Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 343 (10.4.1934)
- Date
- 1934-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g V. b.b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34» | Wieä|ilorAprilX934l*"f VUeaiee- und Hunst&eilcufe mit einem ÖüyinalactiUet: „Das UeteaiscUe JMeatec" Ven tya (fa&scrfem) Redaktion und Administration: Wien, L Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85. RedaktionsschluB Montag und Mittwoch vorm. (25* Nisan 5694) I 7* Jahrgang DieJerusalemerA^^^-TagunggescMossen Keine Einigung mit der Opposition erzielt. — Exekutive unverändert. — A. C.-Präsl dent wird erst nach der ersten Jahrzeit Leo Motzkins gewählt. Jerusalem, 8. April. Nach einer sehr bewegten, zum Teil stürmischen Nachtsitzung ist die erste im Hause der Jewish Agency zu Jerusalem abgehaltene palästinensische Session des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation am Donnerstag, den 5. April, — zwölf Tage nach ihrem Beginn — zu Ende gegangen. Die Bemühungen zur Erzielung einer Einigung zwischen der Mehrheit und der Opposition, die sich in dem Eintritt eines Misrachisten und eines Allgemeinen Zionisten in die Exekutive dokumentieren sollte, blieben fruchtlos; die vom Kongreß in Prag gewählte Exekutive blieb unverändert. Auch wurde ein Präsident des Aktionskomitees nicht gewählt; vielmehr wurde beschlossen, als Ausdruck ehrfurchtvollen Gedenkens an den verstorbenen langjährigen Präsidenten des A. C. Leo Motzkin die Würde des A. C.-Präsidenten nicht, bevor der Todestag Motzkins sich gejährt hat, an eine andere Persönlichkeit zu vergeben. Somit wurde die Wahl eines neuen A. C.-Präsidenten auf die nächste Sitzung des A. C., deren Datum noch nicht feststeht, verschoben. Ein Antrag des Misrachi, daß das A. C. die gegenwärtige Exekutive für abgesetzt erklärt und eine neue Exekutive an deren Stelle wählt, wurde am Morgen des 5. April mit 30 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Noch in der letzten Minute wurden Verhandlungen mit dem Misrachi wieder aufgenommen, um diesen zu bewegen, einen Kompromißvorschlag zu akzeptieren, der es möglich gemacht hätte, daß der Misrachi und somit auch die weniger intransigenten Allgemeinen Zionisten Vertreter in die Exekutive entsenden. Doch erwies essic® letzten Endes für die Linke als unmöglich, die vom Misrachi gestellten Bedingungen, daß die Exekutive Bindungen hinsichtlich der religiösen Haltung des Jischuw eingehe, zu akzeptieren. Die politischen Resolutionen Präzise Forderungen an die Regierung in der Einwanderungsfrage. In der Nacht zum 5. April schritt das A. G. zur Abstimmung über diie politischen Resolutionen. Es wurden die folgenden Resolutionen angenommen: 1. Das A. C. erklärt sich gegen die von der Regierung geplante Einführung einer Einkommensteuer in Palästina, da diese sich als eine S c h ä d igungderlnteressen desJischuw und der wirtschaftlichen Gesamtinteressen Palästinas auswirken werde. 2. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi werden verpflichtet, unverzüglich einen Feldzug einzuleiten, daß möglichst alle in Palästina lebenden Juden, die noch nicht Palästina-Bürger sind, sich um die Naturalisierung bewerben. 3. Für die politische Arbeit der Exekutive in London und Jerusalem werden weitere 9000 Pfund bewilligt. Das A. C. nahm einen Beschluß an, der Palästina-Regierung die folgenden Forderungen zu unterbreiten: 1. Alle gegenwärtig in Palästina lebenden Juden, die als Touristen ins Land kamen und sich dann im Lande seßhaft gemacht haben, sind als legale Einwanderer zu erklären. 2. Die den einwandernden Handwerkern bisher als Kapitalsbesitz vorgeschriebene Summe von 250 Pfund ist wesentlich herabzusetzen. 3. Die dem jüdischen Touristenverkehr bisher entgegengesetzten Schwierigkeiten sind zu beseitigen. 4. Die Regierung hat die Zahl der der Exekutive zur Verfügung zu stellenden Einwanderungszertifikate zu erhöhen und überhaupt die Frage der Einwanderung nach der wirtschaftlichen Kapazität des Jischuw und nicht nach politischen Erwägungen zu regeln. 5. Juden, die, nachdem sie als Touristen ins Land gekommen sind, sich entschließen, dauernd im' Lande zu verbleiben, soll die Seßhaftmachung in Übereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen grundsätzlich erlaubt werden. 6. Die Altersgrenze für Empfänger von Zertifikaten soll von 35 Jahren auf 45 Jahre heraufgesetzt werden. 