Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 335 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Prel« Sieter Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG AUS DEM INHALT: Mandat gegen das jüdische Werk Chaimhertain und Cedi für die jüdischen Forderungen Landesverband der zionistischen Revisionisten aufgelöst Lloyd George gegen die Hitlerei Ein toller Tag in Tel-Avlv Prozeß gegen den Hitlerismus in New York Predigt Oberrabbiner Dr. Feucht• wangs Nr. 335 j Wien, 13. März 1934 | Redaktion und Administration; Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86. RedaktlonsschluS Montag und Mittwoch vorm. I (26. Adar 5694) j 7- Jahrgang Mandat gegen das jüdische Werk Palästina hat heute eine ganz andere Bedeutung für das jüdische Volk. Durch die Hypertrophie der antijüdischen Strömung ist einerseits die Wahrheit der zionistischen Lehre ins hellste Licht gerückt worden, anderseits ist Palästina mehr als früher das Zentrum einer tiefgläubigen Hoffnung geworden. Die jüdische Gesamtheit sieht heute mit ganz anderen Empfindungen auf dieses kleine Land, für ungezählte Tausende junger Menschen ist es zum Lebensinhalt, zum seelischen Anker geworden. Die einzige Art von Eigenpolitik, die das Judentum heute betreiben kann, hat Palästina zum Mittelpunkt und an alles, was dort geschieht, knüpft sich das leidenschaftlichste Interesse des Judentums, und es ist nur selbstverständlich, daß man sich allenthalben erster Linie mit der politischen Stellung des Landes beschäftigt. Was England als Mandätsmacht tut oder vielmehr nicht tut, das hält alles in Spannung und dies um sö niöhr, als der Garant des Mandats, der Völkerbund, auch auf diesem Gebiet versagt. Balfour hat einmal -— lang, lang ist’s her — von dem ältesten Unrecht gesprochen, das gutzumachen ist. Balfour ist gestorben und seither ist die ethische Absicht, wenn sie überhaupt je bestanden hat, vollends geschwunden. In der englischen Anschauung ist der Charakter des Mandats, seine Geltung als ein unter der Ägyde des Völkerbundes stillschweigend abgeschlossener Vertrauensvertrag, in ein reines Kolonisationsverhältnis umgeformt worden. Palästina war England zu treuen Händen übergeben worden, nicht als Eigentum, sondern als das “Hationalheim der Juden. Heute muß jeder Unbefangene Palästina als britischen Besitz ansehen, der unter ausgesprochen antijüdischen Gesichtspunkten verwaltet wird. Von Anfangan ist England in Palästina der Juden wegen, aber vom Anfang an ist der Sinn des Mandats umgewandelt worden. Nach Legionen zählen die Erklärungen und Versicherungen englischer Minister und Funktionäre, ebensooft ist die Ehre des britischen Volkes eingesetzt worden, aber ununterbrochen ist an dem Mandat genagt worden, bis es zu dem heutigen Schattendasein degradiert wurde. Fast würde der zur Verfügung stehende Raum nicht ausreichen, um all die Akte der Rücksichtslosigkeit und der Aufopferung jüdischer Lebensinteressen aufzuzählen, die von allen Oberkommissären von Samuel bis Whauchope begangen worden sind. Der britische Kolonialbeamte ist nur im Rahmen seiner Befugnisse frei; in den großen Linien befolgt er genau die geschriebenen und noch genauer die ungeschriebenen Instruktionen seiner Regierung. Wenn der britische Oberkommissär in Jerusalem so und nicht anders handelt, so hält er sich an die Londoner Richtlinien; sind sie antijüdisch, so ist es auch der Mann in Palästina. Aber es ist nur der Mangel da, daß er nicht britischer Funktionär ist, sondern im übertragenen Wirkungskreis Funktionär