Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 343 (10.4.1934)
- Date
- 1934-04-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 3 DIE STIMME Nr. 843. — 10. April 1034- ' salem begann. Mit tiefster Besorgnis blickte dm ganze zionistische Welt nach Jerusalem. T'.s soll hier über die dort gefaßten Beschlüße heule noe.h kein abschließendes Urteil gefallt werden. Eines steht aber schon heute fest, daß nämlich die Exekutive nicht, erweitert wurde. Es soll also eine brutale Maehtpolitik ihre Fortsetzung finden. Das Spiel von Prag wiederholt sich und wir müssen heute mit großer Bangigkeit daran denken, welchem Schicksal die zionistische Weltorganisation entgegengehen könnte. Wir wollen uns heute lediglich mit eine m Beschluß befassen, der in Jerusalem gefaßt wurde: Das Aktionskomitee hat nach einer bestellten Interpellation den Beschluß gefaßt, d a ß a n das Palästina amtin Wien so lange keine Zertifikate ausg e g e b e n w e r d e n, a 1 s d i e p o a 1 ezionistischen Mitglieder des Wiener Pa läs ti n a a in t es ihre Mandate nicht wieder erhalten. Dieser Beschluß ist eine Ungeheuerlichkeit. Es handelt sich hier um einen unverantwortlichen Vorstoß marxistischer Palästina zu verwirklichen, die Existenz abschneiden. Der vorliegende Beschluß des Aktionskomitees zeigt, daß die Zufallsmehrheit in Jerusalem von allen guten Geistern verlassen war. Es liegt einzig und allein in der Hand der Exekutive, das himmelschreiende Unrecht gutzumachen, das an den österreichischen Zibnisten verübt werden soll und bei den Österreichischen Zionisten einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat, dessen Auswirkungen verhängnisvoll sein könnten, Weitere Beschlüsse des A. C. Für inneren Frieden — Obligatorisches Arbeitsschiedsgericht — Autoritatives Arbeitsvermittlungsbüro Mitglieder des t e e s, der mit zurück ge wiesen Aktionskomia 11 e r Schärfe werden muß. Was Ist in Wien geschehen? Die sozialdemokratische Arbeiterpartei Poale Zion- Hitachduth, die dem zionistischen Landesverband nicht angehört, wurde von der österreichischen Regierung für aufgelöst erklärt und durch die hierüber erlassene Verordnung sind auch alle von dieser Partei besetzten Mandate erloschen, somit auch deren Mandate in der von allen zionistischen Gruppierungen beschickten Palästinaamts- Kommission. Nun hat das Aktionskomitee den ungeheuerlichen Beschluß gefaßt, daß Österreich insolange keine Einwan lerungszertfikate bekommt, als nicht dieser Beschluß revoziert wird. Die Herren Berl Locker und Genossen haben mit diesem Beschluß der zionistic-hen Organisation einen schlechten Dienst erwiesen. Weder der Zionistische Landesverband, noch sonst eine in Österreich bestehende zionistische Organisation wird sich durch diesen blamablen Beschluß des AC z w i n g e n lassen, Gesetze zu brechen, die für uns zwingender Natur sind. Wir sind und bleiben 1 o ya!e 3 ta a tsb ü r ge r und haben nach wie vor mit M a r x i s m u s nichts zu tun. Überdies hat der Leiter des Wiener Palästinaamtes die Exekutive auf diie Rechtslage aufmerksam gemacht und ihr für die Neu besetzung der zwei erloschenen Mandate entsprechende Vorschläge unterbreitet. Hierauf Ist vom Einwanderungsamt der Exekutive bis heute keine Ä n t w o r t erfolgt. Das A. C. nahm eine Resolution an, in der jede Provokation oder Gewaltanwendung innerhalb der zionistischen Reihen in Palästina und in den