Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 334 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE STIMME Nr. 834. — 3. März 1084 Seite 2 den von der Gemeinde bestimmten Stellen! abztigebon. i Die Volkszählung wird genauen Aufschluß über die Zahl der Juden in Österreich und ihre berufliche Schichtung geben. Bis zur Verarbeitung de3 Materials wird allerdings sehr viel Zeit verstreichen. Bei der letzten Volkszählung hat die Kultusgemeinde durch eigens hiezu bestellte Personen da.sj Material während der Bearbeitung durch1 das Bundesamt für Statistik für ihre Zwecke' bearbeiten lassen. Diesmal ist dies unmöglich. Die neue Volkszählung?Vorschrift besagt nämlich, daß die bei der Volkszählung gemachten Angaben dem Amtsgeheimnis i unterliegen, nur zu statistischen Arbeiten, und insbesondere nicht zu Steuerzwoeken benützt werden dürfen. Die Einheitsgewerkschaft Die Bundesregierung hat bekanntlich die „Freien Gewerkschaften“ aufgelöst. Nunmehr werden auch die ..Christlichen Gewerkschaften“ und die „Unabhängige Gewerkj Schaft“ (Heimatschutz) zur Auflösung ge-1 langen. Alle österreichischen Arbeitnehmer werden im „Gewerkschaftsbundi der österreichischen Arbeiter’ und Angestellten“ zusammengefaßt.! Bei einer am 6. März stattgefundenen j Pressekonferenz erläuterte der Bunclesminisster für soziale Verwaltung Neu Städter-' Stürmer die einzelnen Bestimmungen der neuen Verordnung und bemerkte unter ariderem, daß die Präambel, die vom Geist des Christentums, der sozialen Gerechtigkeit und Liebe zum Vaterland, von der wirksamen Interessenvertretung der Arbeitnehmer und in ihrer Eingliederung in den | berufsständischen Aufbau der Gesellschaft spricht, das Programm des Bundeskanzlers verdolmetscht: anderseits bringt diese Präambel mit einer gewissen Feierlichkeit die entscheidende Wichtigkeit der Verordnung zum Ausdruck. Die verfassungsmäßige, staatsbürgerliche Gleichheit bleibt auch vor dem neuen Gewerksehaftsbund aufrecht. so daß grundsätzlich jedermann ohne Unterschied des Glaubens, des Standes und der Rasse usw. in den Bund aufgenommen werden kann. Geplant ist, den größten Teil der Arbeiter und Angestellten aufzunehmen; ausgenommen werden im Sinne des Gesetzes nur gewisse, moralisch belastete und staatsfeindliche Elemente. Im allgemeinen wird wahrscheinlich eine listenweise Aufnahme der bisherigen Organisierten erfolgen, es wird aber kein Zwang zum Beitritt geübt werden. Oster* * reise nach _ - 28. März bis 15. April. Krakau S 57.-, Lemberg S 90.-, «xernowlt* S 108-- Re'i.aSiSnst! *’cZEORN.aA[0LG. ZEITUNG"! Schular.tr. 1, Stadtbiiro „Oer Wiener Tag", Tel. B 21-8-78, Reisebüro „I.R.U.T. , l„ Karlsplatz 1, Tel.. U 44-5-79. Greuelnachrichten | Die „Mittagsausgabe des österreichischen Beobachters“, eines nationalsozialistischen (natürlich getarnten) Blattes, berichtet am 6. d.: Zu den übelsten Praktiken der marxistischen Wiener Kommunalverwaltung gehörte die geradezu systematische Durchsetzung der beamteten Wiener Ärzteschaft mit zugewanderten, durch die sozialdemokratischen Parteiherrscher gogen alle gesetzlichen Bestimmungen sofort eingebürgerten polnischen Juden. Eine Spezialität dee Stadtschulrates und des Gesundheitsamtes war es, Juden in das Schulärztekollegium aufzunehmen, das schließlich völlig von ihnen beherrscht wurde. Zu welch grauenhaften Zuständen es infolge dieser schmachvollen marxistischen Praxis im christlich-deutschen Wion gekommen ißt, zeigt die Tatsache, daß die jüdischen Schulärzte keinen Anstand trugen, vielfach unter den fadenscheinigsten »hygienischen“ Vorwänden ganze Mädcheuklassen sich nackt aus ziehen zu lassen, um sie gesund heitlieb zu inspizieren! Die Eltern, die von