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Die Stimme · 1934-03-27 · Heft 339 (27.3.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 339 (27.3.1934)
Date
1934-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE STIMME Nr. 339. — 27. Mär* 1984 gewiesen, daß alle im Ausland ausgestreuten Gerüchte von angeblichen Judenverfolgungen usw. vollkommen unwahr sind, daß vielmehr kein heim a 1.1 r e u c r j ii d ischer S t a a t s b ii r g e r in seinen Hechten benachteiligt wird. Die heimattreue jüdische Bevölkerung ist dem Kanzler Dr. Dollfuß und Vizekanzler Major Fev für ihr energisches Vorgehen v,n größtem Dank verpflichtet. Wenn im Zuge der Säuberungsaktion einigt' ehemalige jüdische Führer der Sozialdemokraten in Haft genommen wurden, so haben sieh diese die Folgen ihrer Taten selbst zuzusehreiben. Weder Dr. Bauer noch Dr. Deutsch oder sonst jemand besitzt von irgend einer Seile die Legitimation, das Ausland um Hilfe für jüdische Staatsbürger anzurufen. Die heimattreuon Juden Österreichs benötigen keine Aushmdhilfe und würden auch niemals Anarchisten mit einer derartigen Mission betrauen. Um die heimattreue jüdische Bevölkerung braucht niemand bange zu sein, so lange ein gottesfürcihtdger, frommer Katholik, wie Dr. Dollfuß, an der Spitze der Regierung steht. Aber auch Vizekanzler Major Fey ist ein Bürger für Ordnung, Ruhe und Gleichberechtigung aller heimattreue« Staatsbürger.“ Dr« Oskar Grünbaum t Die Lage der luden in Österreich In einer am 22. d. M. im „Auge Gottes“ in Wien abgehaltenen jüdischen Massenversammlung sprach der Präsident des Zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum als Vorsitzender-Stellvertreter der Jüdischen Volkspartei über die aktuellen Fragen der österreichischen Judenschaft. Seinen Ausführungen, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, sei das Folgende entnommen: Zwei Momente waren für die Emanzipation der Juden ausschlaggebend. Zunächst die von der Französischen Revolution ausgogebene Parole von der Gleichheit aller Menschen und außerdem der nicht eingestandene Wunsch der Regierungen, daß die Juden nach der Befreiung von allen Rechtsbeschränkungen und durch den Kontakt mit der christlichen Bevölkerung der Annahme der Taufe geri e i g t e r sein würden. Wenn auch die Abfallbewegung einen bedeutenden Grad erreichte, war sie doch nicht für die weitere soziale Umschichtung. Wir wollen die soziale U msch ichtung durch füll reu, lehnen aber jeden numerus clausus oder gar den numerus millus ab. Wir empfinden es als unmoralisch, daß uns einerseits die stärkere Beteiligung der Juden an manchen freien Berufen vorgoworfen wird und daß man auf der anderen Seite verschweigt, daß man uns via facti aus einer Reihe von Berufen vollkommen verdrängt hat. Die Karriere eines Staatsbeamten, Richters oder Lassen Sie sich nicht andere Erzeugnisse aufdrängen! Verlangen Sie überall nur die nach einem speziellen Verfahren erzeugten, in Geschmack und Bekömmlichkeit unerreichten, hochwertigen STRUM» MAZZOTH GRIESS UND FARVEL Die runden SfrunuMazzoth sind eine besondere Delikatesse l Wer SlruntsMazzoih kauft, weiß/ daß er nur garantiert frische Ware, heurige Erzeugung bekommt! Die vorzüglichen „Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Aufsicht des ehrw. Rabbinats der Israel. Kultusgemeinde. Die genaue Einhaltung streng orthodoxer Kaschruth- Vorschriften wird von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad überwacht. