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Die Stimme · 1934-04-10 · Heft 343 (10.4.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 343 (10.4.1934)
Date
1934-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 343. — 10. April 1934. DIE STIMME Seite 8 BUFiigjjeyir^.«mwTO>iw^wBai Franz Oppenheimer 70 Jahre alt Am 30. März vollendete Professor Franz Oppenheimer sein 70. Lebensjahr. Prof. Dr. med. et phil. Franz Oppenheimer wurde 1804 in Berlin als Sohn des Predigers der jüdischen Reforingemeinde Dr. Julius Oppenheimer geboren, studierte ursprünglich Medizin und war zuerst als Arzt in Berlin tätig. Angeregt durch Theodor Ilertzkas „Freiland“, wandte sich Oppenheimer dem Studium sozialer Probleme zu. Er schrieb 1895 „Freiland in Deutschland“, in welchem er eine Lösung der sozialen Frage unter gleichzeitiger Ablehnung des Kommunismus durch Aufhebung des die Landflucht begünstigenden Großgrundbesitzes vorschlug. Diese Idee arbeitete er in der Schrift „Die Siedlungsgcnossonsehal't, Versuch einer positiven Überwindung des Kommunismus durch Lösung des Genosscnschaftsproblems und der Agrarfrage“, sowie in der Schrift „Großgrundeigentuni und die soziale Frage“ breiter aus, womit sein Ruf als Theoretiker überhaupt begründet wurde. Eine Reihe weiterer Werke galt der Kritik des Marxismus. 1908 promovierte er mit der Dissertation „Der Staat“ zum Doktor der Slaatswissenschaften, 1909 habilitierte er sich in Berlin als Dozent für Volkswirtschaft, 1917 wurde ihm der Professortitel verliehen, 1919 wurde er als ordentl. Professor für Soziologie und theoretische Nationalökonomie an die Universität Frankfurt a. M. berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1929 wirkte. Hier vollendete er die Grundlage und den Ausbau seines Systems „Die allgemeine Soziologie“ und veröffentlichte das grundlegende Werk „Soziologie des Staates“. Als Soziologe hat Oppenheimer ein System geschaffen, wie es die großen Klassiker Comte, Spencer, Schäffle, Ratzenhofer und Dürkheim versuchten; ein System, das, auf den psychologischen Grundlagen von MacDougall fußend, die ganze materielle und geistige Welt einbegreift und als Ausgangspunkt der Forschung' ein Standardwerk darstellt. Im Jahre 1902 kam Franz Oppenheimer mit Theodor II e r z 1 in Berührung und wurde von diesem für den Zionismus gewonnen. Er legte auf dem VI. Zionistenkongreß das Projekt der genossenschaftlichen Kolonisation in Palästina vor, wiederholte es 1909 auf dem IX. Zionistenkongreß und unternahm 1910 in Merchawja den Versuch, seine Pläne zu verwirklichen. Er veröffentlichte eine Reihe Schriften über genossenschaftliche Siedlung in Palästina. 1914 führte er in Amerika eine erfolgreiche Propaganda für die kooperative Siedlungsform durch, die auch in Deutschland nach seinen Plänen versucht wurde. An der Gründung und dem Ausbau des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland hat er in hervorragender Weise mitgewirkt. Während des Krieges und später trat Oppenheimer mit großer Energie gegen den Antisemitismus in Deutschland auf. 'Seit. 1917 tritt er in Wort und Schrift für dio Idee einer nationalen Autonomie für die Minderheiten, insbesondere für die Ostjuden, ein. hu Vor-Ilitlernml im Hitler- Deutschland war er oft das Ziel diffamierender antisemitischer Angriffe. ArbeitermangelführtzurVerhaftiing^lüdisdie^^^rbeiter^ Jüdische Arbeitgeber erklären, sie seien wegen Mangels an jüdischen Arbeitern twungen, Araber zu beschäftigen. — Intervention des A. C. ge- Jerusalem, 5. April. 