Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 333 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE STIMME Kr. 333. —■ 6. März 1984 Seite 2 W ü r f t e m b e r g c r und Schlesier mache. Ich verhehlte auch nicht, daß solche Statistiken, die ein Volk gegen die Angehörigen seiner eigenen Nation aufstellt, schlechten Eindruck im Ausland machen. Goebbels fuhr fort: „Die Wiirttcmberger sind Arier. Die Juden aber keine. Sie sind so:;;r ..Nicht-Arier“ und deshalb ha.ben wir sic A u s n a h m e g e s e t z c n unterstellt.“ 'Ais ich diesen Satz gelegentlich eines Vortrages in Paris zitierte, brach das Publikum in ein lautes Gelächter aus. Also, sie sind keine Arier! Was ist aber ein Arier? Ist er grob, blond, blauäugig und von rosafarbenem Teint? Ist ein Nichtarier dunkeläugig, schwarzhaarig, klein und von dunkler Haut? '(Anspielung auf Goebbels’ äußere Erscheinung. Die Red.) Also was ist ein Arier? 33ie deutschen sagten mir: „Lesen Sie Ihren LanGmann, den Grafen G ob ine au! Es fällt einem Franzosen schwer, diesen Mann zu lesen, dessen Französisch uns mitunter unverständlicher ist als eine fremde Sprache. Ich nahm also Gobineau her, der Prophet in einem anderen Lande wurde, weil man ihm dazu in seinem eigenen keine Gelegenheit gab. Ich erfuhr bei Gobinoui, daß die menschlichen Rassen ungleich seien. Den ersten Platz nehmen die Arier ein. Die reinsten unter den Ariern sind die Germanen. Die Deutschen aber seien gar keine Germanen. Denn die germanischen Ureinwohner sind von den Hunnen, Teutonen und Kelten vertrieben worden. Man findet die reinen 'Germanen nur in Schottland und Skandinavien. Was die Deutschen anlange, seien sie ein „ausgesprochenes Mestizenv o l k‘:. Zum Schluß fand ich die Behauptung, daß sich heute das arische Blut am reinsten bei den Semiten erhalten hat *— weil sie die unvermischteste Vüiße Rasse sind. In Frankreich stand die Rassenfrage niemals im Vordergrund. Als 1791 die Nationalversammlung die Emanzipation der Juden verkündete, dachte sie, daß die Menschen nach ihren moralischen und intellektuellen Verdiensten und nicht nach ihrem Blute gemessen -werden sollen. Ernest Renan schrieb: „Das größte Werk des 19. Jahrhunderts war es, alle Ghettis eingerissen zu haben. Die jüdische Rasse hat der Welt die größten Dienste erwiesen..., durch ihre Zusammenarbeit mit allen freiheitlich 3n Kräften Europas -wird sie zum Fortschritt der Menschheit in gewaltigem Maße beitragen.“ Seien wir bescheiden und erbauen wir uns nicht das Vaterland auf dem Rassebegriff. Ich kenne nur eine Rasse: die der Menschen, die von Geburt alle gleich sind und sich nur durch ihr Talent und ihre Verdienste unterscheiden. Landwirtschaftliche Ausbildung von Juden in Lettland Riga, 2. März. Der lettlündische Landwirtschaftsminister G u 1 b i s setzte sich in einer vor der Budgetkornmission des Sejm gehaltenen Rede für einen vom Abgeordneten D u b i n eingebrachten Antrag, den jirdisch-lau!wirtschaftlichen Ausbildungskureen eine R e g i e r u n g es b e i h i 1 f e zu gewähren, ein. Wir müssen anerkennen, erklärte der Minister, daß die jüdisch-landwirtschaftlichen Kurse gut besucht sind. Gegenüber der Frage, ob den Juden überhaupt die Möglichkeit zu landwirtschaftlicher Ausbildung gegeben werden solle, ist darauf hinzmveisen, daß zahlreiche Juden in Lettland sich mit Landwirtschaft befassen und daß die Regierung gewillt ißt, solche Bestrebungen zu fördern. Die Budgetkornmission beschloß mit neun gegen zwei Stimmen, in den Haushaltsplan eine Beihilfe von G000 Lat für die jüdischen landwirtschaftlichen Ausbildungskurse einzudelieri. GROSSFLEISCHHAUEREI fäEGM. KORNMEHL ZENTRALE IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELE PHONNUMMER: A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f* "Nys-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnutsder Israelitischen Kultusgorneinde Wien Autozustellung kostenlos IX.,Berggnsse 15, XVIII.lWährlngerstraße 17 Rücksicht auf die jüdischen Bergsportler! Iu den letzten Tagen hat dcr„D e u t s e h- Oeeterreicbische Alpcnverein“. der bekanntlich seit mehreren Jahren den Arierparagraphen in seine Statuten aufgenommen hat und auch praktisch durchführt, an das Bundeskanzleramt eine Eingabe gerichtet, mit dem Antrag, daß ihm die Schutzhäuser der von der Regierung aufgelösten „N a t u r f r e u n d e“ mit dem gesamten Inventar zur Bewirtschaftung übergeben werden. Es handelt sich um nicht weniger als 89 eigene Häuser, Schutzhütten, Skihütten und Talherbergen, außerdem um zahlreiche gepachtete Objekte mit voller Einrichtung. Die Sache ist deshalb von größerer Bedeutung, weil der Touristenverein „Die Naturfreunde“ die einzige Massenorganisation für Bergsport ohne Arierparagraphen war und den „Naturfreunden“ daher auch jüdische Nichtsozialdemokraten angehörten. Würde die Regierung dem „Deutsch- Oesterreichischen Alpenverein“ die Schutzhütten der „Naturfreunde“ übereignen, so würde das heißen, daß die österreichischen J uden vom Bergsport ausgeschlossen werden. Keiu ehrliebender Jude kann doch eine Schutzhütte aufsuchen in der er unerwünscht oder Belästigungen ausgesetzt ist, weil er Jude ist. Die Regierung muß daher dafür Sorge tragen, daß die „Naturfreundeu-Hütten einer Vereinigung übergeben werden, die weder offen noch versteckt durch einen Arierparagraphen die Juden diskriminiert. Die „Naturfreunde“-Schutzhütten müssen allen Österreichern ohne Unterschied frei zugänglich sein. Die Getarnten. Österreich, schickt sich gerade zu einer großzügigen Fremdenwer bring an und wir Juden werden hiebei, wie in früheren Jahren, nach besten Kräften mitarbeiten. Der Erfolg wird sich einstellen, wenn man nicht Juden, nur weil sie Juden sind, in gewissen Zeitungen beschimpft. Wenn. man die „Neuesten Wiener Nachrichten“- die „Depeschen“ und den „österreichischen Beobachter“ liest,. glaubt .man reichsdeirtsche Nazizeitungen zu lesen. So lesenNvir, um nur ein Beispiel anzuführen, in den ,,Depeschen“ vom 1. März unter der Überschrift: „D e r Galiläer liebt die Ehre, der Jude das Geld“ u. a. folgendes: „Drei Wesen sind zuchtlos: Der Hahn unter dem Federvieh, der Hund unter den Vierfüßlern und Israel unter den Völkern.“ Da muß man denn doch fragen: Liest der Herr Prcssestaatsanwalt die ,,Depeschen“ und die übrige getarnte Nazipresse? Dürfen wir Juden in Österreich denn ungestraft beleidigt und verhöhnt werden? Es gibt Tatsachen im Innern, die dem Fremdenverkehr nicht förderlich sind. Hier Remedur zu schaffen wird Aufgabe der Regierung sein. Rückgang des Hochschulstudiums unter den Juden Ost- und Mitteleuropas Die wirtschaftlich-statistische Abteilung des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna bereitet die Herausgabe einer größeren Studie über den Anteil der Juden am Hochschulstudium in verschiedenen Ländern vor. Aus dieser Arbeit ist zu ersehen, daß der Prozentsatz der jüdischen Ilochschüler an den Universitäten Ost- und Mitteleuropas dauernd fällt. Bei Durchsicht dee statistischen Materials empfängt man den Eindruck, daß eine fortschreitende Verdrängung der jüdischen Jugend aus den Hochschulen und insbesondere aus den medizinischen Fakultäten sich vollzieht. Während in Polen 1923/24 neben 29.G76 niohtjüdischon Studenten 9579 Juden an den Hochschulen inskribiert waren, betrug ihre Zahl 1932/33 9(194, während die Zahl der nichtjüdischen Studenten auf 42.07G gestiegen