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Die Stimme · 1934-03-09 · Heft 334 (9.3.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 334 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Nr. 834. — 9. März 1934 DIE STIMME Seit« 8 rivnij K NI JUNIS«: FRAUENBEILAGE DER „STIMME“ 'KAU l!i]!l!l!!!!ill!llllll!ll!ll!lll FRilTAC, 9. MARZ 1934 (29. ADAR) 2. JAHRGANG / i|I!!IIIII!I!IIIII!I!!!IIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIII|||IIIIIIIIIIIIIII!IIIIII!IIIIIIIII!IIIIIIIII!IIIIIII!I II., Seb.-Kneippaasse 3 Tel. R 34-S-33 liefert die besten Palästina-Weine von der bekannten Firma S. Friedrnann & Sohn, Haifa, Petach Tikwah *o'iö epr am nrmn nnn Auch österr. und ungarische Weine einzig und allein unter obiger Aufsicht. Hauptniederlage boi der Firma Nathan Brodetzky, II., Leopoldsgasse 43, sowie in anderen besseren Geschäften WCXXSOOCXXSOOOSOOCOOCXSCCOOOCXX»* Schicksalsgemeinschaft zwischen den Frauen und dem Judentum Aus Bern wird uns berichtet: Im Berner „Bund“ Nr. 69 wird der Bericht über einen Vortrag von Frau Doktor Hedwig A n n e 1 e r veröffentlicht, den sie kürzlich im Konferenzsaal der Französischen Kirche hielt. Es heißt da u. a.: Die Geschichte der Juden ist Leidensgeschichte. Beispiellos ohnegleichen, grausam und erschütternd sind die Verfolgungen, die das jüdische Volk seit mehr als zwei Jahrtausenden erleidet. Trotzdem zählt es heute, in alle Welt verstreut, schätzungsweise 17 Millionen Seelen. Denn ebenso außergewöhnlich wie seine Prüfungen ist seine innere Kraft und sein Gefühl der Zusammen gehürigkeit. Weil sich seit einom Jahr ein neues Kapitel Judengeschichte eröffnet, besteht in weiten Volkskreisen das Bedürfnis, Näheres über die Schicksale dieses Volkes zu erfahren, das uns den Begriff des allmächtigen Schöpfers des Himmels und der Erde geschenkt bat. Das bewies der überfüllte Konferenzsaal der Französischen Kirche vom lotzten Mittwoch zum Vortrag von Frau Dr. Hedwig Anneler. Seltsamerweise besteht zwischen dem Schicksal der Judeu und der Frauen eine auffallende Verkettung. Zeiten größter Judenverfolgungen treffen sich immer mit dem Zurückdrängen der Frau in ihren Rechten und Erwerbsansprüchen. So bis zum heutigen Tag. Denn die Judenfra ist mit allgemeiner Geistesfreiheit eng verknüpft. Die Verfolgung der Juden und die Demütigung der Frauen flössen nachweisbar sogar aus den gleichen Quellen. Zwei Beispiele: Die Kirchensynoden Frankreichs, die im Mittelalter mit Feuer und Schwert gegen die Juden kämpften, verwiesen auch dio Frauen aus dem Kirchendienst. Von Köln aus wurde der Talmud verboten, und hier ist der „Hexenhammer“ ausgegeben worden, jene Schrift, die das weibliche Geschlecht des Bundes mit dem Teufel bezichtigte und während Jahrhunderten "Tausende von Frauen auf don Scheiterhaufen brachte. (Ein drittes Beispiel liefert, uns augenblicklich Deutschland.) Wio die Hexen verbrennung von der Kirche ausging, erlitten die Juden ihre schwersten Unterdrückungen durch dio Christen. Zwar geht die Judenverfolgung schon auf dio Jahre 500 v. Chr. zurück. Im Jahr 70 dann wurdo ihr Tompcl zerstört, Jerusalem vernichtet, 900.000 Juden als Sklaven verkauft und in dor Arena geopfert. Abor noch Schlimmeres folgte. Lichtblicke in dor Kette dieses beständigen Verjagens und Untordriickens bilden heute Amerika und die großangelegten jüdischen Besitzerwerbungen in Palästina. Ob aber die letzteren wirklich zu oitiom endgültigen lloiinatland dos „ewigen Juden“ führen? f. a. Dr. Jakob Rosenthal: JlüiU v<H* d&c töotya Kürzlich ging durch die jüdische Presse die Nachricht, daß polnische Karäcr, die zum Judentum übergetreten waren, im Warschauer Palästinaamt erschienen sind, um die Einreiseerlaubnis nach Palästina zu erbitten. Diese Erscheinung ist in Osteuropa keine Seltenheit. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die nachfolgende Betrachtung über die vom russischen Christentum zum Judentum übergetretene und zur Sängerin der hebräischen Dichtkunst sich emporgeschwungene Elisawetta Iwanowna, oder, wie sie jetzt heißt, Elischewa, an Aktualität. Aber auch ein anderer Anlaß sei hier angeführt: Das tragische Schicksal Elischewas. Vor zwei Jahren etwa unternahm die Dichterin Elischewa eine hebräische Vortragsreise durch Europa, wo sie durch ihr bescheidenes und sympathisches Auftreten überaus herzliche Aufnahme in hebräisch-literarischen, aber auch in nichtjüdischen literarischen Kreisen fand. Vor einiger Zeit nun hörte man, daß sie, die mit ihrem Mann, einem bekannten Hebräer, und ihrem sechsjährigen Kind in Bukarest weilte, von einem harten Schlag ereilt wurde. Ihr Mann starb nach einer kurzen Krankheit. Elischewa blieb mit ihrem Kinde in großer Not in fremdem Lande zurück. Seither ist es um sie ganz still geworden. „Dein Gott ist mein Gott. Dein Volk ist das meine.“ (Aus dem Buche „R u t h“.) In der bedeutendsten hebräischen Zeitschrift „Hatekufa“ (Die Jahreszeit), begegnete man ihr, der russisch-hebräischen Dichterin Elischewa, zum ersten Male. Es war dies vor ungefähr 14 Jahren. Die zarten, kleinen Lieder, die da ein fremder Vogel sehnsüchtig nach einer neuen Heimat sang, bedeuteten eine große Sensation. Denn unter dem klangvoll jüdischen Namen verbarg sich eine junge Russin, namens Eli s a w e 11 a \ w a n o w na Zirkowa, die Tochter eines russischen, griechisch-katholischen Volksschullehrers aus dem Städtchen R i a z a n im Wolgagebiet. Was hatte nun diese Slavin veranlaßt, das freie Leben ihrer russischen Heimat und Gemeinschaft mit dem eines noch immer gehaßten, fremden Volkes zu vertauschen? „Zwei Seelen besitze ich“ — schreibt die junge Russin einmal an einen ihrer Freunde —, „oine russische und eine jüdische, die jüdische beherrscht mich immer mehr.“ Und das ist das einmalige Phänomen Elischewas. Die russische Christin, die die ungeheuren Schwierigkeiten der Erlernung der hebräischen Sprache, des Sicheinftthlens, Sichvertiefens in die fremde, hebräische Kultur überwindet, um ihre dichterische Kunst der hebräischen Literatur zu widmen, ihr Schicksal an das eines fremden Volkes zu knüpfen. Im Rußland von gestern und vorgestern kam es öfters vor, daß russische Bauern die jüdische Religion annahmen und zum Judentum iibertraten. Sie wurden von den Juden als „Gerim“ (Fremde) bezeichnet und erhielten den Namen des jüdischen Stammvaters Abraham. Dieso Neu-Judcn waren von einer rührenden Frömmigkeit und mit einer besonderen Treue der selbstgewählten, neuen Volksgemeinschaft ergeben. So trat bekanntlich im achten Jahrhundert sogar ein ganzer Stamm an der Wolga, das Volk der Chasaren, zum Judentum über, welcher sich einige Jahrhunderte später über ganz Europa zerstreute. Das Schicksal des jüdischen Volkes, insbesondere das Ideal dor jüdischen Renaissance, übten auf Elisawetta den tiefsten Eindruck aus, revolutionierten ihre russische Seele. * Elischewa, oder, wie sie ursprünglich hieß, Elisawetta Iwanowna Zirkowa, absolvierte gleich vielen anderen jungen Russiucn, das russische Gymnasium in Moskau. Im Jahre 1910 beendete sie ihro Studien. Während der Gymnasialzeit lernte sie durch eine jüdische Kollegin das jüdische Leben einigermaßen kennen. Da sie die deutsche Sprache beherrschte, fiel es ihr nicht schwor, die jiddische zu erlernen. Und so beginnt sie bald dio Werke jiddischer i Schriftsteller, wie Asch und Nomberg, lesen. Ihr immer regeres Interesse für alles, was jüdisch ist, die hebräischen Ausdrücke, auf die sie bei der Lektüre der jiddischen Bücher stieß, erwecken in ihr den Wunsch, die hebräische Sprache selbst zu erlernen. Sie verschafft sich