Diaspora- Ländern, ganz gleich von welcher Seite sie verübt werden, s c h ä r f s t e n s verurteilt werden und angeklindigt wird, daß solche Ausbreitungen auf das strengste verfolgt und daß Strafen bis zur Ausschließung au 6 der Zionistischen Organisation verhängt werden würden. Daß A. C. beschloß weiter, daß in Palästina, ein o b 1 i g a t o r i s c h e s .Schiedsgericht einzusetzen sei. welches Streitfälle zwischen Arbeitnehmern un i Arbeitgebern, beide Teile verpflichtend, zu schlichten habe. Ferner soll oin Arbcitsvermitt- 1 u n g s b ü r o mit Zweig'büros überall im Lande errichtet werden, in welchem Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer vertreten sein sollen. Ein zu errichtendes Z e n t r a 1 b ü r o, das zu einem Drittel aus Vertretern der A rbeiter, zu einem Drittel aus Vertretern der Arbeitgeber und zu einem Drittel aus Unparteilichen zusammengesetzt ist. wird die Aufgabe haben, Streitigkeiten unter den Gruppen der Arbeitnehmer hinsichtlich der Arbeitsverteilung zu schlichten und darauf zu sehen, daß die ArbeitsVerteilung ohne Unterschied der Partei nach dem Prinzip der aufeinanderfolgenden Registrierung in der Arbeitsucherliste erfolgt. Voraus muß man denken/ sldt sichern — versichern Phönix Sabotage gegen die nationalen Fonds ist Bruch der zionistischen Disziplin — Krieg der Bodenspekulation — Erweiterung der Befugnisse des Hechaluz g 1 e i c h -b e d e u t e n d seit mit dem Bruch z i o n i e t i s c h e r Disziplin. Das A. C. beschloß ferner, daß die H e c h a 1 u z -V e r t r e t u n g e n in den Palästina-Ämtern in allen Teilen der Weit volle« Stimmrecht in Fragen der Palästina-Einwanderung haben «ollen, statt wie bisher nur in Fragen, die unmittelbar mit der Ghaluz-Elnwandemng Zusammenhängen. In einer Resolution sprach sich das A. C. für die Einleitung eines n a c h .<* i c h tslos e n Krieges gegen die Bodenspekulation aus, gegen die durchgreifende Maßnahmen durchgeführt werden sollen. In einer weiteren Resolution stellte das A. C. fest, daß eine Propaganda für Sabotage der nationalen Fonds, Keren - Haje-ssod und Keiren - Kajemeth, Stürmische Debatte im Zusammenhang mit der Auflösung des revisionistischen Sonderverbandes Nachdem das A. C; einstimmig Resolutionen angenommen hat, in denen das Schekel-System gutgeheißen und der Parteienstreit innerhalb der zionistischen Organisation verurteilt wird, kam es zu einer sehr stürmischen Auseinandersetzung, als das A. C. Das Aktionskomitee hat mit seinem Beschluß auch seinen statutenmäßigen Wirkungskreis überschritten. Die Zionisten Deutschlands erhalten Zertifikate, obwohl in Deutschland die Poalo Zion aufgelöst wurde und sich dort jeder weiteren Tätigkeit enthält. Der Zionistische Landesverband hat der Exekutive schon vor längerer Zeit hekarintgegeben, daß den Rechten jener Einzelpersonen, die sich ein Recht auf die Erlangung eines Einreisezertifikates erworben haben, kein Abbruch geschehen soll. Der vorliegende Beschluß des AC ist daher sachlich ungerechtfertigt. Der Zionistische Landesverband hat bereits telegraphisch gegen den vorliegenden Beschluß des AC protestiert und dessen Aufhebung verlangt. Das Zionistische Landeskomitee wird morgen zusammentreten und die nötigen Beschlüsse fassen, die bei der für die nächste Woche einberufenen Landeskonferenz zur Abstimmung gelangen werden. Wir appellieren in letzter St u n d n an die Exekutive, daß