Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 338 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 OIE STIMME Nr. 338. - 23. März 1934. Partei und die 0 o t 11 o <? e n k 1 i.t b s zwar Beschlüsse betreffend Durchführung' einer Antipessaehknmpagne gefaßt. haben, daß aber diese Beschlüsse auf dem Papier geblieben seien. Anläßlich der letzten Feiertage iin Herbst sei es den Klerikalen an vielen Orten gelungen, eine beträchtliche Zahl arbeitender Frauen und Männer zur Arbeitsruhe zu veranlassen. Ganze Kooperativen hätten am letzten Rosch-Haschana und Jom-Kippur nicht gearbeitet und in vielen Kollektivfarmen sei die HerMuussaat unterbrochen worden, weil die jüdischen Mitglieder die jüdischen Feiertage hielten. Staatspräsidenten lagen über 1000 revisionistische Petitionen bei. Rabbiner Niirok hat die Petitionen dem Palästina-Amt übergeben; or orsucht einem Appell die jüdische Bevölkerung, von der Zusendung weiterer Gosueho an den Staafcspr;isideuten abzueehon. Werfedorf für füdische Jugend• liehe am Wieringer Meer Amsterdam, 10. März. Vor einiger Zeit hat sich die holländische Regierung entschlossen, zur Errichtung von landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten für jüdische Jugendliche aus Deutschland f Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Nunmehr teilt das holländische Hilfskomitee mit, daß in den nächsten Wochen die Eröffnung eines größeren Berufsu m sc hiehtungs Unternehmens in Holland bevorsteht. Unter der Leibung von Dr. Hans Lubinski werden a-uf einem von der holländischen Regierung zur Verfügung gestellten 65 Hektar großen Gebietsteil des trocken gelegten Zuidersees, unweit der Stadt A 1 k m a r, etwa HO junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren eine teils landwirtschaftlich-gärtnerische, teils handwerkliche Ausbildung erfahren. Die Ausbildung ist auf zwei Jahre, für Mädchen im Haushalt auf ein bis eineinhalb Jahre berechnet und soll die jungen Leute befähigen, sei es in Palästina, sei es in anderen Überseeländern, sic-h eine neue Existenz zu schaffen. Wiedereröffnet das ehemalige Restaurant Zöllner Wien, II., Hammerpurgstallgasse 7 •^3 durch den bekannten “MT3 Restaurateur W. Spritzer früher Hotel-Restaurant Stefanie. Zur Verabreichung gelangen: Spezialspeisen für den verwöhnten Gaumen i la carte, wie auch Menü von S i’6o aufwärts und Speisen am Rost. Veranstaltung von Seder-Abenden! I! Tischbestellung unter Tel. Nr, A 45-5-42 Einschränkung der Flüchtllngshiife im Elsaß Straßburg, 10. März-. Das Elsaß bildete das erste Auffangbeeken für die Flüchtlinge, die 1933 Deutschland verließen. S t. r a ß bürg hatte große Mengen Flüchtlinge zu beherbergen, von denen die meisten nach kurzer Zeit weiter wunderten. Nur wenigen gelang es, im Elsaß Arbeit zu finden. Aus Geldmangel hat das jüdische Hilfskomitee die Hilfsmaßnahmen wesentlich eingeschränkt, das jüdische Heim in der Aristide-Briand-Straße wurde ganz geschlossen und die Flüchtlinge, blieben auf sieh selbst angewiesen. Während vor Monaten noch einige tausend Flüchtlinge im Elsaß gezählt wurdet!, beträgt ihre Zahl heute nur noch 0 i n i g e hundert. Auch diesp Zahl wird sich in den nächsten Wochen gewaltig verringern, da die meisten Flüchtlinge keine Aufenthaltsgenehmigung für daß Elsaß mehr erhalten konnten. Vor einigen Tagen verließ wieder eine Gruppe junge-r Juden Frankreich, um nach Palästina auszuwandern. jjl|!|||| Die PAG r. Gsn. m. b. H., Wien, VI., OaplstrangsMe 2 f!i|||||| (Telephon I» 25-3-81), veranslalle« fUr Ihre MilRlIeder Palfistinarciscii nb Wien 10. April, 24. April noBiteh «Iler M Ittel mecrIBndcr! Sprechstunden tltgl. von Obis 12Uhr. Prospekte grnlisl Aus dem Dritten Reich Der Nürnberger Viehmarkt gruppen. Außerdem stehen die „Alt-Solda- Nürnberg, 20. März. In der Jahrosl.ai.pt-!tW1“' dic aus dc" iet** (Heichgcwlialteton Versammlung, die die Zwangsinnung für das Metzgergewerbe in Nürnberg dieser Tage abhielt, erklärte, einem Bericht der „Bayri-, . sehen Volkszeitung“, Nürnberg, zufolge, der j Mitglieder, soweit sie nicht 1 Militärverbünden ausgegliedert worden sind, in Beziehung zum R. j. F. eben als Alt-Soldaten“, aber auch nicht als ordentauch tlie jüdischen Jugendlichen längs des Korridors Spießruten