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Die Stimme · 1934-03-30 · Heft 340 (30.3.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 340 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 840. - 80. Mftrt 1984 DIE STIMME Seite 5 Erinnerungen an Karl Emil Franzos Zum dreißigsten Todestag des Dichters*) VON CHAJIM BLOCH Gerade in den Tagen, wo der jüdische Geist in den. deutschen Landen ausgemerzt werden soll, wo Bücher jüdischer Gichter dem Verniehtungstod anheimfallen, soll Karl Emil Kranzes gedacht werden. Er war ein „Assiinilanl“ von eigener Art: er predigte die weitgehendste Anpassung an die nichtjüdische Umgebung, er selbst aber blieb; Hand zum Gruß. muß nicht hoch steigen, um zu der Wohnun, von Ottiliic Franzos zu gelangen. An der Adolf Jellinek vollzog die Trauung. Zuerst! MOYClirbatlK lebten sie in Wien, Schulhof 4; Franzos hat wiederholt, in seinen Skizzen diesen stillen! Unter 230tpp ißrnjtbentett Sr. Winkel reinen Glückes geschildert. Dann Litton 21 p o l b (jat ntu 23. 2Tcär$ 1931 ttt übersiedelten sie nach Berlin, wo ihr Mann Anerkennung fand. Siebenundzwanzig Jahre lebten sie in vollem Glück, bis er ihr am 28. Jänner 1904, an ihrem Hochzeitstag, durch den Tod entrissen wurde. Er zählte erst 56 Jahre, als er seine Augen zum ewigen 2tnfae[enf)cit boit 36 Slftionäreu, fatldje 1,392.682 Slftiert mit 318.147 glimmert re* präfentieren, hie 46. orbentlidje (Serteral* betfammlung ber üttcrcurtxwf [tatfgefunben. 2Hs ©taatäfommiffär fungierte §crr iülhti* fteriolrat 3)r. 2Uc,raubet 2Ji ü 11 e r. 2>ct borgelegtc Sfcdjnungfia&fdjluji pro 1933 23on seinem Stamme treu. „Ich würde kein Frommer im Lande sein, aber mein Interesse für das Judentum, das Gefühl meiner Zusammengehörigkeit mit den armen Kaftanjuden würde ungleich stärker sein, als bis he r.“ So lautet sein Bekenntnis und daher verdient er in diesen Blättern in Erinnerung gebracht zu werden. Franzos war es beschieden, die dunkle Welt des Ostens zu erschließen. Er hat die ^lawisch-romanischen Länder gründlich gekannt und verstand es, die dortigen Mensehen meisterhaft zu schildern. Alle seine Darstellungen sind von einem tiefen Naturgefühl durchzogen. Er war ein geborener Epiker, in der Erfindung unerschöpflich. Franzos war, wie Eduard Engel einmal treffend bemerkte, einer der bodenwücksigsten Vertreter der viel gerühmten Heimatkunst. Alle seine Erzählungen sind von einer tiefen, liebevollen Weisheit erfüllt und wurzeln in seiner Heimat. Ein Spielgefährte des Dichters, ein orthodoxer Jude, namens Sonnenschein, der vor einigen Jahren hochbetagt in Wien starb, und gleich Franzos aus Czortköw stammte, rühmte sich, zusammen mit Franzos den „Cheder11 besucht zu haben und erinnerte sich, als Franzos’ Vater, der deutsche Bezirksarzt, den Jungen inmitten des Halbjahres aus dem Cheder nahm. Es ist interessant, daß der Dichter in seiner Autobiographie den Besuch des „Cheders“ in Abrede stellt. „Meine Mitschüler, meine Spielgefährten, waren Christen. Ich betrat selten ein jüdisches Haus, nie eine Synagoge.“ Indessen dürfte Sonnenschein recht haben; Franzos hatte den „Cheder“ besucht. Denn wo hätte er später, als er im Westen lebte, den Stoff zu seiner bekannten Skizze „Im Cheder“ genommen? Wie hätte er alles so treu schildern können? Nur die Erinnerung an don eigenen Besuch dieses Cheders machte ihm dies möglich. Franzos war seit seiner Kindheit von der stärkeren Willenskraft, dem trotzigen Stolz seiner Ahnen erfüllt, er war ein Abkomme spanischer Juden. Sonnenschein erzählte mir folgendes: „Als wir an einem herrlichen Sommernachmittag auf einer Wiese außerhalb der Stadt spielten, erschien ein polnischer Schüler und begann uns ohne Anlaß zu schlagen. Ich lief davon und versteckte mich hinter einem Heuschober. Franzos setzte sich zur Wehr und bald hörte ich das wilde Schreien des besiegten Angreifers. Nun bekam auch ich Mut, kroch aus dem Vorsteck und eilte Franzos zu Hilfe. Erbost darüber, daß ich ihn vorher im Stiche üoß, wies er mich mit den Worten ab: ,Ein Sieger pfeift auf Beistand!1 Der von ihm verpriigelto Gegner riof indessen in polnischer Sprache: ,Warte, du JiulP und lief davon. Wir holten ihn ein. Franzos ergriff don Erschrockenen: ,Ich wollte dir nur sagen, daß es mir eine Ehre ist, Judo zu sein!1 “ Franzos blieb, trotz der unglücklichen assimilatorischen Einflüsse des Vaterhauses, dem Judentum treu. Einmal suchte er um ein Stipendium an. „Ihre Eignung steht außer jedem Zweifel“, erklärto ihm der Landeschef der Bukowina, „aber . . Franzos blieb unbeugsam und hat auf das Stipendium verzichtot. Er hatte in Graz ein Liebesverhältnis. Das Mädchen sagte: „Mir bricht das Herz, aber Sie sind Jude!