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Die Stimme · 1934-03-23 · Heft 338 (23.3.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 338 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Frei« dieser Nummer 20 g Heute 8 Seiten stark V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG WeiitfEi'itkaul ist Verl rauenssadte f Verlangen Sie ausdrücklich: CE PfllflSTINP-WEIKE RISHONiZION k ln allen elnschläg. Geschäften erhältlich I Autor. Vertreter für Österreich: Gustav Wilder, Wien, IV., Rainer*. 31 Tel. U 42-4-84 | (7. Nisaw 5694) | 7» Jahrgang Nr. 338 Wien, 23. März 1934 1 Redaktion und Administration s Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. Nach zweitausend Jahren — wieder in Jerusalem 'Am Sonntag beginnen in Jerusalem die Beratungen des zionistischen Aktionskomitees. Es ist ein großes Ereignis, das »ich da vollzieht. Zum erstenmal seit dem Beginn des Exils tritt auf jüdischem Boden Seine jüdische interstaabliolie Konferenz zusammen, eine Tagung jener Organisation, täeren Lebensziel die Regeneration des jüdischen Volkes in seiner alten Heimat ist. Die zionistische Bewegung vollführt damit einen iiveithin sichtbaren Akt. Indem ihre Führer Bich in Palästina versammeln, dokumentieren sie in der klarsten Form den unverjjährbaren Anspruch des jüdischen Volkes (uuf sein Land, tragen sie das Baseler Programm in das Gebiet, nach dem das Herz des Volkes sich sehnt, wo seine Hoffnungen zusammenfließen.- Es ist eine große und feierliche. Stunde, die wir miterleben. Aber 'diese Stimmung wird stark beeinträchtigt durch die Vorgänge deä Tages; Sie steht unter dem Druck dieser furchtbaren Zeit Und die Tage, in denen die zionistische Bewegung sozusagen ein von der Politik sich freihaltendes Leben führen konnte, sind für Immer vorbei. Immer stärker spielen die Entwicklungslendenzen der anderen Völker in unsere (Arbeit hinein und wir erkennen, wie sehr IWir unserer Sache durch die Vernachlässigung des Grundgedankens des Zionismus, des Prinzipes jeder nationalen Freiheitsbewegung geschadet haben: daß nur ein Innerlich freies, national beiwußtes Volk den großen Um- Bchichtungsprozeß durchführen kann, der es mit Land und Acker verbindet. Der Zionismus ist zu der Ansicht gekommen, daß die Praxis stärker ist als die Politik; er hat die Erneuerung einer in allen vier Ecken der Welt lebenden, von 'den verschiedensten rechtlichen, geographischen, kulturellen, klimatischen und somatischen Elementen beeinflußten Gemeinschaft, ihre Verschmelzung in eine einzige Nation als ein Problem der Kolonisation behandelt, das mit dem Rechen- Stift zu lösen ist. Aber es gibt Imponderabilia, unwägbare seelische Momente, ' die nicht vergessen werden dürfen. Wenn Kolonien das Mutterland in den geistigen Besitz des Exilvolkes überführen wollen, so müssen sie selbst im Inneren zum Mutterland werden. Die Führung des Zionismus hat geglaubt, daß es sich um eine Geldfrage handelt. Aber auch eine Geldfrage, die Repatriierung von Massen zu einem nationalen Zweck, kann nicht ohne gewaltigen seelischen Auftrieb gelöst werden. Die zionistische Organisation ist allzu gerne auf dem bequemen Wege gegangen, sie hat den Elan verloren und hat sich lange Jahre darin gefallen, im leeren Raum VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSEBSTBASSE 6 zu agieren. Sie hat lange Jahre den Zusammenhang mit der jüdischen Jugend als eine höchst nebensächliche Angelegenheit angesehen, sie hat den Kampf gegen Entjüdungstendenzen nicht energisch