laufen und hi eb endabeiaufsieei n. In dem gleichen Gebäude wurde eine Versammlung jüdischer Krlegsvcteranen ausgehoben. Der Reiclisverband jüdischer Jugendvereine hat bei den zuständigen Instanzen gegen die vor einigen Tagen erfolgte Schließung des Jüdischen Jugendvereins in Plauen Beschwerde erhoben, woraufhin verfügt wurde, daß der Plauener Jugendvercin weiter bestehen darf. Goir- Jäckchen . Wr. Sir ckmoden N. HOLZER VI.. Murinhllfcrstraßc 89, IT., Tnborstraßc 18 , 12.50 Für Familienpension und Mlttagstisch in Paris streng rituelle Köchin (mit oder ohne Beteiligung) gesucht Offerte erbeten an Pension Familie, PARIS 19ar 53. rue Manin Präsident von Lettland lehnt Entgegennahme der Revisionistischen Petition ab Riga, 20. März. Der Staatspräsident von Lettland, A. K w e s s i ß, hat an den jüdischen Abgeordneten im lettländischen Sejm Rabbiner N. N u r o k ein Schreiben gerichtet, in dem er mittcilt, daß ihm in letzter Zeit eine große Zahl von Bittschriften lettländischjüdißcher Bürger zugekommen sind, in denen diese um seine Unterstützung bei der englischen Regierung in der Frage ihrer Zulassung nach Palästina bitten. Der Staatspräsident erklärt, daß die Entscheidung über diese Bitten nach den Beßtimmungen OSTERREISEN NACH I® © LEN Krakau, Lemberg, Kolomea Röekfabrtem 8. und 22. April 1934 and Vis» gratis! Anmeldungen und Auikünfto i .MARIE Telephon R 24-2-fi and R 21-2-87 der lettländischen Verfassung und der übrigen die Amtsführung des Präsidenten regelnden Gesetze nicht seiner Kompetenz unterliegt. Er glaube, daß die Behandlung dieser Gesuche eher dem von Rabbiner Nurok geloiteten Palästina- Amt zustehe; daher übersende er ihm die Bittschriften und Unterschriftenlisten mit dem Ersuchen, die Öffentlichkeit entsprechend aufzuklären, damit dio Überflutung seiner Kanzlei mit Zuschriften dieser Art aus ganz Lettland aufhöre, rem Briefe des Pfleger des Vieh- und .Schlachthofes, Stadtrat Haberkern, daß er den Antrag gestellt habe, vom 1. April ab den Viehmarkt in zwei Abteilungen, in eine deutsche und eine jüdische, abzuteilen. Es werde dann leicht sein, die Metzger festzustellen, die immer noch beim jüdischen Händler kaufen, denn es sei leider eine betrübliche Tatsache, daß heute noch 63% des Marktauftriebes aus jüdischen Anlieferungen stammen. Es habe alsdann auch der nationale Viehhandel Gelegenheit, zu beweisen, daß er in der Lage sei, seine Aufgabe ira neuen Staat zu erfüllen und daß es auch ohne Juden gehe. * Der Rückgang der Frankfurter Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M„ 20. März. Im Märzheft des Frankfurter Israelitischen Gemeindeblattes ist ein Artikel von Lothar Bauer; „Die Bevölkerungsbewegung der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M.“ erschienen, in dem der Verfasser den Rückgang der jüdischen Bevölkerung Frankfurts Frontsoldaten gewesen sind. 500 Nichtarier verlassen die Reichswehr Paris, 18. März. Ein genauer Kenner der Reichswehr schreibt im „Pariser Tageblatt“: Von 4500 Offizieren, die in der Rangliste der deutschen Reichswehr offiziell geführt werden, sollen bis zum 31 Mai etwa 500 Nichtarier ausgemerzt werden, ln jedem Regiment müssen vier oder fünf einen nicht sehr ehrenvollen Abschied nehmen. Vom Leutnant bis zum General — in den höchsten Chargen am mitleidlosesten — wird die Guillotine des Arierparagraphen wüten. Eine Massenpensionicrung ohne Beispiel, * Badeverbot für Juden in Plauen und Zwickau Dresden, 16. März. Da« Sächsische Innenministerium hat dem Drohungen gegen jüdische Rechtsanwälte, Der Chefredakteur des getarnten Wiener Blattes „Österreichischer Beobachter“, Doktor Eugen Kogon, fühlte sich durch einen Artikel des Wochenblattes „Sturm Über Österreich, in welchem ihm Vermögens- Verschleppung sowie jüdische Abstammung vorgeworfen wird, beleidigt. Da dieser Artikel von der „Stunde“ nachgedruckt wurde, brachte er gegen beide Blätter die Iviago ein. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht erklärte der Vertreter des Wochenblattes „Sturin über Österreich“, daß er für alle Behauptungen den W ahrheitsbeweis antreten wolle. Selbstverständlich auch für die Behauptung, daß Dr. Eugen Kogon jüdischer Abstammung sei. Doktor Kogon sei ukrainischer Staatsbürger gewesen, sein Name Kogon sei durch Lautverschiebung aus dem Nanien Kohn entstanden. Der Richter vertagte die Vorhandlung zwecks Zeugeneinvernahme. Der „österreichische Beobachter“ schreibt daraufhin in Fettdruck: „Die Juden müssen sich mäßigen. Die Verhandlung sei ein erschreckendes Zeugnis der schrankenlosen Judenherrschaft. Das könne nicht so weitergehen. Wenn man uns G o j i*m b i s aufs Blut reizt, könnte der ganze Judenzauber bald erzittern.“ „Hütet euch“ wird dem jüdischen Rechtsanwalt Doktor _; 'Landesverband der sächsischen israelitischen jsraej Waldmann sowie seinem Kanzleikoldarstellt. Es zeigt sich, daß dieser Rückgang Religionsgemeinden mitgeteilt, daß cs gegen jegen pr< Osterer gedroht —, „der Bogen ist schon vor der politischen Umgestaltung zu; die Stellungnahme des Rates der Stadt verzeichnen war und sich nach di^er noch bedeutend verstärkt hat. Während der Bevölkerungsabgang 1929 insgesamt 274 Seelen betrug (Sterbeüberschuß 146, Austritts- Überschuß 175, Abwanderungsüberschuß 53), war er 1931 schon auf 782 gestiegen (Sterbe- Überschuß 165, Austrittsüberschuß 113, Abwanderungsüberschuß 504), 1933 beträgt der Abgang 1695 Seelen (Sterbeüberschuß 225, Austrittsüberschuß 58, Ahwanderungsüberschuß 1412). Für die Entwicklung ist die starke Steigerung des Abwanderung s ü b e r s c h u s s e s und da» Sinken des Austrittsüberschusses charakteristisch. Daß die starko Steigerung des Sterbeüberschusses noch weit mehr charakteristisch ist, dies festzustellon, unterläßt das Gemeindeblatt, wohl, um nicht der „Greuelpropaganda“ geziehen zu werden. ★ RelchJbund Jüdischer Frontsoldaten gegen Max Naumann Berlin, 19. März. Zu den Ausführungen Dr. Max Naumanns in der am 14. März in Berlin abgehaltenen Versammlung des Verbandes nationaldcutselier Juden teilt der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten folgendes mit: Die Behauptung, daß der Frontbund zu einem großen Teil gar nicht aus Frontkämpfern zusammengesetzt Bei, ist unrichtig. Der Frorithund zählt rund 30.000 ohemalige Frontsoldaten als ordentllcho Mitglieder in iö Landesvorbändon mit 356 Orts- Plauen und dor Kreishauptman.nschaft Zwickau, der zufolge Juden vom Besuch der städtischen Badeanstalten zu ihrem eigenen Schutze ausgeschlossen sind, nichts e i nzu wenden habe. Also treffen wir uns bestimm t.,. an den Sederabenden bei A. Barschak Wien, II., Gr. Schiffgasse 3, Tel. A 46-4-39 Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Pulästinaweine, Meth Slibowitz, Cognac von S 2*— per Liter aufw. — Besonders empfehlenswert : Seine streng koschere Küche ncQ bw -ÄD Haussuchung im Berliner Jüdischen Jugend-Klub Berlin, 18. März. Uniformierte SA.-Leuto, begleitet von Polizei, erschienen überraschend im Lokal des unter dem Patronat der Jüdischen Gomeindo Berlin stehenden j ü d i s c h o n Jugendklubs, nahmen cino Haussuchung vor, beschlagnahmten dio Mitgliederliste und verhörten alle anwesendon Jugendlichen. Verhaftungen wurden nicht vorgenornrnon, dagegen ließen dio SA.-Leute zum Reißen g e s p a n n t!“ Wir fügen hinzu, daß trotz dieser Erpressung der „österreichische Beobachter“ weiter erscheint und daß auch keine Nachforschung nach dem Autor dieser Drohung eingoleitet worden ißt. Die Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft Berlin, 19. März. Das Reichßwirtschafteminis t o r i n m gibt bekannt, daß die an Arbeitslose und sonstige Bedürftige ausgefolgten Bons für Schuho und Kleider, sowio andere Gebrauchsgogonständo nur in arischen Geschäften oingelöst werden dürfen; jüdische Geschäfte ßind zur Einlösung berechtigt, wenn deren Inhaber zu 60% kriegöbesohädigt sind, das heißt, daß sie im Kriego zwei Gliod maßen verloren haben. Solche jüdischen Geschäfte gibt es aber nur sehr wenige, da Kriegsverlotzto dieser Klasse im allgemeinen nicht arbeitsfähig sind. Die Regierung kündigt eino „S ä u b or u n g“ dos B u c h h a n d o I e in der Weise an, daß „unzuverlässige Elemente“ nicht mehr Inhaber von Buchläden sein dürfen. Dio Vereinigung nationalsozialistischer Gewerbetreibender in H a m b u r g kündigt dio Bildung einer antijüdischen Liga zur wirksamen Durchführung’ des B o yk o 11 s gegen jüdische F i r m e n an. „Kfar Us$ischkin“-Arbeit gilt auch für dich!