Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 335 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Seite 3 £ Nr. 335. - 13. März 1934 Oberrabblner Dr. Feucht wang über Me Broschüre des Pater Bangha Im Rahmen seiner beim letzten Freitag- Abendgottesdienste gehaltenen Rede hat der Oberrabbiner von Wien Dr. David Feuchtwang auch über die in der jüngst erschienenen Schrift „Klärung in der Judenfrage“ (Verlag Reinhold) enthaltene Abhandlung des Budapester Jesuitenpaters Bela Bangha gesprochen. An Hand der symbolischen Bedeutung des vor dreitausend Jahren als Wüstenheiligtum errichteten „Stiftszelt.es“ stellt Dr. Feuchtwang fest, daß die Grundgedanken und sittlichen. Lebensideale des jüdischen Volkes, versinnbildlicht in den heiligen Geräten des Stiftszeltes, auch in den beiden Heiligtümern Palästinas ihren symbolischen Ausdruck fanden. Diese Grundgedanken sind in allen Zeiten und Verhältnissen typisch und unabänderlich für die jüdische Gemeinschaft geblieben. Es sind die im Dekalog, im Pentateuch, in den Propheten, in den Überlieferungen der ältesten klassischen Lehren des Talmuds niedergelegten höchsten S i ttenlehren, die durchwegs denselben ethischen Grundcharakter aufweisen und für das Leben des Juden, der jüdischen Gemeinschaft, der Kultunneniscbheit b i s zum heutigen Tage richtunggebend und unübertroffen sind. Gerade die vielgelästerten und mißverstandenen Lehren der nachklassdschen Zeit, des sogenannten phadsäisch-rabbinischen Judentums seien, sagte der Redner, ein bewundernswerter Ausbau der biblischen und prophetischen Grundlehren und bildeten den Schutzwall für die Erhaltung des reinsten Monotheismus. Sie bewahrten die hohe Ethik des klassischen Zeitalters und verankerten die sittliche Grundauffassung der jüdischen Lehre in der kleinsten Handlung des jüdischen Alltags. Bela Bangha behauptet, daß seit der Entstehung des ,,Talmudjudentums‘*, das nun 2000 Jahre lang die jüdische Seele beherrsche, die jüdische Psyche, die jüdische Religion, die Moral und Lebensführung so verdorben habe, daß aus dieser Verdorbenheit alle Fehler des jüdischen Volkes zu erklären und alle Arten des Antisemitismus pi begreifen seien. Das jüdische Volk halbe durch die Abweisung der Heilslebre dier aus jhm entstandenen großen Tochterreligion und die Nichtannahime des Stifters derselben als den Gnaden- und Erlösungsbriinger das Heil verwirkt, deshalb der Judenhaß, deshalb gleichsam seine metaphysische Berechtigung. Nur durch die Annahme dieser neuen Lehre könne das Judentum geläutert und die Juden als vollwertig in die übrige Menschheit aufgenommen werden. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang besprach’ die Lehren des Stifters der christlichen Religion und der Evangelien, die den höchsten Gipfel der Sittlichkeit erreichen, die aber in dem Boden sowohl des Alten Testaments als aber auch des verschrienen rabbiniseben Judentums ihre Quellen und Wurzeln haben. Denn gerade zum Beispiel die Perlen der Evangelien, die „Bergpredigt“, das Vaterunser“, die Seligsprechung, sowie das Gebot der Nächstenliebe sind in wichtigsten Teilen n a c h b i b lisch e n, rabbinischen Ursprungs. Es sei eine schwere Verletzung geschichtlicher Tatsachen und eine durch nichts begründete schwere Kränkung des jüdischen Volkes, es zwar nicht aus rassischen, so doch aber auch aus sittlich -religiösen Gründen als eine Gefahr für die ganze Menschheitskultur hinzustellen. Fern liegt es dem jüdischen Volke und der jüdischen