Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-26 · Heft 364 (26.6.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 364 (26.6.1934)
Date
1934-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054118--4315-3059669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 4 DIE STIMME Nr. 364 26. Juni 1934 schauungen, die mit vereinter Kraft das alles gebaut haben. Merken wir nicht, daß wir uns in der tragikomischen Rolle des Mannes befinden, von dem es in einer großen Dichtung heißt, er gleiche dem Tier auf dürrer Heide, vom bösen Geist im Kreis herumgeführt und ringsherum ist grüne Weide? Wir drehen uns auf der dürren Heide des kleinlichen Parteigezänkes und verlieren die Freude an dem, was rings um uns geschaffen wurde, und die Fähigkeit, es zu genießen.” Die klassisch aufgebaute, meisterhaft abgerundete, von starkem Beifal begleitete Rede, die auf alle Zuhörer tiefsten Eindruck machte, schloß Dr. Ehrlich mit den Worten: ,,Den Königsgedanken der jüdischen Erneuerung hat uns Herzl hinterlassen und die zionistische Bewegung kann in ruhigem Selbstbewußtsein von sich sagen, daß sie das Erbe vermehrt hat. Der Erfolg sollte J uns zur Zusammenarbeit und nicht zum Zwist führen. Wir sind ein Volk, e i n Volk. Das w'aren die ersten Worte, die Herzl zu seinem Volke gesprochen hatte und die eine revolutionäre Wirkung hervorgerufen haben. Raffen wir uns zur Selbstbesinnung auf. E i n Volk wollen wir sein im Sinne Herzls, mit einem Ziele und einem brüderlichen Streben, damit wir würdige Nachfahren des Mannes werden, dessen Andenken wir heute feiern.“ Den künstlerischen Rahmen bildeten Lichtbildervorführungen von Dokumenten und Briefen Herzls durch Dr. N u ssenbla 11, Rezitationen von Margaret Bach, die in gewohnt meisterhafter Weise Zuckerma.nns ,,1 n m e m o r i a m Herzl“ brachte, ferner Klaviervorträge jüdischer Kompositionen durch Prof. Julius W o 1 f s o h n. Mit dem Absingen der „Hatikwah“ schloß die schlichte, eindrucksvolle Feier. nicht später als zum 20. Tamus d. J., an dem sich der Todestag Herzls zum-30. Male jährt, erfolgen. Eine aus Adolf Böhm, Jacob de Haas, Johann Kremenetzky, Direktor Reichenfeld, dem inzwischen verstorbenen Kongreßpräsidenten Leo M o t z k i n, Senator Ringel und dem Nationalfonds-Präsidenten M. M. Ussischkin — alles persönliche Freunde von Dr. Herzl und Delegierte des ersten Zionisten-Kongresses — sich zusammensetzende Kommission hat vom Kongreß die Aufgabe übernommen, über die Durchführung dieser Resolution zu wachen. Billige Ferienreisen noch Polen Paßerloichternngen für polnische Staatsangehörige Abreise 1. und 8. Juli 1934 NÄHERE AUSKÜNFTE: BÜRO Dr. S. TOCKER, I., Kärntnerring 12. Tel. U 40-301 Palästina meldet: Einberufung einer Welt* konferenz der Allgemeinen Zionisten Pfund neues Kapital in das Land eingeströmt ist. Im März 1934 kamen 3367, im Februar 1934 2756 Juden nach Palästina. Massenbesuch am Döblinger Friedhof 10.000 Zionisten pilgern zum Grab ihres Führers Der Sonntag Vormittag des 24. Juni war der Huldigung Herzls durch massenhaftes Pilgern zu seinem Grabe gewidmet. Dieser Grabgang gestaltete sich zu einem heißen und leidenschaftlichen Bekenntnis der Liebe zu dem toten Führer und zu einer mächtigen Kundgebung für sein lebendes Werk. Der Grabgang an dem sonndurchfluteten Sonntagvormittag, dieser ernste und pietätvolle Aufmarsch, dieses Flattern blauweißer Fahnen und von jüdisch-nationalem Geist erfüllter Transparente durch das wundervolle Grün