angenommen und sie, die jüdischeste Judenbewegung, hat es geduldet, daß in den Zionismus Parteigeist und Parteigeisterei eingedrungen ist und angebliche Weltanschauungsdifferenzen über den reinen, integralen, universalen, jüdischen Freiheitsgedanken das Übergewicht erlangten. Und fragen wir uns, weshalb dieser Zustand eingetreten ist, so kommen wir zu zwei Dingen: Der politische Zionismus blieb ohne Führung und die Organisation verlor den Glauben an sich selbst. Es ist einerseits automatisch eine Bürokratie entstanden, die sich nach dem Parteienschlüssel zusammensetzt- und selbstverständlich ihre parteimäßige Grundstellung nicht verläßt, und es ist anderseits der Inhalt jedweder Organisation geschwunden. Organisation, das heißt, Menschen gleicher Meinung zusammenfassen, sie auf das gleiche Ziel dirigieren, sie mit glühendem Glauben an ihre Sendung erfüllen. Das setzt voraus, daß nicht irgendeine dem Wesen der Organisation fremde, wirtschaftspolitische oder radikale Lehre eindringt, die wieder die Menschen auseinanderreißt und aus der gleichgerichteten Meinung Todfeindschaft und Hader macht. Die zionistische Organisation hat aber solche fremde Lehren als berechtigt anerkannt. Sie hat nicht aus den jüdischen Menschen ein jüdisches Volk geformt, eine einzige geschlossene Truppe, die sich eine Heimat baut; sie hat zugelassen, daß sich in der Schützenkette, im Angesicht des Feindes, Parteien bilden. Und die Führung hat nichts für die Orgapisation, für ihren enthusiastischen kämpferischen Geist getan. Eine gesunde Organisation hat ein natürliches Geltungs- und Ausbreitungsbedürfnis. Sie will sich mitteilen, ihre Grundsätze anderen einflößen, andere mitreißen, auf ihre Phantasie wirken. Aber sie muß den Willen auch in ihrer Leitung verspüren, die Entschlossenheit, dio Massenseele zu gewinnen und ihr den Glauben au Weg und Ziel unverrückbar ins Hirn legen. Eine Heimat bauen, das entzündet dio politische Vorstellungskraft, das erfordert vollste Einfühlung in den großen Zweck. Jeder einzelne Volksteil muß das Ziel verstehen, muß es greifbar vor sich aufwaehsen sehen, und die politische Propaganda und Agitation hat diese Aufgabe zu erfüllen. Die besten Köpfe sind da gerade gut — aber die große nationale Idee und der Glauben an sie muß oben leben. Ohne politischen Inhalt, ohne den Gedanken vom freien Volk auf freiem Land ist der Zionismus eben nichts anderes als eine Strömung unter vielen anderen. Er hat den Primat aufgegeben, den Königsgedanken abgelegt und aus der Organisation ist ein dürrer Geldsammelapparat geworden, der alle paar Stunden ins Stocken gerät, wenn der Sand des Parteiwesens oder irgend einer Berufsweltanschauung in die Achsen kommt. Das jüdische Volle ist in Not. Aber Not ist nicht mit Bitten und Bücken vor der Mandatsmacht zu übermüden, sondern mit brennendem Glauben und mit heißem Herzen. Es gibt für das jüdische Volk eine Erlösung und das ist die Freiheit, die jüdische Freiheit, die das ganze Volk umschließt und die keine Tremiaun^ nach Klassen oder Schichten anerkennen darf. Wir sind Utopisten gewesen und haben die Utopie bis zur völkerrechtlichen Feststellung unseres Rechtes entwickelt. Das tschechische Volk hat einmal aus Utopisten bestanden und es ist zur Souveränität gelangt. Glauben muß man und von der Warte: dieses Glaubens die Dinge besehen. Zwei Jahrtausende hat das Volk in der Sklaverei verbracht und trotzdem den Gedanken der Freiheit aus sich hervorgebraclit. Nach zwei Jahrtausenden treten Zionisten in Jerusalem