Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 340 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIB STIMME Nr. 840. — 80. März 1934 KINOPROGRAMME DER WOCHE LeopoltfsWdter Volkskino ftÄrifTO7fl Vom 30. März big 5. April ■ Die Nacht der großen liebe SS® Wochentags VA V,3, V*!11 Uhr, Sonuu. l-'eiertnga '/»i Uln AUS DEM DRITTEN REICH Die antijüdische Boyhottbewegung Prag, 20. März. Eine Nachricht. au* Berlin besagt, (laß der Reichskanzler H i 11 e r bei einer Zusammenkunft. der Reichsstatthalter diese dahin instruierte. daß sie e i g e n m ä c h t i g e n A k t i o n e n ln 1< a 1 e r P a r t e i o r g a n i-? a t i o n e n oder Ämter auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiete Einhalt zu gebieten haben. Pen Anordnungen des Reichswirt- >ehaft?ministers und fies Roichstinanzmini- >ters auf dem Gebiete der Wirtschafts, und Finanzpolitik und den Anordnungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht auf dem Gebiete der Wahrung*- und Bankpolitik sei unbedingt Folge zu leisten. Gnädige Frau! Ich baue aus Ihrem allen Kachelofe n einen tadellosen K a m i n mit Dauerbrandeinsalz „Ire“ oder „WDR“. Auch Wandverkleidungen sowie sämtliche Hafneraibeilen werden billigst ausgefiihrl. Hafnermeister EMIL SCHÖNWETTER Wien« V.« Grohgasse 13 Tel. A 35-9-30 Lieferant der israelitischen Kultusgemeinde Man faßt diese Instruktion Hitlers dahin auf, daß sich der Reichskanzler in der Auflehnung nationalsozialistischer Führer vom Schlage Julius Streichers gegen den Reichswirtscbaftsminister Dr . S c h m i 11, der Sonderaktionen gegen die Juden auf dem Gebiete der Wirtschaft nicht dulden will, auf die Seite Dr. Schmitts gestellt habe. Es sei dies das erste Mal, daß Hitler gegen Judenverfolgungen Stellung genommen hat. Doch scheint diese Stellungnahme nicht durchgreifend genug zu sein, um auch den fränkischen Gauleiter Julius Streicher zu veranlassen. die eingeleitete Boykottschlacht abzublasen. Nachrichten aus Nürnberg lauten dahin, daßin Franken der Boykott gegen die Juden immer weitere Dimensionen annimmt; nach wie vor fordern Riesenplakate und Sprechchöre der SA und der Hitlerjugend zum Boykott der Juden auf. Man glaubt aber, daß infolge des Eingreifens des Reichskanzlers die Boykottschlacht auf Streichers engeren Bereich Mittelfranken beschränkt bleiben wird. Das „Pariser Tageblatt“ meldet aus Berlin: „Kommen mußte diese neue antisemitische Welle. Die wirtschaftliche Lage der breiten Massen wird von Tag zu Tag schlechter. Die Stimmung in der SA wird täglich bedrohlicher. Wie schafft man Ablenkung? Womit beschäftigt man die erregten Massen? Der Versuch mit dem Monarchismus ging schief. Also her mit der altbewährten Judenfrage. Wohl ist den Führern dabei nicht mehr. Goebbels läßt sich überall entschuldigen, der Erlaß gegen die jüdischen Schauspieler sei nicht so ernst gemeint... Man möchte es gern so darstellen, als ob die neue Welle aus den Massen komme. Aber sie kommt nicht aus den Massen. Da, wo es sich um reinen Brotneid handelt, ist man in der Bevölkerung noch antisemitisch, sonst aber will man von diesem Rummel nicht mehr viel wissen. Nicht die Massen verlangten den Rücktritt der wenigen jüdischen Richter, die noch nach dem Beamtengesetz verblieben sind, sondern der preußische Justizminister Kerrl ließ sieh persönlich, unter Umgehung seines Personalreferenten, die Akten kommen. Nicht die Massen haben weitere neun jüdische Kursrnakler von der Berliner Börse ausgeschlossen, sondern die arischen Konkurrenten. Nicht die