Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 340 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 340. - 30. Mär* 1934 DIE STIMME Seit« 8 Österreichs Erklärungen zum Minoritätenredit Einstein: Mein Weltbild Als drr deutschöfiterreichischen Friedensdelegation der Text des Friedensvertrages von der Entente vorgelegt wurde, sah sich die doufcschöstorreiehische Delegation veranlaßt, sieh hiezu schriftlich zu äußern und Gegenvorschläge zu machen. Diese Antwort der deufcschösfcerroichißchcm Delegation erschien der damaligen deutschösterrcichischcn Bundesregierung von so großer Wichtigkeit, daß sie deren Text durch die De utschöstcrreichi sehe Staats d ruck erei in Druck legen ließ. Der Text umfaßt 270 Druckseiten und führt den Titel: „I) eutschösterreichs Antwort auf die Friedenßbedingunge n.“ Der Untertitel lautet: „D i e Note der deut.schösterreichischen Fried ensdelegation an den Präsidenten der Friedenskonferenz vom 6. August 1919, Zahl 914.“ Im dritten Teil dieser Note (Politische Bestimmungen über Europa) Andern wir unter dem Titel „Sektion VI. Minoritätenschutz“ auf den Seiten 45 biß 48 Äußerungen, die wiederzugeben derzeit von besonderem Interesse ist. Sprechen doch verschiedene antisemitische Zeitungen öfters von einer „Drohung mit dem Friedensvertrage“. Wir finden dort folgernde interessante Erklärungen: „Die Bestimmungen bezüglich den Schutz der Minoritäten, welche Deutschösterreich vorgeschrieben werden sollen, stimmen ganz mit den Prinzipien überein, die die Grundlage unserer jungen Republik bilden. Es besteht daher gar kein Bedenken dagegen, daß internationale Garantien zugunsten dieser Prinzipien geschaffen werden.“ — „Deutschösterreich stimmt der Einfügung gewisser Bestimmungen über die Rechte der Minderheiten in die Grundgesetze der neuen Staaten mit um so lebhafterer Befriedigung zu, da es glaubt, daraus schließen zu können, daß die uns erwachsende Verpflichtung gegen eine verschwindend kleine Minorität mit mehr Recht und in weiterem Umfange denjenigen Staaten erwächst, in welchen unsere Konnationalen sehr bedeutende Minoritäten bilden.“- „Deutschöslerreich anerkennt spontan, daß die demokratischen Institutionen internationales Interesse besitzen. Nachdem es selbst nur auf die Realisierung der Prinzipien von Freiheit und Gerechtigkeit bedacht ist, glaubt es, erwarten zu können, daß die Grundsätze, die in unserem kleinen Staate verkündet werden müssen, auch von allen zivilisierten Nationen, ob Sieger oder Besiegte, ausdrücklich anerkannt werden. Die Unterzeichnete Delegation enthält sich jedoch jeder Anregung, bezüglich solcher in die Grundgesetze aufzunehmenden Bestimmungen und weigert sich nicht, soweit sich solche Bestimmungen in der eigenen Gesetzgebung noch nicht finden, sie auf legislativem Wege einzuführen und deren Befolgung wirksam sicherzustellen. Die deutschösterreichische Delegation schließt sich im übrigen der Idee an, dem Völkerbunde die Aufrecbterhaltung und den Schutz der erwähnten humanitären Prinzipien vorzubehalten.“- „Es ist klar, daß diese Gesetze ihrem Geiste entsprechend angewendet werden müssen und daß sie keine bevorzugten Individuen nach Gehurt, Nationalität, Sprache, Rasse oder Religion unterscheiden dürfen.“ „... Es ist klar, daß alle deutschösterreichischen Staatsangehörigen rechtlich und tatsächlich dieselbe Behandlung und denselben Schutz genießen und genießen werden.“ * Wie man also sieht, war die deutschester reichische Friedensdelegation zum Minoritütenrecht durchaus positiv eingestellt. Auf derselben Linie bewegten sich übrigens auch die kürzlich vom Bundeskanzler Dollfuß den kleinen Minoritäten der Slowenen und Kroaten gegenüber abgegebenen Erklärungen. Es verdient auch hervorgehoben zu werden, daß die deutsch Österreichische Friedensdelegation ans Angehörigen sämtlicher österreichischer Parteien, daher auch der Christlichsozialen und Deutsch nationalen z ußamm eng es e tz t war. Man kann daher nicht von einer Drohung mit dem Friedensvertrage sprechen, da Österreich den