eine Grammatik, studiert sie eitrigst und besucht schließlich zwei Jahre hindurch die hebräischen Abendkurse in Moskau. Durch intensive Lektüre hebräischer Werke erweitert und vervollkommnet sie ihre Kenntnisse der ihr bis vor kurzem fremden Sprache. Und schon in den ersten Kriegsjahren veröffentlichte sie Übersetzungen aus dem Hebräischen. Werke der bedeutendsten hebräischen Schriftsteller, wie Bialik, Brenner, Gnessin, Schneur und Schoffmann, übertrug sie ins Russische, sowie die jiddischen Erzählungen von Schalom Asch lind Nomberg. Ihre Übersetzungen sowie ihre Zionslieder in russischer Sprache lenkten bereits die allgemeine Aufmerksamkeit auf die junge Diohterin- Sie erschienen in vielen Zeitschriften und Almanacben, und im Jahre 1920 im Moskauer Verlag „Hazida“ in zwei Bänden, „Minuten“ und „Geheime Lieder“ benannt. Den Höhepunkt der künstlerischen Sensation bildete es jedoch, als im selben Jahr eigene Gedichte in hebräischer Sprache, erstmalig in der „Hatekufa“ und dann in verschiedenen Zeitschriften und palästinensischen Zeitungen von ihr erschienen. Bald darauf folgt ein Gedichtband unter dem Titel „Koss Ktana“ (Der kleine NUMMER 6 i!llillllll!ll!l!l!!!III!llllllll!y Kelch), der eine mehrfache Auflage erlebt.; Auch einige Erzählungen voll psychologischen Reizes, wie „Die Sabbathkerzen“, ,In der Sommerfrische“ u. a. m., verdankt ihr die neuhebräische Literatur. So sehen wir Elischewa als „Ruth von: der Wolga“ ganz dem Dienste am hebräischen Wort hingegeben. Und mit welcher Demut versieht sie diesen wahren Liebes* dienst: Sie hofft, daß das jüdische Volk, „das unendlich reich und gut ist“, ihr Opfer der Liebe und Verehrung nicht ablehnen wird. Als Motto zu ihren „geheimen Liedern“ wählt sie die klassischen Worte der biblischen Ruth, der Proselytin von Maob: „Dein Gott ist mein Gott, dein Volk ist das meine“. In ihrer russischen Heimatstadt Riazan lebt sie völlig abgeschlossen, ihr ist alles fremd. „Die Bitterkeit des Galuth kenne ich wohl“, klagt sie. Ihre einzige Freude am Tage bilden die jüdischer! Bücher und „das Träumen vom Hebräischen in der Nacht“. Ihre große Sehnsucht ist Palästina, Jerusalem, „die Stadt der Völker und der Jahrtausende“. Sie fürchtet nicht das schwere, ungewohnte Leben dort. Bevor sie ins Heilige Land kam, schien ihr oft „die Quelle ihrer Dichtung leer und trocken“, ihr Dasein trüb und kummervoll. In Palästina, „dem schönen Sonnenlande“, weiß sie, „wird sie ihre ,Schechina‘ wiederfinden“. Aus ihren Gedichten, deren Inhalt und Form eine harmonische Einheit bilden, strömt der ganze, innere Reichtum einer weiblichen Seele. Ihr Erleben des Lebens gestaltet sie in kleinen Kunstwerken, die uns von der Not des Lebens, seinen unzähligen Schmerzen erzählen und von tiefster Religiosität erfüllt sind. Ob es nun Gott oder kosmische Gewalten sind, die sie anbetet, tiefstes Verbundensein mit allem Lebendigen offenbart sich immer in ihren Gedichten. „Ein Welttempel ist die Natur, die Sterne seine Sabbathkerzen, Elischewa die Priesterin der Menschenliebe.“ Organisation zionistischer Frauen Österreichs (W. I. Z. O.), I., Jordangaese 7. Nach längerer Pause hat dio W. I. Z. 0. ihre Kulturarbeit wieder aufgenommen. Für dio nächste Zeit sind folgende Vorträge festgesetzt: 1. am 12. März, 8 Uhr abends, Dr. Martha Hofinanu: „Interessante jüdische Frauengestalten in der modernen Literatur“; 2. am 19. März, 5 Uhr nachmittags, Prof. Dr. B. Murmelstein: „Das Alltagsleben der jüdischen Frau in dor Vergangenheit“. Das Itestc vom (tiiton sind dio in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten SCHMIDL-MAZZOTH welche unter streng orthod. Aufsicht des irpv jnn DUO Dmnfi äion hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt! 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