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Die Stimme · 1934-03-02 · Heft 332 (2.3.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 332 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 6 DK STIMME Nr. 382. — 2. März 1934 Juden und Inder Bombay, 26. Februar. Der bekannte jüdische Philanthrop, Sir Elly K a d o o r i e, hielt sich mit seinem Sohn Lawrence Kadoorie auf der Rückreise aus Europa nach Schanghai kurze Zeit in Bombay auf, wo zu seinen Ehren in der von ihm gestifteten neuen höheren Schule der Beni Israel ein Empfang stattfand. Mehrere Redner, unter ihnen der Vizekanzler der Universität Bombay, V. N. Chandravarkar, und die berühmte indische Dichterin und Nationalistenführerin S a r oj i n i N a i d a, begrüßten den Gast. Viezkanzler Chandravarkar hob die großen philanthropischen Leistungen Sir Elly Kadoorie-s hervor und erklärte, alle Bürger Bombays seien ihm dankbar für die Errichtung dieses großartigen Schulgebäudes, und die ausgezeichneten Baldiung®mögüichik.eiten, die er der Beni-Israel-Gemeinde von Bombay geboten habe. Mit besonderm Lobe sprach er hierauf von den Beni-Israe] selbst, die eine alte und historische Gemeinschaft innerhalb der indischen Bevölkerung darstellten. Bombay habe seinen Juden viel zu verdanken. Frau N a i d u brachte den Leistungen der jüdischen Kultur, die das Gedankengut der gesamten Kulturwelt befruchtet hätten, den Tribut hoher Anerkennung dar. Es gäbe in Indien viele Juden, fügte sie hinzu, aber nicht genug, um jene großen Beiträge zu ermöglichen, die Juden in anderen Ländern zur Kunst, Kultur, Wissenschaft und Musik geleistet hätten. Europa wäre zweifellos ohne Juden weitaus ärmer. Die Rednerin erinnerte daran, daß Juden zum erstenmal vor mehr als tausend Jahren nach Indien gekommen sind, wo sie den Maharadscha von Cochin baten, ihnen eine Zufluchtsstätte zu gewähren. Er habe ihnen mehr als dies gegeben, nämlich das Recht freier Bürger. (In Cochin bestand jahrhundertelang ein jüdischer Staat.) Die Beni-Israel, erklärte Frau Naidu zum Schluß, seien ihrem Glauben nach Kinder Idraels, aber Adoptivkinder Indiens. Gedenkreden von Oberrabbiner Dr. A, Mark, Cernauti*) Dieses Büchlein stellt eine Sammlung von zehn aiisgewählten Gedenkreden des Oberrabbiners von Cernauti dar, deren Gegenstand bedeutende jüdische Persönlichkeiten und Ereignisse bilden. So finden wir u. a. drei glänzende Reden 311m Gedenken des Oberrabbiner zende Reden zum Gedenken des Oberrabbiners Dr. Josef Rosenfeld. Andere Reden sind dem Gedenken der tragischen Augustereignisse des Jahres 1929 in Palästina und der am Helden- Iriedhof zu Horecea beetattenen jüdischen Kriegsgefangenen gewidmet. Tiefes Mitgefühl und Verbundensein mit allem, was im jüdischen Leben vor sich geht, große Liebe, schöner Optimismus und Glaube an die Zukunft des jüdischen Volkes, ungeachtet aller schweren Schicksalschläge, durchpulst dieses vom Autor dem Andenken seiner Eltern gewidmete Buch. Es spricht zur breiten Masse des jüdischen Volkes, und verdient es auch, ein Buch des Volkes, der trostbedürftigen jüdischen Masse zu werden. N. H. Frostig. *) Selbstverlag Cernauti 1933. 