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, patentamtlich geschützten Maschinen (Ofen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern. Achten Sie auf die Stampiglie „H. Strum", die auf jedem Paket ersichtlich ist! Mazzofih-Bäckerel H. STRUM, Ii., ROTENSTERNGASSE II Tel IUI 8 71 Pehmen könnten, daß sie eine Entrechtung der Juden auf administrativem Wege zulassen würde. Heute steht die Sache so, daß ein Vertrauensmann der Regierung die Gemeinde Wien verwaltet. Es liegt daher i n der II a n d d e r a u t o r i t ii r e n R e g i er u n g, Unrecht nicht zuzulassen und internationale Diskussionen ztt vermeiden. Glaubens• und Gewissensfreiheit in der neuen Verfassung Österreichs Die amtliche „Wiener Zeitung“ teilt autoritativ mit, daß in der von der Regierung Dollfuß vorbereiteten neuen Verfassung des österreichischen Bundesstaates die Aufrechterhaltung der Glaubens- und Gewissensfreiheit verankert sein werde. Starhemberg für „christliche Gesetze“ Der Bundesführer der Heimwehr S t a r - hemberg erklärte bei einem Lunch der englischamerikanischen Presse über die Judenfrage u. a.: Der Antisemitismus der Gewalt sei ein U ns i nn. Die Juden frage könne nicht durch Gewaltmethoden, auch nicht durch eine Art- Numerus clausus, also durchgeistigen Terror, gelöst werden. Die einzige Lösung der Judenfrage liege in zu schaffenden Gesetzen, die der Empfindung d e r christlichen Mehrheit entsprechen müßten. Die wertvolle .Judenschaft werde dies sicher selbst einsehen. Wir wollen die wertvollen Juden, deren Dienste beim Wiederaufbau des neuen Österreich wir benötigen und auch in Anspruch nehmen werden, behalten. Starheniberg sprach auch über die Haltung des republikanischen Schutzbundführers Dr. Julius Deutsch und meinte, in seiner Lage hätte er wahrscheinlich genau so gehandelt, d. h. gekämpft. Minister Dr• Schuschnigg über den Hochschulterror Bei dem letzten Generalappell der Ostmärkischen Sturmscharen hielt der Justizminister Dr. Schuschnigg eine Rede, in der er u. a. sagte: „Aus erst in der letzten Zeit wieder aufgefundenen Befehlen wissen wir, da ß von außen herein die Parole ausgegeben wurde, die Terrorakte an den akademischen Stätten mit besonderer Heftigkeit zu forcieren und zu organisieren, damit die Regierung gezwungen sei, die Hochschulen zu sperren. Dazu ist in aller Ruhe eines zu sagen: 1. Wir werden schauen, daß nicht gesperrt wird. Daher, vaterländische Studenten, an Bord! 2. Sollte, was ich nicht erwarten kann, weil erfreulicherweise jene unsinnige Parole, die von außen heroingetragen wurde, bei unß doch nicht jenes Echo auf österreichischem Boden gefunden hat, das nötig gewesen wäre, um ihr zum Erfolge zu verhelfen, sollte aber vorübergehend tatsächlich Gewicht darauf gelegt werden, daß in Österreich — ich wiederhole, sehr vorübergehend — die Hochschulen einmal gesperrt werden, dann nehmen Sie zur Kenntnis, vaterländische Studenten, daß diejenigen, die sich nicht nur in irgend einer Starudeskorporation, sondern in einer vaterländischen Notgemeinschaft zusammengeschlossen haben, keine Sorge zu haben brauchen, infolge eines vorzeitigen Schlusses einmal zu Schaden zu kommen.