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Die Stimme · 1934-03-13 · Heft 335 (13.3.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 335 (13.3.1934)
Date
1934-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. — 13. Mftrz 1934 Delegiertentag der Juden Bulgarien Sofia, 8. Mürz. In Sofia wurde soeben der Delegiertentag (Sobor) der Juden Bulgariens bei Teilnahme von 60 Delegierten aus dem ganzen Lande abgehalten. Sobor-Delegicrte sind nicht etwa Vertreter der Gemeinden, sonder der gesamten jüdischen Bevölkerung Bulgariens; sie gehen aus Wahlen hervor, die das Kultusministerium ausschreibt und an denen auch Gemeiudemitglieder fremder Staatsangehörigkeit — diese aber nur aktiv und nicht passiv — teilnehmen. Die Delegierten werden für eine dreijährige Periode gewählt, während welcher sie nur zwei Tagungen abhalten. Die erste Tagung dieser Periode fand im Juni 1932 statt. Hauptberatungspunkte der Tagung waren der Ausbau des jüdischen Schulwesens, die Hebraisierung der jüdischen Schulen und die Rechtstellung der jüdischen Gemeinden im Lande. Eine vom Kultusministerium eingesetzte Kommission berät jetzt über das Statut des Verbandes der jüdischen Gemeinden und des Zentralkonsistoriuins. Dieses Statut wurde noch von dem Ersten Delegiertentag der Juden Bulgariens, der im Jahre 1920 zusammentrat, ausgearbeitet, hat aber noch immer nicht die staatliche Genehmigung. Auf der jetzigen Tagung wurde die eheste Verabschiedung dieses Statuts gefordert, damit die der Erledigung innerer jüdischer Gemeindeangelegenheiten noch entgegenstehenden Hindernisse im Zusammenhang mit dem Fehlen eines Gesetzes für die fremden Konfessionen beseitigt werden. Zur Entscheidung stand auch die Frage 3er Beteiligung der bulgarischen Judenheit an dem Kongreß dereuropäischen Minderheiten. Es wurde beschlossen, 3en Minderheitskongreß nicht mehr zu subventionieren und das Zentralkonsißtorium zu ersuchen, in sein Budget keine Posten für die Entsendung von Delegierten zu dem Kongreß einzusetzen. . Die Frage der Teilnahme am Jüdischen Weltkongreß wurde nicht erörtert, da Einstimmigkeit darüber herrscht, daß das bulgarische Judentum als Bestandteil des jüdischen Volkes an dem Jüdischen Weltkongreß teilzunehmen habe. Die Normierung der Delegierten zum Jüdischen Weltkongreß wurde dem Zentralkonsistorium übertragen. Der Delegiertentag nahm schließlich einige die Verwaltung der Gemeinden betreffende Statutenänderungen vor und trug dem Zentralkonsistorium auf, vorbereitende Schritte zur Eröffnung eines jüdischen Gymnasiums zu unternehmen und Kurse zur 'Ausbildung von Schuldirektoren zu eröffnen. Fünf den Zionisten-Revisionisten angehörende Delegierte brachten eine für den Judenstaat und gegen die Mandatarmacht Palästinas gerichtete Resolution ein, die vom Delegiertentag abgelehnt wurde, woraufhin die Revisionisten, vor Übergang zum letzten Punkt der Tagesordnung, die Tagung verließen. Der Delegiertentag nahm zum Schluß eine Resolution an, in der ein engerer Zusammenschluß aller Teile des jüdischen Volkes und Aufbringung von Opfern, um den das jüdische Volk bedrohenden Gefahren begegnen zu können, gefordert wird. Holland unterstützt die Ausbildung jüdischer Jugendlicher aus Deutschland Amsterdam, 8. März. Die holländische Regierung beabsichtigt, die landwirtschaftliche Ausbildung jüdischer Jugendlicher aus Deutschland dadurch zu fördern, daß sio Grund und Boden für landwirtschaftliche Ausbildungsstätten sowie Baracken zur Unterbringung der Landwirtschaftslehrlinge zur Verfügung stellt. Die Einrichtung der ersten derartigen Ausbildungsstätto soll noch im Monat März erfolgen. 