Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 334 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Heute 8 Seiten stark Prai» eie Natnmer 80 g V. I». I». JÜDISCHE ZEITUNG WeinrEinkaiif ist Verfrauenssadie I Verlangen Sie ausdrücklich: PmWSTINB-UJllNE RISHONZION PROPR."' BARON ROTHSCHILD; einschläg. Geschäften erhältlich f Autor. Vertreter für Österreich: Gustav Wilder, Wien, IV., Rainers. 31 Tel. U 42-4-84 Redaktion und Administration: Wien, I. KärntnerstraBe 28, Tel. R 27-4-85. RedaktlonesohluB Montag und Mittwoch vorm. I (22. Adar 5694) Das Minderheltenrecht ln der 1 ettländischen Verfassung Riga, 5. März. Im Zusammenhang mit den Vorarbeiten für eine Änderung der lettländischen Verfassung wurde in der zuständigen Sejmkammission ein Antrag auf Einbau des Mdnderheitenrechtes in die Verfassung gestellt. In einem besonderen Punkt der Verfassung soll die Sicherung nationalknltureller Autonomie . für die Minderheiten Lettlands gewährleistet werden. ’ Rumänische Regierung antwortet Antisemiten Bukarest, 5. März. Der Cuzist Prof. Catzuneanu hielt in 'der Kammer eine antisemitische Hetzrede, in der er alle Schuld an der schlechten wirtschaftlichen Situation den Juden zuscliob. Im Namen der Regierung erwiderte Unterstaatssekfetär Mavrödi, die Liberale Partei sei stets gegen Rassen- und Klassenjkamspf gewesen, die rumänische Nation sei dnrchatas imstande, auch ohne Antisemitismus ihre Interessen zu wahren. Fortgesetzt arbeiten die Antisemiten in ihrer Presse mit dem Argument, die Regiejnmg wolle 150.000 deutsch-jüdische Flüchtlinge in das Land hereinlassen. Bekanntlich haben die Duca-Mörder ausgesagt, daß dieser Verdacht gegen die Regierung mitbestimmend für die Mordtat war. Die Regierung sah sich genötigt, neuerdings gegen diese Legende aufzutreten. Gegen die Verhetzung Sowjetgericht verurteilt antisemitischen Ingenieur zu zwei Jahren Gefängnis Moskau, 7. März. (Z. T. A.) Der Ingenieur Peter Rogatschow wurde wegen antisemitischer Beschimpfung und Mißhandlung des mit iihm die gleiche Wohnung teilenden Juden Boris Schermann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. _ r. Neubesetzung des englischen Kolonlalmlnlsterlums London, 5. März. Im Zusammenhang mit den zu erwartenden Änderungen in der Zusammensetzung des englischen Kabinetts wird mitgeteilt, daß mit dem Rücktritt Sir Philip C u nliffe-Listers von der Leitung des Ministeriums für die Kolonien zu rechnen ist. Der bisherige Kolonienminister soll zum Lord ernannt und an die Spitze eines anderen Ministeriums gestellt werden. Über tausend jüdische Arbeiter bei den Messearbeiten beschäftigt Bei den Vorbereitungsarbeiten für die Levante-Messe in Tel Aviv, die im nächsten Monat eröffnet wird, sind über tausend jüdische Arbeiter beschäftigt. Die Hälfte von ihnen arbeitet auf dem Messegelände selbst am Bau des Pavillons und der sonstigen Messegebäude. ULIMANN, RINK & CO., INTERNATIONALE SPEDITION 1., Kurrentgasse 12 Telephon U 22-2-54 Spezialverkehr nach Palästina für Übersledlungen und Gütertransporte via Donau Die Lüge wird fortgesetzt und ausgebaut. Je weiter man sich von den blutigen Februartagen entfernt, desto umfangreicher wird die Hetze gegen „die Juden“. Ein ganzes, gut ausgeklügeltes System von unbewiesenen, unbeweisbaren Beschuldigungen breitet sich aus. Die Hyänen Schlachtfeldes, vor allem die nationalsozialistischen Erpresser, mit ihnen aber auch jene, die seit dem Umsturz keinen fruchtbaren Gedanken, keine Tat gegen die Krise und die Arbeitslosigkeit