Religion, die Lehre der Tochterre-ligion zu verkleinern, es muß aber von dieser eine gleiche Beurteilung und Behandlung verlangen. Pater Bela Bangha glaube gewiß mit seiner Veröffentlichung sowohl dem Judentums als auch dem Christentume einen Dienst zu erweisen. Der Redner ist der Ansicht, daß er beides nicht erreicht habe. Er treffe, wenn er der jüdischen Religion den Puls der Ehre abschneide, die Tochter ebenso wie die Mutter, die Wurzel und den Stamm. Der Redner ist der Ansicht, daß diese Schrift „zur Klärung der Judenfrage“ keinen Beitrag geleistet, sondern nur neuerlich Verwirrung angeriohtet und den ungerechten Haß, der von so vielen Seiten gegen das schwer heimgesuchte Judentum ausgestreut wird, gemehrt zu haben. Unser aller Aufgabe müßte es sein, im Dienste des Vaterlandes alles zu vermeiden, was den Frieden und die Eintracht im Zusammenleben seiner Bürger in irgendeiner Weise stört. Der Redner schloß mit den dem Talmud entstammenden Worten, die das tägliche Morgen- und Abendgebet abschließen und ursprünglich für das erhabenste Gebet des jüdischen Neujahrstages bestimmt gewesen und auch in das Gedankengut des Evangeliums aufgenommen worden eind: „Wir hoffen, auf Dich, o Gott, baldigst die Herrlichkeit Deiner Macht zu sehen ..., die Welt zu gründen auf das Reich des Allmächtigen, so daß alle Menschen Deinen Namen anrufen..., alle Bewohner der Erde begreifen, daß Dir sich jedes Knie beugt und jede Zunge bei Dir schwört; daß alle übernehmen das Joch Deines Reiches, so daß Du allein herrschst immer und ewig; denn, Dein ist daß Reich; wie geschrieben steht: Am selbigen Tage wird Gott König sein über die ganze Welt, der Ewige wird einzig und sein Name einzig sein.“ Sonderverband der Zionisten-Revisionisten aufgelöst London, 7. März. Das Zionistische Zentralbüro meldet: Auf vielfache Anfragen sieht sich die Exekutive der Zionistischen Organisation veranlaßt, folgendes zu erklären: 1. Der Sonderverband der Zionisten- Revisionisten ist im Sinne des Urteils des zionistischen Ehrengerichts vom 5. Jänner 1933, sowie im Hinblick auf die tatsächliche Lage als aufgelöst und nichtexistierend zu betrachten. 2. Keine zionistische Gruppe, Partei oder Fraktion hat Anspruch darauf, als „Sonderverband der Zionisten-Revisionißten“ zu gelten oder sich alß solcher bezeichnen zu dürfen. 3. Die „Weltunion der Zionisten- Revisionisten“ ist bekanntlich eine außerhalb der Zionistischen Organisation stehende Körperschaft, die keinerlei rechtlichen Status in der Zionistischen Organisation besitzt. 4. Die Rechte von Zionisten mit revisionistischen oder ähnlichen Gesinnungen innerhalb der Zionistischen Organisation und ihrer Organe werden dadurch nicht berührt. Zu dieser Erklärung teilt das Pressebüro der Exekutive folgendes mit: Bekanntlich hat das Zionistische Aktionskomitee im Sommer 1932 einen „Sonderverband der Zionisten-Revisionisten“ innerhalb der Zionistischen Organisation anerkannt. Dieser Sonderverband, der angeblich eine selbständige Körperschaft sein sollte, die wohl mit der „Weltunion der Zionisten-Revisionisten“ verbunden, aber formell nicht identisch wäre, hatte in Wirklichkeit nie eine besondere und selbständige Existenz. Gleichzeitig mit der Anerkennung des Sonderverbandes und in engster Verbindung damit beschloß das Aktionskomitee eine Reihe von Bestimmungen über die zionistische Disziplin. Als kurz darauf die Konferenz der Zionisten-Revisionisten in Wien Beschlüsse faßte, die mit den Disziplinresolutionen des