des Völkerbundes, und daß sein Gehalt nicht von dem so berühmten tax payer bezahlt wird, sondern von dem jüdischen Erwerbsmann oder Arbeiter. Denn in Wirklichkeit trägt in Palästina nur die jüdische Arbeit das Budget. Sie bezahlt die Beamten, die die jüdische Einwanderung lähmen, die arabische Polizei, das Grenzkorps, in dem es. augenscheinlich — in Palästina! — einen Numerus clausus für Juden gibt. Die jüdische Einwanderung wird nach einem von England diktierten Verhältnis „geregelt“, wobei es fraglich ist, ob eine jüdische Einwanderung überhaupt jemals illegal sein kann. Wer hat das Gesetz geschaffen, wann hat die Jewish Agency zugestimmt? Aber die arabische Einwanderung, die letzten Endes dazu dient, die ziffernmäßige Relation zu halten, wird nicht kontrolliert. Und aus Transjordanien, das nach Gutdünken Englands, wenn es ihm so paßt, einmal Teil des Mandatsgebietes ist — so vor allem vor dem Völkerbund — das nächstemal wieder nicht, kommen Nachrichten über ein mit den jüdischen Steuergeldern aus Palästina betriebenes Aufpäppeln einer arabischen Treibhauskultur und auch im Land des jüdischen Nationalheims gibt England den arabischen Interessen immer den Vortritt. England bestellt sich „antienglische“ Demonstrationen, England betreibt eine klare und offene Hitler-Politik. Ihm sind die Juden eine lästige Beigabe zu der strategischen Deckung der Straße nach Indien. Es sind sicherlich von jüdischer Seite schwere politische Fehler gemacht worden. Es ist ein zionistischer Defaitismus erzeugt worden. Der Zionismus als politisch-nationale Bewegung wurde herabgedrückt, aber das alte rechtfertigt nicht die Handlungsweile-Englands, die von'einer Sabotage des Mandats nicht mehr weit entfernt -ist. Empfindet England seine Verpflichtung als drückend, so kann es das Mandat zurücklegen. Es gibt noch Staaten, denen die Dankbarkeit des Siebzehnmillionenvolkes eine wertvolle Errungenschaft darstellt. Aber England müßte, wenn es die Juden so empfindet, dies offen und ehrlich eagen. Es hat aber kein Recht dazu, dem jüdischen Volk den letzten Weg in seine Freiheit zu verlegen. Für die Dauer ist dies auch ein untaugliches Mittel. Denn das Judentum ist heute trotz aller Schikanen, in Palästina festgewurzelt, und es ist schon in der Lage, vor dem Völkerbund zu treten und seine Mündigerklärung zu fordern. Dazu braucht es nur eine straffe, zielbewußte politische Führung — die es nicht hat — und die innere Einigung, die unmöglich ist, so lange wir selbst die Einwanderung in Palästina nach Parteigesichtspunkten vollziehen, ßö lange also in Palästina nicht Juden einwandern, sondern Sozialisten, Revisionisten und andere -isten, die dann ihre Parteikämpfe rücksichtslos austragen. Und so lange dieser Zustand, der schon an Hochverrat grenzt, besteht, kann der englische Mandarin schalten und walten, wie es ihm sein antijüdisches Herz eingibt. ‘ JI Prozeß gegen den Hitlerismus" in New York Rasiere dich gut und billig Qsterreicliisclies Qualltflts- Fobrlkat SAKS Ueberall erhältlich New York, 8. März. Weit mehr als 20.000 Personen wohnten am 7. März dem im Madison Square Garden vom American Jewish Congress arrangierten „P r 0 z e ß der Z i v i 1 i s a t i 0 n ge g e n den H i 11 e r i s m u s“ bei und folgten gespannt den unter dem Vorsitz des früheren Staatssekretärs Bainbridge C 0 1 b y geführten Verhandlungen. Ale Ankläger gegen den Hitlerismus traten Persönlichkeiten wie der Gewerkschaftsführer William Green, der Bürgermeister von New York La Guard i a, der frühere Gouverneur