der Döblinger Auen und der von Reben umrankten Gärten, diese ernsten Gesichter tausender jüdischer Jugendlicher mit dem Magen Dawid auf stolzer Brust wurde zu einem starken, unvergeßlichen Erlebnis. Ein Erlebnis, das unsere Trauer über Herzls allzu frühen Tod sanft mildern, uns dankbar, demütig und stolz zugleich stimmen soll, daß wir ihn besessen haben. Alle, alle waren sie gekommen, die Ältesten, die Getreuen, unsere Würde — manche von ihnen Herzls engste Mitarbeiter —, und die Jüngsten, die Kleinsten — unser Stolz, unsere Hoffnung. Die Beteiligung war diesmal eine ganz ungewöhnlich starke. Schon in den ersten Morgenstunden sah man in den Zufahrtsstraßen nach Döbling zahlreiche Jugendgruppen zum Sammelpunkte ziehen. Gegen 10 Uhr setzte sich der imposante Zug in Bewegung und erst gegen ein Uhr nachmittags verlassen die Letzten den Gottesacker. Drei Stunden lang defilieren zehntausend Zionisten in weihevoller Stille an dem Grabe ihres Einzigen, Unvergeßlichen vorbei, senken sich vor dem Grabe zahllose Fahnen und Standarten der einzelnen Gruppen und Vereine. Die Ehrenwache am Grabe halten Mitglieder der zionistischen Jugendverbände sowie der Haganah. An der Spitze des Zuges sah man Oberrabbiner David Feuchtwang, den Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. Oskar G r ü n b a u m, den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz, den Obmann des Klubs der zionistischen Mandatare und Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, ferner die engsten Mitarbeiter Herzls, die Medizinalräte Dr. S c h a 1 i t und Doktor S c h n i r e r. Es folgten die Mitglieder des zionistischen Landeskomitees, die Präsidien der Fonds, zahlreiche zionistische Kultusvorsteher, Vertreterinnen der Wizo, alle zionistischen Bezirkssektionen, die zionistischen Sonderverbände, der radikalen Zionisten, des Misrachi, der Judenstaatspartei und Revisionisten, die mit ihrer strammen Brith-Trumpeldor-Jugend den Zug beschlossen. Der diesjähriger Grabgang erhielt sein besonderes Gepräge durch die Jugend, deren Anblick besonders erfreulich und erhebend war. Ein prächtiges, farbenfrohes Bild. Allen voran die allgemein z i o n i- Dle zionistische Sektion VIII./IX,, entbietet Fräulein Dr. Ruth Safier und Herrn Dr. Adolf Leser die herzlichsten Glückwünsche zu ihrer Vermählung , stischen Jugendbünde Gdud Z’i r i m und Brith Herzl, ungefähr 800 an Zahl, lauter stramme, sehnige Burschen und Mädel mit gebräunten Gesichtern, unter der Leitung des Jugendreferenten des Landeskomitees Dr. Paul Berger, ferner Brith-Trumpelclor-Jugend, die Jugendbünde der Radikalen, Makkabiturner, sowie Mitglieder des Sportklubs Hakoah. Überaus zahlreich war die jüdische Studentenschaft vertreten, die in Couleur erschien. Den Verbänden wurden zahlreiche Transparente vorangetragen, die die jüdischen Forderungen des Tages zum Ausdruck brachten, so hieß es in manchen: „Erfüllet Herzls Vermächtni s!“, „Land' und Recht für d as 17 -Mi 1lionen-Volk der Juden!