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Die Stimme · 1934-03-13 · Heft 335 (13.3.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 335 (13.3.1934)
Date
1934-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ÖIC STIMME Nr. 335. — 13. März 1934 lassen. Crömwell hat diesen vertriebenen Juden hat tiefe Spuren in England hinter- Jucleu die Tore Englands geöffnet. Heute ■würde England nicht England sein, wenn es nicht die verbannten Hugenotten und diu verbannten Juden aufgenoinmen hätte. Würde dieses Charakteristikum England genommen, was bliebe noch vom British Empire! Es ist nicht leicht, fuhr Chaniberlaiu fort, mit einem Deutschland zusammen zu arbeiten, das vorsätzlich eiue Politik verfolgt. die der Auffassung jedes Engländers, Amerikaners und Franzosen von Menschenimj Bürgerrechten ins Gesicht schlägt. Ich frage Deutschland: Wie kann es erwarten, einen gewissen Standard in der Schätzung der Nationen zu erlangen, wenn es innerhalb seiner eigenen Grenzen Menschen in Fesseln schlägt und die Nachkommen des alten Israel in Gefangenschaft schmachten läßt. Ich appelliere an Deutschland nicht allein im Interesse der Juden, sondern in seinem eigenen wohlverstandenen Interesse, von seiner Politik der Depossedierung und Hinausdrängung der Juden zu lassen. Ahmt Deutschland das Beispiel des historischen Spanien nach und drängt die Juden aus seinen Grenzen, so wird es ebenso verarmen, wie Spanien nach der Austreibung der Juden verarmte. Wir, die Nationen der Welt, würden Deutschland in seinen Forderungen nach Gleichberechtigung gern entgegenkommen, aber wie ist es möglich, mit einem Lande gleich zu gleich zu sprechen, welches seine eigenen Bürger nicht duldet und verdrängt? Zum Schluß appellierte Austen Ohamlberlain an die Juden, nicht den Mut zu verlieren, und schloß mit dem Ruf: ,,Die Besten in der Welt stehen auf Ihrer Seite und wollen Ihre Sache verfechten!“ James de Rothschild führte in seiner Ansprache aus: Ich fürchte, daß der Exodus der Juden aus Deutschland noch sehr lange an dauern wird. Es muß für die Ausgewanderten eine Zufluchtsstätte in Palästina gefunden werden. Dies ist durchaus möglich, wenn auch Palästina klein ist. Man denke an Manhattan und Middlesex', wo auf einem kleinen Territorium eine riesige Bevölkerung lebt; vor 40 Jahren noch hätte man dies nicht für möglich gehalten. Die europäischen Staaten sind an der Seßhaftmaohung der Juden in Palästina interessiert, England besonders, da ein. Viertel der gesamten Judenheit der Welt in englisch sprechenden Ländern lebt. Die Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina wird das jüdische Volk auch außerhalb Palästinas in eine Lage bringen, daß es den gleichen Status wie andere Völker einnimmt. Viscount Cedt of Chelwood sagte: Die Ereignisse im heutigen jüdischen Leben bestärken den jüdischen Anspruch. Hätten die Juden schon heute ein Nationalheim mit einer e i g e ti e n Regierung, sie würden geschützt sein, denn diese Regierung hätte ihre Interessen gewahrt. Für die deutsch-jüdischen Flüchtlinge, deren Zahl vermutlich noch wachsen wird, ist Palästina die einzige Hoffnung auf Hilfe. Josiah Wedgwood erklärte, Lord Ralfour habe, als er seine Deklaration über Schafiung des Jüdischen Nationalheims an Baron Rothschild . richtete, das Unrecht, das die Welt an den Juden begangen hat, wieder gutmacken wollen. Prof. Selig Brodetsky führte aus: Hätte man von England Stabilität im Fortschritt und einigenden Patriotismus gelernt, man hätte weit mehr in Palästina erreichen können als man tatsächlich erreicht hat. Englands Wunsch, in Palästina ein Gleichgewicht zwischen Juden und Arabern zu halten, ist auch uns Juden verständlich, aber bei der Regelung der jiddischen Einwanderung müsse doch die große Not des jüdischen Volkes