28 jüdische Arbeiter wurden am 3. April nachmittags in Kfar Saba von der Polizei verhaftet, als sie vor jüdischen Orangen-PIantagen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten standen. Die Verhafteten gehören allen jüdischen Arbeitergruppen, der Histadruth, dem revisionistischen Irgun, dem Poel Hamisrachi und der Agudas Jisroel, an. Die verhafteten Arbeiter sandten einen Appell an das in Jerusalem tagende zionistische Aktionskomitee, daß es zu ihren Gunsten interveniere. Das A. C. entsandte eine spezielle Abordnung nach Kfar Saba, um die Angelegenheit an Ort und Stelle zu prüfen. Die jüdischen Plantagenbesitzer erklären, sie seien gezwungen, arabische Ar beiter zu beschäftigen, weil ihnen infolge der Einwanderungspolitik der Regierung nicht genug jüdische Arbeiterhände zur Verfügung stehen. „Davar“ teilt mit, daß sogar die R eg i e r u n g, als Arbeitgeberin, unter dem Mangel an Arbeiterhänden in-? folge ihrer, die Palästina-Wirtschaft schädigenden Einwanderungspolitik zu 1 e id e n hat. Bisher wurden gemäß den geltenden Bestimmungen im Eisenbahndienst nur Personen, die des Lesens und Schreibens kundig sind, eingestellt. Wegen Mangels an solchen qualifizierten Arbeitskräften hat sich die Palästina-Regierung dazu bequemen müssen, arabische Analphabeten für den Eisenbahndienst zu engagieren. „Davar“ unterstreicht, daß Palästina das e i n z i g e L a n d in der Welt sei, das Analphabeten in einem so wichtigen Dienst beschäftigt. 4? Die Streiklage in Kfar Saba Jerusalem, 8. April. Nachdem mehr als 20 Angehörige der Histadruth, des I r g u n, des Poel Hamisrachi und der Agudas J i sr o e 1, die vor den jüdischen Orangenplantagen in Kfar Sab a, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten standen, von der Polizei verhaftet wurden, hat sich die gesamte jüdische Bevölkerung aus der nächsten Umgebung von Kfar Saba freiwillig zusammengetan, um Streikposten vor den Plantagen zu stehen. Die Polizei schritt wiederum ein und verhaftete neun Personen. Weitere 43b Ärzte in Palästina zur Praxis zugetassen * Jerusalem, 5. April. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Liste AUS Der gesteigerte Orangenexport von weiteren 436 Ärzten, unter ihnen un£ Seifenexport nach Übersee 11 Frauen, und 11 Dentisten, unter ihnen 2 Frauen, die zur Ausübung der Praxis in Palästina zu gelassen wurden. Es handelt sich in der Mehrzahl um Einwanderer aus Deutschland. Kompagnon für Palästina Bestehendes gutes Geschäft in Jerusalem will Filialen in Tel-Aviv und Haifa errichten. Kapitalerfordernis 9 mindest 1000 Pfund Sterling. Zuschriften unter: „Prosperität“ an „Die Stimme“, I., Kärntnerstraße Nr. 28 40,000 jüdische Schulkinder in Palästina Jaffa, 5. April. Der Gesamtexport Palästinas an Zitrusfrüchten in dieser Saison betrug bis zum 18. März 4.612.739 Kisten, davon 280.000 Kisten < ■ " u nef rui t, das übrige Orangen. Di Expörtziffer ist um 150.000 Kisten h ü n e r als die G e s a m tz a h 1 der während der gesamten Saison 1932/33 a u s g e f ü h r t e n Kisten Zitrusfrüchte. Die Fabrik „S c h e m e n“ in Haifa exportierte im Monat März 1934 Olivenöl und Feinseifen nach China, Indien, Aden, Portugiesisch- Indien, Australien, H a i t i, Estland und Finnland. Produktion alkoholischer Getränke in Palästina Jerusalem, 5. April. I Aus Anlaß von Presseberichten, daß rund \ Der Verbrauch an Rauschgetränken ist re- 800 jüdische Kinder in Palästina christliche ] vativ gering und beläuft sich derzeit auf Missionsschulen besuchen, stellt das Schul-; nicht ganz 5 Liter pro Kopf departement des W a a d Leumi fest, daß in dem unter seiner Aufsicht ste- Kolonienmlnister beglückwünscht Dr, Welzmann Jerusalem, 8. April. Aus Anlaß der Eröffnung des Daniel S i e f 1‘ -1 n s t i l u tri für landwirtschaftliche Chemie