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Die Stimme · 1934-03-09 · Heft 334 (9.3.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 334 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 334. — 9. März 1934 DflE STIMME Seite 8 Was erwarten wir vom Aktions-Komitee t KonstruktiveJMirtsd^ R^eruigJ^^Araber Von unserem Korrespondenten Ch. Haller, Tel.-Avlv. Am 25. März beginnt in Palästina die Sitzung des Aktions-Komitees, der höchsten Instanz der Zionistischen Weltorganisation in kongreßlosen Jahren. Mit der Einberufung nach Palästina wird ein Lieblingswunsch Leo M o t z k i n s, des leider zu früh dahingeschiedenen Präsidenten des Aktions- Komitees, erfüllt. Die erste Aufgabe des Aktions-Komitees wird darin bestehen, an Motzkins Stelle einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Es wäre sehr zu wünschen, daß sich bei dieser Wahl nicht der blamable Vorgang wiederholt, der in Prag die Tätigkeit des Kongresses durch viele Tage lahmgelegt und die eigentlichen Kongreßarbeiten in nachteiligster Weise beeinflußt hat. Nach der Wahl wird das Aktions- Komitee die Berichte der Exekutive hören und wichtige Beschlüsse in politischer und, wie wir hoffen wollen, in organisatorischer Hinsicht zu fassen haben. Wir wollen heute nur über unsere Organisation sprechen. In politischen Dingen kann man prinzipiell verschiedener Meinung sein und es sind auf diesem Gebiete die verschiedenen Meinungen sehr schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Anders in Dingen der Organisation. Hier ist es verhältnismäßig leichter Übelstärude abzustellen, deren Erkenntnis Allgemeingut geworden ist. Zur Erkenntnis muß aber auch der ehrliche Wille hinzukommen, die Organisationsform zu .verbessern. den Aktions-Komitees sein, die Vorlage der Entwürfe zu befristen. Die Zeit ist zu ernst, als daß man sich den Luxus weiter leisten könnte, auf Kongressen drei Wochen lang ins Blaue zu reden. Damit wird keine zionistische Propaganda, eher vielleicht das Gegenteil, erzielt. Der beste Beweis dafür war eben der Prager Kongreß. Schon vor dem Kongreß hat ein sehr namhafter Zionistenführer die Reform des Kongresses verlangt. Das war Arioso r o f f, der damals darüber in der Prager „Selbstwehr“ schrieb: „Der Verlauf des Prager Zionistenkongresses war der beste Beweis für die Notwendigkeit einer Reform an Haupt und Glieder.“ Schließlich sei hier noch eine Frage von vitalster Wichtigkeit angeschnitten. Die derzeitige Exekutive ist die legale Exekutive und sie muß als solche respektiert werden. Große Teile der Organisation stehen ihr aber ablehnend, oder zu mindest mißtrauisch gegenüber. In der Welt entscheidet nicht die Majorität im Kongreßplenum und Vertrauen läßt sich nicht erzwingen. Darüber wird aber wohl kein Streit bestehen, daß es für die derzeitige Exekutive keinen Prestigeverlust bedeuten wird, wenn sie selbst den Anstoß dazu geben würde, daß die Exekutive verbreitert wird. Das würde vielmehr der inneren Befriedigung und der Intensivierung der zionistischen Arbeit nur förderlich sein. Nie war die Kon- Wir veröffentlichen heute einen weiteren Artikel über die Durchführung eines wirtschaftspolitischen Programms durch die Palästina-Regierung in Transjordanien. Die aufsehenerregenden Ausführungen unseres Korrespondenten werden sicherlich größtem Interesse begegnen. Die in meinem letzten Artikel („Arabische Wandlungen“*) angeführten neuen Tendenzen innerhalb der arabischen Bevölkerung, die auf Schaffung eigener Wirtschaftspositionen als Gegengewicht zur jüdischen Wirtschaftsarbeit hinzielem, finden in den letzten Jahren bei der Regierung, im Gegensätze zu ihrer früheren Passavität auf diesem Gebiete, eine entschiedene Förderung. Und so sehr die Araber ihre Gegnerschaft gegen die englische MancLatspolitik, sofern sie in ihr eine Unterstützung des jüdischen Aufbaues erblicken, hervorkehren, so ist nicht zu verkennen, daß sie sich der aktiven wirtschaftlichem Hilfe der Regierung zugunsten dieser neuen Tendenzen bewußt sind. In