war. Die Polen rnachtori unter der Studentenschaft 1923/24 G7'2%, die Juden 24‘4%, dagegen 1932/33 die Polen über 71%, die Juden nur noch 18*17% aus. Noch ausgeprägter zoigt sich diese Entwicklung in Lettland. Dort ga.b os 1920 2851 lettische Studenten (7G'3%), 1931 bereits 7237 Lettische Studenten (82*0%). Dio Zahl der jüdischen Studenten ist im gleichen Zeitraum von 157% auf S'8% gesunken. Interessant ist ein Vergleich des Anteilverhältnisscs an den ungarischen Hochschulen während des starken Zustroms zu den Hochschulen unmittelbar nach Kriegsschluß, als die Kriegsteilnehmer an die Hochschulen zuriiekkehrten, mit dem in späteren Jahren. 1917/18 waren 317% der ungarischen ITochsehülcr Juden, 1920/27 nur noch 8'5%, 1931, nach dem Abebben der antisemitischen Hoch flu t, stieg der Prozentsatz wieder auf 10'5%. Am stärksten war der Rückgang an den medizinischen Fakultäten. Hier betrugen die Prozentzahlen in Ungarn 1917/18 51*5, 1930/31 14*3: in Polen 1923/24 30*2, 1932/33 18*4: in Lettland 1920 257, 1932 G'9. Bemerkenswert ist die Entwicklung cles landwirtschaftlichen Hochschulstudiums. An landwirtschaftlichen Hochschulen und Fakultäten waren in Lettland 1920 nur zwei Juden inskribiert, 1932 schon 28; in Polen studierten 1923/24 bloß 18, 1932/33 schon 50 Juden Landwirtschaft. Beh. konz. Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realilälen, Hypolheken I.. II. und III. Sätze, Bau- und Zwisdienkredile, Gebäudeverwallung ★ Büro.- Franz Josefs-Kai 11 lei. R-25-0-44 Wohnung : II., Vorgärlenslr. 150, lei. R-41-8-88 Die Nationalzar anist en antisemitisch Bukarest, 1. März. Die Nationale Bauernpartei (Nationalzaranisten, aus deren Mitte die früheren Regierungen Maniu und Vaida V o e v o d gebildet wurden) strebt nun eine Verfassungsänderung in dem Sinne an, daß Rumänien ais reiner Bauernstaat stabilisiert werde. Dabei fehlt die antisemitische Note nicht, die zunächst in der Entlassung der jüdischen Redakteure des Parteiblattes „Dreptatea“ zum Ausdruck gekommen ist. Wenn aber nun der Parteiführer M i h a 1 a c h e behauptet, die Juden verstunden nichts von der Mentalität des Bauern, so darf daran erinnört .Werden, daß die grundlegendsten Projekte, zur rumänischen Agrarreform von Juden stammen, so zürn Beispiel das Werk „Neoiobogia“ (Neues Sklaventum) des bedeutenden jüdischen Publizisten Gherea. Die Minderheiten Rumäniens Vom rumänischen Institut für Volkszählung wird festgcstellt, daß 73% der Gesamtbevölkerung Groß-Rumäniens rumänischer Volkszugehörigkeit sind, die restlichen 27% entfallen auf völkische Minderheiten. Dio an Zahl stärkste Minderheit sind die Ungarn mit insgesamt 1,388.000 Seelen (77% der Gcsamtbovölkcrung). Nach ihnen kommen dio Juden mit 829.000 Seelen (4'6%). Dio Deutschen zählen 775.000 (4-3%). Ruthenen sind 409.000 (2’G%), Bulgaren 378.000 (2-4%), Russen 324.000 (1*3%), Türken 234.000 (P3%). Die Prozentsätze der Geburten stellen sich wie folgt: An der Spitze marschieren dio Rumänen mit 29'1 Geburten auf 1000 Seelen. Nach ihnen kommen die Ungarn mit 23, die Deutschen mit 19‘5 und die Juden mit 19*4 auf 1000, Der Entjudungsprozeß in Sowjetrußland Moskau, 2. März. Von den „Arbeiterkorrespondenten“ (Arbkorhs) eine Reihe jiddischer Fabrikezeitungon wird die Forderung nach Ausmerzung der II e b r a i smen aus der jiddischen Sprache erhoben. Dio Zoitung „Der Odeseaer Arbeiter“ ist bereits dazu übergegangen, die hebräischen Ausdrücke durch russische Lehnwörter zu ersetzen. Auch dio großen jiddischen Tageszeitungen belässrm sich mit dieser von den Arbeiterkorrespondenten aufgeworfenen Frage. ,,Ste*rn“ schreibt, viole Hobraiisrnen seien mit „jtidißch-roligiöson Gebräuchen und nationalistischen