Aktionskomitees in Widerspruch standen, wurde der Sonderverband der Zionisten-Revisionisten v o r dem Ehrengericht der Zionistischen Organisation wegen Verletzung der Disziplin angeklagt, und in der Verhandlung vom 5. Jänner 1933 hat das Ehrengericht ein Urteil gefällt, mit welchem die Rechte des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten suspendiert und bei der Exekutive der Antrag gestellt wurde, diesen Sonderverband aufzulösen. Im Urteil wurde insbesondere auf die Schwere des Beschlusses der Weltunion wegen Einleitung einer Petitionsbewegung hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß die Verhängung der im Urteil vorgesehenen Konsequenzen von der weiteren Haltung der Revisionisten abhängen wird. Anläßlich der „Kattowitzer. Konferenz“ der Weltunion richtete die Exekutive an die Revisionisten die Aufforderung, ihre negative Haltung zur Zionistischen Organisation zu revidieren. Diese Aufforderung blieb wirkungslos. Als nach dieser Konferenz eine Spaltung unter den Zionisten-Revisionisten eintrat, beanspruchte jede der zwei Gruppen für sich das Recht, als der anerkannte Sonderverband, der nach wie vor nur eine Scheinexistenz führte, angesehen zu werden. Auf dem Kongreß in Prag ist neben der revisionistischen Fraktion mit 45 Delegierten eine Fraktion der demokratischen Revisionisten mit 7 Delegierten aufgetreten. Diese letztere Fraktion änderte gegen Schluß des Kongresses ihren Namen auf „Judenstaatspartei“ und erhob den Anspruch darauf, als der vom Aktionskomitee anerkannte „Sonderverband der Zionisten-Revisionisten“ betrachtet zu werden. Inzwischen hat die „Weltunion der Zionisten-Revisionisten“ — die sogenannte Petitionsbewegung proklamiert, eine Sonderaktion, die sich im flagranten Gegensatz zu den inzwischen vom 18. Zionisten-Kongreß bestätigten Beschlüssen betreffend zionistische Disziplin und die politischen Prärogativen der Exekutive befindet. Da alle diese Ereignisse in der Öffentlichkeit Verwirrung erzeugen, und in weiten Kreisen Unklarheit darüber herrscht, welchen Status eigentlich die Revisionisten verschiedener Färbung in der Zionistischen Organisation genießen, sah sidi die Exekutive veranlaßt, um dem chaotischen und anarchischen Zustande ein Ende zu bereiten, die formelle Auflösung des „Sonderverbandes“ auszusprechen und die gleichzeitig veröffentlichte Erklärung, die eigentlich nur den bestehenden Zustand feststellt, abzugeben. Die Zionistische Organisation gliedert sich in Landesverbände und Sonderverbände; da es jetzt keinen legal anerkannten „Sonderverband der Zionisten-Revisionisten“ gibt, so können einzelne Revisionisten, sofern sie sich den geltenden Beschlüssen fügen, nur durch Vermittlung der bestehenden Landesverbände der Zionistischen Organisation angeschlossen sein. Dasselbe bezieht sich auf die Mitglieder der „Ju d e n s t a a ts pa r t e i“, die keinen Sonderverband im Sinne des Statuts der Zionistischen Organisation bildet. Die Rechte von zionistischen Kongreßfraktionen auf Vertretung in gewissen Organen der Zionistischen Organisation werden dadurch nicht tangiert. Was erwarten wir vom Aktions• homtteet In dem unter diesem Titel in unserer letzten Nummer erschienenen Artikel war ein Absatz durch falsche Interpunktionen entstellt wiedergegeben. Der betreffende Absatz hat richtig zu lauten: „Schon vor dem Kongreß hat ein sehr namhafter Zionistenführer die Reform des Kongresses verlangt. Das war Arlosoroff, der damals darüber in der Prager ,Selbstwehr* schrieb. Der Verlauf des Prager Zionistenkongreeses war der beste Beweis für die Notwendigkeit einer Reform an Haupt und Gliedern.