“ Wer ist das? Die Korrespondenz Herzog meldet: „Die , V e r h a n d s 1 o g i o n der h e irn a t t r e u e n Juden Österreichs4 hat an Bundorskajizler Dr. Dollfuß das Ersuchen gerichtet, Ausländer, die es wagen sollten, nach Österreich zu kommen, um hier ,KoritrollreLsen‘ bezüglich der Lago der österreichischen Juden zu unternehmen, an der Grenze anhalten und a b s c hi e b e n z ii 1 a s s e n. Gleichzeitig wurde Bundeskanzler Dr. Dollfuß vom einem Aufruf in Kenntnis gesetzt, in dem es unter anderem heißt: Die jVorbandslegion der heimattreuen Juden Österreichs4 richtet an alle bürgerlichen Zeitungen sämtlicher KulturstiaateTi die Bitte, keinerlei Lügen gegen Österreich zu vor breiten und alle Greuelmelriungen mit größter Vorsicht aufiunchmcn. Ganz bcouudcio wird darft/nf Md- Existenz des Judentums ausschlaggebend. Wir Juden müssen sagen, daß die Emanzipation nur das jüdische E i n z e 1 i n d i v iduum gefördert hat, daß aber das Judentum als solches durch die Emanzipation einen schweren Schlag erlitten hat. Der Fehler der Juden hat darin bestanden, daß sie glaubten, nur mehr die Religion sei als letzte dünne Scheidewand zwischen ihnen und den Christen stehen geblieben. Die Emanzipation hätte auch anders vor sich gehen können, indem nämlich die Regierungen da3 Judentum nicht sich selbst überlassen, sondern Vorsorge dafür getroffen hätten, (hiß gleichzeitig mit der Verkündigung der Gleichberechtigung eine soziale Umschichtung eingelcdtet und die Erhaltung und Pflege der jüdischen Volksgemeinschaft gefördert worden wäre. Das ist leider nicht geschehen. Aber es unterliegt auch honte keinem Zweifel, daß die Juden eine Minderheit sind, ob man sie nun als eine ethnische, religiöse oder rassische Minderheit ansieht. Die sogenannten Segnungen der Emanzipation wurden zum Fluch, als dio Wirtschaftslage sich verschlechterte und der Weltkrieg ein wirtschaftliches Chaos mit sich brachte. Wieder waren wir Juden der beliebte Sündenboek. Der Antisemitismus will uns verantwortlich machen für den Weltkrieg und den Pazifismus, für den Kapitalismus und dori Bolschewismus. Wir wollen aber keine Prügelknaben sein und sagen der Welt: Wir sind dio letzten, die die soziale Schichtung des Judentums als eine gesunde arischen würden. Wir JüdischuaUoriale und Zionisten kämpfen seit vielen Jahren für die Staatsanwaltes und andere öffentliche Berufe wurden den Juden verschlossen, so daß den Juden oben nichts anderes übrig blieb, als ihre Existenz in freien Berufen zu suchen. Hunderte von jüdischen Advokaten und Ärzten, die heute hungern, wären glücklich, wenn man sie Staatsbeamte oder Schaffner hei. der Bahn werden ließe. Der Weltkrieg hat zwei wertvolle Ergebnisse gezeitigt: die Balfour-Deklaralion und das Minderheitenrecht. Dio Balfour-Doklaratkm hat ausgesprochen, daß wir ein Recht auf Palästina als das Land unserer Väter haben, und zwar unbeschadet unserer Rechte als Bürger in den einzelnen Ländern. Dieser Grundsatz ist auch in internationalen Verträgen verankert. Das Minderheiten recht formuliert den Rechtsgruudsatz, daß jede Minderheit, unbeschadet der Gleichberechtigung der einzelnen Individuen der Minderheit, da.s Recht auf Förderung der Minderheit als Kolleklivtim hat. Trotz der Anstrengung der Jü- Also treffen wir uns bestimm t... an den Sederabenden bei A. Barschak Wien, II., Gr. Schiffgnssc 3, Tel, A 46-4-39 Unter Aufsidit Sr. Ehrw. Herrn Äabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine, Mclh Slibowilz, Cognac von S 2"—■ per Liter aufw. — Besonders empfehlenswert : Seine streng koschere Kiiche nDÖ bw dischnationalen und Zionisten war der österreichische Staat, bisher nicht dazu zu bewogen, für die Erhaltung unserer Kultusgemeinde und ihrer Institutionen auch nur einen Groschen beizusteuern. Für den katholischen Klerus sind im