solchen „Untersuchungen“ vorher hätten in Kenntnis gesetzt werden rnilßsen, erfuhren von der Schmach, die ihren Kindern durch diese polnischen Juden angetan wurde, entweder überhaupt Palästina-Abteilung Josef Popper Internationale Transporte Wien, 19., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 10-5-70 Serie Korrespondenten in Palästina: Palesiine & Egypt Lloyd Ltd. Haifa P. O. B. 238 Jerusalem Tel Aviv P.O.B. 307 P.O.B. 394 Spezlal-Warentransportc. Übersiedlungen, Verpakkungen für Palästina. Transport- und Keisegepäckvcrsiclierungen. Auskünfte jeder Art Über Palästina. nichts oder erst hinterher durch die Kinder selbst. In einer am 1. März abgehalteilen Gesamtkonferenz der Wiener Katecheten kamen, wie wir erfahren, diese Dinge zur Sprache. Bundeskommissär Richard Schmitz, welcher der Konferenz beiwohnte, versprach, da« derart verseuchte Schulärztekollegium der österreichischen Hauptstadt zu säubern und für Ersatz der j ti d i s c li - m a r x i 8 tisch e n Ärzte zu sorgen. Die Christlich-deutsche Ärzteschaft Wiens wird nicht zögern, die hoffentlich recht rasch entstehenden Lücken mit ihren bewährten Kräften zu besetzen. Man darf wohl sagen, daß eine frechere j Entstellung des Tatbestandes kaum wohl denk-j bar ist. Wenn die Sache überhaupt wahr Ißt, kann es sich docli nur um eine im Interesse der Volksgesundheit getroffenen Maßnahme handeln. Daß es nur so sein kann, wird dadurch bestätigt, daß niemals eine Klage oder Beschwerde laut gewordcii ist. Auch kann kein Artz ohne Wissen der S c h u 11 ei t u n g eine Verfügung treffen und bei allen ärztlichen j Visitationen sind dev Klassen vor stand, der Turnlehrer und Hilfsschwostern zugegen. Der Sinn der ganzen Lüge ist aus dem letzten Satz zu erkennen. Man will jüdische Posten stürmen, jüdische Ärzte arbeitslos machen. Es bestellt ein ganzer Plan hicfiir, wie man aus der Gleichzeitigkeit der Angriffe im Wiener christlichsozialen „Montagsblatt“ und im christlichsozialen „Salzburger Volksblatt* ersieht, das nochmals die Revision der Einbürgerungen in Wien verlangt. Wir lenken nachdriicklichst die Aufmerksamkeit der Regierung auf dieses schandbare Treiben. An den Bundeskommissär Schmitz stellen wir die Frage, ob die behauptete Konferenz stattgefunden hat, ob er anwesend war und welche Antwort er auf diese Beschwerden erteilt hat. Nationaldemokratisdie Hetze in Polen Warschau, 5. März.! In der Sitzung des polnischen Senate' kam es wieder zu einer Judendebatte. Der I Referent für das sanitäre Budget Senator | S o b o 1 i e w s k i kritisierte die jüdischnationalen Parlamentarier, die sieh bei der Abstimmung über das Budget der Stimme | enthielten, obwohl sie anerkennen müssen, daß die polnischen Konsulate in Deutschland sich der verfolgten polnischen Juden annehmen. Die polnische Regierung, sagte er weiter, mische sich nicht in die inneren jüdischen Streitigkeiten ein, unterstütze die Palästina-Bestrebungen des jüdischen Volkes, auch bekämpfe sie Terrorakte gegen Juden. An diese Worte des Referenten knüpfte der nationaldemokratische Senator K os z y c k i an, der erklärte, die polnische Intelligenz lebe in tiefer Armut, und wo es gelte, zwischen einem Polen und einem Juden zu wählen, dürfe die Wahl nicht zweifelhaft sein. Das jüdische Volk ist um 3000 Jahre älter als das polnische, hat mehr Kulturorfahrung und stärkere Nerven. Die Juden blicken auf uns Polen, wie wir auf Afrikaneger blicken. Wollen wir, daß die Zukunft dem polnischen Volke gehören solle, so müssen wir die jüdischen Rechte beschränken. Die jetzige Regierung aber hat kein Gefühl für die Tragik der Lage. Warum fürchten wir die Juden? Wir haben e« erlebt, daß parallel mit dom Niedergang