Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 344 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Preic dieser Nummer 20 g V. b. b. Heute 8 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG Heute: Tc&uen&eit<u$e Seite 5 „UcaUe Teste des Heiti^en tandes" Von Martha Hofmann Na*. 344 iMn—iiuny Wien, 13. April 1934 Redaktion und Administration; Wien, 1. Kärntnerstraße 28. Tel. R 27-4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. I (28. Nisan 5694) I 7» Jahrgang LHHHBnHHBHBHBHBBHgHBHHHBHHBBHBSDBa : Wir h^ben kürzlich die Darlegungen der „Neuen Zürcher Zeitung“ über den Minderheitenschutz in Österreich widergegeben. Aus diesen Ausführungen ließ sich unschwer die Besorgnis in den politischen Kreisen der Schweiz erkennen, in nächster Nähe wieder einen schweren internationalen Konflikt entstehen zu sehen, und außer uns sind auch in Österreich bestimmte Stellen darüber informiert, welche Folgen ein Angriff auf das geltende Völkerrecht gerade jetzt hätte. Eine Kette. ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und Österreich ist der schwächste und heikelste Punkt Europas. Eine unter dem Gesichtspunkt der Rasse erfolgende Aufrollung des Minderheitenproblems in Österreich würde automatisch die 'Aufrollung der gesamten Minoritätenstellung In allen europäischen Staaten, die mit dieser Borge,?u tun haben, nach sich ziehen und oWir .sind der ^Ansicht, daß die deutsche Minderheit bei -einer solchen Eventualität in einer weitaus ungünstigeren Lage wäre als die Juden. Der deutsche Nationalsozialismus und sein krampfhaftes Umsichschlagen hat ohnedies sehr schwere Gefahren für die deutschen: Splitter in den Nationalstaaten heraufbeschworen. Sie sind innerlich, sogar auch schon religiös zersetzt und sind, ob mit oder ohne Verschulden, in den Verdacht des mehr oder minder aktiven Irredentismus geraten. Gehen ihre Volksgenossen in Österreich zuth Sturm auf das jüdischo Recht vor, dann setzen sie die Rechtsstellung des Auslandsdeutschtums einer schwierigen Belastungsprobe aus. Das ist eine Frage, die sich die aus Südsteiermark, aus Deutschböhmen und aus der Bukowina gekommenen Herrschaften, die das österreichertum gepachtet zu haben glauben, sehr genau überlegen müssen. Sie werfen plötzlich die Revisionsidee auf. Was ist das? Was hat Österreich mit der Revision zu tun? Die deutschen Kerngebiete der gewesenen Monarchie sind nach dem Frieden im großen ganzen intakt geblieben; es ist der slowenische Teil Kärntens und das deutsche Südtirol verlorengegangen, dagegen das Burgenland hinzugekommen. Wir sind davon iiborzougt, daß die hier schriftleiternden Emigranten aus guten Gründen von Südtirol nicht laut sprechen und mit ihrem Gewissen ein Kompromiß machen. Über den Kärntner Teil hat eine reguläre Volksabstimmung entschieden und wer die anrührt, würde sofort auch die Abstimmung in Oborschlesien zu Frage stellen. Welche Revisionsidee kann da den eigentlich gemeint soin? Den „Wiener Neuesten Nachrichten“, die den Juden Sünde wider die Rcvisionsidoo vorwerfen, ist die Vorsicht durchgegangen. Sie leben im Dunstkreis der Idee, die programmatisch die Vereinigung aller Deutschen anstrebt; aber das Programm ist nur für die unterschiedlichen Volksfeste in Deutschland gültig, die der nordischen Rasse anstatt Brot und Verdienst vorgesetzt werden. Im gewöhnlichen Alltag hat das offizielle Deutschland auf die Deutschen im Osten und auf die Deutschen in Südtirol bereits verzichtet. Aber das Wiener Blatt Der Pyrrhtts-Sieg tat Jemsalftii Professor Brodetzky, der Leiter des politischen Departements der Exekutive in London, hat nach Beendigung der A.