70. Geburtstag des Malers Baruck Laguna Amsterdam, 27. Februar. Dieser Tage feierte der bekannte holländischjüdische Maler Baruch Lopes de Leao L a g un a seinen 70. Geburtstag. Zahlreiche hervorragende Vertreter der holländischen Kunstwelt bereiteten dem Jubilar, der Zögling des Amsterdamer sephardischen Waisenhauses war und jetzt in der Gartenstadt Laren bei Amsterdam lebt, Ehrungen verschiedener Art. Von Laguna stammen Bildnisse bekannter Persönlichkeiten Hollands; u. a. hat er eiin Porträt des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Doktor H. Colyn gemalt. 1916 wurde er von der Königin durch Verleihung der Goldenen Medaille ausgezeichnet. Eitt arischer Jude Prag, 26. Februar. Zeitungsberichten ist zu entnehmen: In Berlin lehrt ein Ilniversitätsprofessor, der schon im vergangenen Sommer von Studenten aufgefordert wurde, seinen Platz zu H Herrn Victor Lembergtr und Freu zu ihrer stattgefundenen Vermahlung gratuliert herzlldtst Zion.Bez.-Sektion Leopoldstadt u.Club Erez Israel räumen. Er ist gebürtiger Balte, Arier bis in die Ohemsker-Zeit. Aber 1923 trat er zum Judentum über, spricht heute perfekt hebräisch und hat sich sogar beschneiden lassen. Er führt jetzt einen heftigen Kampf gegen seine Gegner und behauptet, daß es im ganzen Dritten Reich kein Gesetz gebe, nach dem reinrassige Arier von ihren Ämtern entfernt werden könnten, nur weil sie die jüdische Religion angenommen hätten. Hitler habe ja erklärt, die jüdische Frage sei nicht eine Frage der Religion, sondern der Rasse. Kultusminister Rust hat die Angelegenheit dem Rassenamt übertragen. Bibliothek der „Verbrannten“ in Paris Paris, 26. Februar. Hier wurde ein Komitee zur Schaffung einer „Deutschen Freiheitsbibliothek“ gebildet. Die Bibliothek soll alle im Dritten Reich verbrannten, verbotenen, zensurierten, totgeschwiegenen Werke enthalten, von Leasing bis Heinrich Mann, von Heine bis Wassermann, von Marx bis Stalin, von Voltaire bis Andre Gide; sie wird auch zahlreiche Bibliotheken deutscher Emigranten aufnehmen, die auf einen ersten Appell hin mehr als 20.000 Bände zur Verfügung gestellt haben. Sie wird eine Bibliothek faschistischer Werke, sowie ein antifaschistisches Archiv, schließlich eine komplette und handliche Materialöammlung über die Ereignisse des Jahres 1933 in Deutschland enthalten. Am Jahrestage der Bücherverbrennung in Deutschland, am 10. Mai 1934, wird die Bibliothek eingeweiht werden. Jüdische Volkspartei Österreichs Mittwoch, den 7. März 1934, um Uhr abends, im großen Saale des Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße 4, großer Vortragsabend. Thema: Die Lage der Juden in aller Welt. Referent: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Kleiner Regiebeitrag. SPRECHSAAL Wir erhalten folgende Zuschrift: An Herrn Minister a. D. Dr. Czermak! Wenn die Tageszeitungen den Text Ihrer auf dem christlichsozialen Bezirksparteitag in Purkersdorf gehaltenen Rede richtig wiedergegeben haben, haben Sie bei dieser Gelegenheit u. a. erklärt: „Von sozialistischer Seite wurde ein Verleumdungsfeldzug gegen Österreich inszeniert. Ich weiß nicht, ob dabei die Juden ihrem Volke einen Dienst erweisen, wenn sie Österreich mit allen Mitteln zu verdächtigen suchen!