Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 334 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 834. — 9. Mär* 1934 Palästina meldet: Wir .sind somit Zeugen des Beginnes eines Ringens um die Schaffung eines ökonomischen Gegengewichtes in der aiabisohen Kräfteentwicklung. wofür wir wirtschaftlich und politisch in entscheidendem Maße die Kosten stellen müssen und wofür wohl von englischer Seite die Arbeitsmi>gliehkeit-cn in dem sich von Konjunktur zu Konjunktur wandelnden, aber .stets beschnittenem Rahmen, der uns Juden angemessen wird, alß angemessener Gegenwert an une angesehen wird. Die englische Palästina-Politik stellt heute in einem wohl jo lern klaren Ziele vor Augen: die vordringenden jüdischen Kräfte hemmen und die rückständigen arabischen auftreiben, um damit jenes Gleichgewicht der beiden Elemente, wie es ihrer Interpretation des Mandatsauftrags entspricht, zu schaffen — eine Politik, in der sie nach jeder Front, gegen die sie sich wendet, die notwendigen Stützpunkte für sich au finden glaubt. Welcher Art kann nun die jüdische Haltung gegenüber dieser Politik sein? Eines können wir nicht tun: wir können vor allem keine ablehnende Stellung gegenüber den konstruktiven Maßnahmen an sich zugunsten der Araber einnehmen, trotzdem uns klar ist, daß wir in der Hauptsache die Mittel hierfür beistellen. Wir können das nicht zunächst aus moralpolitischen Gründen, indem wir grundsätzlich nichts verneinen können, was den Charakter eines menschlichen und kulturellen Fortschritts hat; und zum zweiten, weil trau ser eigener Fortschritt in diesem Lande in wichtigen Teilen des Aufbaues von dem wirtschaftlich-kulturellen Mitaufstieg unserer arabischen Nachbarn bedingt ist. Aber mit unserem ganzen Einfluß müssen wir uns gegen die Grundrichtung der gegen die jüdische Stärkung gerichteten Politik wenden, aus der jene positiven Maßnahmen für die Araber fließen und gegen das darin gegen uns enthaltene negative Moment. Wir müssen dagegen auftreten, daß die Juden in allen diesen konstruktiven Maßnahmen zurückgesetzt und benachteiligt werden. Wir müssen ferner einen grundsätzlichen Kampf gegen die englische Transjordanien-Politik in ihrer Beziehung zu den Juden führen, die mit den Gesetzen und dem Geist des Mandates nicht zu vereinbaren ist. Die Entscheidung der Frage, in welchem Grade eß der arabischen Welt, trotz der Unterstützung durch die Engländer, gelindas ehemalige Restaurant Zöllner Wien, II., Hammerpurgstallgasse 7 durch den bekannten RESTAURATEUR W. SPRITZER früher Hotel-Restaurant Stefanie. Zur Verabreichung gelangen: Spezialspeisen für den verwöhnten Gaumen & la carte, wie auch Menü von S i'6o aufwärts und Speisen am Rost. Veranstaltung von Seder- Abenden!!! Tischbestellung unter Telephon Nr. A 4J-J-42. gen wird, wirtschaftlich ohne die jüdische Mitarbeit weiterzukommen, könnon wir getrost der Zukunft überlassen. Der menschliche Faktor spielt hier eine nicht geringere Rollo, als Geld, und was die englische Politik durch verwaltungs-wirtschaftliche Taktik zu verbiudern «ucht, das wird durch die Macht der wirtschaftlichen Tatsachen wohl eine Richtung nehmen, die von der heutigen Politik nicht vorgesehen wird. Die entscheidende Hemmung liegt für uw nach wie vor in der Kinwanderungsfrage, und hier liegt das Kampffeld für die zionistische Führung. Jüdische Bodenkäufe in Haifa- Tiberias-DlstriUt Haifa, 6. Mürz. Ein vom amerikanischen Richter Bernard A. Rosenblat t, dem Ingenieur Joseph Levy und einigen anderen Finanzleuten gebildete Konsortium hat im Haifa-Tiberias- Distrikt umfangreiche ßodenkäufe aus dein Nachlaß des Grafen Selim Dschedid aus Alexandrien durchgeführt. Es handelt sich um 4000 Dunam in Samach, ein Landstück, das von der Eisenbahnstation bis zur Grenze der Kolonie Daganiah reicht, ferner um einige tausend Dunam an der Straße Haifa—Tiberias, 140 Dunam, die ein Verbindungsstück zwischen der Haifaer jüdischen Vorstadt Hadar Hakarmel und dem Berg* Karmel darstellen, ein 200 Dunam großes Verbindungsstück am Kischon-Fluß zwischen der Stadt Haifa und dem großen Bodenkomplex des Keren Kajeraeth an der Haifa-Bucht sowie um 100 Dunam angrenzend an Bath Galim. Schließlich gehören zu dem Besitz noch 400 Dunam in der Stadt Tiberias. Das Konsortium