Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 333 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 3M. (5. Marz 1931 Departements fiir Handel und Industrie, für Wirtschaft und Statistik und für die Fragen des Mittelstandes zu einem Departement unter dem Namen „Wirtschafts-Departement“ vereinigt. Informationsdienst, Das Departement hat es sieh zu seiner Vornehmsten Aufgabe gesetzt, den Informationsdienst über alle Wirtsehaftsfragen, und zwar sowohl für die Einwanderer als auch für Aufgaben aus dem Auslande zu zentralisieren. Zum Zwecke der Zentralisierung dieser verantwortungsvollen Tätigkeit traf das Wirtschafts-Departement mit dem bei dem „American Falostino Economic Board“ bestehenden Informationsbureau eine Vereinigung und errichtete ein zentrales Informationsbureau, das unter der Aufsicht des Departements steht und den Namen „Zentrales Informationsbureau für Industrie und Landwirtschaft, genehmigt von der Jewish Agenee for ralestine“, führt. Seit dem Übergang der Informationsaufgaben auf das Informationsbureau konzentriert sich die Tätigkeit des Wirtsehaftsdepartements darauf, engere Beziehungen zum Auslande und zu den palästinensischen Industriellen herzustellen, die Überführung neuer Unternehmungen nach Palästina zu ermuntern, Verhandlungen mit der Regierung über Zollfragen zu führen und neue Absatzgebiete fiir die Produkte zu suchen. Verhandlungen mit der Regierung. Die Einwirkung auf die Regierung erfolgt im wesentlichen in der Regierungskommission für Handel und Industrie. In den letzten vier Sitzungen dieser Kommission wurde beschlossen, eine Anzahl von Artikeln, die für die Produktion Palästinas notwendig sind (polierte Kupferstäbe, Rotkupfer, Zelluloid, Sonnenblumen, Zucker für Imker usw.) vom Zoll zu befreien, andere Artikel KKnöpfe und andere Artikel aus Perlmutter, Korsetts und Gürtel aus Natur- und Kunstseide, Sesam, metallenes Druckmaterial usw.) mit einem Schutzzoll zu belegen oder für andere Artikel (Briefumschläge usw.) .die Zollsätze zu erhöhen. Augenblicklich berät die Regierungskommission über die Festsetzung von Schutzzöllen für die Seidenproduktion, über die Zollbefreiung der Rohstoffe für die Herstellung von Metallfäden lind über die Festsetzung eines Rückzolles j(draw-back). Beziehungen zu idem Verbände der Industriellen. Die Tätigkeit des Wissenschaftsdepartements erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Verbände der Industriellen. Im Zusammenhang hieniit fanden in der letzten Zeit zahlreiche Zusammenkünfte mit den Industriellen statt. In ihnen wurde über die Frage der Einwanderung von Facharbeitern beraten, deren Fehlen nicht nur die Entwicklung zahlreicher Industriezweige hemmt, sondern auch die Ursache dafür ist, daß neue industrielle Unternehmungen nicht eröffnet werden können. Die Exekutive der Jewish Agency hat in diesem Zusammenhang 100 Einwanderungszertifikate zugunsten der Industriellen ausgegeben. In der letzten Zeit ist auch die Frage der Einwanderung nichtjüdischer Experten aktuell geworden. In dieser Frage wandten wir uns an die Regierung mit dem Gesuche um Erteilung von Zertifikaten neben dem allgemeinen Arbeiterschodule und erhielten die Zusicherung, daß für nichtjildische sachverständige Instruktoren die Erlaubnis zu zweijährigem Aufenthalte in Palästina erteilt werden würde. Das Departement befaßte sich auch mit der Frage der Bereitstellung des Bodens für die Schaffung von Industriezonen bei d o n Städten, sowie mit der Beschaffung von Mitteln für die Unterbringung von Industriearbeitern. In der Haifazone hat der Keren Kajemeth 5000 Dunam fiir die Entwicklung der Industrie zur Verfügung