dos internationalen Handels auch die Bedeutung des internationalen Judentums gesunken ist. Die polnische Regierung hätte die von den Juden kontrollierte internationale Presse nicht zu fürchten. Vizeminister K o r s s a k wies die Äußej rung Koszyckis zurück, daß die polnische | Kultur auf einer niedrigeren! Stufe ai« die jüdische stehe. Der Referent SoboLiewski erklärte, die Regie-! rungsmehrheit werde nie das Juden.programm der Nationaldemokraton akzeptieren. * 1 Die unaufhörliche Judenhetze der Nationaldemokraten bleibt nicht ohne Folgen für die Straße. Während der Aufführungen von Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ im Warschauer Dramatischen Theater veranstalten die Nationaldomokraten allabendlich an ti jüdische Demonstrationen. Bei entsprechenden Stellen im Dialog mfen die Nationaldomokraten immer wieder: „Schlagt die Jaden! Nieder mit den Juden!“ In der Warschauer Vorstadt Praga stürmte eine mit Stöcken und Revolvern bewaffnete große Gruppe nationaldemokratischer Huligans eine von den Zionisten veranstaltete Purim-Festlichkeit. Die Festgitsto wurden schwer mißhandelt urnl a-usgeplündert. Vier Gäste wurden schwer verletzt. Als Polizei ointraf, flüchteten die Exzedenten. 1 An der W a r ß c h a u c r U n i v e t b i t ä t verbreiteten die Nationalldemokraten einen Aufruf, in dem zum „Kampf auf Leben und Tod“ gegen die jüdischen Studierenden aufgefordert wird. Der Aufruf schließt: „Wir werden nicht ruhen, bis alle Juden von allen Hochschulen entfernt sind.“ In Pachianiz bei Lodz überfiel eine Gruppe Nationaldemokraten den Basar des Jüdischen Nationalfouds, demolierte den Pavillon, zerstörte die ausgestellten Objekte und verletzte zwei Beamte des Basars. Fünf Nutionaldemokraten wurden verhaftet. In Klobuck bei Czönstoohau kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Einwohnerschaft, bei denen viele Kaufleute verletzt wurden. Die Polizei verhaftete die Urheber. Eine große Menschenmenge versuchte die Verhafteten zu befreien. Die Menge bombardierte das Polizeigefängnis mit Steinen, die Polizei gab eine Salve in die Luft ab, worauf sich die Demonstranten zerstreuten. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Aus einem Telegramm der jüdischen Gemeinde von Klobuck an den Warschauer jüdischen Nationalrat geht hervor, daß bei den Ausschreitungen viele Juden Messerstiche erhielten und daß im Hospital die Juden Bichelmann, Szmulewicz, Kurzbart, Roßen und Birnbaum schwer verletzt darniederliegen. Die gesamte jüdische Einwohnerschaft lebt in furchtbarer Panik. Der jüdische Nationalrat übergab den Bericht dem Innenministerium. In Lemberg verbreiteten die Nationaldemokraten massenhaft antisemitische Hetzschriften. Täglich kommen Überfälle auf jüdische Passanten und Angriffe auf jüdische Geschäfte vor. In einige Geschäfte wurden Stinkbomben geworfen, ebenso in ein meist von Juden besuchtes Theater. Bei den Überfällen wurden die Juden Meier, Weinstein, seine Frau und Alexander Rosenhaus erheblich verletzt. Am Lemberger Polytechnikum wurden jüdische Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Sieben nationaldomokratisohe Studenten wurden als die Angreifer verhaftet. Im Hörsaal von Prof. Kostanecki an der Warschauer Universität demonstrierten die Studenten für Einführung des Arierparagraphen. Abends fanden Demonstrationen mit an ti jüdischen Losungen statt. Die jüdischen Studonten verlebten den ganzen Tag in der enervierenden Erwartung von Angriffen. Restaurant Rillet II., Hammerpurgstallgasse 3 / Streng orthod. Bestrenommiertc Küche Telephon A 41-0-23 Nächst Salztorbrüdtc Mitglieder der Brith Trumpeldor sprengen eine zionistische Jugend* Versammlung Am Mittwoch, den 