgabe durch die PAG, r. Gen. m. b. H., Wien, VI., Capistrang. 2 Gesandter Earle Ober die Situation der Juden In Österreich New York, 9. April. Der soeben nach Amerika zurückgekehrte frühere Gesandte der Vereinigten Staaten in Österreich Earle sprach sich gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur über die Situation der Juden in Österreich ungefähr wie folgt aus: Den Juden ln Österreich drohen keine Gefahren. Die Gefahr, daß die Nationalsozialisten sich der Regierung bemächtigen, besteht durchaus nicht. Die einzig mögliche Änderung in dem österreichischen Regime wäre die Wiederaufrichtung der M o n a r c h i e; hiervon würden aber die Juden nicht besonders getroffen werden. verdient die erfolgreiche Tätigkeit der Exekutive nach den arabischen Unruhen im Oktober hervorgehoben zu werden. Die Aufrechterhaltung der Immigration nach diesen Ereignissen ist entscheidend ein Verdienst der Exekutive. Wir müssen von Grund aus umdenken. Unsere politischen Vokabeln sind durchwegs abgelebtes 19. Jahrhundert. Im gegenwärtigen Moment müssen zumindest die Führer unserer Bewegung erkennen, daß die Juden nicht mehr mit dom Strome des allgemeinen Lebens schwimmen, sondern überall in der Welt in ein Sonderleben gedrängt werden. Wir müssen unser Schicksal im wesentlichsten allein auf uns gestellt entscheiden und gestalten. Die politische Analogie hat. ihre beherrschende Rolle ausgespielt. Es muß mit aller Deutlichkeit klargestellt werden, daß die Arbeiterschaft nicht, der alleinige Träger des Aufbaus sein kann. Hat sie die ihr im System der Gestaltung der nationalen Entwicklung gesteckten Grenzen überschritten, so ist der Grund darin zu suchen, daß ihr ein würdiger national gleichberechtigter Partner aus der Welt des allgemeinen Zionismus bisher gefehlt hat. Die Histadruth

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