Massen verlangen den Arierparagraphen in der Reichswehr, sondern R e i c b e n a u und Blomberg. Eine neue antisemitische Wolle rollt an, aber sie wird erst künstlich in den Massen erzeugt, urn deren Erregung in andere Bah neu zu lenken/’ , Nationalsozialistische Ableugnungen Die ..Lügenabwehr-Zentrale der NSDAP“ leugnet natürlich alles ab. In ihrer frechen Manier erklärt sie: „Ausländischen Pressemeldungen zufolge sollte in der Zeit vom 2d. März bis 7. April iu Deutschland ein Boykott gegen die jüdischen Geschäfte proklamiert und durchgeführf werden. Hiezu wird festgestellt, daß diese Meldung von dem j U d i s c h c n A k t i o n s k o in i t e e, dessen Zentrale in der Iland des Juden TJuterni y e r in New York liegt, verbreitet wird. Sie entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Wahr ist. daß von der NS-IIago (Nationalsozialistische Handels- und Gewerbeorganisation) in der Zeit vom 23. März bis 7. April eine Sehulungsaktion durchrefiilut werden soll, um auch den Mitteltand iu der vom Führer angektimligten Frühlingsschlacht gegen die Arbeitslosigkeit erfolgreich einsetzen zu können. Jede autijüdische Boykottpropaganda ist von den verantwortlichen Führern dieser Aktion in Wort und Schrift a u s d r ü c k l i c h u n t e r s a g t worden. fDas ist nicht wahr!) Welche Absicht das jüdische Aktionskomitee verfolgt, geht daraus hervor, daß jetzt von diesem Komitee anläßlich des Zusanimentretens der Zionistischen W e 11 o r g a n i s a t i o n in Jerusalem ungeheure Anstrengungen gemacht werden, um die bisher aus diesen Kreisen gegen einen Boykott deutscher Ware geltendem« eilten Bedenken zu zerstreuen. Das internationale Boykottkomitee glaubt nämlich bei einem zentralen Boykottangriff des Wel[Judentums die deutsche Wirtschaft empfindlich schädigen zu können und hofft, auf diese Weise einen politischen Druck auf Deutschland auszuüben. Dieselben Zwecke, die der Jude Unter m y e r durch die Boykottpropadanda zu erreichen versucht, erstrebt der in Rußland geborene und sich jetzt in Amerika betätigende jüdische Politiker D i c k s t e i n mit der lügenhaften Behauptung, daß von deutscher Seite eine ungeheure nationalsozialistische Propaganda mit staatsfeindlichen Zielen in den Vereinigten Stau¬ Deutschland zurückzubringen. Zu diesem Zweck werden Schlepper bezahlt, die ihre Opfer bearbeiten. Wenn die Opfer genügend woichgeknotet sind, aber noch mißtrauisch bleiben und den Versprechungen nicht rocht glauben wollen, treten Inspektoren der Deutschen R e i c h s b a n k in Aktion, die sich anscheinend zu diesem Zweck in Paris aufhalten. Wahrscheinlich wird es in anderen Emigrationszentren ebenso gehandhabt. Diese Reichsbankinspektoren besiegen durch ihre amtliche Bestätigung den letzten Rest des Mißtrauens, soweit der Delinquent nicht ganz unheilbar ist. Welche Versicherungen die Reichsbankbeauftragten den von ihnen bearbeiteten Kapitalisten gegen die Abwertung der Mark geben, wissen wir nicht, dagegen scheint denen, die mit ihrem Gelde nach Deutschland zurückkehren, gar nicht immer Zeit gelassen zu werden, bis zum Verfall der Mark zu warten. Einem süddeutschen Bankier, der im Vertrauen auf die ihm gemachten Versprechungen sein Geld nach Deutschland zurtickkonnnen ließ und selbst dorthin zurückkehrte, ist das Vermögen in Deutsch! an d b cs c h l a g n a li in t worden. Allen Damen und Herren der Zion. Bezirks-Sektion und Wizo Prater, «nunc den Güsten, die mir anläßlich der Überreichung des Diploms des Keren-Kajemeth die JhJhre ihrer