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Die Stimme · 1934-03-30 · Heft 340 (30.3.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 340 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 OIE STIMME Nr. 340. ~ 30. Ivfär* 1034 JUDENSCHAFT UND BANKENFRAGE In letzter Zeit hat die österreichische Credit-Anstalt ihren Personalstand um 40 Beamte vermindert, so daß in dieser Bank samt allen ihren Zweigniederlassungen nur mehr 733 Beamte und 240 Skontisten beschäftigt sind, gegenüber einem Personalstand von 3400, welchen die Credit-Anstalt unmittelbar nach ihrer Fusion mit der Anglobank hatte. In ähnlichem Maße haben auch die übrigen Banken ihren Personalstand verringert, so daß der Bank-Verein derzeit insgesamt nur mehr 880, die Escomptegesellschaft 368, die Länderbank 630 und die Mercurbank 285 Beamte besitzen, zusammen rund 2600 Beamte, gegenüber einem Höchststand von 24.000 vor etwa 10 Jahren, allerdings einschließlich der zahlreichen, seither verschwundenen Institute. Im Zuge der geplanten Vereinigung der Escomptegesellschaft mit dem Wiener Bank-Verein wird zweifellos ein weiterer scharfer Abbau von Bankbeamten stattfinden. Es ist in erster Linie ein volkswirtschaftlicher Vorgang, der in diesen Ziffern zum Ausdruck kommt, der aber für die Betroffenen eine sehr traurige privatwirtschaftliche Seit« hat und seit einiger Zeit immer mehr auch eine gewissermaßen konfessionelle, um nicht zu sagen, antisemitische Note erhalten hat. Es ist bekannt, daß die Beschränkungen, die für Juden in der Berufswahl seit jeher bestanden, und vielleicht auch seit Generationen ererbte Neigungen und Traditionen einen starken Andrang jüdischer Elemente zum Geldgeschäft und zum Bankbeamtenberufe herbeigeführt haben. Nun ist es in letzter Zeit Mode geworden, für die Schwierigkeiten einer größeren Anzahl von Banken in Österreich deren jüdische Leiter verantwortlich zu machen, wobei aber weniger diese, als vielmehr die niedere Beamtenschaft die Leidtragenden waren. Nun sind gewiß seitens jüdischer Bankleiter Fehler, in vereinzelten Fällen auch Unkorrektheiten begangen worden, die hier keineswegs beschönigt oder gar gebilligt werden sollen. Aber für jeden, der die wirtschaftliche Entwicklung und Lage in Österreich seit Kriegsende auch nur ganz oberflächlich kennt, ist es klar, daß bei dem Niedergange des Bankwesens in Österreich die Schuldfrage nur eine ganz nebensäch- Zn nOB benütze man in jedem jüdischen Hanse Shemen feinstes Palästina - Olivenöl ncs? *ibo m rop heurig frisch, NUR mit Einprägung in der Dose nosS *1CD Das Beste zum Kochen, Braten, Backen, das Beste für Salate und Mayonnaise, das Beste für Medizinalzwecke Shemen Toiletteu. Haushalt-Seife in zehn Sorten: Bade-Soap, Adin, Hadar Hacarmel, Galil, Carmel Flowers, Baby Soap, Menorah, La Palma ä la Marseille und Ora-Seifenflocken In allen besseren Geschäften erhältlich Goneralrepr. für Österreich; S. Rabinowitsch, II., Zirkusg. 