sie den übereilten Beschluß über die Sperre der Zertifikate nicht zur Ausführung bringen solle. Wir appellieren an die E x e k u t i v o a u e h a u s Gründen der Menschlichkeit. Sie darf nicht Menschen, dio sich in jahrelanger Arbeit auf Palästina vorbereitet haben, die Gefahr laufen, hier Hungers zu sterben oder die bereits sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen haben, urn ihren Lebenstraum in eine Auflösung mit 27 Stimmen gegen 11 Stimmen der Revisionisten und Misrachisten Resolution aamahm, in der die des revisionistischen So n der verbände« gebilligt wird. Revisionisten und Misrachisten brachten einen Min oritätenan trag ein darauf binausgeihend, daß der Beschluß, den revisionistischen Sondervcrband als nicht existent zu betrachten, annulliert werde. Die Fraktion der Arbeiterpartei bekämpfte ent schieden diesen Antrag und opponierte auch heftig dem V erm i t tlu ngß v o r s oh lag von Ussischkin, der darauf hinausging, daß der Beschluß der Exekutive, den Sonderverband als nicht existent zu betrachten, zwar formell bestehen bleibe, daß aber dessen I nkraftsetzung für sechs Monate suspendiert werde, damit den Revisionisten Zeit gelassen sei, ihre Haltung den D i s z i p 1 i n - B e s t i mmungen der Z. 0. anzupassen. Im Namen der revisionistischen Fraktion erklärte Ing. S. J a c o b y, wenn die Exekutive wirklichen Frieden wünsche, so möge sie eine geeignete Atmosphäre dadurch schaffen, daß alle gegen die Revisionisten bestehenden Verordnungen aus der Welt geschafft werden. Wenn aber, erklärte Jacoby weiter, die Majorität de« A. C. alle Vorschläge der Opposition einfach niedorstimmt, worden die Revisionisten sich anläßlich der weiteren Abstimmungen der Stimme enthalten. Berl Locker erklärte im Namen der Exekutive, diese halte an ihrem Beschluß, den Sondorverband als nicht existent zu betrachten, fest. Die Sitzung wurde unterbrochen, um Ussisohkin Zeit und Gelegenheit zu geben, mit der Fraktion der Arbeiterpartei privatim zu verhandeln und sie zu einer Änderung ihres Verhaltens in Sachen des Sonderverbandos zu bewegen. Kongreßgeriditsverhandlungen gegen Brith Trumpeldor Jerusalem, 8. April. Das Kongreßgericht setzte am 5. April Verhandlungen gegen die r e v isionis tische Organisation Brith T r u m p e 1 d o r wegen des von der Leitung dieser Organisation versandten Zirkulars, betreffend die Einwanderungs- Zertifikate fort. In diesem Zirkular wurden bekanntlich die Mitglieder de« Brith Trumpeldor aufgefordert, auf clie von den Palä.stinaäintera der Zionistischen Exekutive zur Verteilung gelangenden Elnwanderungszertifikate für Palästina Verzieht zu leisten und statt dessen alle Anstrengungen zu machen, auf anderem Wege als durch die Palästinaämter, zum Beispiel durch direkte Anforderungen seitens palästinensischer Arbeitgeber, sich Einwandertingszertiflkate zu verschaffen. Die Revisionisten stellten dem Kongreßgericht ultimative Forcierungen, die da« Gericht schon wegen der Form, in der sie gestellt wurden, zurückwies. Daraufhin erklärten die Revisionisten, sie worden nicht mehr vor dem Gericht erscheinen und das Gerichtsverfahren nicht anerkennen. Allgemeine Versldierungs* Ges*/ Wien, IX., Alserplnls J zeichnet worden. In diesem Bericht stellte Kaplan fest, daß sich das Vermögen der Agency auf etwa eine Million Pfund beläuft, wovon 700.000 Pfund in 1 a n dwirtschaftlichen Siedlungen investiert