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Die Stimme · 1934-03-23 · Heft 338 (23.3.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 338 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 338. — 23. März 1234. ändert. Wir Juden wolion für uns nichts an* deres. als was Deutschland für sich!>e ansprucht: Gleichberechtigung, gleiche Behandlung, Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Diese Gleichheit wird den deutschen Juden immer noch vorenthalten. Der Ariorparagraph, der ein Fleck in dem deutschen Gesetzbuch ist, bleibt für uns unannehmbar. Grundlegend bleibt für uns das Prinzip, daß kein Mensch wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse oder Religion von einem Arbeitsgebiet oder einer Staatsstellung ausgeschlossen sein darf. Inzwischen dauert in dem deutschen Totalitätsstaat die „Balgerei um Stellungen“ — wie es der „Times“-Mitarbeitcr nannte — in einer vollkommen schamlosen Weise an. Die jüdischen Ärzte und Anwälte, die trotz des Arierparagraphen als ehemalige Frontkämpfer eino Praxis ausüben dürfen, werden durch ununterbrochene Verleumdungen und Diffamierungen gezwungen, ihre Praxis aufzugeben, und triumphierend nimmt der Rivale clio frei gewordene Stelle ein. ' Auf die von Mitgliedern der Reichs reg i er ung öffentlich gegebenen Mahnungen und Hinweise, daß der Arierparagraph in der Wirtschaft nicht gilt, können wir schwerlich ein großes Gewicht legen, wenn man sieht, wie die Organisationen in der einen oder der anderen Tarnung einen erneuten Boykott gegen die in der Wirtschaft noch stehenden Juden durchführen. Das deutsche Ha ndelsministerium mag über das stete Sinken der deutschen Exportziffer beunruhigt sein, .— das Reichspropagandaministerium kehrt sich nicht daran, sondern arbeitet im engsten Kontakt mit Organisationen wie die N*S-Hago offen an dem die Juden als Gesamtheit dem Haß ihrer Mitbürger auszusetzen. Fs mag sein, daß einzelne Juden Sympathien mit Atheisten und Kommunisten hegen, wie dies einzelne Schotten, Engländer, Franzosen, überhaupt Heimwehr und Judenfrage Aus Budapest, 15. d. M., wird dom ,,N. Wr, Abendblatt“ telegraphiert: „A Reggel“ veröffentlicht ’ eine Wiener Sondermeldung, wonach die Heimwehr dem heimkehronden Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine Forderung in Angelegenheit der systematischen und endgültigen Lösung der österreichischen Juden frage überreichen werde. Nach dem von der Heimwehr ausgearbeiteten Projekt sollen die Österreicher jüdischer Konfession in drei K a- Christen, Moslems sowie Angehörige anderer Glaubensrichtungen tun, aber es ist unwahr, daß das jüdische Volk mehr als irgend ein anderes Volk oder eine andere Kirche solche Sympathien hegt österreichischen Staatsbürgern gewordenen Juden gehören. In die dritte Kategorie endlich sollen die Juden eingereiht werden, die. sich während des austromarx is t i s c h e n Regimes niedergelassen haben. Die beiden letzteren Gruppen sollen nicht die vollen staatsbürgerlichen Rechte haben, und bei höherer Ausbildung, bei bestimmter finanzieller und künstlerischer Tätigkeit und auch in anderen Boschäftigungszweigen sollen für sie Vorbote aufgestellt worden. Von dieser bedingten Staatsbürgerschaft würden aber A iisnahraen gemacht werden können. Staatsbeamte und staatliche Konzessionäre sollen nur Juden der ersten Kategorie worden können. Der Zweck dieses Projekts wäro einerseits dio Liquidierung der Einwanderung aus Galizien, anderseits dio Eindämmung der zügellosen anti- Der Taufsdiein von Badgastein In Erledigung eitios Protestes dor Wiener Kultusgcmeinde wegen Fassung der amtlichen Ausschreibung oiner Stell© eines Kurdirektors in Bad gastein ist dem Kultusvorstando die folgende Erledigung der Landesregierung Salzburg zugekommen: Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 