7. Den jüdischen Flüchtlingen aus Sowjetrußland, die jetzt in Mittelasien leben, und denen die Gefahr droht, daß sie den Sowjetbehörden wieder ausgeliefert werden, soll die Einwanderung nach Palästina erlaubt werden. bevorzugt werden sollen, die zionistischen Gruppen angehören, in denen das Studium des Hebräischen betrieben wird; 4. daß Kleinhändler Einwanderungszertifikate nur dann erhalten sollen, wenn sie ein Mindestkapital von 250 Pfund nach Palästina bringen; 5. daß als Verwandte palästinensischer Bürger, die Anspruch auf Zertifikate haben, nur deren Söhne, Töchter, Brüder, Schwestern und Frauen gelten; 6. daß wirtschaftlich selbständige verheiratete Frauen berechtigt sein sollen, auf Grund ihres Zertifikates Angehörige mitzubringen. Ferner wurde beschlossen, die Chalm zimgruppen der Judenstaatspartei anztn erkennen. Die Funktionen der Palästina-Amtei!; wurden durch Annahme eines von der Einwanderungsabteilung der Exekutive entworfenen Statuts endgültig geregelt, Dieses Statut sieht unter anderem vor* daß jedes Palästina-Amt aus Vertretern aller Gruppen, die an dem letzten Zionistenkongreß teilgenommen haben, bestehen muß und daß die Jewisb Agency berechtigt ist, Palästina-Ämter, die die ihnen erteilten Instruktionen nicht beachten, aufzulösen. Um die Zertifikate für Österreich In der Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees am 4. April spielten die Wiener F ebruar-Ereignisse mit hinein. Der Leiter des Weltbureaus des Hechaluz, Dobkin, brachte eine Interpellation ein, in der das Verhalten der offiziellen Wiener zionistischen Stellen gegenüber den Poale Zion kritis i erfr und vor allem darüber Klage geführt wird, daß den Poale Zion ihre bisher im Wiener Palästina-Amt innegehabten Mandate entzogen wurden. Als Antwort auf diese Interpellation teilte* Berl Locker im Namen der Exekutive mit, daß dem österreichischen Palästina-Amt Einwanderungszertifikate für Palästina so lange vorenthalten werden würden, und daß das Wiener Palästina-Amt '6&- lange von der Zionistischen Exekutiv^ nicht anerkannt werden wird, als nicht den Poale-Zion ihre Mandate im Palär stina-Amt zurückgegeben werden. (Weitere Berichte auf Seite 2J Von allen guten Geistern verlassen Neue Bestimmungen über die Zusammensetzung der Palästina-Ämter und die Zuteilung der Einwanderungs-Zertifikate Die Nachtsitzung vom 3. zium 4. April war der Beratung der vom Leiter der Einwanderunigs-Abteilung dier Agency-Exekutive J. G r ti n bäum vorgolegten R e s o 1 u t i onen zu E in wanderungsproblem e n gewidmet. Es wunde beschlossen, daß 1. diejenigen, die die hebräische Sprache beherrschen und Beiträge für den Keren Hajessod und den Jüdischen Nationalfonds geleistet haben, bei der Verteilung der Einwanderungszertifikate bevorzugt werden sollen; 2. daß die Chaluzim, die Zertifikate erhalten, nicht unter 18 und nicht Uber 27 Jahre alt sein dürfen und eine Hachscharah absolviert haben müssen; 3. daß bei der Zertifikateverteilung qualifizierte Arbeiter und Handwerker Niemand wird ohne tiefe Erschütterung die Nachrichten über das Ergebnis der Tagung des Aktionskomitees lesen. In Jerusalem ist Prag wieder lebendig geworden. Wer denkt da nicht an Prag, wo hemmungslose Prestigepolitik wild in die Halme schoß, wo unter den Augen einer ganzen Welt über Lappalien wochenlang gestritten wurde, während das Judentum vom Zionistenkongreß eine machtvolle Kundgebung unserer Idee und eine befreiende Tat erwartete. Wer denkt da nicht an Prag, wo eine Zufallsmajorität glaubte, daß in zionistischen Angelegenheiten 51 Prozent im Kongreßsaale das moralische und materielle Macht erzeugen der angeblichen Minderheit ihre Parteipriuzipien aufzuwingen. Verfolgt man die Geschichte der letzten Kongresse und der zionistischen Bewegung überhaupt, dann ist unsere Archillesferse, an der wir einmal tödlich verwundet werden könnten, klar zu sehen. Nicht die Tatsache, daß wir Parteien haben, ist unsere verwundbare Stelle. Soweit diese Parteien eine notwendige Folge weltanschaulicher Gegensätze und differenter Meinungen . über Fragen der Taktik und des Tempos sind, kaum ihnen die Daseinsberechtigung nicht abgesprochen werden. Soweit es sich aber um Berufs-Zionismus handelt oder um die Assimilation an Methoden und Ideenrichtungen, die unjüdisch sind, tut rasche Abkehr not, bevor noch schwere Erschütterungen das Fundament unserer Existenz zerstören. Es bedarf keiner tiefschürfenden soziologischen Untersuchungen, um zur Feststellung zu gelangen, daß mehr als alle Erschwerungen der Einwanderung der Klassenkampf unser Aufbauwerk gefährdet. Wenn ein zweites Volk in der Welt solche gigantische Ideen über soziale Gerechtigkeit bervorgebraeiht hätte, wie sie in unserer Bibel und in den Büchern unserer Propheten verankert sind, man würde diese. Ideen hegen und pflegen und in zeitgemäßem Gewände in die Tat umsetzen. Bei uns ist es vielfach nicht geschehen* Ein Teil der Arbeiterschaft erhob den Talmiglanz der marxistischen Ideologie zu seinem Abgott. Auf der rechten Seite sehen wir schließlich blinde Assimilation an Methoden, die zweifellos unjüdisch sind und unjüdisch ist auch der Haß zwischen Arbeitern und Revisionisten. Dieser Kampf der Meinungen! ist bis zur Siedehitze gediehen und droht unser Haus in Flammen zu setzen. Die Gegensätze entladen sich in gemeinsamen! Tagungen uncl im täglichen Leben Palästinas. Der abscheuliche Mord an Arlosoroff, bis heute nicht aufgeklärt, ist links und rechts die wichtigste Parteisache geworden, die Frage der einheitlichen Gewerkschaft droht den Jischuw zur Freude der Engländer und Araber in einem entsetzlichen Bruderkampf zu stürzen. Das sind die beklemmenden Auspizien', unter deren drohendem Schatten das Aktionskomitee seine Tagungen in Jeru- Rasiere dich $ut und billig SAIB Qualitäts- Fabrikat Ueberall erhältlich