Anwesenheit erwiesen und ihre Glückwünsche zum Ausdruck gebrach/ hohen, sage ich auf diesen/ Wege herzlichen Dank Mit Zion«grüßen Rosa Andermann ten betrieben würde. Die Hetzjuden Untermyer und Dickstein sollten sich bei ihrer Tätigkeit überlegen, ob nicht gerade sie am Ende die Ursache dafür liefern, daß in der Welt die Erkenntnis über das völkerverhetzende Treiben des Judentums allenthalben wächst. Sie werden umsonst versuchen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika mit Lügen zu vergiften. Ebenso wie alle objek tiven ausländischen Besucher in Deutschland die ehrliche Überzeugung gewonnen haben, wird auch die amerikanische Öffentlichkeit erkennen, daß das junge Deutschland nichts anderes als Frieden und Arbeit will, daß die Juden in Deutschland ihrer privaten und wirtschaftlichen Betätigung im Rahmen der Gesetze frei und ungehindert nachgehen und daß dif) Nutzn inßcr einer neuen Greuelhctze einzig und allein die Exponenten des internationalen Judentums sein würden.“ Was die Hitler-Jugend singt Saarbrücken, 27. März. Die „Deutsche Freiheit1 bringt Auszüge aus einem soeben im offiziellen Verlag für nationalsozialistische Volksliterarur erschienenen „Hitlor - Jugend - Liederbuch“, das den Zehn- und Zwölfjährigen von ihren erwachsenen Anführern immer wieder warm empfohlen wird. Das Buch enthält zahlreiche antisemitische Hetzlieder, darunter Verse wie die folgenden: „Wer ist eure Hoffnung bei Tag und bei Nacht, wer schützt euch vor Judas Scharen?...“ -Viele Jahre zogen dahin, geknechtet das Volk und betrogen: Verräter und Juden hatten Gewinn, sie fordern Opfer Legionen ... Deutschland erwache! Juda den Tod! Volk, ans Gewehr! „Nach Berlin da wollen wir hinein, der Jude soll unsere Kräfte spüren, am Wege wilde Rosen blühn, wenn die Hitler-Jugend zieht nach Berlin.1' Die „Deutsche Freiheit“ bemerkt dazu: „Diese Verbindung von Blutdurst und wilden Rosen, von Gummiknüppel und Sentimentalität macht dem deutschen Volk so leicht keines nach.“ Wiedereröffnet das ehemalige Restaurant Z O 11 n 8 r Wien, II., Hammerpurgstallgasse 7 durch den bekannten Restaurateur Vf. Spritzer früher Hotel-Restaurant Stefanie. Zur Verabreichung gelangen: Spezialspeisen für den verwöhnten Gaumen ä la carte, wie auch Menü von S t*6o aufwärts und Speisen am Rost. Veranstaltung von Seder-Abenden!!! Tischbestellung unter Tel. Nr, A 45-5-42 Golf- Jäckchen Wr. Strlckmoden 19 80 N. HOLZER VI., Mariahllferstraße 80, II., Taborntraße 18 Auf der Suche nach fUdlschem Kapital Unter der Überschrift: „Doppelte Warnung“ führt das „Pariser Tageblatt“ aus: Dor Kapitalmangel in Deutschland treibt sonderbare Blüten. Die Hitler-Propagandisten bemühen sich nicht bloß, der Welt einzureden, daß den Juden im Dritten Reich gar nichts geschehe, .sondern sie versuchen auch mit vieler Überredungskunst, reiche J n d e n ausfindig zu machen, um sie zu überreden, ihr K u p i t a 1 wieder an Jüdische Sportbetätigung unterbunden Der Vereinigte Jüdische Sportverband Bayerns, der nach der behördlichen Auflösung des Makkabi und dor Sportsektion dos Reioh.sbundes jüdischer Frontsoldaten in Bayern gebildet wurde, wobei die behördliche Erlaubnis erst nach großen Schwierigkeiten erlangt werden konnte, ist jetzt, noch bevor or recht in Tätigkeit treten konnte, von der Regicruug aufgelöst worden. Der nunmehr aufgelöste Verband stand unter dom Protektorat des Verbandes jüdischer Gemeinden Bayerns. Bedingungen für seine Existenz waren u. a,: 1. Die Beamten werden durch den R egier u ngssportkomm issär