“ Es fällt uns durchaus nicht ein, zu bestreiten, daß einzelne Juden sich nach den Ereignissen des blutigen Faschings von 1934 sich unrichtig verhalten haben, wenn es auch nicht unsere, sondern Ihre Aufgabe als Ankläger ist, Ihre allgemein gehaltenen Anschuldigungen zu konkretisieren und zu beweisen. Wir bedauern, wir verurteilen es und wir legen Verwahrung dagegen ein, daß Sie gerade in der gegenwärtigen, an Haß und Häßlichkeiten überreichen Zeit Antisemitismus durch Pauschalverdächtigungen, mit Hilfe von Verallgemeinerungen betreiben. Wie die Bibel berichtet, wollte Gott Sodom und Gomorrha schonen, wenn sich dort zehn Gerechte oder auch nur ein einziger Gerechter fände. Sie möchten anscheinend nach berühmten Vorbildern alle Juden verbrennen, wenn sich zehn Ungerechte oder selbst ein Ungrechter unter ihnen findet. Ob das christlich und sozial gedacht ist, darüber wollen wir als Partei nicht urteilen — das mögen Ihre eigenen Parteigenossen, das mögen katholische Priester, wie zum Beispiel der Erzbischof von Wien, zu dessen Gerechtigkeitssinn wir volles Vertrauen haben, beurteilen. F. R. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" Kultiurat I. H. Waltuch 75 Jahre alt Im engsten Familien- und Freundeskreise feierte dieser Tage unser Gesinnungsgenosse, Kultusvorsteher und Börsenrat I. H. W a 1tuch seinen 75. Geburtstag. Der 75. Geburtstag unseres lieben Gesinnungsgenossen Waltuch bietet uns willkommenen Anlaß, seines segensreichen zionistischen und allgemein-jüdischen Wirkens mit einigen ganz bescheidenen Worten zu gedenken. Kultusrat Waltuch ist ein Kind der ersten Wiener Zionistischen Generation, die sich um Herzl scharte. Er ist einer der wenigen, heute in Wien lebenden Zionisten, die noch die alte und doch immer heiße Glut aus der ersten, der Heldenepoehe des Her zischen Zionismus in sich tragen. Seit mehr als vier Dezennien steht dieser kleingewachsene Mann mit dem großen, für Zion stets warmschlagenden Herzen bereit, für dieses sein Jugendideal zu kämpfen. Seit Dezennien steht auch Kultusrat Waltuch in der vordersten Reihen der führenden Zionisten unserer Stadt, seit vielen Jahren ist er ein treuer, zionistischer Mandatar des Wiener Kultusvorstandes, wo er sich durch sein leutseliges Wesen und die aufrechte männliche Haltung der Sympathien aller im Kultusvorstand vertretenen Gruppen erfreut. Seinen Agenden obliegt Kultusrat Waltuch trotz seines hohen Alters mit derselben Genauigkeit und Pflichterfüllung, die ihn Zeit seines Lebens auszeichnen. Dies pries auch Oberrabbiner Dr. Feuchtwang in seiner letzten Samstag gehaltenen Predigt. Trotz der im intimen Kreise begangenen Geburtstagsfeier haben sich zahlreiche Korporationen, Institutionen und Gruppen in dankbarer Anerkennung für die vom Jubilar geleisteten Arbeiten mit zahlreichen Glückwünschen eingestellt. Diesen schließt sich nun auch das Zionistische Landeskomitee sowie die Redaktion der „Stimme“ mit einem Ruf „A d meahweesrim Schanah“ an. Die Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina Vom Komitee des Herzl-Archivs werden wir um Aufnahme folgende Zeilen ersucht: In verschiedenen jüdischen Blättern sind Nachrichten über die Überführung Herzls nach Palästina und über das Herzl-Archiv erschienen. Diese Nachrichten gehen auf einen Artikel zurück, der in der Nummer 2'des „Haolam“ von Herrn M. Ungerfeld erschienen ist. Es wird festgestellt, daß in diesem Artikel unrichtige und entstellte Mitteilungen enthalten waren, die im folgenden riohtiggestellt werden: 1. Die Kommission, die sich mit der Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina befaßt, deren Obmann Herr Dr. Michael Ringel ist und der unter andern die beiden Testamentsvollstrecker Herzls, die Herren Ing. Johann Kremenezky und Dir. M. Reichenfeld, angehören, wurde vom 18. Zionistenkongreß in Prag eingesetzt. Es ist selbstverständlich, daß diese Kommission, im Einvernehmen mit den zionistischen Behörden, Ort und Zeit der Überführung bestimmen wird. Diesfällige Publikationen werden ausschließlich von dieser Kommission erfolgen. 