in Rcclioboth, das der Hebräischen Universität in Jerusalem unterstellt ist, hat der lligh Conunissionor für Palästina General Sir Arthur Wauchopo den Leiter des Instituts Dr. Cliaiin W e i zm a n n i m N a m e n d e s b r i t i s e h e n K o 1 o n i o n m i n i s t e r s Sir Philip C u n- I i f f e L i s t, o r b e g 1 ü c k w ii n «s e h t. A Der Geldumlauf in Palästina Jerusalem, 5. April. Laut amtlichem Bericht beläuft sieh der Geld u m lauf in Palästina jetzt auf 3,634.664 Pfund. Der gesteigerte Geldumlauf ist eine Folge des jüdischen K a i» i t a 1 z u f 1 u s s e s und der gesteigerten wirtschaftlichen Tätigkeit im Lande. lienden hebräischen S c h u 1 n e t z 27.652 jüdische K i n d e r erzogen werden. Im letzten Schuljahr stieg die Zahl der Schulkinder in diesem Schulnetz um 3741. In anderen jüdischen Schulen Palästi nas werden etwa 11 Liter pro Kopf und Jahr der Stadtbevölkerung. Es ist interessant, den wechselnden Geschmack der Konsumenten zu beobachten: Von 1921 bis 1931 stieg der Verbrauch an Arrak, der mit Aniszusatz aus Fruchtalkohol erzeugt wird, auf Kosten anderer Spirituosen, einschließlich des imitierten Arraks, der aus Melasse und Getreide er- 1.000 Kinder erzogen. zeilS'fc wird- Seit 1932 lio8t jedoch die Er- Insgesamt besuchen annähernd 40.000. Beugung von Fruehtarrak wesentlich tiefer, jüdische Kinder, etwa ein S e c h s t e L während die Erzeugung anderer Spirituosen des Jischmv, j ü d i sehe Schulen. I beständig im Steigen begriffen ist. Es wurden j Lizenzen für die Erzeugung von Rausch- * jgetränken an 25 Destillerien und 15 Wein- Finanzierung der Siedlttwgsufetiow j P^ssereien und für den Handel Lizenzen an Haifabucht-Gelände j 100 Engrassisten und 1000 Detaillisten aus- . , _ . .. I gegeben. Der Import ist relativ gering und Jerusalem, j. April. |botrug im jahre 1933 bis 7allll 30. September Dio Jewish Agency hat soeben die 1 e t z t e 3200 Liter Brandy und Kognak, hauptsäch- Rato einer Anleihe von 10.000 Pfund orhalücli aus Griechenland und Frankreich, 5100 teil, die zur Durchführung des S i e d l u n gs- Liter Gyn, hauptsächlich aus England, 22.200 werk ob im K i s c h o n- und Scheik .Liter Whisky, gleichfalls aus England, und A w r e i k - G o b i e t, dos Geländes an der schließlich 1600 Liter anderer Spirituosen, Haifabueht, aufgenommen wurde. Der Begrößtenteils aus Frankreich. Dio Verbrauchsginn der Siedlungsaktion ist für dio n ä c hsteuern betragen 50 Mils (zirka 1.50 österste Zeit in Aussicht genommen. Das in reiehisehe Schilling) pro 25 Zentiliterflasche, fünf Ja h r e n r Ü e k z a h 1 b a r o Dar-; respektive 40 Mils (zirka 1.20 österreichische lohen wurde der Jewisli Agency von der Schilling) pro Kilogramm denaturierten und South Africa (Binyan) Go.. Ltd. in 250 Mils (zirka, 7.50 österreichische Schilling) Haifa gewährt.;für niehtdenaturierten Spiritus. Der Zoll be- •k | trägt pro Liter 75 Mils (zirka 2.25 österreichische Schilling) für Arrak und 90 Mils (zirka 2.70 österreichische Schilling) für Jerusalem, 5. April. 'Kognak. Der Export hielt sich bisher in “ engen Grenzern, die Ziffern kommen denjenili gen des Imports ziemlich nahe und vollzieht 'sich hauptsächlich nach England, den Ver-i einigten Staaten Amerika und Ägbpten, in geringem Maße nach Indien, Südafrika und Kanada. Ohel-Theater kommt nach Europa Südafrikanische Zionisten beim stellvertretenden High Commissioner .Jerusalem, 4. April. In Abwesenheit des High Commisshner empfing dessen Stellvertreter, Chefsekretär John Ilathorn II a 11, eine ihm vom Mitglied der Exekutive der Jewisli Agency S h e rtok vorgesteilte Abordnung südafrikanischer Zionisten, bestehend