gestellt. Unter den neuen Unternehmungen verdienen Erwähnung eine Jlefc- und Spritfabrik (auf einem Terrain von 25 Dunam) und eine Textilfabrik (auf einem Gelände von 50 Dunam). Augenblicklich führen wir Verhandlungen über die Beschaffung geeigneten Bodens in der Umgebung Tel Avivs und Jerusalems. Technischer Unterricht. Das Departement stellt mit der Handwerker-Organisation über die Frage der Unterbringung und der Errichtung einer Handwerkenßchule in Verbindung. Zum Zwecke der Förderung des technischen Unterrichts in Palästina ist die Exekutive dor Jewish Agency mit der Regierung in Verhandlungen über die Bewilligung angemessener Beträge für diesen Zweck getreten. Bei dem Magistrat von Tcl-Aviv haben wir die Gewährung eines Darlehen« in Höhe von 18.000 Pfund zu mäßigen Bedingungen fiir die Zwecke des Ausbaues einer Fachschule und die Unterbringung von Einwanderern beantragt. 133 neue Fabriken. In der zweiten Hälfte des Jahres 1033 wurden in Palästina 133 neue Fabriken eröffnet, darunter 25 für die Bearbeitung von Metall, 5 für die Lederproduktion, 8 für chemische Industrie, 0 Druckereien und Papierfabriken, 11 Holzboarboitungsfabriken, IG Textilfabriken, 22 Unternehmungen für Baumaterial, 13 für Nahrungsmittel, .13 für das Bekleidungsgewerbe und 11 sonstige Unternehmungen. Das von Juden in Palästina im Laufe des Jahres 1033 investierte Kapital wird auf 5'/• Millionen Pfund geschätzt, hievon entfallen auf die Industrie und das Transportwesen 800.000 Pfund. Im Laufe diese« Jahres hat die Industrie Palästinas mehr als 4000 jüdische Arbeiter au (genommen. Statistische Arbeit. Im Laufe der Monate November bis Dezember wurde das Material über 50 neue und 150 alte industrielle Unternehmungen gesammelt. Ferner wurde eine Untersuchung auf Grund von 3400 Fragebogen über 150 Gruppen industrieller und handwerklicher Unternelimungen durchgeführt. Auf Ersuchen der Regierung wurde eine provisorische Ta- Achtung! Haifa, alles aussteigen! Die Purimredoute der „Judäa“ findet unter der obigen Devise Samstag, den io. März 1534 in den dekorierten Sälen des Hotel Post (Fleischmarkt) statt. Karten k S 2*jo im Sekretariat des Jüdischen Hocfaschulaussdiusses (täglich von 13—17 Uhr) IX., Alserstraße 26 und bei sämtlichen Funktionären der „Judäa“. belle vo-rbereitet, die die Entwicklung derindustriellen Unternehmungen seit dem Weltkriege zeigt. Zur Frage der Einwanderung wurden die monatlichen Berichte für das letzte Halbjahr (18.000 Einwanderer und zirka 10.000 Touristen) bearbeitet. Sie enthalten eine vollständige Analyse des Statuts der Einwanderer. Ferner wurden umfassende statistische Tabellen über die Einwanderung von G803 Einwanderern und 4368 Touristen aus Deutschland .ausgearboitet. In Vorbereitung befinden sich statistische Tabellen über die jüdische Touristik in den letzten zwei Jahren und Übersichten über die Rcgierungsziffern bezüglich der jüdischen Touristen, die seit 1925 die Niederlassungserlaubnis in Palästina erhalten haben. Auf Ersuchen des politischen Departement« der Jewish Agency wurden die Einwanderangs-Schodulo für die Jahre 1923 bis 1930 berechnet. Die Berechnung zeigte, daß die Eingliederung der Einwohner im Bauwesen, in der Landwirtschaft und Industrie der Größe der Arbeiter-Einwanderungslisten entsprach, die in dieser Zeit der Palästina- Regierung durch uns zur Bestätigung vorgelegt worden sind. Finanzdepartement Die Exekutive der Jewish Agency wählte Herrn E. Kaplan zum Treasurer und die Herren Dr. Höxter und Dr. Senator zu Mitgliedern der Treasury-Kommission. Budget 5694. Das vom XVIII. Zionistenkongreß und dem Concil der Jewish Agency in Prag insgesamt auf 175.000 