120 jüdische Jugendliche, zum größten Teil solche, die später als Chaluzim nach Palästina gehen sollen, werden auf dieser Lehrfarm Aufnahme finden. Die Ankündigung dieses Planes der holländischen Regierung hat den bekannten holländisch-jüdischen Philanthropen van den Berg, der auch Mitglied dos Council der Jewisli Agency ist, bewogen, einen Betrag von 50.000 holländischen Gulden für die Bestreitung des Lebensaufwandes der aus Deutschland erwarteten Landwirtsehaftslehrlinge zur Verfügung zu stellen. Auch die großen jüdischen Hilfsorganisationen haben sich bereit erklärt, zur Finanzierung dieser Aktiou beizutragen. Louis Lipsky gegen Joint Philadelphia, 8. März. Der bekannte Zionistenfillircr Louis L i p s k v, der an der Spitze der diesjährigen Palästina-Campagne in den Vereinigten Staaten steht, hat eine Erklärung veröffentlicht. in der er die Haltung der Führer des American Joint Distribution Comittee in der Frage der Hilfsaktion für deutsche Juden einer scharfen Kritik unterzieht. Er erhebt den Vorwurf, daß die Führer des Joint die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen des Judentums zum Zweck der Vereinheitlichung der Hilfsaktion zugunsten deutscher Juden ablehnen. Lipsky betont, daß es nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge unwahrscheinlich sei, daß es in diesem Jahr zu einem gemeinsamen Drive unter gemeinsamer Leitung für die Zwecke der Hilfsarbeit kommen wird. Im vergangenen Jahr, erklärto Lipsky, habe die jüdische II i 1 f s k o n f e r e n z in London getagt. Obwohl diese Tagung von einer großen Zahl von Vertretern jüdischer Organisationen vieler Länder beschickt war, habo sic doch zu keinem Erfolg geführt, weil das Joint Distribution Comittee nicht zugeben wollte, daß seine Mittel mit denen der anderen jüdischen Organisationen zu einer gemeinsamen Aktion vereinigt werden. Scheinbar herrsche bei der Führung des Joint noch immer die Meinung vor, daß die Palästina-Arbeit in gewisser Hinsicht zu der Arbeit in den Galuthländern im Gegensatz stehe oder zumindest eine Arbeit sei, die man parallel zu jener führen solle. Von jedem praktischen Standpunkt aus aber müsse man zur Erkenntnis gelangen, daß Palästina in der dauernden Hilfsarbeit, die zur Verbesserung der Lage in der Galuth führen wird, einen wichtigen Faktor bildet. Diese Verhältnisse, erklärt Lipsky zum Schluß, müßten der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden, um so eine offene Debatte über die betreffenden Probleme zu ermöglichen. Dr. Iur. in leitenden Steilungen Im In- und Auslande tätig gewesen, mehrerer Sprachen kundig, sucht entsprechende Beschäftigung in Industrie oder Handel, womöglich für den Export nach dem Westen. Gefl. Zuschriften an die Administration dieses Blattes unter„Quallfizlert“ Deutsch-jüdische Emigranten aus der Tschechoslowakei nach Palästina abgereist Prag, 8. März. In der letzten Zeit sind etwa 100 deutschjüdische Emigranten, die in der Tschechoslowakei eine Hachscharah durchgemacht haben, nach Palästina gegangen, um sich dort in die Arbeitsfront einzugliedern. Vor wenigen Tagen verließ eine Gruppe von 42 Personen, unter ihnen neun Kinder, Prag, mit dem Ziele Palästina. Auf dom Bahnhof fanden sich ihre noch in der Hachscharah tätigen Kameraden und Kameradinnen, viele tschechoslowakische Chaluzim und zahlreiche Mitglieder der Prager zionistischen Gesellschaft, unter ihnen der Dichter Max Brod und dio Leiterinnen des Emigrantenhilfswerkes, Frau Prof. Hannah Steiner und Frau Maria Schmolkowa, ein. Es war ein erhebender Abschied, bei welchem palästinische Arbeitslieder und „Ha- Beh. konz. Realbüro lng.M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und lli. Sülze, Bau- und Zwlsdienkredile, Oebüudeverwolfung Ar Büroi Franz Josefs-Kol 11 lei. R-25-0-44 Wohnung: II., Vorgarfenslr. 