zu einer Tagung zusammen. Schwere Verantwortung liegt auf ihnen; der Ruf der Organisation, nein, des Volkes dringt zu ihnen: Macht ein Ende dem Partedenunwesen, weist denen, die ihre Parteianschauung über die Not des Volkes stellen, die Türe und arbeitet wieder am Aufbau der Organisation. Erez Israel ist dem ganzen Volk zugesprochen, die Organisation, die zionistische, national fühlende Masse will die Einigkeit! Aber helfet der Organisation und schaffet eine Führung! Kommt es jetzt in Jerusalem nicht dazu, dann sind die Engländer, die Hitlerdeutschen, die Ouzisten die Sieger, danji schlägt die Galuth über dem jüdischen Volk zusammen! Das amerikanische Repräsentantenhaus gegen Nationalsozialismus Washington, 21. März. Das Repräsentantenhaus hat mit 168 gegen 31 Stimmen beschlossen, den Kongreß zu einer Untersuchung über die nationalsozialistische Propa-i ganda in den Vereinigten Staaten zu ermächtigen. | Weizmann ruft zur Einigkeit im Jischuw auf Jerusalem, 20. März. Als Hauptredner auf einer Keren-Hajessod-Kundgebung in Jerusalem berichtete Doktor Chaim Weizmann über die Ansiedlung deutscher Juden und versuchte, die Frage zu beantworten, wie viele von den Deutschland verlassenden Juden, deren Zahl jährlich auf etwa 10.000 zu beziffern sein wird, Palästina werde absorbieren können. Weizmann wandte sich sodann der inneren Lage in Palästina zu und führte aus; Die Außenwelt verfolge mit gespanntem Interesse das Wunder des jüdischen Unternehmens in Palästina; um so mehr müsse er bedauern, daß englische Polizisten sich zwischen Jude und Jude stellen müssen, um einen Bruderzwist zu verhüten. Die Juden werden in Zukunft nicht nach dem beurteilt werden, was sie in London, Paris oder New York geleistet haben, sondern nach dem, was sie in Palästina tun. Käme es zu eine* innerjüdischen Blutvergießen in Palästina, so würde die Welt sagen: Tausende Jahres habt ihr uns angeklagt, daß wir euch Juden keine Chance gegeben haben; heute, da ihr die Chance habt, zerstört ihr sie. Wenn ein Volk nicht jenes sublime Gefühl hat, ein gemeinsames Fundament zu besitzen, auf dem es sein Volkstum schöpferisch aufbauen kann, dann hat ein solches Volk nicht das elementare Recht, seine Anstrengungen nach dieser Richtung zu lenken. Nicht einmal eine kleine Gemeinde, geschweige denn ein Volk, könne man auf so schwankem Grunde aufbauen. Wie nie vorher, ist diese Zeit eine Zeit der Gefahr für das jüdische Volk, vom Rhein bis zum Pazifischen Ozean geht man gegen die Juden im Angriff vor. Es sei darum selbstmörderisch, daß jetzt Juden in Palästina sich auf eine Linie des Zwistes festlegen. Weizmann schloß: Als einer, der Schulter an Schulter mit euch in Zeiten der Bedrängnis gekämpft hat, richte ich an euch nun den Appell zum Frieden und Harmonie. Erklärungen im Jewish Board of Deputies über die Lage in Deutschland nnd Österreich London, 20. März. I Ein Jahr ist nun seit den letzten Reichs- In der Sitzung des Jewish Board of Detag’swahlen in Deutschland vergangen, und puties gab dessen Präsident Neville L a s k i noch immer hat sich nichts in der Judenverfolgende Erklärung ab: folgungspolitik der Reichsregierung ge- Nach Palästina mit der Compass Tours 17. April: Offizielle Messereise 30.April: Zweite Messereise mit dem Luxus-Motorschiff „Vulcania“ über Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut PUiJKhizelreisendkJjk!^^ Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3 * Telephon B 42-5-38

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