“ Schließlich ergänzten den Zug zahlreiche Abordnungen und Deputierte aus der Provinz, wie Innebruck und Graz, ferner aus dem Auslande, wie Bratislava, Brünn, Jugoslawien (Gustav Seidemann). Ferner nahmen an dem Grabgang Abordnungen der Bünde Jüdischer Frontkämpfer und Jüdisc.h-legitmi'Stischer Frontkämpfer teil. Der Grabgang, vom Zionistischen Landeskomitee veranstaltet und organisiert, verlief in mustergültiger Ordnung und Ruhe. Um die Organisierung des Grabganges haben sich die Herren Dr. P i c k o 1 z und Ignaz Müller besonders verdient gemacht. Den Ordnerdienst versahen mustergültig Mitglieder der „Haganah“ unter Leitung ihres Führers Topf. Die Polizei, die umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, fand keinen Anlaß zum Einschreiten. * Festgottesdienst der Wiener Kultusgemeinde Aus Anlaß des dreißigjährigen Todestages Theodor Herzls findet kommenden Montag, den 2. Juli, am Vorabend seines Todestages, um 7 Uhr im Seitenstettentempel ein feierlicher Festgottesdienst statt, bei dem Seine Ehrwürden Oberrabbibiner Dr. David F e u c h t w a n g die Gedenkrede hält. Herzl-Mausoleum wird in Palästina errichtet Jerusalem, 18. Juni. Die zionistische Exekutive in Palästina und die Exekutive des Waad Leumi (Nationalrat des Jischuw) haben in einer gemeinsam abgehalteneu Sitzung beschlossen, in Palästina ein Theodor -Herzl - M a usoleura zu errichten, welches die sterblichen Reste Herzls beherbergen wird. Für die Errichtung des Mausoleums wird ein spezieller Fonds geschaffen. Der im August bis September in Prag abgehaltene 18. Zionistenkongreß hat bekanntlich eine Resolution gefaßt, in der die zionistische Exekutive aufgefordert wurde, sofort Schritte zur Überführung der sterblichen Reste Dr. Theodor Herzls vom jüdischen Friedhof in Wien-Döbling, wo sich das provisorische Herzl-Grab befindet, nach Palästina zu unternehmen; die Überführung solle möglichst im Frühjahr 1934, jedenfalls Jerusalem, 21. Juni. Die Exekutive des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat beschlossen, für August 1934 eine Weltkonferenz der ihr angeschlossenen Landesverbände einzuberufen. Die Konferenz soll sich mit der durch die Verschärfung der innerzionistischen Parteikonflikte geschaffenen Lage befassen und entsprechende Maßnahmen treffen. Der Ort der Zusammenkunft soll noch bestimmt werden. Urteil im Brith*Habirjonim-Prozeß Jerusalem, 21. Juni. Am 19. Juni wurde das Urteil im Brith- Habirjonim-Prozeß verkündet. Der Hauptangeklagte Abba Achi-Melr wurde wegen Geheimbündelei zu 21 Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. Der Richter bemerkte, daß es sich hier um die gesetzliche Mindeststrafe handelt, und daß bei der Bemessung des Strafausmaßes die Untersuchungshaft berücksichtigt wurde. Von den übrigen Angeklagten wurden Chaim D w i r i zu 15 Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit, Jacob Orenstein zu 9 Monaten einfachem Gefängnis und Josua Lichter zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Mosche S v o r a i wurde f r e i g esprochen. Das Urteil gegen Dr. Yevin wird mit Rücksicht darauf, daß dieser durch Krankheit verhandlungsunfähig ist, erst in der nächsten Woche verkündet werden. 16 palästinensische Rabbiner für Stavsky Jerusalem, 21. Juni. In Palästina wurde ein Plakat angeschlagen, in dem ein Aufruf palästinensischer Rabbiner an den Jischuw im Zusammenhang mit dem Fall Stavsky gerichtet wird. Gestützt auf das Votum Richter de Valeros fordern 16 führende palästinensische Rabbiner, an ihrer Spitze Oberrabbiner Kook, Oberrabbiner Jacob M e i r und Rabbi U s i e 1, den Jischuw auf, an der Herbeiführung eines Freispruches Stavsky s mitzuhelfen. „Wir bezeugen vor Gott und den Menschen“, heißt es in dem Aufruf, „daßStavskymitdemArlosoroff- Mord nichtszutunha t.