Minderheitsschutzbestimmungen, insbesondere mit Rücksicht auf die deutschen Minderheiten im Auslande zugestimmt hat. Die Berufung auf den Friedensvertrag wird übrigens in dem Momente überflüssig, in dem Versuche, auf irgendwelchem Wege, „rechtlich oder tatsächlich“, den Rechten der österreichischen Juden Abbruch zu tun, nicht zu gewärtigen sind. Die Getarnten dürfen weiter hetzen... Niemand stört sie, niemand findet daran etwas auszusetzen, wenn Menschen, denen nichts als ihr Judentum vorzuhalten ist, diffamiert werden. Das „Wiener Montagblatt“ darf wieder eine Liste, der in der Irrenanstalt „Am Steinhof“ im Jahre 1932 beschäftigten jüdischen Ärzte — es waren im ganzen neun — veröffentlichen. Es darf weiter mitteilon, daß 1922 im ganzen 2814 Juden, im Jahre 1923 10.364 Juden, insgesamt von 1922 bis 1925 20.235 Juden in Wien eingebürgert wurden. Daß diese Einbürgerungen irgendwie der Stadt Wien oder dem Staate geschadet hätten, kann niemand behaupten. Und falls die Ausbürgerung nach Ilitlcrischem Muster erfolgen sollte, was uns aus verfassungsmäßigen Gründen unmöglich erscheint, wfirdo die Arbeitslosigkeit auch nicht geändert, wie man ja in Deutschland sieht. Die Hetze ist sinnlos und, worüber man sich nicht wundern muß, niedrig. Eines aber muß gesagt werden: es handelt sich nicht um „Gäste aus dem Osten“, wio das christlichsozialo Blatt schreibt, sondorn um Menschen, die von den k. k. Behörden aus dem Osten nach Wien „evakuiert“ worden waren. Dort drüben ging der Krieg über ihre Wohnsitze, zerstörte ihr Vermögen und ihre Habe. Viclo dieser „Gäste“ — es ist ein merkwürdiger Unfug, immer wieder das Gastrecht unglücklicher Menschen unter die Augen zu halten — haben österreichische Soldaten vor den Russen verborgen gehalten. Dafür wird ihnen Dank. Wenn aber von „Gästen“ gesprochen wird, was ist denn mit don Tausenden von Sudetendeutschen, die ihr Volk in der Zeit der nationalen Not nach dem Weltkrieg im Stich gelassen haben und nach Österreich gerannt sind, wo sie jetzt teils getarnt, teils nichtgetarnt, nationalsozialistische Tollhäuslereien verbreiten? Sie alle fühlen sich hier sehr wohl, durchaus aber nicht als Gäste. Sie sind „bodenständig“. Die Juden sind „Gäste“. Das ist kein „jüdischer Dreh“, das ist „nordische List“. Wir fragen nochmals: Wann wird endlich der Hetze der Getarnten und Nichtgetarnten Einhalt geboten? Amerika huldigt Einstein New York, 27. März. Der Staat New Jersey, in dessen Bereich Professor Albert E i n s t o i u s neue Wirkungsstätte, das Instituto for Advanced Study in Princetown, liegt hat Albert Einstein und seine Gattin Elsa eingeladen, die Bürgerschaft des Staates New J e r’ß e y anzunehmen. Als die Zustimmung des Ehepaares Einstein erfolgte, ergriff der Gouverneur des Staates Moore die Gelegenheit, um dieses Ereignis durch eine große Festlichkeit in Newark, der Hauptstadt New Jerseys, zu begehen, zu der alle Notabein des Staates aufgeboten wurden. Amsterdam, 27. März. Zum 55. Geburtstag Albert Einsteins erschien im Querido-Verlag, Amsterdam, eine Aufsatzreihe von Albert Einstein unter dem Titel „Mein Weltbild“ (269 Seiten). Einstein entwickelt in diesem Buch seine Gedanken über Politik, Pazifismus, Judentum und gewährt zum Schluß einen Einblick in die eigene Forscherarbeit. In der Aufsatzreihe kommt Einsteins Glaube an den Menschen, an eine Welt des gegenseitigen Verständnisses und der Hilfe und an die völkerverbindende Mission der Wissenschaft zu stärkstem Ausdruck. In dem Buch ist auch sein Briefwechsel mit der preußischen Akademie der Wissenschaften zum erstenmal im Wortlaut abgedruckt. Die Akademie hatte Einstein auf Grund ungeprüfter Gerüchte der Verbreitung von „Greuelmärchen“ beschuldigt. Einstein wies diese Verleumdung stolz zurück. Sein abschließender Brief lautet: „Le Coq-ßur-Mer Belgien'1, 12. April 1933. An die Preußische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Ich erhalte Ihr Schreiben vom 7. 