letzten Budget 14 Millionten Schilling, für diie Protestanten mehr als 600.000 Schilling, aber für die jüdischen, religiösen und kulturellen Institutionen nicht ein Groschen. Wir erwarten mit Zuversicht, daß die österreichische Regierung bei der Neuordnung des Staates dieses Unrecht früherer Regierungen gutmachen wird. In letzter Zeit sind Nichtjuden aufgetreten, so z. B. der ehemalige Minister Doktor Czermak, und machen schöne Worte über uns. Wir ineinen aber, daß wir Taten sehen wolle« und erklären, daß wir durch keine noch so schmeichelhaften Worte bereit sein werden, auch nur ein Jota von den Rechten preiszugeben, die uns Gesetz und Verfassung verbürgen. Die jüdische Bevölkerung Österreichs hat dem Staat gegenüber immer ihre Pflicht erfüllt. Wir lassen uns aber mit'Otto Bauer und Julius Deutsch, die mit uns gar nichts mehr gemeinsam hatten, die unsere Bestrebungen bekämpften, nicht identifizieren und verlangen, daß jene Juden, die früher der Sozialdemokratie angehörton, nicht, schlechter behandelt werden, afe jene Christen, die früher Sozialdemokraten waren. Wir haben es nicht - notwendig, unsere Staatstreue zu versichern. Vor einigen Monaten erlebten wir in Wien eine großartige Manifestation des katholischen Glaubens gelegentlich des Katholikentages. Die Katholiken aus Frankreich, der Schweiz, der Tschechoslowakei und aus anderen Ländern sind heute Staatsbürger Ihrer Länder. Niemand in der Welt, außer vielleicht das nationalsozialistische Deutschland, wird den Katholiken Rom zum Vorwurf machen. Ebenso wenig lassen wir Juden uns Jerusalem zum Vorwurf maehen, Wir fassen das Wort bodenständig «o auf, daß bodenständig ist, wer sich schrankenlos zum Staate bekennt, \ Nicht das Datum der Einwanderung hach Österreich ist maßgebend. Juden lebten schon in diesen Ländern seit Generationen, als die Ahnen jener Patentbodonständigen, die heute das großo Wort führen möchten, noch nicht hier waren. Wir vertrauen darauf, daß die Regierung Dollfuß-Fey ihren wiederholt abgegebenen Erklärungen zufolge, die Rechte der Juden in Österreich wahren wird. Wir sind restlos bereit, am Neuaufbau Österreichs mitzuarbeiten, ohne uns aber in die kulturellen Angelegenheiten der Mehrheit einzumischen, Gegen dieses Übel der Assimilation haben wir Zionisten immer gekämpft und wollen auch weiter dagegen kämpfen. Wir erwarten aber auch vom Staate, dem gegenüber wir voll unsere Pflicht erfüllen, daß er auch uns gegenüber seine Pflicht erfüllt. Bundeskanzler Doktor Dollfuß hat schöno Worte für die kleinen Minoritäten der S I ow en c n und Kroaten in Österreich gefunden. Das gleiche muß für uns Juden, der größten Minorität in Österreich, Geltung haben. Wir sind davon überzeugt, daß dio Regierung, gestützt auf das Vertrauen aller Kreise der Bevölkerung, in der Lago sein wird, Österreich in bessere Zeiten iihiüberzuluhren. Der jüdischen Bevölkerung Österreichs muß jedoch j e n or Platz e i ngc räumt worden, der ihn zukom in t. * Als nächster Rodner sprach Oberbaurat Robert Strick e r, der Vorsitzende der Jüdischen Volkspartei: Er zeigte den falschen Weg, den jene Juden gegangen sind, die sich d o r s o z i a 1 d c m o k r a t i s q Ii e n Partei anschlosson, und wies nach, daß diese .Juden dor sozialdemokratischen Partei nicht genützt und dom Judentum mir geschadet haben. Es sei eine Vermessenheit gewesen, daß sich davongciaufcnü Juden zu |; V orkii inpfcrn für die katho 1 ]-

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