10 Telephon: R 48-7-38 Vor allem waren die sogenannten jüdischen Bankleute zum überwiegenden Teile keine Juden mehr, da sie der jüdischen Konfession nicht mehr angehörten. Gerade in diesen Kreisen gehörte vielfach der Besitz eines Taufscheines ebenso zum guten Ton. wie etwa der Besitz eines modernen Autos. Die Namen dieser entjudeten Bankjuden gerade an den leitenden Stellen sind zu bekannt, als daß eine Aufzählung nötig wäre. Gerade diese Herren sind es aber, welche zur Abneigung gegen die „verjudeteu Banken“ soviel beigetragen haben und deren Sünden und Fehler man dem gesamten Judenturae in die Schuhe schieben möchte, um damit eine sogenannte „Reinigung im Bankwesen“ zu rechtfertigen. Welche Fortschritte dieser Prozeß schon gemacht hat, zeigt z. B. die Tatsache, daß in der Börsenabteilung einer Großbank, in der einst 10 Leute, und zwar 8 Juden und 0.LTE *$. 1/ Z I E H U H 6 h 'r * e fci e *rt Mit voller Erhellung und Verfügbarkeit der eingezahlten Beiträge. lgeme/ne remtehanstait ICH &RABEN 20- TEl-U 21*510 liehe Rolle spielt, daß es sich hier vielmehr um eineu durch die Schrumpfung des Arbeitsgebietes und der Geschäftsmöglichkeiten der Banken hervorgerufenen zwangsläufigen Prozeß handelt, dem z. B. seinerzeit auch die nichts weniger als „verjudete“ Centralbank deutscher Sparkassen, und zwar gerade in diesem Falle nicht ohne Verschulden ihres Großaktionärs, des stramm nationalen Herrn Dr. Viktor Wutte, zum Opfer gefallen ist. Aber auch aus anderen Gründen ist es nicht nur eine Ungerechtigkeit, sondern eine demagogische Verdrehung der Tatsachen, wenn „die Juden“ für den Niedergang einer Reihe von österreichischen Banken verantwortlich gemacht werden. 2 Nichtjuden, saßen, heute nur mehr 8 Leute tätig sind, unter denen 2 Juden und 6 Nichtjuden sind. Vielfach .wurde der Schein gewahrt, indem der Abbau paritätisch nach Konfessionen vorgenommen wurde, was bei dem Überwiegen der Juden unter der Beamtenschaft natürlich eine Benachteiligung derselben bedeutete. Aber abgesehen von alledem wird es regelmäßig übersehen, daß in Österreich neben dem eingeschrumpften Bankenapparat und neben den „judenreinen“ Sparkassen noch eine dritte, und zwar ebenfalls vollkommen judenreine Finanzorganisation entstanden ist und sich in andauerndem Ausbau befindet: die Genossenschaften. Am 1. Jänner 1934 gab es in Österreich bereits 3167 landwirtschaftliche Genossenschaften, hievon 1804 Spar- und Darlehenskassen, außerdem schon Endo 1931 5738 gewerbliche Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, darunter 2374 Raiffeisen- und Schultzo- Delitzsch-Kassen. Wenn in nächster Zeit gelegentlich der Zusammenlegung der Escomptegesellschaft mit dem Bank-Verein ein neuerlicher Beamtenabbau vorgenommen wird — daß es dazu kommen wird, ist heute eine schon feststehende Tatsache —, so muß verlangt werden, daß dabei alle konfessionellen und rassenmäßigen Momente außer Betracht bleiben, die gerade im Wirtschaftsleben immer nur Schaden, aber noch nie Nutzen gestiftet haben. Maßgebend dafür, wer von den Beamten dieser beiden Banken seine Stellung behalten und wer dom Abbau verfallen soll, darf nur die Tatsache der fachlichen Eignung und Tüchtigkeit sein, nicht aber konfessionelle und politische Erwägungen. Keine Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben „auf kaltem Wego“, sondern Sachlichkeit und Gerechtigkeit in der Behandlung der Bankbeamten frage ebenso wie auf allen anderen Gebieten — das ist die gewiß weder unbescheideno noch unberechtigte Forderung der Österreichischen Judenschaft in der