“; Franzos wendete sich stolz ab. Er wollte Richter werden; er hielt an das Judentum, das ihm im Wege stand, fosfc. ln Wien lebte die Witwe des Dichters, Frau Ottilie Franzos, die ich einige Malo besucht habe. Ich schildere meinen Besuch nach meinen damaligen Aufzeichnungen: „Ein Patrizierhaus auf der Wieden. Mau "! .Verspätet wegen Raummangel. ersten Treppe schon liest man auf einem! gpp]0ß Türschild den Namen ,Franzos1. Eine hochge-1 cNach dem'Todc von Karl Emil Franzos tourbc angenommen.' 93on bau ausgctoic. waehseno, weißhaarige h rau, von deren wurde gemunkelt, daß er wai- und j feiten It&crf$ug per S 94.572-56 fairb ein .sicht-man den geistigen Adel ab best, reicht diese Frage entfesselte sogar eine Diskussion; betrag Don Ö 50.000 jut Dotierung beS mir mit echt wienerischer I iciindlicbkeit dio jn der jUdischen presse. ,Kein Wort ist!Slefcrbefoit&S II öerlucnbet unb ber SReft daran wahr1, sagte Ottilie Franzos erregt lauf neue SRedjituug borgetragen. $n ber Die heute vierundsiebzigjährigö Dichterswitwe war eine treue Arbeitsgefährtin ihres Mannes. Nun sitze ich, ein Kind des Ghettos, in tiefer Rührung der Witwe des Dichters des Ghettos gegenüber. Ich leitete das Gespräch durch ein Talmudwort ein, wonach der Gattin eines Gelehrten die gleiche Verehrung wio dem Gatten gebührt. (Awoda Zora 39a.) Diese Ansicht des Judentums über die Stellung der Frau eines bedeutenden Mannes gefiel der auf ihren Mann ungemein stolzen Witwe. Ich bat sie, mir einiges aus ihrem Leben zu erzählen, besonders, wie es zu ihrer Verbindung mit dem jungen Dichter aus dem Osten gekommen sei. Ottilie Franzos scheint wohl wortkarg zu sein, aber ihre Art, über den Dichter zu sprechen, ist bezaubernd. Mir kam es vor, Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw« Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Sch leifeversehen mit dem Aufdruck pidd bv "ws Vom 30. März bis 7. April in allen Verkaufsstellen erhältlich Wiener Molkerei und erhob sich von ihrem Sitz. ,Hätte mein Mann diesen Schritt getan, er hätte viel größere Erfolge zu verzeichnen.1 Er blieb seinem Stamme bis zu seinem Ende treu.“ Seine Frau Ottilie Franzos schied im Jahre 1932 aus dem Leben. „Sieh, da kommt der Träumer" „Sieh’, da kommt der Träumer.“ Diese Bibelworte (Mosis I 37, 19) wählte eine der talentiertesten nordischen Erzählerinnen zum Titel ihrer jüngst in finnischer und schwedischer . Ua>> biederten Sprache erschienenen Erzählung aus dem “ - * - Leben der finnischen Juden. Die Verfasserin, Frau Esther Stohlberg, ist eine finnische Christin, die unvoreingenommen, mit liebevollem Interesse sieh in das jüdische Seelenleben vertieft hat. Diese interessante Buch der edelgesinnten, hochbegabten Finnin wird Frau Esther M i e s e s (Wien) ins Deutsche übertragen. Olcuecalüerfammlung fauche bie gufaafjl be§ §emt SJt. ^ng. e. I). 2)t. jur. Otto Sl ä nt p e r, SSorfi^enbct be§ Sluffi^tärateÄ ber 2)eutfdjcn 33au* unb. 23i>benbait£ 21. ©., ^räfibent besi 33erfaaltung3tate3 ber 2ßie* ucr 23aufrcbitbanf, 23erlin, unb bie Ußieber* faaljt ber Herren iß. i|3 e r r p unb 23örfe* rat $ciriridj <31 e i n B a d) ttt ben ÜSerfaaD tuugerat borgemmtmen. $n ber im 2Infd)luffe an bie Gkneralberfammlung ftattgefunbenen 3 iimng be§ 23erfaaltung§rateS faurbe $etr .jng. Slnton 2l|J_oIb 3um /ßtäfibenten oben f) ei nt er unb daß sie zu mir, dem einzigen Ostjuden, den sie seit dem Hinscheiden ihres abgöttisch geliebten Mannes sprach, besonderes Vertrauen hatte und Ottilio Franzos