“ Humanitärer V«r»lB d»r L»wb»fB>r Iw Wien Sitz: 1., Kai 45, Tel. U 26-303 BILLIGE OSTER- D A I E 11 FAHRT NACH r V L E 11 Krakau—Lemberg—Stanlslau—Kolomea und Zwischenstationen, auch Warschau Abfahrt am 28. März, Rückfahrt am 9. und 22. April 1934. Paß und Visa gratis. Auskünfte und Anmeldungen: Pein. Ver- CD AMPflPfll “ Wien, 10., Rennweg 1 kehrsbüro „rnHHUUrUL. Tel. U 16-4-90 Dr. Leopoid Plaschhes — SO Jahre alt Am 13. März feiert der Präsident des Verbandes radikaler Zionisten in Wien, Rechtsanwalt Dr. Leopold Plaschkes, seinen 50. Geburtstag. In St. Pölten geboren, schloß sich Dr. Plaschkes schon als junger Gymnasiast gegen Ende der Neunziger Jahre dem Kreise der Herzl-Anhänger an. 1907 (kämpft er bereits bei der Kandidatur Dr. S c h a 1 i t s, ebenso 1911 bei der Kandidatur Strickers zum österreichischen Reichsrat. Als Obmann des zionistischen Volksvereines in der Leopoldstadt entfaltete er eine ausgedehnte Rechtsschutztätigkeit. Während des Weltkrieges widmete sich Dr. Plaschkes mit Hingabe der jüdischen Flüchtlingsfürsorge, leitete zusammen mit dem Regierungskommissär, dem gegenwärtigen Polizeidirektor Dr. S t e i n h ä u's 1, den Bahnhofsdienst und sorgte für die Flüchtlinge in jeder Beziehung. Im Mai 1919 zog Dr. Plaschkes als Vertreter der Jüdischnationalen in den Gemeinderat der Stadt Wien ein, dem er fast neun Jahre lang, in der letzten Zeit als einziger Vertreter der Wiener Judenschaft, angehörte. Hier führte Dr. Plaschkes einen schweren und oft auch erfolgreichen Kampf für die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Wiener jüdischen Bevölkerung, wobei ihm seine Sachkenntnis auf allen Gebieten" der Kommunalverwaltung zu statten kam. Dr. Plaschkes wirkte in der Nacbkriegszeit auch als Mitglied des Wiener Kultur? Vorstandes, dem er auch derzeit angehört« In der zionistischen Bewegung gehörte! Dr. Plaschkes ursprünglich den Allgemeinen Zdonistem an. Im Jahre 1925 trat er den! Radikalen Zionisten bei, deren Präsident; er ist. Dem Jubilar kamen aus Anlaß seines 50. Geburtstages aus allen Kreisen der zionistischen Bewegung, darunter auch seitens des Zionistischen Landeskomitees, Glück-; wünsche zu. Seine Freunde ehrten ihn durch einen Eonpfangsabend — unter den Anwesenden war auch Oberrabbiner Dr. Feuchtwang —, bei dem die Verdienste Doktor Plaschkes gefeiert wurden. Dr. jur. Victor, Ltd. (incorporated under Companies Ordinance, Tel ■ Aviv, Bvd. Rothschild 4, P. O. B. 914 Juristische und ökonomisclie Consultation llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Paß-Angelegenheiten — Kapital-Anlagen u. Verwaltung — Information Die polnischen Nationatdemohra• ten gegen Brith Trumpeldor Warschau, 9. März. Die nationaldemokratische Fraktion im polnischen Sejm hat an die Regierung eine Interpellation gerichtet, in der sie ihre Be? sorgnisse wegen der vom Brith Trumpeldor angekündigten Geländeübungen zum Ausdruck bringt. Die Interpellation bezieht sich auf Presseberichte, denen zufolge im Juli 1934 in der Nähe der unweit der rumänischen Grenze gelegenen Sommerfrische Zalesczyki große Geländeübungen uniformierter Betar-Abteilungen aus 15 Ländern, darunter auch aus Palästina, stattfinden sollen. In der Interpellation wird auch ein Bericht über die Einrichtung eines Instruktionskursus des Brith Trumpeldor bei Warschau zitiert. Schmidl-Mazzoth die Marke der Kenner