überall entscheidend bertlcksichtgt werden. Lord M e 1 c h e t„t erinnerte an die großen dienste, die die Juden England geleistet haben und an England entscheidenden Beitrag zur Lösung der Judenfrage durch Vorkümligungg der Balfour-Deklaratiion. An dem heutigen Abend, schloß Molchett,. ißt viel für Palästina getan worden. Mr einer England eine große V o t a ti t w o rt u n g gegenüber den Juden auf sich genommen bat; diese Verantwortung, schloß sie, hat sich jetzt, n a e h D e u t s c h 1 a n d ß Sclbstausechluß aus der zivilisierten Welt gesteigert. Gegen die Verleumdung der jüdischen Schulärzte in Österreich Eine Abordnung der Vereinigung jüdischer Arzte mit ihrem Vorsitzenden, dem bekannten Wiener Internisten Prof. Ludwig B r au n, an der Spitze, sprach beim Preseereferenten der Polizei vor und erhob Protest dagegen, daß ungeheuerliche Beschuldigungen gegen die jüdischen Schulärzte, wie sie die Mittagsausgabe des „Österreichischen Beobachters“ (siehe „Stimme“ vom 9. ds.) erhoben hat, unbeanstandet verbreitet werden dürfen. Die Vereinigung bereitet Schritte beim Präsidenten des Landesgerichtes sowie bei der Regierung vor, um die Ehre der jüdischen Ärzte vor ungerechten Verleumdungen und Beschuldigungen zu schützen. Protest der jüdischen Ärzte Die jüdischen Ärzte waren und sind erfüllt von dem Bestreben, die Ethik ihres Standes hochzuhalten und ihr Bestes den Kranken zu geben, und zwar ohne Ansehung von Person, Herkunft und Gesinnung. Die jüdischen Ärzte Wiens bekennen sich in überzeugter Treue zu ihrem Vaterlande Österreich und haben keinen sehnlicheren Wunsch, als mit Einsatz aller ihrer Kräfte für diejenigen wirken zu dürfen, deren Leben durch eine Erkrankung bedroht ist. Die Vereinigung jüdischer Ärzte in Wien hat am 8. ds. nachstehende Entschließung gefaßt: Vor wenigen Tagen veröffentlichten zwei Wiener Zeitungen einerseits u n r i c h-. tige und tendenziös entstellte Behauptungen über den zahlenmäßigen- Anteil der Juden an der Gesamtärzteschaft, anderseits Beschimpfungen umd Verdächtigungen aller jüdischen Ärzte. Den jüdischen Schulärzten werden lüsterne Motive bei der Ausübung ihres Dienstes unterschoben und die jüdischen Ärzte insgesamt beschuldigt, systematisch in verbrecherischer Weise auf eine Entvölkerung unseres Vaterlandes hinzuarbeiten. Diese Anwürfe zwingen uns, aus unserer Reserve hervorzutreten und unsere Ehre zu verteidigen. Wir werden die Verleumder vor dem zuständigen Forum zur Verantwortung ziehen. Vor aller Öffentlichkeit aber weisen wir die erhobenen Beschuldigungen und Verdächtigungen mit Entrüstung zurück. Von der Jüdischen Volhspartei Österreichs Zur Volkszählung März 1934 Die Leitung der Volkspartei ersucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung: In nächster Zeit wird in Österreich die allgemeine Volkszählung mit dem 22. März als Stichtag durchgeführt werden. Die Fragebogen, welche von den Parteien auszufüllen sind, enthalten lediglich die Frage nach der sprachlichen Zugehörigkeit, nicht aber nach der Volkszugehörigkeit. Die Leitung der Jüdischen Volkspartei stellt mit Bedauern fest, daß hiedurch jenen Juden, die sich der jüdischen Nation zugehörig fühlen, die Möglichkeit genommen’ ist, sich aus Anlaß der Volkszählung au ihrer Nation zu bekennen.' Anderseits muß die Leitung der Jüdischen Volkspartei davor warnen, durch unzutreffende Ausfüllung irgend einer Rubrik — etwa der Rubrik „sprachliche Zugehörigkeit“1 oder durch im Fragebogen nicht vorgesehene Zusätze — die nationale Zugehörigkeit zum Ausdruck bringen zu wollen. Das öind untaugliche Mittel. Falsche Angaben sind strafbar und zusätzliche, im Fragebogen nicht vorgesehenen Angaben bleiben unberücksichtigt. Es ist unumgängliche Pflicht, dio von der Behörde