beabsichtigt, das Gebiet sofort weiter zu veräußern und hofft, damit den Ansätzen einer Bodenspekulation entgegentreten zu können, die sich in letzter Zeit unangenehm bemerkbar gemacht haben. ★ über 100,000 Pfund Schaden bei dem großen Brand in Jaffa Jaffa. Der durch den letzten großen Brand in Jaffa, bei dem ein jüdischer Holzlagerplatz in Flammen aufging, verursachte Schaden erweist sich als bedeutend größer, als ursprünglich angenommen wurde. Nicht nur der Holzlagerplatz und die auf ihm aufgestapelten Vorräte, darunter 1 Million Kisten für Orangenverpackung, ein Fünftel des Bedarfes für die ganze Saison, sondern auch einige an den Lagerplatz angrenzende Häuser wurden eingeäschert, bis es den vereinigten Anstrengungen der Freiwilligen Feuerwehr aus Tel Aviv, der Jaffaer Polizei und der englischen Garnison gelang, den Brand zu lokalisieren. Die vernichteten Werte werden auf über 100.000 Pfund geschätzt. ★ Araber-Zeitung in englischer Sprache Haifa. Wie „Meraafc el Shark“ berichtet, soll Ende März eine neue, von Arabern herausgegebene Tageszeitung in englischer Sprache unter dem Namen „The Palestine Daily Mail“ zu erscheinen beginnen. Der Herausgeber ist ein gewisser Haddad; er will zunächst mit einem Kapital von 3000 Pfund zu arbeiten beginnen. Hauptschriftleiter soll Labib Effendi Gridini werden, der 20 Jahre lang in C har tum die „Sudan Times“ redigiert hat. * Ausbau von NahaUat Jerusalem. In Nahallal, der ersten nach dem Kriege gegründeten jüdischen Palästina-Siedlung, werden jetzt 85 neue Betonhäuser für die bisher in Holzbaracken untergebrachten Siedler errichtet. * 45 jüdische Hechtsanwälte stellen sich zur Ausländerzutassungs- Prüfung In Palästina Jerusalem. Zu der als Vorbedingung für die Ausübung des Rechfcsanwaltsberufes in Palästina vorgesehenen, überaus schworen Zulassungsprüfung für ausländische Rechtsanwälte haben sich für den nächsten Termin 45 jüdische und fünf arabische Anwälte angomeldet. Die jüdisjhen Kandidaten sind zu einem großen Teil Einwanderer aus Deutschland. Der größere Teil der eingewanderten Juriston hat sich infolge der schweren Bedingungen für die Zulassung zum Rechtsanwaltsberuf voranlaßt gesehen, zu neuen Berufen überzugeben. (Weiters handelt es sich um ältere Personen, die für eino Umschichtung nicht mehr in Betracht kommen. Die Red.) * Der Ariasoroff-Mordprozeß Jerusalem, 5. März. Die Wiederaufnahme des Verhörs im Arlosoroff-Mordprozeß brachte weitere einander widersprechende Aussagen. Der jüdische Polizeikorporal Levi Derbarmd i g e r sagte ans, Abdul M 0 d s c hi d sei als Frauenjäger der Polizei bekannt und sei oft auf seinen Spaziergängen in der Nähe von Tel-Aviv angetroffen worden (Medschid hatte am 7. Februar vor Gericht erklärt, daß er seit Jahren nicht in Tel-Aviv gewesen war). Issa e 1 D a r w i s h erklärte, er sei nicht ein Komplice Abdul Medscliids bei der Ermordung Arlosoroff.s gewesen, auch war er nicht bei der Ermordung Lutfi ei Imans durch Medschid zugegen. Wohl besitze er Im Gotteshaus des Brig. isr. Tempelvereines, XX., Kluckygasse 11 in Wien, gelangt die Stelle eines ©Verkäufers zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich; die österreichische Staatsbürgerschaft oder die behördliche Berechtigung zur Ausübung des kantoralen Dienstes in Österreich, eine gute, schöne, gesanglich ausgebildcte Btmme, liturgische und hebräische, durch eine Prüfung zu erweisende Kenntnisse und ein Alter unter 35 Jahren. Mit den Personaldokumenten und einem Nachweis über die bisherige fachliche Verwendung belegte Gesuche sind bis längstens 15.April d. J. an die Kanzlei des Brig. isr. Tempel Vereines, XX., Kluckygasse 11, zu überreichen. Vor der Aufnahme müssen sich die Bewerber einer Vorprobe und dann eventuell einer Probe bei einem Sabbath-Gottesdienste unterziehen. Gehalt nach Übereinkommen. Nur dem Akzeptierten werden eventuelle Reisekosten vergütet Für den Vorstand des Brig. isr. Tempelvereines: Geza Klinger Josef Kolm SchriftHWiror Obmann eie Taschenlampe, auch habe er am 16. Juni (am Abend des 16. Juni geschah der Mord an Arlosoroff) einer Turnervorführung in Jaffa beigewohnt; in Tel-Aviv aber sei er an diesem Tage und Abend nicht gewesen, auch habe er Abdul Medschid an diesem Tage nicht gesehen. (Medschid