7. d. M., abends, hat sich in Wien ein Vorfall ereignet, der der jüdischen Bevölkerung und insbesondere ihrem zionistischen Teil allen Grund zum Nachdenken darüber geben muß, wie weit die Unsitten unserer Zeit auch in unsere Reihen cingcdrungcn sind. Zionistische Jugendliche haben eine Versammlung zionistischer Jugendlicher gesprengt und der Polizei den Anlaß zum Einschreiten gegeben. Das „Jüdische J u g e n d h i 1 f swerk“ hatte für Mittwoch abends in das Hotel Post eine Jugendversammlung einberufen, in welcher zwei Jugendliche über die Notwendigkeit der beruflichen Umschichtung sprechen sollten. Das Thema der Versammlung lautete: „Jüdische Jugend, wohin?“ Es war schon vor der Versammlung durchgesickert, daß Angehörige der revisionistischen Jugendvereinigung Brith Trumpeldor beschlossen hatten, die Versammlung zu stören. Tatsächlich erschienen zahlreiche Betarim in kleinen Gruppen beim Saaleingang, wurden jedoch von den dort postierten Ordnern erkannt und aufgefordert, sich zu entfernen. Daraufhin begaben sich einige Angehörige des Brith Trumpeldor zum diensthabenden Wachebeamten und beschwerten sich Über die Nichtzulassung zur Versammlung. Sie fügten hinzu, daß sie Angehörige der Vaterländischen Front seien und daß im Saale eine getarnte Versammlung von Linken abgehalten werden(l). Diese grundlose, wider besseres Wissen vorgebrachte Denunziation wird man sich merken müssen. Der Wacheinspektor forderte die jungen Leute zunächst auf, wegzugehen, erklärte jedoch später, daß es sich um eine öffentliche Versammlung handle, zu der jeder Zutritt haben müsse. Daraufhin kamen die Betarim in den Saal, wo die Versammlung eben ihren Anfang genommen hatte. Die revisionistischen Jugendlichen begannen den ersten Redner sofort zu unterbrechen, worauf im 'Saale große Unruhe entstand. Inzwischen hatte die Polizei Verstärkungen herangeholt. Ein Polizeikommissär; Die PAG r. Gen. m. b. H„ Wien, VI., Capfstrangaste 2 (Telephon B 26-3-81), veranBtaltet für ihre Mitglieder Paliistiiinrciscii ab Wien 20. März, 10. April, 24. Aprli II. Klane Schiff, III. Klasse O-Zug, 15 Tage Verpfädung) nur S 440.-; detto., jedoch Schiff I. Klasee: 8 580.— Besuch aller M111 e I in e er I ä n d erf Sprechstunden tagt von Obis 12Uhr. Prospekte grati«! betrat mit einer Gruppe von Wachebeamteü den Saal und drohte die Auflösung der Versammlung an, falls es zu weiteren Ruhestörungen kommen sollto. Als der Redner sein Referat fortsetzte, inszenierten dio revisionistischen Jugendlichen einen neuerlichen Krawall und es kam zu Prügeleieu. Daraufhin’ drang die Polizei in den Saal ein und räumt» ihn unter Anwendung der Gummiknüttel. Wir überlassen der Öffentlichkeit ruhig die Beurteilung dieser mutwillig heraufbesohworenen und tief bedauerlichen Vorfälle. Wir wollon uns heute mit der Feststellung begnügen, daß es hoch an der Zoit wäre, daß die Führer dieser revisionistischen Jugend den Beweis erbringen, daß sie Zucht und Disziplin zu halten vorstehen. Die jüdische Bevölkerung wird uns darin zustimmen, daß in einer so schweren, schicksalhaften Zeit, wie es unsere Zeit ist, Ruhestörungen und derartige Angebereien von Juden gegen Juden tief zu beklagen und zu verdammen sind. Einstein an der Universität Istambul Istambul, 5. März. Professor Einstein liot dio Einladung der Istambul er Unavomität angenommen und wird im Frühjahr einige Vorträge halten. Zur Zubereitung der Osterspeteen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunoiol verwenden. Kunorol ist verbürgt roinos Fett ans ICokosndsson. Die gesamte Erzeugung bis zur Verpackung dos fortigon Fettes steht untor strengor Aufsicht dos Horrn-Bezirksrabbinors S. Ehrenfeld zu Mattecsburg.