gestellten Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. r Versammlung der jüdischen Volhspartei D u g d a 1 e beschloß den Abend mit In einer von der Jüdischen Volkßpartei Ansprache in der eie. betonjte2 diaö | einberufenen Versammlung sprach Oberbau ~ Die Zion. Sektion Prater beglückwünscht den beliebten Zionistenführer Herrn Drt Leopold Plaschkes zu seinem 50. Geburtstage rat Stricker über dio Lage der Juden in Österreich. Er sagte u. a.: Wir gehen harten Zeiten entgegen; wir dürfen uns keinen Elisionen Eingehen. Die bisherige jüdische Politik war insofern fehlerhaft, als man glaubte, daß derjenige, der gerade an der Macht war, immer an der Macht bleiben werde, östereioh ist nicht nur der Schlüssel der Weltpolitik, sondern auch ein Schlüssel der Judenpolitik. Das Schicksal der gesamten Judenheit wird nicht unwesentlich beeinflußt durch das Schicksal der österreichischen Juden. „Die österreichische Regierung werde nicht vergebens an uns appellieren, wenn es gilt, alle Kräfte daranzueetzen, um den schweigeprüften Staat wieder vorwärts zu bringen. Das ist unser Staat genau so, wie eT der Staat der anderen ißt. Aber man muß uns die Möglichkeit eines ehrbaren und.anständigen Lebens geben. Wir können, müssen und dürfen die Forderung erheben, daß in diesem deutschchristlichen Staate der jüdische Bürger volles und gleiches Recht, das Recht auf Leben und das Recht auf eine Existenz hat, so lange er seine Pflichten gegenüber diesem Staate erfüllt.“ Die antijüdische Volksvergiftung Das Organ der „Ostmärkiechen Sturmscharen“, einer christlichßOzialen Wehrformation, enthält am 11. d. die folgenden Äußerungen: „In dankenswerter Weise haben im Intereffe der erwerbenden Stände und ihrer Angestellten die ,Os»tmärkischen Sturmscharen*, diese wahrhaft bewährte Eraeuerungsbewegung,. die Frage der röten Wiener Einbürgerungen 'aufgerollt. / Nun, da ein Richard, Schmitz' als Regierungskommissär für Wien eingestzt ist, darf eine Bereinignug erwartet werden. Eine weitere, nicht minder wichtige Aufgabe fällt dein Bundesminister für Handel, Stockinger, zu: in seiner Hand liegen die Gewerberechtsfragen. Eine Mindestforderung, wäre nun die, daß die Ansuchen, um Aufnahme von der Sperre des Antrittes von Gewerben nicht mir nach juridischen, sondern auch nach staatspolitischen Gesichtspunkten gehandhabt werden. Bedenkt man, daß — allgemein gesprochen — die Genossenschaften ein entscheidendes Wort zu reden haben (,auf Antrag einer Genossenschaft kann das Bundesministerium für Handel... Ausnahmen von der Sperre bewilligen*, § 4 der Verordnung vom 25. April 1933), so wird klar, daß so und so vielen rot durchsetzten Genosesnsebaften ein, wenn auch nicht rechtlich, so doch praktisch begründetes Vorschlagsrecht gegeben würde. Hier muß verlangt werden, und so ein trefflicher Sachwalter des bodenständigen Gewerbes wie Minister Stockinger wird gewiß gern zustimmen, daß Ansuchen von Personen, die nach 1918 die österreichische Staatsbürgerschaft erwarben, nur in besonders triftigen Fällen bejahend erledigt werden. Da die Bewilligung einer Ausnahme immerhin eine Ermessungsfrage des Bundesministpriumß für Handel darstellt, genügte also vorläufig (das heißt bis Ende April) eine intqrne Woisung dos Handelsministers. Daß in die neue Gewerbeordnung ähnliche Bestimmungen eingebaut worden, erscheint selbstverständlich. Das bodenständige Gewerbe hat ein Rocht, geschützt zu werden: es hat die Lasten der schweren : Jahre getragen, es verdient Schutz, damit es nicht — und mit ihm die Angestelltenschaft — um dio Früchte der besseren Zukunft gebracht werde.