erzählte mir viel Schönes aus ihrer Vergangenheit. Wio es zu Frau Ottiliens Verbindung mit dem Dichter kam? Es war der Dichter Ludwig August Frankel, mit dom Franzos während eines Sommeraufenthaltes in Gmunden bekannt wurde; er führte ihn in das Haus ihres Vaters, des Kaufmannes Benedikt, ein.'Am 29. September 1876 fand ihre Verlobung statt und am 28. Jännor 1877 folgte sie ihm beglückt zum Traualtar. Ludwig August Frankel und seine Gattin standen an Franzos' Seite als Trauzeugen, Abschiedskonzert Julius Chafes Am 11. März ließ sich Julius Chajes im Mittleren Konzerthaussaal als Komponist und Pianist hören. Der junge Künstler verabschiedete sich vom Wiener Publikum. Er geht nach Palästina. Dort, wo ein neues Leben blüht, dort, wo die jungen Leute ihre ganze noch unverbrauchte Energie dem Aufbau widmen. Dorthin gehören auch junge, große Talente, schaffende und reproduzierende Künstler. Dorthin gehört solch ein echter und wahrer Musiker wie Julius Chajes. In seinem Konzert brachte das Ros 6-Q u a r t e 11 sein neuestes Werk zur Uraufführung: ein Quartett, das in seiner Konstruktion einzig dasteht; jeder der vier Sätze ist eine Fuge und alle diese Fugen sind über ein The m a geschrieben. Dieses wage Unternehmen ist sowohl satztechnisch als auch klanglich ein Meisterstück und verrät ein ungewöhnliches Können. Dieses Können, dieses Beherrschen der kompositorischen Technik hörte man auch aus dem anderen Quartett. Aber was viel verheißungsvoller ist, ist die ungekünstelte Sprache dieses sympathischen Tondichters. In der Zeit des Überklügeln, der gesuchten und gegrübelten „Papiermusik“ einerseits und der chaotischen Klangwirrnisse anderseits, in der Zeit, wo die jungen Leute in ihrem Schaffen mit dem Jazz liobäugeln, ist eine ehrliche, aufrichtige Tonsprache (die freilich eine echte Inspiration voraussetzt) immer hoch zu schätzen. Besonders fiel diese schöne Eigenschaft in den Liedern auf, die von dem Meister- und Mustersänger Prof. Max Klein wie immer mit Hingabe, Inbrunst und warmer Tongebung vorgetragen wurden. (Gabriel Sleumann #tt SBijepräfibenteu faicbergefaäljtt. Zum Schluß zeigte sich Chajes als bochmusikalischer, ernster, mit allen Feinheiten der klavieristischen Kultur vertrauter Pianist. Die Beethoven-Sonate, op. 111, einige Chopin-Etüden und die 12. Rhapsodie von Liszt beschlossen den für den jungen Künstler erfolgreichen Abend. Möge ihm die Zukunft im Heiligen Lande das bringen, was er sich erwünscht und erwartet: ein ersprießliches Arbeitsfeld für seine eminente musikalische Begabung, die hoffentlich auch der jüdischen Musik einiges Wertvolles bringen wird. Jul. W o 1 f s o h n. Buberman Leiter der Meister* schule für Violine in Wien Die österreichische Regierung hat Bronislav Huber man als Leiter der Meisterschule für Violine an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst gewonnen. Huberman beginnt seinen Unterricht bereits im Laufe des März. Der gefeierte Künstler Huberman, der, als Jude geboren, früher jüdischen Fragen ferne stand, hat sich seit dem nationalsozialistischen Umsturz in Deutschland dem Judentum stark genähert. Seine Kundgebungen für die in Deutschland verfolgten jüdischen Künstler und Gelehrten, besonders sein Absagebrief an den von Göbbels eingesetzten Kommissar für Musik wesen Furtwängler, haben in der Welt viel Beachtung gefunden. Huberman gab in der letzten Zeit in Palästina Konzerte und hat bei dieser Gelegenheit ein begeistertes Bekenntnis zum jüdischen Aufbauwerk in Palästina abgelegt. Eine Sensation für Pessach 5694 sind Schmidl-Mazzoth well Schmidl-Mazzoth in Geschmack und Qualität unübertroffen sind 1 Schmidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran atya omnn -raaa *idv ann hergesfeilt Die Mazzofh werden aus feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die „Schmldl-Ma/zolh" das beste Renommee und werden von allen bevorzugt I Auj die Exlraquallfäl meiner Fabrikate „Marke Sdimldl N. B." au| Mazzofh, Grlep und Fdrvel wird besonders aufmerksam gemacht. Zentrale: N. 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