Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 339 (27.3.1934)
- Date
- 1934-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 350. — *7. M5rz 1934 DIE STIMME Seit« 8 sehe Ehe und für die Freie Schule gemacht, haben. Das sind Angelegenheiten, die ausschließlich die Katholiken allein angehen und die Katholiken allein hätten zu entscheiden, wie sie ihre kulturellen und religiösen Angelegenheiten zu besorgen hätten. Der Redner kritisierte weiters seluirf jene Juden, die sich heute nach neuen A s s im i I a t i o n s rn ö g 1 i c li k c i t, e n umsehen. Das sind ganz vergebliche Versuche. Die Juden müssen erkennen, daß sie sich als Juden organisieren und offen als Juden bekennen müssen. Wenn sie sich weiter tarnen, wird die Mehrheit im Staate Sie mißachten. Die Juden wollen dem Staate geben, was des Staates ist, und verlangen auch vom Staate die Durchsetzt! n g der Gleichberechtigung. Mit einem Appell, der Jüdischen Volkspartei beizutreten, schloß der Redner die Versammlung. Der Pakt von Rom und seine In den Konferenzen in Rom ist zwischen j Mißerfolg der Aufstand der Sklaven im Mussolini, Dollfuß und G ö m b ö s . Hinterland losbrechen müßte. Aber da es unter anderen Vereinbarungen auch ein Abden Kraftübersehuß der SA. irgendwie ab- Mausdiel als Denunziant Der Ruf nach einer geschlossenen jüdischen Front wird immer lauter. Leider gibt es Juden, die zwar auch die Einigkeit im Mundo führen, aber keinen Anlaß für zu schlecht finden, um sich gegen den Gedanken der Solidarität zu vergehen. So hat es die „Wahrheit“, das Blatt der „Union österreichischer Juden“, für gilt befunden, aus Anlaß einer Rede des Oberbau* rates Stricker in einer ganz unerhörten Weise den Patriotismus der Zionisten zu verdächtigen. Daraufhin bekam sie von Oberbaurat Stricker die gebührende Antwort. Was tut sie nun? Sie schreibt einen Artikel, in dem die „E i n h o i t, des J u d e nt u m s“ gefordert wird. Das könnte man sich gefallen lassen, wenn dadurch der frühere, verleumderische Artikel desavouiert worden wäre. Davon ist aber keine Rede. Die „Wahrheit“ will der Wahrheit nicht die Ehre geben. Sie doziert, sio habe n u r Feststellungen gemacht, aber beileibe keine Denunziation begangen, denn zum Wesen der De-;; nunziation gehöre es, daß sie nicht öffont- ] lieh, sondern heimlich erfolge. Eine merkj würdige Auffassung! Und die „Wahrheit“; wiederholt „die als erfreulich zu bezeichnende Feststellung, daß heute auch die; Zionisten sich enger jenen vaterländischen Prinzipien verbunden fühlen, für die die Union seit jeher eingetreten ist!“ Mauschel verleumdet, also zum zweitenmal. Wir Zionisten, die wir immer mit offenem Visier gekämpft haben, die immer geradlinig unseren Weg gegangen sind, haben es nicht notwendig, uns von der Union, die schon so ziemlich durch alle politischen Gewässer geschwommen ist, Unterricht in Patriotismus geben zu lassen. Wir wollen diese in unserer Zeit doppelt schwere Verleumdung als widerliche Zuckungen des bankerotten politischen Systems dor Assimilation mit Verachteng braudmarken. Wir wollen uns aber auch dagegen verwahren, daß die „Wahrheit“ zuerst verleumdet, dann nach der Einheit des Judentums ruft, dies mit einer neuen Verleumdung verbindet und demnach die Forderung nach Einheit für sieh als freibleibend ansieht. Diese Feststellungen sind nicht als erfreulich zu bezeichnen, dafür aber als notwendig. Die Verantwortlichkeit der „Wahrheit.“ und ihrer Hintermänner von der „Union“ mußte einmal festgonnge.lt werden. kommen geschlossen worden, das in Form eines Protokolls die r o s 11 o s o U n a b hängig k e i t Österreichs festlegt und sohin das bekannte Genfer Protokoll Seipels wiederholt. Der Beschluß von Rom ist vielfach kritisiert worden. Da er nichts darüber enthält, wie diese Unabhängigkeit g esichert werden soll, entstand eine gewisse Enttäuschung, da die Vorgeschichte dieses Beschlusses noch frisch in Erinnerung stand. Das Dritte Reich hat den gewalttätigen Sturm auf Österreich nicht eingestellt, sondern nur etwas abgeschwächt, und man hatte angesichts der scharfen Divergenzen, die zwischen Rom und Berlin in dieser Angelegenheit bestehen, eine eindeutig klare Definition erwartet. Der italienische Ministerkräsident sah sich