dieser Beziehung bedeutet die Regierungsepoche Sir Arthur Wauchopps eine Wendung, deren Richtung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt: Sie bedeusche RegierungspoLitik hier eine bemerkenswerte Konsequenz beweist. Sie zieht die einzig mögliche Folgerung aus ihrer ablehnenden Haltung in der Frage der jüdischen Überschreitung des Jordans. Wir wissen, daß dieser zur politischen Zwecken konstruierte Staat jeder Möglichkeit zu einer wirtschaftlichen Eigenexistenz ermangelt und daß bedeutende Teile seiner geringen Bedtuinen- und Fellaohenbevölkerung seit langer Zeit in einem permanenten Hungerzustand leben; wir wissen ferner, daß es in Trausjordanien einflußreiche Kreise gibt, die für eine Heranziehung der Juden nach ihrem Lande edntreten, das ans eigenen Kräften mit seinen fruchtbaren Bodenstrecken und anderen Hilfsquellen nichts beginnen kann und daß seine Chancen nur in der Heranziehung jüdischen Kapitals und jüdischer Initiative liegen. Jene angeblichen prozionistischen Kreise stehen in einem beständigen, zumeist vor der Öffentlichkeit verborgenen Kampfe gegen die palästinensischen Extreme, denen sie, indem sie selbst die jüdische Prosperität für sich ansnützen, heuchlerische Predigt de« Satten an das hungrige Transjordanien vorwerfen. Aber der Druck, den die national- Es ist keine Offenbarung, wenn man feststellt, daß in weiten Kreisen der Organisation der Wille fehlt, Mängel der Organisation zu verbessern. Das gilt insbesonders In der Frage des Schekelwahlrechtes. Es ist nicht weiterhin tragbar, daß man gegen Zahlung von 2 Schilling im Kongreßjahr das Wahlrecht besitzt. Dieser Zustand ist unmoralisch, insbesonders wenn man die 2 Schilling aus der Tasche eines ehrgeizigen Kandidaten, oder aus einem dafür angesammelten Fonds geschenkt erhält. Dieser Zustand ist auch lächerlich Man bedenke: Zwei Schilling für Zion, dazu nur noch einmal in zwei Jahren! Wer diesen unmoralischen und lächerlichen Zustand aufrechterhält, ist mitschuldig an der Ohnmacht der Zionistischen Organisation. Am Prager Kongreß hat schon die Organisationskommission alle Anträge auf Verbesserung des Schekelwahlrechtes niedergestimmt. Die mancherseits geübten Wahlpraktiken sollen ■also verewigt werden. Es müßten sich die Gutgesinnten in allen Fraktionen zu einer Liga zusammenschließen, um sobald als möglich den Wahlreohbsunfug zu brechen. Das Aktions-Komitee sollte der Sehekelfrage einen breiten Raum widmen und .ernsthaft an die Arbeit gehen. Die kommende Sitzung des Aktions- Komitees sollte sieh überhaupt mit der Besprechung von Organisationsproblemen so ausgiebig wie möglich befassen. Eine Frage: Wozu faßt der Kongreß Beschlüsse? In Prag wurde eine aus neun Mitgliedern bestehende „Ständige Kommission für Organisation und Propag a n d a“ beschlossen. Wir fragen: Hat diese Kommission getagt? Was hat sie geleistet? Eine andere Frage: Der Prager Kongreß hat die Exekutive ermächtigt, eine „S t a t utenkommission“ einzusetzen, deren Aufgabe es ist, eine Revision des Organisationsstatuts, des Wahlreglements, der Bestimmungen über die Weltwahlliste und der Geschäftsordnung des Kongresses vorzubereiten. Was ist in dieser Sache geschehen? Hier handelt es sich um lebenswichtige Organisationsfragen. Denn in dem betreffenden Beschluß heißt es: „Der Kongreß erteilt dem Aktions-Komitee die Vollmacht, diese Entwürfe (der Kommission, beziehungsweise der Exekutive. Anm. d. Red.) nach erteilter Genehmigung bis zur definitiven Beschlußfassung durch den nächsten Kongreß provisorisch in Kraft treten zu lasse n.