-C.- Sitzung der Ita eine Darlegung der Ergebnisse dieser Tagung gegeben. Sein Optimismus steht in einem starken Gegensätze zu den vorliegenden Verhandlungsberichten. Es ist wohl richtig, daß eine Reihe von wertvollen Beschlüssen gefaßt wurde. Wer genijniifljM Jerusalem, 11. April. Im Sinne der vom Zionistischen Aktionskomitee gefaßten politischen Beschlüsse hat die Palästinaexekutive der Jewish Agency Verhandlungen mit der Palästinaregierung mit dem Ziele aufgeriommen, Erleichterungen für -die Einwanderung bestimmter Einwandererkategorien durchzusetzen. Die Exekutive ist ferner bemüht, eine Verständigung mit der Palästinaregierung bezüglich der Zahl der für das nächste Halbjahr auszugebenden A r b e itereinwanderungs - Zertifikate zu erzielen. Vorläufig gehen die Verhandlungen hauptsächlich darum, daß Frauen und Eltern bereits in Palästina ansässiger Juden die Einwanderung erleichtert werden soll. Nach Abschluß dieser Verhandlungen soll die weitere Forderung der Jowish Agency behandelt werden, auch die Einwanderung von Handwerkern mit einem Eigenkapital von 250 Pfund sowie diejenigen von Personen über 35 Jahren zu erleichtern, beziehungsweise das Alter der auf Grund der : Arbeiterschedule Einwandernden heraufzusetzen. Die -Ausarbeitung eines Vorschlages für die 'Bemessung der Einwanderungsquote unter Mitwirkung von Vertretern des Einwanderungs-Departements der Palästinaregierung hat den Vorteil, daß dadurch zeitraubende Verhandlungen zwischen Agency und Palästinaregierung über die Höhe der Zertifikatezahl überflüssig gemacht werden. Auch wird dadurch vermieden, daß der Vorschlag wochenlang in den Bureaus des Einwanderungs-Departements behandelt wird, bevor er dem High Commissioner zur Bestätigung vorgelegt wird. VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 hat diese interessanten realpolitischen Eskamotagen Rosenbergs und Hitlers noch nicht zur Kenntnis genommen; darüber wird nicht gesprochen. Mussolini und Gömbös haben ihre Meinung klar herausgesagt und die Unabhängigkeit Österreichs ist eine Sache, an der auch England, Frankreich, die Schweiz und die Tschechoslowakei sehr lebhaft interessiert sind. Es ist nichts mit der Revisionsidee, die für Österreich überhaupt nicht besteht, nicht für den Staat, nicht für seine katholische Mehrheit, nicht für seine jüdische Minderheit. Wenn die Juden, wie ihnen das die „Wiener Neuesten Nachrichten“ vorwerfen, gegen die Revisionsidee sündigen, so stehen sie damit nicht allein. Und wenn sie aus ihrer politischen Erkenntnis heraus die Unabhängigkeit Österreichs voraussetzungslos bejahen, so erfüllen sie damit nur ihre staatsbürgerliche Pflicht. Sicherlich sind die wirtschaftlichen Bestimmungen der Friedensverträge korrekturbedürftig. Aber die römischen Protokolle zeigen, daß die Rovision schon auf dom Marsch ist. Einstweilen wird die Linie Rom —Wien—Budapest ausgebaut. Wir werdon zu dem gemeinsamen Wirtschaftsgebiet von Triest bis Warschau und von Innsbruck bis Bukarest gelangen. Nur dio Hakenkreuzler der verschiedenen nationalen Riten arbeiten dagegen und sie bereiten noch für geraume Zeit Schwierigkeiten. Aber ein Anfang ist doch schon gemacht worden tind man wird zu dieser Revision kommen. Das Übel der Friodensverträge lag darin, daß ein in sochs Jahrhunderten organisch zusammongewachsenes Wirtschaftsgebiet zerschnitten wurde. Diese Verbindung wieder aufzunehmen und unter kluger Schonung der nationalen Individualitäten eine neue wirtschafts- und