sind. Auf Grund ihrer mit dem Keren Hajessod abgeschlossenen Vertrage würden einige dieser Siedlungen erst in vier bis fünf Jahren mit der Rückzahlung der ihnen zur Verfügung gestellten Gelder beginnen und ihre Gesamtschuld in 40 bis 50 Jahren abtragen, falls die Darlohensverträge nicht geändert werden. Die Schulden der Agency konnten von der gegenwärtigen Exekutive in den fünf Monaten ihrer bisherigen Amtstätigkeit um etwa 80.000 Pfund verringert werden. Für Buhe und Frieden in Tel-Avtv Tel-Aviv, 4. April. Die Palästinaregierung hat, unbeschadet des bis Ende der Levantemesse bestehenden Verbotes für öffentliche Demonstrationen in der aus Anlaß des Pessachfestes und der kommenden Levantemesse von vielen Tausenden von Gästen besuchten Stadt Tol-Aviv, der Arbeitersportorganisation „II a p o e 1“ die Abhaltung eines öffentlichen Sportmeetings am Freitag und dem Sportverband des Brith Trumpeldor die Abhaltung voii Sportmeetings am Freitag und Samstag unter der Bedingung gestattet, daß mit den Meeting« keine Demonstrationen verbunden, keine Lieder gesungen und keine Banner getragen werden. ★ Regierung verbietet Jahreshonfe«• renz des Brith Trumpeldor in Tel* Aviv Jerusalem, 5. April. Donnerstag, den 5. Aprfl, hätte in Teb Aviv die Jahrcskonferenz de« palästinenßischen Brith Trum-' p e 1 d o r . mit. einer Massenkundgebung ira Beth Am, der Sportvorführungen unter Teilnahme des Maccabi folgon sollten, eröffnet worden sollen. Der St. ad trat von Tel- A v i v hatte unbeschadet des von ihm ausgesprochenen Verbots der Veranstaltung öffentlicher Kundgebungen bis Endo der Lovante - Messe ausnahmsweise diese Kundgebung gestattet. Nunmehr hat die Palästina-Regierung im letzten Augenblick die Abhaltung der Jahrcskonforenz und der Kundgebung verboten. A. C, ermächtigt die Exekutive zur Aufnahme einer Anleihe In der am 4, April abgehulteuon Sitzung ermächtigte das Aktionskomitee dio Exekutive, Verhandlungen zwecks Aufnahmo einer großen Anleihe zum Abschluß zu bringen, durch die dio Schuldenfreih o i t der Jewish Agency wiederhergestellt und gesichert und die Siedlungen der Agency wirtschaftlich n na b h ä n g i g gemacht werden sollen. Der Exekutive wurde zu diesem Zweck Vollmacht erteilt, alle hlefilr notwendigen Garantien und Verpflichtungen, auch solche, lio die budgetären Rechte des Kongresses berühren, zu unterzeichnen. Dio Aufnahmo einor Anleihe zur Wiederherstellung der Schuldonfroiheit der Jewish Agency war von dem Schatzmeister der Exekutive Elieser Kaplun schon in seinem mf der ersten Sitzung des Aktionskomitees erstatteten Bericht als wünschenswert be- Das ZSfährige Jubiläum Tel-Avivs Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Mayer D i z e n g o f f, läßt durch dio Jüdische Ttdegraphcn-Agcntur an die jüdischen Gemeinden überall in der Welt dio Einladung ergehen, an der Feier des 2 5 j ä h r i g o n R e- Stehens der jüdischen Stadt Tol-Aviv, dio am Sonntn g, dem 20. A p r i I, beginnt und bis D o n n o r R t ag, don 8. M a i, dauert, durch Entsendung einer Vertrotersehaft teilzunchmon. Neuer jüdischer Bodenkauf in Palästina HaUa, 5. April. Nach Meldungen der arabischen Presse, hat eine jüdische Gruppe den gesamten Gutsbesitz B o t o 1 e a im Nordd 1 b t r i k t Palästinas im Umfang von etwa 70.000 D u n a ni Boden um den Preis von 100.000 Pfund von don bisherigen s y r i s c h - a r a b i s e h u n Eigentümern angekauft.