3. Jänner d. J. beehrt sich die Landesregierung zur Aufklärung des Sachverhaltes mitzuteilen, daß die Ausschreibung des in Rede stehenden Postens keineswegs auf Grund einer gesetzlichen Bestimmung erfolgte und dieser Posten von der Gemeinde Badgastein daher auch ohne jeglicho Ausschreibung freihändig hätte vergeben worden können. Es war somit die Ausschreibung selbst und daher ebenso auch die Formulierung der Ausschreibungsbedingungen gänzlich Ermessens sache der Gemeinde, welche dio Stelle zu vergeben hatte. Dies vorausgeschickt, möge der Vorstand der israelitischen Kultusgemeindo versichert sein, daß in dem beanständeten Verlangen wegen Beibringung eines Taufscheines eine Ausschließung von Bundesbürgern israelitischer Konfession von der Bewerbung nicht beabsichtigt war. Denn es ist, wie dies auch immer üblich war, der Ausdruck „Taufschein“ diesfalls gleichbedeutend mit Geburtsschein anz u sehen gewesen und wird auch praktisch kaum einen Angehörigen der israelitischen Konfession davon abgehalten haben, ein Bewerbungsgosuch einzureichen, da schon der Charakter dos Posten» eine Einschränkung konfessioneller Natur bei der Bewerbung ausschließt. Dio Landesregierung war daher leider nicht, in der Lage, dem dortigen Wunsche wegen Veranlassung der Neuausschreibung der Stelle Rechnung zu tragen. Der Landes-Amtsdirektor: Balllou. Wir wollen hoffen, daß die Auslegung JUDEN! KAUFET für die Peseach-Felertage PALÄSTIN A-M AZZOTH Karmel-Weine und Cognac, Jaffa-Orangeade (Asis), Orangen und Grape Fruit, Chedera- Honig, Shemen-Ohven-Öl und Seifen, sowie sämtliche Spezerefwaien und Sliwowitz PIDB bei der Firma SAMUEL HALPERN Tel, A 46-4-12 Auch Provlnsversand Ruin des jüdischen Handels und der jüdischen Industrie. ^S&NOWSKy-RMPH SÄ« spannend UND HEITER $wSI N P 50 ~ ERGNÜGEN.. ERHOLUNG RIEfEN/CHIFFEN [am Hauen ITTELMEER .Vulcania" vom 21. März bis 9. April: Ostern In Palästina Neapel, Palermo. Athen, Haifa, Port 8ald. Gcntm, Rhodos, Potras, Palermo, Neapel ,Roma" vom a. Apri: bi* 23. April: Masse In Tul»Avlv Genua, Neapel, Taormina, Malta, Ualfa, ,Vulcania“ vom 2. Mai bis 20. Mai: Masse in Tal-Aviv Neapel, Palermo, Athen, Belnif, Haifa, Port Said, Haifa, Rhodus, Patraa, Palermo, Neapel, Cannes Fahrpreise für dte ganze Seefahrt In- ME« bluuivo Verpflegung und Kabine ab S Hi J BQy.lga ErmlBigung aut dan italienischen Bahnen „ITALIA" VEREINIGTE FLOTTEN- COSUUCH LINE WIEN I., KARNTNERRINQ 6 TELEPHON U 47-5-60 Solange die deutsche Regierung die ununterbrochene Hetze gegen die Juden duldet, ja sie fördert, muß sie damit rechnen, daß dem Ausland die den Juden auf wirtschaftlichem Gebiete versprochene Freiheit nichts ist als Täuschung. Deutschland soll wissen, daß die öffentliche Meinung ln der Welt über den wahren Charakter seiner Politik der unentwegten Judenverfolgung informiert ist und bleibt. Wenn irgend etwas imstande ist, eine gewisse Wirkung in Deutschland auszuüben, so ist es eben dies, daß die Deutschland regierenden Männer über die Meinung der Welt aufgeklärt sind. itogorien eingereiht werden. ' In die ersto sollen diejenigen Juden gehören, die vor dem Weltkriege bereits in Österreich das Bürgerrecht hatton. Diese anerkennt dio Heimwohr als vollberechtigte österreichische S t a a t s b ü r g e r. Es soll orklärt worden, Josef Popper Palästina-Abteilung Internationale Transporte semitischen Agitation der österreichischen Ilakenkreuzlcr. Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß an dieser Meldung kein wahres Wort ist. Es besteht kein derartiges Projekt und es ist dem Bundeskanzler keine Forderung überreicht worden, noch wird sie ihm liborreicht. Dio Meldung ist auch in Budapest amtlich dementiert worden. Die „Prager Presse“, dio oine gleichartige) Nachricht a u s Bu d a p o s t veröffentlichte, knüpfte daran den Hinweis auf dio Minderheitenbostimmungon im Fried ensvortrag. . Hinsichtlich Österreichs sagte Neville La.sk i: Wir stehen in engem Kontakt mit verantwortlichen jüdischen S tollen und Persönlichkeiten in Österreich und außerhalb Österreichs bezüglich der Position (1er Juden in diesem Lande. Eine Erklärung über die Stellung der Juden zum Kommunismus j In der Sitzung wurde ein dem Herausgeber der „C u t h o 1 i o News“ gesandtes und von diesem veröffentlichtes »Schreiben verlesen, das im wesentlichen lautot: Im Leitartikel Ihrer Ausgabe vom 6. Jänner fragen Sie: „Ist cs eino Verleumdung, wenn man dem jüdischen Volk als Ganzem »Sympathien mit jenen Juden nachsagt, die atheistisch, k o m m u n i s t i s e h oder r e v o 1 ii t i o n ä r gesinnt sind und kommunistische Propaganda treiben?“ Die Antwort, di) der Board im Namen der jüdischen Gemeinschaft Großbritanniens offiziell erteilt, lautet: Ja, es ist eine Verleumdung, well es eine Unwahrheit ist, darauf abzlclend, den guten Ruf aller Juden zu schädigen und Wien, II-, Taborstraße 22 Telephon K 48-5-10, R 40-5-70 Serie Korrespondenten in Palästina: Palestine & Egypt Lloyd Ltd. nst»! ,l?tntsr"V*ix Haifa Jerusalem Tel Aviv P. 0. B. 238 P. 0. H. 307 P. 0. B. 80-1 Spczial-Warentransporto. Übersiedlungen, Verpakkungen für Palästina. Transport- und Reiscgepäekversiehorungen. Auskünfte Jeder Art über Palästina daß sie dieselben Rochte und dieselben Pflichten haben wie die österreichischen »Staatsbürger anderer Konfessionen. In dio z weite Kategorie sollon die seit 31. Dozombnr 1914 e Inge w änderten und zu Minister Schuschnigg für „boden• ständige“ Richter In einer großen Versammlung von Richtern, Staatsanwälten und loitondon Beamten der Justizverwaltung erklärte Justizminister Dr. »Schuschnigg: „Ich glaube mich frei von irgend welcher einseitig überspitzten Auffassung, bin nher der Meinung, d;.ß gerade für den Richter volksnahe Bodenständigkeit wesentlich ist und der Heimatscholn eine wichtige Rolle spielt.. Die Justizverwaltung wird für eich in Anspruch nehmen können, daß sie Bedacht genommen hat, daß der Uichterboruf bodenständig bleibe.“ — Unter „Bodenständigen“ versteht man in Österreich Nlohtjuden. III Man derSchivedenbeiicke _ I Hpy/Ze GaststättefiirSiel „Taufschoin ist gleich Geburtsschein“ auch für den Fragobogen dor Arbeiterkranken» kasso in Wien und für dio jetzt in Menge aufschießonden Fragebogen anderer Amtsstellen gilt. Erklärungen wie die obige «ind aber keineswegs geeignet, uns zu beruhigen. Sio bedeuten nicht viel, und wir wollen ab* warten, was dio Praxis bringen wird. Das österreichische Judentum wird sich nicht willenlos zu einer Pariaka.ste degradieren lassen. Das mögen sich jene Kreise gesagt sein lassen, dio entgegen don klaren Äußerungon maßgebender Regiorung.skreise die Juden entrechten möchten. Wir sind keine Objokto für einen „Stellungskrieg“. Wir gönnon jedermann einen Posten, aber nicht auf Kosten unschuldiger Juden. Restaurant Rillet II., Hammerpurgstallgassc 3 / Streng orthod. Bestrenommierte Küche Telephon A 41-0-13 Nächst Salztorbrücke Zur Verhaftung Professor Tandters Zu der am 17. d, M. erfolgten Verhaftung dos sozialdemokratischen Stadtratee Professor Dr. Julius Tundlor, dor nach oinor mehrmonatliohcn wissenschaftlichen Tätigkeit in China nach Wien zurückgokehrt ist, wird una mltgoteilt: Unlversitätsprofesöor Doktor Tandler stammt aus oinor aruton jüdischen Familie. Er nahm jedoch schon vor dem Kriege dio Taufo und ist naoh dom Umsturz konfessionslos geworden. Niobtsdestoweniger wurdo er als der „Jude Tandler“ bekämpft und schon in den Jahren 1921 und 1922 veranstalteten deutschnationale St.udonten ln seinen Anatomievorlosungeri wUöto Krawalle.

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