zollpolitische Einheit zu schaffen, das ist der Weg zur Beseitigung der Krise und der Arbeitslosigkeit. Das ist aber eine Revisionsidee, die den Eisenfressern und Weltvergiftem nicht paßt. Deutschlands Wirtschaft ist totkrank. Soll sie etwa auf die Weise saniert werden, daß im Herzen Europas neuer Hader, neuer Krieg entsteht? Uns ist der in Rom betretene Weg sympathischer. Er macht dem Annexionsrummel ein Ende. kann aber heute sagen, daß diese Be* Schlüsse zur Durchführung gelangen werden? Gewiß ist zum Beispiel der Beschluß, der eine schiedsgerichtliche Ordnung von Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnisse allen Parteien zur Pflicht macht, sehr begrüßenswert. Wir wären glücklich, wenn seine Durchsetzung in der Praxis als gegeben angenommen werden könnte. Wie aber die Dinge heute liegen, muß man fürchten, daß das Ende der wilden Streiks und der Raufereien zwischen Linken und Rechten noch nicht gekommen ist. Das darf natürlich niemanden davon abhalten, der nationalen Zwangsarbitrage mit Anstrengung aller Kräfte zum Siege zu verhelfen. Der diesbezügliche Beschluß mag schlecht sein. Dann muß er eben verbessert werden. Auf keinen Fall aber darf Öl ins Feuer gegossen werden. Der manchmal nicht einmal als latent zu bezeichnende Kriegszustand zwischen den Flügelparteien muß schleunigst sein Ende finden. Da die A.-C.-Sitzungen hinter verschlossenen Türen stattfinden und die bisher ausgegebenen Berichte mehr als mager sind, muß ein offizieller Bericht abgewartet werden, bevor ein endgültiges Urteil über die abgelaufene Tagung gefällt werden kann. Einstweilen aber kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß Brodetzkys Optimismus so zu werten ist, wie die Kommuniques über ergebnislose Beratungen des Völkerbundes, wo man nachher immer liest, es sei eine weitgehende Übereinstimmung der verschiedenen Standpunkte festgestellt worden und der Termin der nächsten Tagung werde noch bestimmt werden. Nichts wäre uns erwünschter, als daß wir unrecht hätten. Die äußeren Anzeichen aber sprechen dafür, daß eine Verschärfung der Parteigegensätze eingetreten ist. Der revisionistische Sonderverband wurde aufgelöst und die so dringend notwendige Erweiterung der Exekutive ist nicht erfolgt. Die Verhandlungen schleppten sich über die vorgesehene Zeit hinaus und endigten mit der unrühmlichst bekannten, immer sich er- 16« und 17. April: Landeskonferenz der österreichischen Zionisten Wie bereits mitgeteilt, findet die die sjährige Landeskonferenz (Delegiertentag) des Zionistischen Landesverbandes für Österreich am Dienstag, den 17. d. M., und Mittwoch, den 18. d. M., statt. Die Eröffnungssitzung findet Dienstag, um 8 Uhr abends, im Niederösterreichischen Gewerbeverein, Wien, I., Eschenbachgasse 8, statt. Das politische Referat hält an diesem Abend das Mitglied der Zionistischen Exekutive, der Leiter des Außenpolitischen Departements der Jewish Agency in London, Prof. Selig B rode t s k y. Eintritt zur Eröffnungssitzung finden nur Mitglieder des Zionistischen Landesverbandes. Karten zum Preise von S 2.— — für Jugendliche ermäßigt — im Zionistischen Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86. 14, April: „Ausonia“ 17. April: Offizielle Messereise 30.April: Zweite Messereise mit dem Luxus-Motorschiff „Vulcania“ Uber Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut 9. Mal: S. S. „Tel-Aviv“ Für Einzelreisende Schiffskarten zu Orlglnalpreisen I Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX. Spitalqasse 3 M Te'ephon B 42-5-38 Nach Palästina mit der Compass Tours