deshalb veranlaßt, in seiner Rede durch den europäischen Rundfunk nochmals die Stellung Italiens zu präzisieren. Er sprach diesmal aus, daß Österreich bei der Verteidigung seiner Unabhängigkeit als souveräner Staat auf Italien rechnen kann. Diese Äußerung ist schon mehr als eine Warnung aufzufassen, und sie wurde auch in Deutschland nicht anders aufgefaßt. Die gleichgeschaltete deutsche Presse — und eine andere gibt es nicht — schwieg sich zuerst in Verlegenheit aus und begann dann darüber zu zetern, daß Italien die Un abhängigk eit Österreichs verletzt habe. Ansonsten beschäftigten sich die Blätter damit, den wirtschaftlichen Inhalt der römischen Vereinbarungen zu degradiere n, obzwar die politische Bedeutung der „Entwicklung des wünscht jedermann von sich fernzInhalten, und man weiß, daß den Besiegten d a s S c h i c k sa 1 cl e r J u d e n D e u t s c hl a n cl a vv i n k t. Diese neudeutsche Zivilisation, diese Mißhandlung Wehrloser rechnet man in der ganzen Welt zu dem unsichtbaren „Potential du guerre“, zu der tatsächlichen Kriegsstärke Deutschlands, die sich nicht in einem einzigen Akt austobt, sondern immer wiederkommt, eine hysterische Überkomp ensierung des im Nationalsozialismus sich manifestierenden Minderwertigkeitskomplexes. Deutschland will den Krieg, aber es kann ihn nicht führen, da doch bei dem geringsten reagieren muß, so hat es sich die Juden als Objekt erkoren. Im Vorjahr war der Boykott und der gelbe Fleck; jetzt zur Jahresfeier kommt wieder die „Arbeitsschlacht“, eine Neuauflage der schrecklichen Apriltage. Sprechchöre, die gegen die jüdischen Geschäfte hetzen, Plakate, Reden, Rundfunk — alles wird herangezogen, um die Macht des Übergewichtes der 65 Millionen über eine halbe Million Juden zu demonstrieren. Der braune Hexensabbat ist wieder hereingebrochen. Aber er wird sich genau so aus wirken wie der vorjährige. Der Abscheu der ganzen Welt verstärkt sich und die deutschen Exportziffern lassen dies erkennen; sie sind genau so politisch aufzufassen wie Italiens Schwenkung, wie der Beschluß des amerikanischen Kongresses, die nationalsozialistische Propaganda Deutschlands in USA. zu untersuchen, wie das Bestreben Mussolinis, durch die wirtschaftspolitischo Befestigung der Linie Rom—Wien-—Budapest und ihre Weiterführung nacli Bukarest und Warschau dem Vordringen Deutschlands eine unilberschreitbare Schranke zu schaffen. Für Österreich ergibt sich die Konsequenz, nicht auf dem deutschen Weg zu gehen und seine Bürger vor dem Gesetz gleich zu achten. Wenn hierzulande gegen die Stellung und das Recht der jüdischen Bewohner Sturm gelaufen wird, so nur mit der Absicht, den; nationalsozialistischen Ungeist hier durchzusetzen und, von den Juden ausgehend, dort Staat auszuhöhlen und für die Gleichschaltung reif zu machen. Es ist ein Kampf pour le roi de Prusse und dazu werden die Juden ihren Rücken nicht herhalten. für die Pessach-Feiertage JUDEN I KAUFET P ALXSTIH A-MAZZOTH Karmel-Weine und Cognac, Jaffa-Orangeade (Asis), Orangen und Grape Fruit, Chedera- Honig, Shemen-Oliven-Öl und Seifen, sowie sämtliche Spezereiwaren und Sliwowitz rra w nrs SAMUEL HALPERN ***!* bei der Firma Tel. A 46-4-12 Auch Provlnxversand Wiedereintritte in die Wiener Kultusgemeinde Die Rückkehr Konfessionsloser in die Religionsgenossenschaften, die seit dem Ende der Februarereignisse in Österreich eingesetzt hat, führt bei der Wiener jüdischen Kultusgemeinde zu einer völligen Umkehr des Verhältnisses in den Ziffern der Ein- und Austrittsbewegung. Während im Jahre 1933 noch die Eintritte in die Kultusgemeinde etwas mehr als die Hälfte der Austritte betrugen (355 Eintritte gegen 758 Austritte), haben sich die Eintritte in diesem Jahr in der kurzen Zeit bis zum 20. März schon auf 188 gestellt, während die Austritte bloß 49, also etwas mehr als ein Viertel der Eintritte, ausmachen. Während bis zur Jahrhundertwende die Austrittsbewegung im Zunehmen begriffen war und von 388 Austritten im Jahr 1893 Lettland gegen den Nationalsozialismus Riga, 23. März. Das lettländische Parlament stimmte der Gesetzesvorlage zu, daß Nationalsozialisten keine Posten in st aa 11 i ch en und städtischen Ämtern bekleiden diir-! fen. I „Der Ruf“, Halbnionatsorgan dos „Welt- I