Vorstellungen“ verknüpft, doch hätten die Zeitungen einen Z w e i - F r o n t c n - K a m p f zu führen: einerseits gegen die nationalistische Gefahr, anderseits gegen jene, die glauben, jiddische Sprache, Schule und Kultur «einen dem Tode geweiht. Man könne aber nicht alle Hebraismcn im Jiddischen entbehren. KINOPROGRAMMEDERWOCHE Leopoldslfldter Volkskino TeIephoa8Kr4§-0-23 Vom 6. bis 8. Mürz: Goldig Wochentags </A l/A 740 Uhr, Sonn- «. Feiertags 74 Uhr Kommunistischer Lügenbrief aus Palästina Prag, 4. März. „Der Gegen-Angriff“ in Prag, eine „antifaschistische“ Wochenschrift, druckt eino ihm angeblich aus Tel Aviv zugogangeno Zuschrift ab, wobei der Verfasser bittet, seinen Namen und seine Adresse nicht bekannt zu geben, „denn liier steht auf Kommunismus schwere Kerkerstrafe“. In der Zuschrift schildert der Einsender, wie er als enttäuschter eozialdemo-: kratischer Funktionär aus Wien nach Palästina reiste. Er fährt dann fort: „... aber sobald ich in Palästina war, erkannte ich sofort den Betrug des Nationalsozialismus. Ich hatte die ersten sechs Wochen keine Arbeit und wurde von der „Histadruth“ (Sozialdemokratische Gewerkschaft der jüdischen Arbeiter) zur Eroberung der Arbeit geschickt. Bei diesen Eroberungen werden arabische Proleten mit den gemeinsten Gewaltmitteln von der Arbeitsstelle vertrieben. Dies mit der Begründung, daß die Araber zu billig arbeiten. Bei solch einer Vertreibung wurde einem arabischen Proleten bei Anwesenheit eines Führers der- Histadruth4 durch verhetzte’jüdische ArbeD ter der Schädel eingeschlagem Der Araber starb nach drei Tagen.. Iii meiner Verzweiflung wußte ich nicht wohin, bis ich den Ausweg böirn Kommunismus fand.“ Es ist offenkundig, daß diese Zuschrift, wenn sie nicht überhaupt erfunden ist, die Arbeit eines Provokateurs ist. Niemals ist ein Fall bekannt geworden, daß Histadruth' oder eine andere jüdische Arbeitergruppo Leute zur „Eroberung der Arbeit“ im Sinne der Vertreibung arabischer Arbeitskräfte, mit Brachialgewalt auegeeohickt -hat. Zweit fellos hätte ein Fall, wie die Tötung eines arabischen Arbeiters durch Juden, wie ihn der Kommunist aus Palästina schildert, nicht im verborgenen bleiben können, die arabischen Nationalisten hätten gewiß großen Lärm geschlagen; nie aber ist ein solcher Fall bekannt geworden. Anderseits aber ist wiederholt festgestellt worden, daß nationalsozialistische wie kommunistische Emissäre nach Palästina mit der doppelten Aufgabe gehen: einerseits die Araber gegen den jüdischen sozialistischen Aufbau in Palästina anfziihetzen, anderseits durch Briefe an die ihnen gesinnungsverwandte Presse im Ausland die eigeno Hetzarbeiifc als besonders einflußreich zu schildern. Die tschechische Akademie der Wissenschaften gegen den Rassen*1 unsinn Prag, 1. März. Die tschechische Akademio dor Wissenschaften bereitet eino Publikation vor, in der dio deutsche Rassenwissenschaft von hervorragenden Mitgliedern der Akademio widerlegt wird. Dio Publikation wird Arbeiten der Professoren Matiegka, Ruziöka, Weigner und anderer Kapazitäten enthalten und voraussichtlich den Titel führen: „F ü r die Gleichberechtigung dor Rasse n.“ Dio Schrift wird den Bowois führen, daß cs rcino Rassen nicht gibt und daß auch dio Züchtung von reinen Rassen unmöglich ist, denn bei dor Berechnung dor Merkmalo der Reinrassigkeit kommt man zu astronomischen Ziffern. Osterreise nach 91 28. März bis 15. April. Krakau S 97.-, Lemberg S 90.-, Czernowlfz S 108*— Auskünfte, Prospekte: Fteisedienit: „CZERN. AL.LG. ZEITUNG", I., Schulerstr.1, StadtbUro „Der Wiener Tag“, Tel. R 21-8-78. Reisebüro „I. R. U. T.“. I., Karlsplatz 1, Tel. (J 44-S-79. Anmeldungen täglich bis (6 (ihr 2