150, Tel. R-41-8-88 tikwah“ gesungen wurden. Als sich der Zug in Bewegung setzte, riefen die Palästinafahrer: „E s lebe die tschechoslowakische Republik und ihr Präsiden t M a s a r y k!‘‘ Dank dem Entgegenkommen der englischen Gesandtschaft erhielten die Reisenden ihr Visa gegen sehr mäßige Gebühren. Auf Intervention des Gemcindebundprüsideuten Dr. Josef Poppe r, Prag, wurden die Emigranten, als sie Linz passierten, Erhebung der Anklage gegen Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir wegen vorbedachten Mordes Jaffa, 9. März. Vor dem Gericht in Jaffa wurde die Voruntersuchung gegen Abraham Stavsky, Zwi Rosenblatt und Abba Achi Meir, die beschuldigt werden, den Leiter des Politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaiin Arlosoroff am Abend des 16. Juni 1933 am Strande von Tel-Aviv ermordet, beziehungsweise den Mord vorbereitet zu haben, durch Oberrichter Commander Ralph B o d i 11 y abgeschlossen. Gegen die Beschuldigten wird nunmehr die formelle Anklage auf Grund von Artikel 170 des Strafgesetzes (vorbedachter Mord) erhoben. Auf das Verbrechen, dessen die Angeklagten beschuldigt werden, steht Todesstrafe. Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir werden vor ein G e s c hw o r n e ng e r i c h t gestellt. Die Übergabe des Falles an einen Strafgerichtshof entspricht dem üblichen Vorgang nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens. Vor Verkündigung der Entscheidung Richter Bodillys verlas der Verteidiger, Rechtsanwalt Samuel, ein von Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir unterzeichnetes Memorandum, in dem sie jede Schuld in Abrede stellen und die Aussagen der von der Anklagebehörde geführten Zeugen einer Analyse unterziehen. Die Verlesung dieser Denkschrift nahm vier Stunden in Anspruch. Achi Meir legte außerdem eine Erklärung vor, in der er feststellt, daß politischer Mord seinen Auffassungen ebenso wie denjenigen der revisionistischen Bewegung widerspricht. ★ Mangel an Arbeitskräften ln Palästina Tel-Aviv, 9. März. Im Hinblick auf den außerordentlichen Mangel an Arbeiterhänden in den Kolonien und insbesondere in den Orangenhainen, durch den die Orangenernte direkt bedroht ist, hat die jüdische Arbeitergewerkschaft „Histadruth“ alle Bauarbeiter mobilisiert und in die Haine geschickt, damit sie die Ernte hereinbringen helfen. Auch aus vielen anderen Industrien wurden Arbeiter in die Kolonien dirigiert. Die Schulkinder der älteren Klassen helfen ebenfalls bei der Ernte mit. Durch die Abkommandierungen auf das Land fehlt es der städtischen Industrie an mindestens 6000 Arbeitern, wobei allein Tel- Aviv für etwa 4000 Arbeiter Platz hätte. Die Arbeiter-Tageszeitung „Davar“ bezeichnet die Arbeitslage als katastrophal und weist darauf hin, daß Beduinen aus Transjordanien in bisher noch nie dagewesener Zahl in Petach-Tickwah und in anderen Kolonien beschäftigt sind. Das Arbeitsdepartement der Jewish Agency sammelt alle notwendigen Materialien und Daten vom Arbeitsmarkt zu deren Verarbeitung in einem Memorandum, welches als Begründung zu der Forderung nach einer erhöhten Schedule für das zweite Halbjahr, das Anfang April d. J. beginnt, der Regierung Überreicht werden wird. ★ Konflikt zwischen Arbeiterpartellern und Revisionisten Jerusalem, 9. März. In G h ü d o r a h ist c« abermals zu einem Konflikt zwischen Mitgliedern des Allgemeinen jüdischen