hatte in seinem ursprünglichen Geständnis Issa el Darwish als seinen Komplicen bei der Ermordung Arlosoroffs genannt.) Inspektor William Black schilderte die Vorgänge bei der Identifizierungsvorführung. Abdul Medschid hatte gegenüber Frau Arlosoroff sein Mordgeständnis wiederholt. Später aber sagte er, er habe diese Aussage nach der von S t a v s k y und Roeenblatt erhaltenen Instruktion gemacht. Inspektor Fad el Jarjura sagte aus, aus dom Besucherverzeichnis gehe nicht hervor, daß Israel Aviv] den Subhi Zablawi im Gefängnis besucht hat. (Zablawi soll die Bestechung Abdul Medschids vermittelt haben.) Israel Avivi sagte demgegenüber aus, er habe Zablawi im Gefängnishof in Anwesenheit eines Polizoibeamten gesprochen, abor keinen Vorsuch gemacht, ihn zu bestechen, damit er ein Geständnis seitens Abdud Medschids arrangiert. ★ Zusammenstöße In Tel-Aviv am Abend des Purim-Festes Tel-Aviv, 5. März. Das am Tage unter Teilnahme von 100.000 Menschen so hannonißch verlaufono Purimfest in Tel-Aviv hatte am Abend oin blutiges Nachspiel. Zwischen dem linksstehenden „Hanoar Hazioni“ und dem revisionistischen Brifch TrumpeLdor kam es zu einem schworen Zusammenstoß. Es gab auf beiden Seiten Verletzte, 24 von diesen wurden im Hospital behandelt, zwei Schwerverletzte, unter ihnen Josef Stavsky, ein Bruder des Abraham Stavsky, mtaon sich einer längeren Spitalsbohandlung unterziehen. Zwei Personen wurden verhaftet. osreaK%'ilS POLEN Krakau, Lemberg, Kolomca Uili'liliiln tPn: 0. und 22. April 1834 Paß und Vi«a grätig l Anmeldungen und Auskünfte t Telephon II 21-2ß und R 24-2-87 Keine jüdischen Arbeiter beim Bau des Hauptpostamtes in Jerusalem Jerusalem. Auf einer in der Hauptverkehrsstraße von Jerusalem, der Jaffa-Straße, zentral gei legonen Baustelle wurde mit den Vorarbeiten zum Bau des neuen Hauptpostamtes begonnen. Die Durchführung der Erdausliobung wurde einem christlich-arabischen Unternehmer übertragen. 50 Arbeiter, unter ihnen kein einziger Jude, wurden für zwei Monate anfgenommon. (Das nennt man loyale Erfüllung der Verpflichtungen der Mandatarmacht! Die Red.) * Britische Handelsvertretung für den Nahen Osten aus dem Irak nach Palästina verlegt London, 2. März. Im Unterhause kündigte Haudelsminister Bürgin an, daß die derzeit in Bagdad stationierte britische Handelsvertretung für den Nahen Osten am 1. April nach Haifa verlegt werden wird. Auch von ihrem neuen Standort aus wird die Handelsvertretung die Interessen des britischen Handels im Irak wahrnehmen. * Auszahlung der rückständigen Lehrergehälter Jerusalem, 2. März. Nach Beseitigung formeller Schwierigkeiten, die der Aufnahme der 25.000-Pfund- Anleihe durch den Waad Leumi bisher im Wege standen, wird der Anleihebetrag in den nächsten Tagen dem Waad Leumi zur Verfügung gestellt werden. Unmittelbar darauf werden die rückständigen Gehälter der Lehrer an den hebräischen Schulen ausgezahlt werden. * Vereinigung jüdischer Polizisten in Palästina Im Hinblick auf die Tatsache, daß in letz-« tor Zeit zahlreiche jüdische Polizisten infolge der ungünstigen Dienstbedingungeh aus dem palästinensischen Polizeikorps ausgeschieden sind, wurde in Jerusalem eine Vereinigung zur Förderung der Interessen jüdischer Polizisten gebildet. Die Vereinigung will eine Reihe von Einrichtungen schaffen, durch pifflllllllliiillill* MANISCHE WITZ» I MAZZOTH§ die weltberühmte und unfiber- || troffliche Qualitfitsmazzoth B Nur geringes Quantum eingelangt f | Alleinverkauf: S? JOSEF GOTTESMANN | Wien, II., Tandelmarktgasse 5a 8 Telephon A 48-6-S8 |§ illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH^ die die Lage dor jüdischen Polizisten verbessert werden soll. Man denkt an Sprachkurse, Kurse für Straf- und Zivilrecht, Einrichtungen für medizinische und soziale Hilfe, Arbeitsvermittlung für diejenigen, deren Dienstzeit abgelaufen ist, Erzinhungshilfo und Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Zivilbevölkerung und Polizisten. Die Wlrtschuftsstelle des PalUstlnanmtes meldet: Reise zur Levantemesse. Auskünfte über ltoieenittglichkeiton zur Levautenmse nach Palästina ortollt: Die Wirt- BchaftfiBtollo dos Palästina-Amte«. Sprachstunden: Dienstag und Donnerstag, 18.30 Uhr bis 10.30 Uhr. „Kfar Ussischkin“-Arbeit gilt auch für dich!