“ Misrachi aus dem Waad Leumi ausgetreten Jerusalem, 21. Juni. Der vor kurzem augekündigte A u stritt des Misrachi aus dem Waad Leumi ist nunmehr offiziell vollzogen worden. In einem Communiqu6 begründet Misrachi seinen Schritt damit, daß es der Assofath Haniweharlm nicht gelungen sei, einen Weg zu linden, um alle Teile des Jischuw in der Knrsseth Israel zu vereinigen, und daß der Waad Leumi vollständig unter der Kontrolle der Histadruth (Verband der jüdischen Arbeiterschaft) stehe. Im April 2614 Jüdische Palästina• Einwanderer Jerusalem, 22. Juni. Wie „Official Gazette“ mittoilt, sind im Monat April 1934 unter 2689 Einwanderern 2614 Juden nach Palästina gekommen, davon 284 Angehörige der Kapitalislonklacsse mit mindestens je 1000 Pfund Eigen vermögen, so daß im April mindeeten 284.000 Beisetzung Leo Pinshers auf dem Shopusberg Jerusalem, 21. Juni. Bekanntlich wurden die sterblichen Reste des Vorläufers der politisch-zionistischen Bewegung und Autors der „Autoemanz i p a t i o n“ Dr. Leo P i n s k e r etwa vor einem Monat nach Palästina gebracht, nachdem sie auf dem Odessaer Friedhof heimlich exhumiert worden waren. Die endgültige Beisetzung der Gebeine Pinskers soll nunmehr innerhalb des Gebietes der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg erfolgen. Ein geeigneter Begräbnisplatz wurde vom Präsidenten des Jüdischen Nationlfonds M. M. Ussischkin und vom Universitätskanzler Dr. J. L. Magnes ausgesucht. Jüdische Kadoorie" Acherbauschule eröffnet Am 20. Juni wurde im Dorfe Tabor die aus einem 60.000 Pfund betragenden Legat des jüdischen Pilanthropen Sir Eil Kadoorie errichtete jüdische Ackerbauschule durch den High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauchope, mit einer eindrucksvollen Zeremonie eröffnet- Die aus der Kadoorie-Stiftung errichtete arabische Ackerbauschule ist bereits seit mehreren Jahren in Betrieb. Die Errichtung dieser Schulen hat eine' interessante Vorgeschichte. Kadoorie hinterließ 120.000 Pfund für Erziehungswesen in Palästina, ohne im Testament genau zu bestimmen, welches Erziehungswesen gemeint sei. Alle, die Kadoorie kannten, waren, ebenso wie die gesamte jüdische öffentliche Meinung, davon überzeugt, daß Kadoorie nichts anderes als jüdisches Erzieh u ngswesen gemeint haben konnte, da für ihn, den frommen indischen Juden, Palästina und Judentum identisch waren. Die Palästinaregierung aber stellte sich auf dem Standpunkt, daß die Hinterlassenschaft für allgemeine Schulzwecke zu verwenden sei. Der Direktor des Erziehungsdepartements der Zionistischen Organisation, Dr. L u r i e, und der damalige Vorsitzende der Zionistischen Exekutive in Palästina, Colonel Kisch, vertraten den jüdischen Standpunkt gegenüber der Regierung. Nach einem in Indien geführten Prozeß, der nicht zu Ende kam, einigten sich Kisch und Lurie mit dem Direktor des Erziehungsdepartements der Regierung, B o w m a n, dahin, daß aus der Hinterlassenschaft je eine arabische und eine jüdische Ackerbau schule errichtet und erhalten werden solle. Berichtigung. In dom ln der Nummer vorn 22. Juni 1934 der „S t i m m e“ erschienenen Artikel von Dr. M. T. S c h n I r o r: „Theodor Herzl und seine Vorgänge r“ ist der Name des Autors des Motto, Alfred de M u s s e t, durch ein Versehe n der Druckorei woggefallon. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TEIEPHONNUMMER; A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. ntps-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwtlrdlgen Rabbinatsder Israelitischen Kultusgemeinde Wien 9 Autosustollung kostenlos I IX., Berggasse 16, XVIII.,Währingerstraße 71 I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.