Arbeitorverbandes (Histadruth Ilaowdim) und revisionistischen Arvon der dortigen Kultusgemeinde herzlich empfangen und bewirtet. In Triest wurde ihnen durch das Palästinaamt freie Übernachtung und Verpflegung, sowie kostenlose Überführung des Gepäcks auf das Schiff gewährt. Bei ihrer Ankunft in Palästina werden sic von der Histadruth Olej Germania in Obhut genommen und bis zu ihrer Einordnung in die verschiedenen Ki* buzim verpflegt werden. Mehr als 80 Prozent der Emigranten gehen in Kibuzim. heitern gekommen. Entgegen einer im September v. J. getroffenen Vereinbarung, der- .. zufolge Arbeif»Zuteilung mir durch die gewerkschaftliche ArboitsVermittlungsstelle erfolgen soll, sind Arbeiten an einem Neubau revisionistischen Arbeitern zugeteilt worden. Daraufhin wurden seitens der Arbeiterorganisation Posten bei der Arbeitsstelle aufgestellt, die Arbeitswilligen den Zutritt verweigerten. Einer polizeilichen Aufforderung. sich zu entfernen, leisteten die Posten keine Folge. Deshalb wurden 14 führende Mitglieder der Moazath Awoda von Chederah verhaftet. Die revisionistischen Arbeiter setzen die Arbeit unter Polizeischutz fort. •k Keren Kajemeth — Eingänge Im Jänner Jerusalem, 4. März. Im Jänner 1934 sind beim Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem an Spenden 24.G27 Pfund eingegangen; es sind dies die höchsten bisher in einem Jännermonat verzeichneten Eingänge. Im letzten Jahresviertel 1933 gingen 58.172 Pfund gegen 45.480 Pfund im letzten Viertel 1932 ein. Wirtschaftsnachrichten aus Palästina Die Wirtschaftsstelle des Palästinaamtes meldet: Di© infolge der Einreiifieschwierigkeiten von vielen Fachleuten vorausgesagte Stagnation in Handel und Industrie ist erfreulicherweise nicht eingetreten. Die Nachrichten aus den einzelnen Industriezweigen lauten durchwegs günstig; lediglich in einigen Branchen ißt ein leichter Rückgang zu verzeichnen, der auf das Dumping seitens der großen Industriestaaten, hauptsächlich Japan, zurüokzuftlhren ist. Die Autarkiebestrebungen in Palästina, die durch die nationale Einstellung des kaufkräftigen Publikums unterstützt werden, schaffen immer wieder neue Industrien. So wurden unter anderen in letzter Zeit nicht nur eine modemst eingerichtete Waschanstalt, ein Auto-Service mit Hebebühne und eine neue Wäschefabrik geschaffen, sondern auch große Gründungen industrieller Natur stehen vor der unmittelbaren Inbetriebsetzung. In der Haifabai, dem großen zukünftigen Industriezentrum, wurden sowohl eine Marmorschleiferei und -Schneiderei als auch eine mit den modernsten technischen Errungenschaften ausgestattete Lichtkörper- 1'a.brik mit gleichzeitiger Chromisierungßuml Vcrnicklungsanlage errichtet. Die Holz* industrie ist durch eine Rohrmöbolfabrik, ein Unternehmen für Holzbearbeitung und eine Erzeugung für ßüroartikel und IIolzspiclwaron erweitert worden. Das Projekt zur Schaffung einer großen Eisfabrik mit ausgedehnten Kühlhäusern (Kapazität zirka 15 Tonnen täglich) steht vor der Vollendung. Auch der bisherige Mangel einer modernen Buchdruckurei und Buchbinderei ist durch dio Gründung eines derartigen Unternehmens beseitigt worden. Dies ist nur ein kurzer Auszug aus der Reihe der in Gründung befindlichen und bereite arbeitenden neuen Industrien, gibt aber Zeugnis dafür ab, daß dio industrielle Entwicklung des Landes sich nach wie vor in aufeteigender Linie bewegt. KJNOPROGRAMMEDERWCCTK Leopoülstfldfer Volhshmo Telephon*IMli-O-aB Vom 13 bis 16. Mürz, mit Renale H:Ter ii. Wochentags '/A VA ’/itO Uhr, Sonn* u. Feiertags '/-.4 Uhr a»<» Hermann Mimlg

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