ernannt und müsvsen Frontkämpfer gewesen sein; 2. sie müssen sich an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat beim Sportk o in m i s s ä r zum Bericht melden; 3. der Verband darf Mitglieder der aufgelösten Verbände des Makkabi und des Roichsbundes jüdischer Frontkämpfer einzeln, aber nicht als Körperschaft aufnehmen. Als Grund für die Auflösung «los Vereinigten Jüdischen »Sportverbandes wird angegeben, daß andere Vorhände ihn zur Ta r n u n g ihrer eigenen verbotenen Tätigkeit benutzt haben. Die Finanzen Deutschlands London, 26. März. „Times“ befassen sich Ln längeren Ausführungen mit der schlechten Lago der dnutechon Finanzen und der Unsicherheit der deutschen Währung infolge Sinkens dor Golddeckung in die Näho das Nullpunktes und kommen zu dem Schluß, daß die deutschen Behauptungen, diese Rage sei durch die Zahlung der Reparationen hervorgerufen, durchaus nicht stichhaltig seien —■ die Reparationen seien mittels ausländischer Devisenanleihen gezahlt worden —: die Verlegenheit, in der sich Handel und Finanzen in Deutschland befinden, sei zu einem großen Teil auf die Zerstörung der Wirtschaftinfolge der Depossedierung und Ausschaltung der Juden zurückzuführen. Gesucht: jüdischer Schweinemetzger mit deutschem Namen! Im Hamburger „Israelitischen Haustierblatt“ finden wir folgende Nachricht: Vor einigen Tagen ging bei einer unserer Filinlcxpeditionen im Reich eine Anzeige ein, in der ein besorgter Vater einen Bräutigam, für seine Tochter sucht. Das würde nicht weiter aufjallen. Auch daß der Vater einen Mann sucht, der in seinem Geschäft arbeiten kann, entspricht nur den auch sonst üblichen Wünschen jüdischer Väter. Aber die Anforderungen, die. dieser „jüdische" Vater an seinen zukünftigen Schwiegersohn stellen wollte, fielen doch etwas aus dem Rahmen der sonst bei jüdischen Men-1 sehen üblichen Berufs- und menschlichen Eigenschaften heraus. Dieser Schwiegersohn, sollte nämlich — ,,g eie r nt er Schweine* me t z g e r" sein, er sollte e i n e n d e u D s c h e n N a m e n besitzen, er sollte „Deutschjude“ sein. Daß er außerdem, eine „große Figur“ haben mußte > dazu „nicht religiös eingestellt", sind Dinge, die. die Beireffenden unter sieh allein aaszuma* chen haXten, und die in anderem Zusammenhang nicht, auf gef allen wären. Unsere Filiale wies selbstverständlich die Aufnahme der Anzeige in dieser Fassung zurück und verlangte zum mindesten, daß der „Sch wein.cmelzgeP', der ,,deutsche Name und der „Deutschjude“ aus der Anzeige zu verschwinden hätten. Mit ihr sind wir der Ansicht, daß man einen. Schweinemetzger nicht ausgerechnet in einem jüdischen Blatt zu suchen hat, daß das Tragen eines jüdischen Namens eine Ehre ist und nicht ein Grund zur Zurückweisung eines sonst geeigneten Mensclum — sowohl als Kandidat für die Ehe als auch für die Befähigung zu einem Beruf —, und daß „Deutschjude" eine so wenig umgrenzte und, unsichere Bezeichnung ist, daß man damit, nichts a.nfangen kann. Unsere FilialenpertUion schlug also den/, Herrn vor, die beiden ersten Bezeichnungen, forlzulassen und „Deutsch jude“ durch. „Reichsdeut,scher" zu ersetzen. Aber der Herr Scfmeinemetsger halte dafür kein Verständnis. Er sandte uns ein lapidares Schreiben. in dem, es in einem für einen „Deutschjuden" nicht gerade vorbildlichen Deutsch, wörtlich, hieß: „Ich trabe für Ihrem frommen Schmus keine Intresse! Ich bin National. Deutscher Jude! Mit Deutschem Gruß (Unterschrift), Wiesbaden...“ Bedauerlicherweise wird der Name dieses Naumau-Judon verschwieg©».