von New York und Präsidentschaftskandidat Al Smith, der Chefredakteur des „Jewish Daily Forward“ Ab C a h a n, der Ehrenpräsident des American Jewish Congress Rabbi Dr. Stephen S. W i s e und der Präsident Bernard Deutsch, die Senatoren M i 11 a r d und T y d i n g s auf. Von verschiedenen Gesichtspunkten beleuchteten die Redner Wesen und Wirkung des Nationalsozialismus und die Taten seiner Führer. Der Reformator des amerikanischen Rechtswesens Samuel S e ab u r y faßte die Ausführungen aller Redner zusammen und kam zu dern Schluß, daß der Hitlerismus eine Attacke gegen die menschliche Zivilisation und einen Rückfall in die Barbarei bedeutet. Der deutsche Gesandte und frühere Reichskanzler Dr. Hans L u t h e r, der eingeladen wurde, den Hitlerismus zu verteidigen, wobei ihm zugesichert wurde, daß er respektvoll angehört werden wird, hat auf das Einladungsschreiben keine Antwort erteilt. Das Urteil Die Versammlung schloß mit der Fällung des Urteile: Hitler sei der größte Tyrann aller Zeiten und habe sich als der erklärte Feind von Fortschritt, Frieden und Freiheit die Achtung, seitens aller zivilisierter Menschen verdient. Protest des deutschen Botschafters Der deutsche Botschafter Doktor Hans Luther hat beim State Department Vorstellungen wegen des Beschlusses der Versammlung gegen Hitler erhoben, wobei er darauf hin wies, daß der jetzt amtierende Bürgermeister von New York als Redner auftrat. Vom State Department wurde erwidert, es bestünde keine Möglichkeit zum Einschreiten. Noch vor der Kundgebung hat Dr. Luther versucht, ein Verbot der Versammlung zu erwirken. Es wurde ihm entgegnet, es würde' dies gegen die amerikanische Tradition der Redefreiheit verstoßen. Austen Chamberlam und Lord Cecfl für die jüdisdien Forderungen' London, 11. März.1 Das Jahresdinner des Anglo-Palestine Club, das unter Vorsitz von Baron James .de-.Rothschild in London abgehalten wurde, verlief diesmal außerordentlich eindrucksvoll. Hauptthemen des Abends waren das Jüdische Nationalheim in Palästina und die Behandlung der Juden in Deutschland. Sämtliche Redner, Persönlichkeiten wie Sir Austen Chamberlain, Viscount C e c i 1 of Chelwood, Sir Herbert Samuel, James de Rothschild, Lord M e 1 c h e 11, Unterhausmitglied Josiah Wedgwood, Prof. Dr. Selig Brodetsky und die Nichte Lord Balföurs Mrs. Dugdale brandmarkten die Entrechtung und Verfolgung der Juden im heutigen Deutschland und wiesen auf Palästina als das Land der jüdischen Hoffnung hin. Die Rede Chamberlains Der konservative Führer Sir Austen Chamberlain, dankte James de Rothschild und Sir Herbert Samuel dafür, daß sie daran erinnerten, daß sein Vater, Joseph Chamberlain, im Jahre 1903 als Premierminister des British Empire, dem Schöpfer des modernen Zionismus Dr. Theodor H e r z l ein Land in Afrika, Uganda, als Territorium für einen jüdischen Staat angeboten hat. Heute denkt man nicht mehr an Uganda, das wahre nationale Heim für das jiidiseho Volk, für das jüdische Herz, ist Palästina. in diesem Lande erwächst der englischen Regierung eine sehr delikate Aufgabe: die Interessen der beiden das Land bewohnenden Völkerteile, Juden und Araber, miteinander auszubehuicieren. Diese Schwierigkeiten werden mit der Zeit gewiß überwunden werden. England würde ärmer sein, wenn die Liebe der Juden zu ihrer geistgen Heimat ihre Liebe zu England beeinträchtigen würde. Oliver C r 0 m w e 11 s Willkomm an die aus ihren Heimatländern vertriebenen spanischen,und portugiesischen I an decSchiuedenbeiicke _ I H||fdjejßasÜätkfij^A