Pfund festgesetzte Budget für 5094 umfaßt: Schuldentilgung des Keren Ilajessod: 35.416 Pfund; Schuldentilgung der Jewish Agency: 40.134 Pfund (also 75.580 Pfund zur Verringerung des früheren Defizit« der Jewish Agency); Administrative Aufgaben des Keron Ilajessod und Londoner Büro: 21.500 Pfund, insgesamt: 07.080 Pfund. Demgemäß verblieben fiir das Arboitorbudget der Jewish Agency nur insgesamt 77.920 Pfund. In den Monaten Oktober bis Dezember wurden die Schulden der Jewish Agency für einige Budgetposten um 34.500 Pfund vermindert, während bei anderen Budgetposten eine Erhöhung der Schulden um 23.940 Pfund cintrat. Auf diese Weise wurden die Schulden um insgesamt J0.5G0 Pfund vermindert. Es ist jedoch noch verfrüht, aus dieser Verringerung der Schulden Schlüsse zu ziehen, solange wir nicht sicher sind, daß die Einnahmen des Keren Ilajessod jetzt dem iin Budget festgesetzten Betrag erreichen. In den letzten Tagen gelang es uns, nach Verhandlungen zwischen der Jowisli Agency und dem Waad Leiuui einerseits und der Regierung anderseits, ein Darlehen von 25.000 Pfund zu erhalten. Dieses Darlehen wurde unter der Bedingung seiner Tilgung im Laufe von zehn Jahren gewährt. Mit Hilfe de« Darlehens wird der Reet unseres Budgets für das Erziehungswescn für das Jahr 5G93 gedeckt werden. Die Treasury wird die. größten Anstrengungen machen müssen, um nach einem festen Plane da« Defizit zu vermindern und zu einer Balancierung der Finanzlage zu gelangen. Vorläufig muß festgestellt werden, daß sich die Treasury in einer schwierigen Finanzlage und unter dem ständigen Druck der schweren Verpflichtungen befindet, die von früher her auf ihr lasten. Die Treasury bereitet augenblicklich Vorschläge für eine Konsolidierung unserer Schulden in dem Sinne vor, daß die Schuldenlast auf eine lauge Reihe von Jahren verteilt wird. Die Bewegung wird die größten Anstrengungen machen müssen, um die Arbeit für den Keren Hajeesod zu vergrößern, damit einerßeite die Last unserer Schulden erleichtert und anderseits die Möglichkeit geschaffen wird, diewiTtschaftliche und kolonisatorische Tätigkeit der Jewish Agency zu erneuern. Hunderttausend Menschen heim Purim*Karneval in Tel Aviv Tel Aviv, 4. März. Nach Schätzungen der Palästina-Polizei haben am P11 r i m - K a r n 0 v a 1 in Tel Aviv am 1. März mehr als 100.000 Menschen teilgenommen. Die Polizei stellt fest, daß sich die Menschen in den Straßen Tel Avivs musterhaft benahmen; bei aller Ausgelassenheit kam nichts Pöbelhaftes vor. Die Polizei hatte keinen Anlaß, einzuschreiten. Rückgang des Reiseverkehrs Triest Palästina Wien, 4. März. Von maßgebender Stelle des „Lloyd T r i 0 s t i n 0“ wird mitgefceilt: Der Beginn dor Frühjahrssaison, die alljährlich schon in der zweiten Februarhälfte mit einem verstärkten Reiseverkehr nach Palästina einznsetzen pflegt, hat in diesem Jahre infolge der Vieaschwierigkeiten, die die englischen Behörden allen Reiselustigen bereiten, eiue große Enttäuschung gebracht. Es ist bis jetzt nicht nur keine Steigerung des Reiseverkehrs eingetreten, sondern es ist sogar ein anhaltender Rückgang zu verzeichnen. Wohl fehlt es nicht an Anmeldungen und Anfragen von Touristen, aber von den vielen Angemeldeteii bekommt höchstens jeder Zehnte die Bewilligung zur Einreise nach Palästina. Unter diesen Unuständen hat auch die Parolo ,,Purim in Tei- Aviv“, die sonst eine gewaltige Anziehungskraft aus übt, und auch in diesem Jahre zahlreiche Besucher nach Palästina gebracht hätte, keine Steigerung des Reiseverkehrs gebracht. Es bestellt die Gefahr, daß auch die Lev ante- Messe i n T e 1 - A v i v unter diesen Schwierigkeiten empfindlich zu leiden haben wird. Der Lloyd Triestino hat ursprünglich mehrere Extradampf er für die Zeit der Frühjahrsmesse in Tel-Aviv borcitstellon lassen, um dem verstärkten Vorkehr Rechnung zu tragen. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte jedoch die Inanspruchnahme dieser Dampfer allem Anscheine nach Wegfällen. Man sieht «ich genötigt, über die reservier!en Sehiffo anderweitig zu verfügen. An die Allgemeinen Zionisten in Österreich Uber Initiative dos Verbandes der Allgemeinen Zionisten hat der I< 0 n g r c ß einmütig beschlossen, Menacheni Ussischkin anläßlich seines 70. Geburtstages durch Schaffung einer neuen Siedlung zu ehren. „Kfar Ussiochhin“ Der Dank für seine bereits geschichtlich gewordenen Leistungen ißt die Ermöglichung von Neukolonisation. Ein neue« Prinzip wird bei dieser Ansiodlung in Anwendung gebracht werden: Jede Föderation w i r d i li r e Mitglieder entsprechend i li r c m B e i t r a g z u m Kfar U s s i s e h k i 11 a 11 s i c d c 1 n können. Wollen wir also allgemoin-zionisti«ebo Jugend und Mittelständler a.nsiedelu, so müssen wir oben alle Kräfte anstrengen. Wir fordern daher die Allgemeinen Zionisten Österreichs auf, sich ganz in den Dienst des „Kfar Ussischkin“ zu stellen. Die Sache spricht für «ich. Unsere Antwort soll die T a t sein. Wir verlangen, daß umgebend alle Sektionen und Ortsgruppen die Selbstkontingentierung Ihrer Mitglieder durchführen und bei Freunden und Bekannten eifrig sammeln, Propaganduinaterial ist im Büro dos Keren Kajcmet crhältieh. Die Aktion muß raschest durchgeführfc werden. In jeder Sektion und Ortsgruppe ißt so«* fOTt ein Komitee einzaisetzen, dem der Obmann der Sektion der KKL-Kommissär angehören müssen. Das Komitee ist für die Durchführung der Aktion verantwortlich. Es bleibt bis zur Beendigung der Aktion in Permanenz. Als Einleitung soll eine Usslschkin-Feler im Rahmen jeder Sektion und Ortsgruppe stattfinden. Von unserer Arbeit und von unseren Opfern wird es abhängen, wieviele Allgemeine Zionisten aus Österreich auf dem Boden des Kfar Ussischkin zur Ansiedhmg kommen. Jeder Allgemeine Zionist tue daher seine PfLidhtl Zionistischer Landesverband für Österreich für das Zion. Landeskomiteo Dr. B e r g c r Dr. G r li 11 b a u m P a ß w e g Arthur Hantke 60 Jahre Am 5. März feiert der Direktor dos „Keren Hajessod“, Arthur Ilant k c, ehemaliges Mitglied des Engeren Aktions-Komitee« der Zionistischen Weltorganisation, seinen G0. Geburt«tag. Arthur Ilantke wurde 1874 in Berlin geboren, trat schon in jungen Jahren für den zionistischen Gedanken ein und betciligto sich seit 1895 an allen national-jüdischen. Gründungen in Berlin. Seit 1900 Rechtsanwalt in Berlin, leitete er ab 1905 das Berliner Zentralbureau der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland, seit 1910 als gewählter Vorsitzender. V011 1911 bis 1920 war er Mitglied des Engeren Aktions-Komitees, von 1920 bis 1926 Leiter deß „Keren Ilajessod“ für Zentralouropa, seit 192G ißt er goschäftsfilhrendcr Direktor des „Keren Ilajessod“ in J e r u s a 1 c in. Ein Araber Nachfolger des PalästU nensischen Staatsanwalts EUiott London, 2. März. Im Unterhaus fragte Oberst Josiah Wedgwood, ob für den vor einiger Zeit durch einen Unfall ums Loben gekommenen Genorulstaatsanwult von Palästina E I 1 i o i t, schon ein Nachfolger ernannt wurde. Für den Kolonialmiuistur antwortete Malcolm MacDonaid. Der Posten des Regienmgsanwalts wurde durch Bmifimg eines arabischen Beamten namens M 11 s a El Ai a m i besetzt, der einige Jahre hindurch stellvertretender Regicrungsanwalt war und in letzter Zeit beim High Cominissionor als einer von dessen Privatsekrotäron arbeitete.