“ ' Hier wird eine nicht einmal getarnte Aufforderung an Staatsfunktionäre gerichtet, Gesetz und Verfassung listig zu umgehen und außerdem erworbene Rechte zu brechen. Solcho Äußerungen bleiben natürlich nicht auf Österreich beschränkt, sondora dringen ins Ausland, und man klage dann nicht über „Greitelnaohrichton“. Regierungserklärung im rumänischen Senat Belm Abschluß der Debatte über die Thronrede im rumänischen Senat erklärte Minister L a p e d a t n, man hätte vielfach in der Thronrede die Erwähnung der Minoritätenfrage vermißt. Mit Unrecht. Die Stellung der Regierungspartei zu dieser Frage sei hinreichend bekannt: „R u m ä n i e n kennt nur Bürger gleicher Rechte und gleicher Pflichte n.“ Wenn nun die Verfassung, fuhr der Minister fort, nur Bürger gleichen Rechtes anerkannt, wie könne man dann mit Ausnahmegesetzen gegen die Juden kommen? Man kann dies um so weniger, als die Juden, besonders die in Altrumänien, in ihrer Mehrheit sich eins fühlen mit dem rumänischen Volk. Bilden aber die Juden eine Minorität, so gelten auch für sie die Bestimmungen, die z u ni S c h u t z e d e r nationalen Minderheiten in den Friedensverträgen statuiert sind. Lloyd George und die Hitlerei Es vergeht fast keine Woche, in der nicht Lloyd Georgo dem nationalsozialistischen Regime seine Reverenz erweist. „Es ist nicht so arg“, sagt er, „es stabilisiert sich, es konsolidiert sich, cs mordet auch keine Juden mehr, es ist die stürmische hoffnungsfrohe Jugend.“ Was man halt so schreibt, wenn man weit von der Sache ist und sie mit den gütigen Augen des Alters ansieht. Vielleicht ist es aber gut, einmal vorzuführen, was der Nationalsozialismus über Lloyd George zu sagen weiß. Da finden; wir in Alfred Rosenborgs Schrift „Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik“ (15. Tausend, Deutscher Volksverlag, Dr. E. Boepple, München) auf Seite 78 die folgende hübsche Auslassung: „Lloyd Georges ^„staatsmännische“ Laufbahn ist gekennzeichnet durch die Schiebung mit den Marconi-Aktien, dio er mit seinem „Freundo“-. R'ufus-Isaaos (Lord Rcading) zusammen durpbgeftthrb hatto... Da diese Skandalaffäre durch unsere gesamte Presse aber unterschlagen wird und in keinem Lexikon zu finden ist, sei eie kurz erzählt. Das Recht auf Verwertung der Marco«* nischen Erfindung befand sich 1911 in der Hand einer fast ganz ruinierten amerikanischen Gesellschaft. Der Hebräer Godfrey Isaacs, Leiter der englischen Filiale dieser Gesellschaft, erhielt laut Kontrakt vom 19. Juni 1912‘von der britischen Regierung das Monopol für drahtlose Telegraphie im Hoheitsboreiche Englands. Er gründete darauf eine neue Gesellschaft. Dieser Isaacs hatte zwei Brüder, Harry, einen Frucht- und Gemüsehändler, und Rufus, den Rechtsanwalt und Mitglied im Justizministerium, Nachdem der Justiz«* minister sieh von den Juden hatte vor«* leiten lassen, an der neuen Aktienspekulation teilzunehmen, wurde auch der Finanzministor bestochen. Dies aber war Mister Lloyd Georgo. Er hatto damals noch kein Geld, der gute Walliser, „bekam“ aber für die ministerielle Unterstützung von Rufus Isaacs, 1000 Aktion. Und half ihm. Jotzt ist Rufus Isaacs Vizelcönig von Indien. Beide Patrone erklärten ßpätor ehrenwörtlich, sio hätton nichts mit der Marconi-Cosellschaft zu tun. Sie meinten aber damit dio amerikanische. Nachdem Lloyd Georgo aber seine Weste beschmutzt hatto, war or an die Hebräer gebundon. Ihnen wurde England während des Krieges ausgeliofert: Siehe' Balfour- Doklaration.“ Der Schreiber Ist, wio gesagt, Alfred Roseuberg, der Leiter des außenpolitischen Amtes der nationalsozialistischen Bewegung, also eino für dio Weltorlöser autoritative Person. Lloyd George mag seino Biographie näcbleden... Zu Ostern nach Polen und Czernowitz mit der „Gzernowilzer AÜgem. Zeitung“. Ab Wien 28. März, 8’go Uhr - An Wien 16. AprU, 8 LJhr. Auskünfte u. Prospekte beim Reiseleiter der „C. A. Z.-, 1., Schuleratr. 1. („Der Tag“), Tel. R *1-6-78

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