einsetzen konnten, haben, wie immer, ihren armseligen Gehirnen nur das eine abringen können, die Juden im ganzen und im einzelnen, in Bausch und Bogen, für alles verantwortlich zu machen und sogar mit Blutschuld zu belasten. „Die Juden“ haben den Aufstand gepredigt, „die Juden“ haben die Waffen besorgt, „die Juden“ haben die Arbeiterschaft in den Kampf getrieben, „die Juden“ verbreiten im Ausland Märchen gegen Österreich. Und weil das nun einmal dazugehört, wenn die Phantasie aufgestachelt werden soll, findet sich auch das sexuelle Moment in dem Arsenal der Gemeinheit: Jüdische Schulärzte haben ganze Mädchenklassen zum Entkleiden gezwungen. Es fehlt nichts an Niedrigkeit in dieser Kampagne, die wieder einmal den Zweck hat, von den wahren Schuldigen an dem Elend abzulenken. An all diesen planmäßig ausgestreuten Niederträchtigkeiten ist kein einziges Wort wahr. „Die Juden“, die man mit der ganzen unglücklichen Affäre in Verbindung bringen kann, stellen eine nur mit astronomischen Fernrohren sichtbare Minderheit dar. Sie haben sich für eine falsche, unrichtige Idee, aber für eine Idee eingesetzt, genau so gut wie die „Arier“ in der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Aber diejenigen, die jetzt mit dem Klischeebegriff „die Juden“ operieren, wissen das ganz genau. Sie sind zu gut vertraut mit den tatsächlichen Verhältnissen, als daß ihnen nicht bekannt wäre, daß diese „die Juden“ schon hinge das Judentum verlassen, seit je gegen das Judentum sich gestellt hatten und gar keine Juden mehr waren. Diese Politiker haben von allem Anfang an sich für den Anschluß Österreichs an das deutsche Muttervolk eingesetzt. Vor sechzehn Jahren hat die deutschnationale Studentenschaft Wiens dem Dr. Otto Bauer, damals Staatssekretär des Äußern, einen Fackelzug gebracht, um ihm für sein Wirken im gesamtdeutschen Sinn zu danken. Im Kriege sind diese „die Juden“, so wie alle anderen, an der Front gewesen, sind verwundet worden oder in die Kriegsgefangenschaft gefallen; andere sind als gute Österreicher mit Wissen des österreichischen Auswärtigen Amtes ins Ausland zur Konferenz der Internationale nach Stockholm geschickt worden. Das alles ist den Hyänen sehr wohl bekannt — aber weil’s jetzt so paßt, sind „die Juden“ wieder griffbereit. Soweit diese „die Juden“ schuld sein sollten, soll das Gericht, nicht aber die Berufspolitik das Urteil sprechen. Soweit aber diese „die Juden“ dazu benützt werden, um Attacken auf die Rechtsstellung ^ypd die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Bevölkerung vorzubereiten und die stimmungsmäßige Indikation in den Massen zu schaffen, kann man nur warnen. Nicht nur die jüdische Bevölkerung, die über ihre Kraft an den Sorgen des Staates mitträgt, auch das Ausland kennt die Wahrheit und weiß genau zu ermessen, wer die Schuld daran trägt, daß es so geworden ist, und daß es gar nicht anders hat werden können. Und das Ausland, jenes Ausland, mit dem ein so kleiner Staat immer rechnen muß, sieht auch, wie allen Bemühungen des Kanzlers, zum inneren Frieden zu kommen, entgegengearbeitet wird. Immer neue Unruhe schaffen, immer mehr Unsicherheit verbreiten — das ist das Ziel dieser dunklen Elemente, die sich nicht damit abfinden können, daß ihre Zeit vorbei ist, das Ziel der bakenkreuzlerischen Schreier und Schriftleiter, die erbost ob des Widerstandes der ganzen Welt gegen ihre Annexionsgeiüste, jedes Maß verloren haben und einen hysterischen, betäubenden Krawall vollführen. Sie haben einmal vor zehn Jahren in ihrer Presse in Wien gegen das Judentum die Parole ausgegöben: „Nur ruhig verleum* den.