4. er. und bedauere außerordentlich die Gesinnung, die sich darin kundgibt. Sachlich habe ich nur folgendes zu erwidern: Ihre Behauptung über meine Haltung ist im Grunde nur eine an- Phlllp Cuedalle über die Lage der Juden Im heutigen Deutschland Im Heim des berühmten Gynäkologen Norman Haire fand eine von dem bekannten Psychologen Dr. Prynß-Hopkins geleitete private Zusammenkunft von etwa 60 hervorragenden Ärzten, sowie Angehörigen anderer Intelligenzberufe statt, in der Philip GuedalJa über die äugen- MEINIj KAFFEE blickliohe Lage der Juden in Deutschland referierte und ungefähr ausführte: Während wir für die Opfer Hitler-Deutschlands obsorgon, müssen wir unablässig gegen die Verhöhnung der menschlichen Würde in einer Weise protestieren, daß sogar d i e harte deutscho Haut diesen Protest fühlt. Es gibt nur eines: Entzug jeder Unterstützung in der Form von Warenbezug und gewährten Anleihen; es ist dies eine ruhige, gesetzliche, und doch fühlbare und potente Form des Protestes. Jeder nach Deutschland geschickte Penny bedeutet Verrat an dem Weltfrieden. Boykott unterirdisch, wie ihn viele empfehlen, ist nicht dio rechte Methode; nur oiu öffentlicher Boykott hat Sinn; denn er führt den Deutschen die Konsequenz ihrer dere Form Ihrer bereits veröffentlichten Erklärung, in der Sie mich beschuldigten, mich an einer Greuelhetze gegen das deutsche Volk beteiligt zu haben. Diese Behauptung habe ich bereite in meinem letzten Schreiben als eine Verleumdung bezeichnet. Sie haben ferner bemerkt, daß ein „Zeugnis“ meinerseits für „das deutsche Volk“ sehr machtvoll im Ausland gewirkt haben würde. Hierauf muß ich erwidern, daß ein solches Zeugnis, wie Sie es mir zumuten, einer Verneinung aller der Anschauungen von Gerechtigkeit und Freiheit gleichgiekommen wäre, für die ich mein Leben lang eingetreten bin. Ein solches Zeugnis wäre nämlich nicht, wie Sie sagen, ein Zeugnis für das deutsche Volk gewesen; es hätte sich vielmehr nur zugunsten derer auswirken können, die jene Ideen und Prinzipien zu beseitigen suchen, die dem deutschen Volk einen Ehrenplatz in der Weltzivilisation verschafft haben. Durch ein solches Zeugnis unter den gegebenen Umständen hätte rnh — wenn auch nur indirekt — zur Sittenverrohung und Vernichtung aller heutigen Kulturwcrte beigetragen. Eben aus diesem Grunde habe ich mich gedrängt gefühlt, aus der Akademie auszatreten, und Ihr Schreiben beweist mir nun, wie richtig ich damit gehandelt habe.“ Handhingen vor Augen. Der Rückgang des deutschem Exports hat starken Eindruck gemacht. Leipzig exportierte zum Beispiel 1932 Bücher im Werte von 284 Millionen, 1933 aber für nur 125 Millionen Mark. Die Leute in Deutschland dürfen nicht in dein Glauben erhalten werden, daß man einen loyalen Teil der Bürger einfach versklaven könne. In der Aussprache wurde namentlich zum Ausdruck gebracht, daß die Degradierung der jüdischen Kinder das Grauenhafteste an der ganzen Judenverfolgung in Deutschland ist. Einmütig wurde eine Resolution angenommen, die dem Jewish Representatdve Council for the Boycotting of German Goods Unterstützung zusagt. Gegen Jüdische Arbeit ln Lodz Warschau, 26. März. Unter den nichtjüdischen Arbeitern der großen Lodzer Textilfabriken macht sich von je eine scliarfo Opposition geltend. Vor kurzem kam es in der jüdischen Textilfabrik Eitlingon und Sehwefus in Lodz zu einem ernsten Zusammenstoß, als die christliche Arbeiterschaft die Entlassung neu aufgenomiuener jüdischer Arbeiter forderte. Der jüdische Arbeiter Mordochai Hochstein wurde von den christlichen Arbeitskollegen durch Schläge derart zugerichtet, daß er schwer verletzt in das jüdische Hospital überführt werden mußte. Propagandasekretär gesucht fOr zionistische landesorganlsatlon Erforderlich: Rednertalent und Beherrschung der deutschen, jiddischen und womöglich hebräischen Sprache. Anträge mit Nachweis der bisherigen Verwendung unter „Propagandasekretär“ an die Administration der „Stimme". Erzeugnis jüdischer Pflanzer Die PARDESS-ORANGE aus Jaffa Saftig — Süß — Kernlos In Originalpackung mit der Kamel-Schutzmarke In jedem besseren Geschäfte erhältlich