aus dem Vorsitzenden des südafrikanischen Zionistenverbandes Nicholas K i r s c h n c r, den Mitgliedern der Verbandsleitung J. W. Senior, L. Braudo, Miller und Frau Haymann. Dio Delegation überbrachtc dem stellvertretenden High Commissioner die Grüße der afrikanischen Judcnheit und erörterte mit ihm Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung des jüdischen Nationalhcimcs. Das hebräische Arbeitertheater „Ohe hat sich auf eine Gast tour d n r i Europa begeben. Jugoslawischer Zionistenführer Dr. Alexander Licht 50 Jahre alt Am 11. April wird Dr. Alexander Licht, der Führer der jugoslawischen Zionisten, fünfzig Jahre alt. Ein Ausschuß, bestehend ans den Herren: Dr. Friedrich Pops, Belgrad, Dr. Moric Levi, Oberrabbiner von. Sarajevo, für den Landesverband, Dr. Marko Horn und Dr. Drago Rosenberg für den Arbeitsausschuß des Landesverbandes, Frau Julija König und Rosa Hacker für die „Wizo“, Julius König* und Dr. Otto Braun für „Makabi“, Dr. Marko Bauer und Doktor Schlomo Levi für den Keren-Kajemeth, Schalom Patjas und Meir Löwenthal für den Jugendverband, Dr. Hugo Kon, Präsident der Kultusgemeindc in Zagreb, Dr. Leo Steindler und Karl Friedmann für den Keren- Hajesod, bereitet eine würdige Feier vor. „Zidov“ in Zagreb und „Jevrejski Glas“ geben zu Ehren Dr, Lichts Sonder-Festnummern heraus. Aus dieser Aufmachung ist ersichtlich, daß es sich lim die Ehrung eines Mannes handelt, der im Mittelpunkt des . zionistischen, man kann ohne Übertreibung sagen: jüdischen Lebens, steht. Dr. Licht genießt seines lauteren Charakters wegen die Verehrung und Zuneigung aller Kreise. Er repräsentiert für mich und für tausende seiner Freunde den Typus des Edelzionisten, wie er uns aus den ersten Anfängen der Bewegung bekannt ist. Fern von jeder persönlichen Eitelkeit, fern jeder parteimäßig, engen Einstellung, steht für ihn immer der Zionismus an sich vor allem. Überall, wo er tätig war und tätig ist, in der ersten zionistischen Zeitschrift „Zidovska Smotra“ und dem „Zidov“, als Präsident des Landesverbandes, im Aktionskomitee der Weltorganisation, wirkt er durch seine umfassende Bildung, seinen blendenden Stil, seine hervorragende Rednergabe vorbildlich. Seit seiner Jugend steht er in den vorder-t steil Reihen der zionistischen Kämpfer. Den Krieg machte er als Offizier mit. Nach Bes endigung des Krieges nahm er wieder die Führung in die Hand und erfülte mit seinem Geist, mit der Macht seiner großen Persönlichkeit die ganze Bewegung, die auch in ihren Leistungen gegenüber den Leistungen der anderen Länder an hervorragender Stelle in der Gesamtbewegung steht. Doktor Licht hat das Glück, den Zionismus in Jugoslawien von der Wiege an, bis zum heutigen Tagen führend,' leitend zur Seite zu stehen, die große Entwicklung beeinflussend und bestimmend mitzuerleben, eine begeh sterto Jugend um sich zu sehen, die berufen ist, das Werk in Beinern Geiste einst weiterzuführen. Er hat keinen Feind, denn alle sind davon überzeugt, daß Dr. Licht sein Bestes: Ilcrz und Seele, Geist und Können und auch seine Gesundheit seinem Volke opfert. Dr. Licht kann mit Stolz und Befriedigung auf seine Arbeit zurückblicken. Die Wünsche, die ihm aus den Herzen seh ner unzähligen Freunde zum fünfzigsten Geburtstage gewidmet werden, mögen in Erfüllung gehen, möge er, der auch schweres Leid erfahren hat, alles Glück linden, das er, der gute Judo, der gute Mensch, auch vollauf verdient. Und möge er erleben, das Werk, dem er sein Lehen, seine Arbeit geweiht hat. gesichert zu sehen, politisch und viHsohaftlieh gesichert: E r e z Israel. G ustav Seid e m a n n.

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