Bankenfrage, die hoffentlich auch im eigenen Interesse dieses Staates und seines Bankwesens Erfüllung finden wird. Produktive KredithiUe Die durch den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Ohajes gegründete jüdische Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt dieser Tage unter dem Vorsitz ihres derzeitigen Obmannes, des Herrn Rafael Halporn. ihre 11. ordentliche Generalversammlung ab. Nachstehend bringen wir einen Auszug aus dem durch Direktor H e n i s c h erstatteten Tätigkeitsbericht für das Jahr 1933. Finanzen Die finanzielle Lage der Kreditkassa hat im Jahre 1933 keine wesentliche Änderung erfahren. Wohl mußten im Laufe dieses Jahres an die Joint Foundation fällige größere Kreditraten zurückgezahlt werden, doch wurde dieser Betrag durch den seitens der Foundation flüssig gemachten Restkredit zur Gänze wettgemacht. Da sich die Kreditansprüche im Berichtsjahre ungefähr in den bisherigen Grenzen bewegten, konnten sie vollauf ohne Schwierigkeit befriedigt werden. Geschäftsbetrieb Die rückgängige Bewegung der vorletzten zwei Geschäftsjahre, die in der fortschreitenden Abnahme der Darlehensgesuche sowie des Darlehensstandes ihren Ausdruck fand, ist in der Berichteperiode erfreulicherweise zum Stillstand gekommen. Wohl senkte sich auch in diesem Jahre die Zahl der ausbezahlten Darlehen um 39, und die ausbezahlte Gesamtdarlehenssumme um S 27.000 gegenüber dem Vorjahre, jedoch ist dieser geringe Rückgang lediglich als Folge der erweiterten Darlehensfrißten anzusehen, die sich jetzt kn allgemeinen auf neun bis zwölf Monate erstrecken (früher bloß sechs Monate), was auch aus dem beinahe unveränderten Darlehensstand gegenüber dem Vorjahre deutlich hervorgeht. Eine erfreuliche Tatsache ist ferner das Ansteigen der Zahl der neuen Kreditnehmer, die im Berichtsjahre fast 25% aller Darlehensnehmer betrug. Diese für die Existenzberechtigung sowie für die steigende Popularität der Kasse zeugende Tatsache ist um so bemerkenswerter, als ja bekanntlich seit Mai 1933 eine Gewerbesperre besteht, die Neugründungen sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich macht. Zieht man weiters in Betracht, daß auch in diesem Jahre die Rückzahlungen der empfangenen Darlehen im allgemeinen pünktlich erfolgten (die Gesamtsumme der Rückzahlungen überstieg sogar um eine Kleinigkeit diejenige der ausbezahlten Darlehen) und daß auch die Klagofälle und Abschreibungen sich in den bisherigen Grenzen bewegten, so kann man mit dem Resultat der Tätigkeit in der abgelaufenen Berichtsperiode füglich zufrieden sein. Als frohe Botschaft für das kommende Geschäftsjahr soll noch der Beschluß des Vorstandes erwähnt werden, wonach der Zinssatz für Darlehen mit 1, Jänner 1934 um 2% pu a. herabgesetzt wurde. Statistisches. Von den Kreditgesuchen wurden 724 einer definitiven Erledigung zugeführt, davon 637 in positivem und 87 in negativem Sinne. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichts periode 573 zur Auszahlung, gegenüber 612 im Vorjahre. 139 Darlehen (zirka 25%) entfallen auf neue Darlehensnehmer. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 11*3% der Fälle zwischen S 500 und S 1000, in 73*3% der Fälle S 500 und in 15*4% der Fälle unter S 500. Gegenüber dem Vorjahre ist der Prozentsatz der höheren Darlehen (von S 500 aufwärts) English School Für Anfänger und vollsländigeAusbildung Schnellkurse f. Konversation (engl.Multersprache) Für Chaluxim besondere Ermäßigung gesunken, dagegen erhöhto sich der Prozentsatz der Darlehen unter S 500 von 11*1 % auf 15*4%. Die Gesamtsumme der ausbezahlten Darlehen betrug S 285.520 (gegenüber S 312.530), was einen Monatsdurchschnitt von zirka 48 Darlehen mit S 23.800 ergibt. Nach Berufskategorien gegliedert entfallon auf Kleinkaufleute 414 Darlehen (72*25%), auf Handwerker 104 (18*15%), auf kleinindustrielle Betriebe 31 (5*4%) und auf Angehörige freier Berufe 24 Darlehen (4*2%). Die Gesamtsumme der Darlehenßrückzahlungen betrug S 288.229*27. Der Gesamtdralehensstand mit Jahresende belief sich auf S 163.400*85 gegen zirka S 1G6.000 mit Ende 1932. Die Bewegung der Genossenschafter und Anteile im Berichtsjahre weist einen Zuwachs von 127 neuen Mitgliedern mit 127 Anteilen und einen Abgang von 86 Mitgliedern mit 88 Anteilen auf. Der Stand der Genossenschafter mit Jahresende betrug 1847 Mitglieder mit 6802 voll eingezahltcn Anteilen ä S 10. * In den 11 Jahren ihes Bestandes gewährte die Kreditkassa insgesamt 7336 Darlehen im Gesamtbeträge von S 3,638.545. Im Hinblick auf die im Zusammenhang mit den jüngsten Ereigniseon geschaffene Lage ist jetzt eine stärkere Inanspruchnahme der Kreditkassa bestimmtest zu gewärtigen. Die Bei guter jüdischer Familie schönes möbl. GASSENZIMM R Mezz., Tel., Schreibmaschine. Auf Wunsch Verpflegung, VII., Neustiftg. 93, Tel. B 34-8-94 Kasse erwartet daher auch von Seiten der jüdischen Bevölkerung eine ausgiebigere Unterstützung durch Erwerbung von Genossenschaftsanteilen. Vorstand und Aufsichtsrat. Nach vorgenommenen Ergänzungswahlen gehören dem Vorstande dio folgenden Herren an: Kommerzialrat Karl Altman n, rAon ßarschak, Max E i6 ne r, Direktor Ernst Gold Schmidt, Rafael II a 1 p o r n, Dr. Siegfried Kantor, Geza Kling er, Hebräisch unterrichtet billig mittelloser Hoohsohiiler mit hebrälsoher Matura, VII., Lerohenfelderstr. 9, II. Stiege, T. 42. Tel. B 33-6-77 Dr. I. H. Körne r, Dr. Leo Landau, Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Foiwol T ü r k 1. Dio Mitglieder des Aufsichtsrates sind dio Herren: Präsident Dr. Dosider F r i e d m a n n, Mendel Feigenbaum, Gustav Gold mann, Dr. Armand Karn i n k a, Kammerrat Moritz Koh n, Vizepräsident Dr. Josef Lowonherz, Samuel PZ reis, N. M. Itacker, Dr. Paul R a um a n n und Max S c h i f f m a n n. Dem Revisionsausschuß gchöron au die TTerren: Kommerzialrat Moritz Re i f, Oberreohnungsrat Moses Weiner und M. M ar ian. SPRECHSAAL Wir orhalton vom Ilerzl-Archivkomitee folgende Zuschrift, mit der Bitte um Veröffentlichung. Das Herzl-Archlvkomitee liat soino Veröffentlichung über das IIorzl-Archiv in Wien ira Einvernehmen mit der Zionistischen Exokutivo in London veröffentlicht. Dio vom Herrn M. Ungorfeld gemachte Mitteilungen sind unrichtig. Stadtkibbuz/ II./ Ferdinands!** 4, Tel* R 45*0»91 ZIONISTEN! JUDEN! Beschäftigt unsere Chaluxim hei Vergehung von Reparaturen und Neuarheiten I Es stehen xur Verfügung J Tischler/ Schneider/ Elektriker/ Tapezierer, Mechaniker und Kürschner

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