verband es dev A11 g o in o i n e u L i o n iisten“, Ist soeben orstmaüg erschionon. Probejexeniplairo könnon gratis durch die Adminijstration dor „Stimmo“ bezogen worden. Erzeugnis jüdischer Pflanzer PARDESS-ORANGE aus Jaffa Saftig — Süß — Kernlos In Originalpackung mit der Kamel-Schutzmarke in jedem besseren Geschäfte erhältlich chenaustritt, hatte auch die Kultusgemeinde wieder eine stärkere Austrittsziffer von 1063 zu verzeichnen. Die „Normalziffern“ der letzten Jahre beliefen sich, wie erwähnt, auf etwa 750 Austritte und 350 Eintritte. Nun ist eine vollständige Umkehrung der Tendenz eingetreten; in der vergangenen Woche standen 36 Eintritten nur 6 Austritte gegenüber. Es wird sich zeigen, ob diese Tendenz anhaltend ist. Transitverkehres über die Häfen des Adriatischen Meeres“ insbesondere für Hamburg klar zutage liegt. Dabei war in der Haltung der deutschen Prosso nichts von den dröhnenden Eisenfresseroion zu merken, die dort sonst die Dominante darsteilen; es war eher das Adagio eines Rammennusikquartetts; denn Deutschland hat nur Courage gegen das klolno Österreich. Wo es Militär, Kanonen und Luftfahrzeuge woiß, dort ist cs bedouteud kühler. Es konnte auch in Deutschland nicht übersehen werden, daß Mussolinis Sorge uin die Brennergrouzo durch die Methoden der II i 11 e r - P o 1 i t i k hervorgerufen und vertieft wurde. Es ist dio gleiche Stimmung wie in Skandinavien, in Polen, in England und Frankreich und auch in Ungarn. Sollen wieder diese Germanen auf ihren Schilden tlbor die Alponpässe nach Oberitalien herabfahron? Diese Hojotoho-Offonsivc auf 607 Austritte im Jahr 1900 gestiegen war, beginnt von da an, offenbar unter dem Einfluß der j tt d i s c h nationalen B o w o g u n g, die Austrittsbewegung zurückzugchen. Von 1900 bis 1913 sind die Austritte von 607 auf 530 gefallen, während die Eintritte von 82 auf 205 gestiegen waren. Nach d c m K r i o g' o setzt wieder eine starke Austrittsbewegung ein, die ihren Höhepunkt im Jahr 1919 mit 1530 Austritten erreicht, während die Eintritte, in den allermeisten Fällen Wiedereintritte vormals Ausgetretener, auf einer ungefähr gleichbleibendeu Höhe von 300 bis 350 jährlich sich offenbaro Tatsachen wegzudisputieren suchte, bowegen. Dann tritt, wieder eino Abschwäspielte während dieser Verhandlungen eine chutig dor Austrittsbowogung ein. Sio bosehr eigentümliche Rolle. Schließlich wurde trägt im Jahre 1925 nur mehr 879; bloß im die Potition über Antrag des irischen Dolo- Jalire 1927, im Zusammenhang mit don gierten Lester vom, Völkerbund der Ge- J u 1 i o r o i g n t s s o n und der darauffol- 'mischten Oberschlesisohcn Kommission zur genden verstärkten Agitation für don Kir-i Entscheidung tibonviesen. Petition Bernheini vertraulich behandelt Warschau, 23. März. Die unter dem Vorsitz des früheren schweizerischen Bundespräsidenten C a 1 o nd e r tagende Oberschlesische Gemischte Kommission hat in den letzten Tagen in Kattowitz den Fall des deutschen Juden Franz B e r n h e i m in einer vertraulichen Aussprache behandelt und der Erledigung zugeführt. Die Entscheidung der Kommission wird vorläufig der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt. Der Fall Bernheim hat im Sommer 1933 die Öffentlichkeit beschäftigt. Bernheim, ein deutscher Staatsbürger jüdischer Herkunft, wurde im Zuge des von den Nationalsozialisten in ganz Deutschland durchgeführten antijiidisclien Boykotts aus e i n e in W arenhaus in Gleiwitz (Oberschlesien), wo er angestellt war, entlassen. Er ging ins Ausland und forderte im Wege einer an den Völkerbund gerichteten Beschwerde eine Entschädigung von der deutschen Regierung; dies auf Grund des Abkommens zwischen Deutschland und Polen, wonach beide Staaten sich verpflichten, die Rechte aller Bürger in Oberschlesien zu wahren. Im Verlauf der in der Völkerbundversammlung öffentlich durchgefUhrten Aussprache über den Fall Bernheim gaben die Vertreter Frankreichs, Englands, der Tschechoslowakei und anderer Staaten in denkwürdigen' Ausführungen der Meinung Ausdruck, daß der Min derh ei t en s cli u t z nicht nur den oberschlcsischon, sondern auch allen deutschen Juden zukommt. Der deutscho Vertreter, Herr v. Koller, der Schmidl-Mazzoth - ein Leckerbissen für Pessach