“ Man sieht also: Das Aktions-Komitee hat ein gewaltiges Arbeitspensum vor sich. Man warte nicht bis zur Aktions-Komitee-Sitzung, die vor dem nächsten Kongreß stattfinden wird. Sollte die Exekutive, beziehungsweise die Statutenkommission mit den Vorarbeiten noch nicht begonnen haben, dann wird es ä£& fe pflribgftgfl SHofite Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Matte rsburg her gestellt KUNEROL* 100% REINES KOKOSNUSSFEIT Nur echt in Originalpackung! zentration aller disziplinierten, bedingungslos zur Organisation stehenden Kräfte notwendiger als heute. Wer sie zustande bringt, wird sich ein großes Verdienst erwerben. Die kommende Aktions-Komitee-Sitzung wird nur dann einen Schritt nach vorwärts bedeuten, wenn die Exekutive verbreitert und damit das traurige Kapitel „Prag“ seiner Liquidation nähergebracht wird. Schließlich noch eine Anregung zur Reform der Organisation. Von oppositioneller Seite wurde oft darauf hingewiesen, daß Beamte der Fonde schwerlich als Mitglieder cles Aktions-Komitee oder als Kongreßdelegierte jene Unbefangenheit in ihren Entschlüssen aufbriugen können, wie dies bei materiell unabhängigen Mandataren der Fall ist. Es bleibe dahingestellt, ob diese Bedenken einen realen Hintergrund haben. Sicher ist, daß man Beamte nicht in die Gefahr eines Gewissenskonfliktes bringen soll, in welchem sie sich so entscheiden, daß dadurch ihr Posten oder ihr Avancement nicht gefährdet ist, nicht aber so, wie es ihnen ihr zionistisches Gewissen vorschreibt. Es wäre daher am Platze, Beamte der Organisation und der Fonds sowohl von der Wählbarkeit ziwn Kongreß als auch zum Aktions-Komitee auszuschließen. Dadurch würde ein für allemal allem Mißtrauen ein Riegel vorgeschoben und ein Zustand geschaffen werden, der in vielen Organisationen als selbstverständlich tet: Hinarbeitem auf die Schaffung eines wirtschaftlichem und kulturellem Gleichgewichts zwischen beiden Völkern, wofür die von der jüdischen Allheit dem Lande zugeführten Mittel die Möglichkeit bieten. Die Tatsachen nach dieser Richtung liegen in Fülle zutage: weitherziger Steuererlaß an die Bauern und deren Unterstützung durch Kredite aus Landesmitteln, deren größerer Teil eher einen Schenkungscba,rakter hat; Bau von Straßen, deren wirtschaftliche Bedeutung enst von der Zukunft erwartet werden kann, Erboihrumg von Brunnen, Auftrieb des allgemeinen und fachlichen Schulwesens, wo gegenüber den Juden größte engherzigkeit bewiesen wird; systematische Aktivität in der Gewährung von Anleitungen auf allen Gebieten der Land- und Gartenwirtschaft, besondere Propagierung des kooperativen Gedankens, der so gut, wie keiner Resonanz begegnet, Förderung durch Ausstellungen in staatlicher Regie, und ganz besonders soweit bisher bekannt geworden, die Beschaffenheit des Verwendungspiains der beschlossenen Landesanleihe, die man eigentlich, nach Abzug kleiner Teile, als arabische Konstruktionsanleihe anspreohem darf. Besonders charakteristisch aber für den neuen Weg ist der Beginn der Einbeziehung Trans jordaniens in den Rahmen dieses aktiven wirtschaftlichen Vorgehens. Man kämm mfaihA TOwfafljwwn. dkfl die naJ&aiAnofvA, extreme Bewegung auf diese Tendenzen ausülbt, geht hier parallel mdit der englischem Politik (siehe die englische Erklärung vor der Mandatskommission im Juni 1933) und aus dieser Haltung beginnt, jetzt die palästinensische Regierung die logische Folgerung m ziehen: sie bestimmte ans den Mitteln, die ihr die Landesfiuanzen reichlich zur Verfügung stellen, einen Kredit von 30.000 und einen nachträglichen vom 5500 Pfund für die Verteilung an die transjordanische Bevölkerung, und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß es sich hier um einen ersten Schritt eines Systems handelt, dem weitere folgen werden. Vor kurzem brachte der transjordanische Korrespondent des „Haaret z“ die Nachricht, daß die transjordanisdhe Regierung mit Hilfe der palästinensischen Regierung wichtige Bewässerungswerke durohzuführem beschloß, die zur Entwicklung von Teilen Transjordanien führen sollen. Eine Gruppe von Sachverständigen wird demnächst den Zustand der Wasserquellen und che anzuwendenden Bewässerungsmethoden untersuchen. Da die transjordanischen Finanzen auf englisch-palästinensische Zuschüsse angewiesen sind, so wird jene Hilfe der palästinensischen Regierung wohl hundert Prozent des ganzem Unternehmens umfassen. %*& dar Stimm ma S& Mk

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