“ Sie gilt auch jetzt noch und wird, wie man täglich lesen und hören kann, mit erstaunlichem Eifer fortgesetzt, und es scheint niemand den Mut zu haben und der Regierung beizuspringen mit dem Hinweis darauf, wie sehr dieses Treiben geeignet ist, dem guten Ruf und der Geltung Österreichs, das ein , Kultur- und Rechtsstaat bleiben will, zu schaden. Wie toben diese Keifer, wenn irgend eia polnisches oder tschechisches Blatt ein Wort gegen' die Deutschen oder gegen die deutsche Minorität schreibt! Alle Register der Empörung gegen Pauschalverleumdungen werden da gezogen. Aber gegen die Juden — da glauben sie, sei alles erlaubt. Und liefern den Gegnern ihrer Nation alle- Waffen. Man beachte einmal die Artikel und Anträge gegen die Deutschen, die so in.Ru* mänien, in Litauen, in Polen zu Haufen erzeugt werden. Sie sind fast wörtlich der antijüdischen Literatur in Österreich und in Deutschland entnommen. Und jedes Verbrechen trägt seine Strafe in sich. Warschau, 7. März. (Z. T. A.) Ein polnischer Journalist hat vor wenigen Tagen den nationalsozialistischen Präsidenten des Danziger Senats, Rausohnig, interviewt. Senatspräsident Ranschnig gab dem Journalisten de folgende Erklärung ab: „Die Gerüchte, wonach zwischen der Danziger nationalsozialistischen Partei und der reichsdeutschen Nazipartei ein Zwiespalt bestünde, sind falsch. Es ist selbstverständlich, daß der Nationalsozialismus in Danzig sich den geänderten Verhältnissen anpassen muß, besonders, da die Po 1 en und Juden verfassungsmäßige Rechte besitzen. Ich habe vor einiger Zeit eine Unterredung mit Marschall P i 1 s u d s k i gehabt, in welcher der Marschall für die Wahrung der Rechte der verschiedenen Nationen eingetreten ist. Ich habe schon damals dem Marschall unseren Standpunkt, daß der Nationalsozialismus in Danzig den geänderten Verhältnissen angepaßt werden müsse, auseinandergesetzt und halte auch jetzt daran fest.“ Die Vothszählung Am 22. März finidet in Österreich eine Volkszählung statt. Der im Bundesgesetzblatt Nr. 80/1934 normierte „Wohnungsbogen“ ist dadurch bemerkenswert, diaß er weder eine Rubrik „Heimatszustämdigkeit“ noch eine Rubrik „Nationalität“ enthält. Der letztere Umstand hindert leider jene Juden, die sich zur jüdischen Nation bekennen, dies im „Wohnungsbogen“ zu vermerken. Der „Wohnungsbogen“ enthält außer der Ru- ,Ge- Die Rubrik „Staatszugehörigkeit“ nur die briken „Sprachliche Zugehörigkeit“, burtsort“ und „Religionszugehörigkeit“, Erläuterung zur Rubrik „Sprachliche Zugehörigkeit“ besagt: „Die sprachliche Zugehörigkeit wird durch die Sprache bestimmt, deren Kulturkreis der Befragte sich zugehörig fühlt. Als sprachliche Zugehörigkeit darf nur eine angegeben werden.“ Die Wohnung^ bogen sind von den Hausbesitzern einznsammeln. Es stellt jedoch den Parteien frei, die Wohnungsbogem bei Nach Palästina mit der Compass Tours Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Aviv Am 19. März: Osterreise mit dem Luxusschiff „Vulcania“ über Rom, Neapel, Athen, Beirut Am 17. April: Offizielle Messereise der Kollektiv-Ausstellung Österreichs auf der Levante-Messe in Tel-Aviv unter dem Protektorate der Wiener Handels- und Gewerbekammer Schiffskarten zu Originalpreisen für jede Fahrt nach Palästina. Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass-Tours Wien, IX., Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38 Offi Von S 930.- aufwärts