2. Die Mitteilungen, daß ein Beschluß vorliegt, das Herzl-Archiv nach Palästina zu überführen und der Universität zu übergeben, ist vollständig unrichtig. Das Herzl-Archiv untersteht der Verwaltung eines Komitees, den folgende Herren angehören: Ing. Johann Kremenezky, Dir. M. Reichenfeld, Dr. M. T. Sch nir er, Adolf Böhm, Dr. Viktor Kellner, Dr. Emil Krasny, Dr. Tulo N u s s enbla 11. Das Archivkomitee ist unablässig und mit Erfolg bestrebt, die wertvollen Bestände zu ergänzen und dieselben für alle Zeiten gesichert in einem eigenen Heim, im Einvernehmen mit den maßgebenden zionistischen Instanzen, zu einem gegebenen Zeitpunkt in Palästina unterzubringen. 3. Authentische Veröffentlichungen über das Herzl-Archiv werden nur von dem hiezu berufenen Komitee des Herzl-Archivs gemacht werden. Alle anderen sind nicht als authentisch zu betrachten. Wichtig für Polenreisendel Personen, die durch das Verkehrsbüro Francopo), III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90, die polnischen Kur- und Luitkurorte besuchen, erhalten das polnische Aulenthaltsvisum gratis. Ein Neuabonennt der „Stimme“ gewinnt unser Preisausschreiben Eine Gratisreise nach Palästina Im Beisein des Öffentlichen Notars Dr. Hans Bablikm und der Herren der Verwaltung unseres Blattes fand am Dienstag, den 27. Februar, im Büro des Zionistischen Landeskomiteee für Österreich, I., Kärntnerstraße Nr. 28, die Verlosung des in der „Stimme“ vom 7. Dezember 1933 ausgeschriebenen Abonnentenpreises statt. Für den Gewinner war als Preis, dank der liebenswürdigen Mitwirkung des Reisebüro«, Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3, eine Gratisschiffskarte IH. Klasse tour-retour Trieste-Paläsfiina, einschließlich Ein- und Ausbootonigsgebühr und Landungsspesen ausgeschrieben. Die Bedingung zur Teilnahme zu diesem Preisausschreiben war die Vorausbezahlung des Jahresabonnementspreises von S 16. Welcher Popularität sich dieses Preisausschreiben in jüdischen Kreisen erfreute, geht daraus hervor, daß mehrere hundert Kandidaten für diesen Preis in Betracht kamen. Jedoch nur einer konnte der glückliche Gewinner sein. Das Los fiel auf die Nr. 82, unter welcher Zahl der Neuabonnent der „Stimme“, Herr S. Lehmann, Wien, II., Rueppgasse 17, verzeichnet war. Der glückliche Gewinner wurde bereits von unserer Verwaltung von seinem Erfolg verständigt und beglückwünscht. Herr S. Lehmann hat also um S 16 die Schiffsreise von Triest nach Palästina tour-retour einschließlich Ein- und Ausbootungsgebühr sowie Landungsspesen erworben. — Ein Geschenk also, wie es hübscher und sinniger von einer jüdischen Zeitung ihrem Abonnenten zu Purim nicht gemacht werden kann. Zu Chanukkah haben wir dieses Preisausschreiben ausgeschrieben,, zu Purim haben wir unser Versprechen eingelöst. Die „Stimme“ freut sich, einem Abonnenten zu dieser Palästinareise verholten zu haben und erwartet von den anderen, die diesmal leer ausgingen, weitere Gefolgschaft. THEATER — FILM In den Neuen jüdischen Künstlerspielen in der Taborstraße bringen die Gäste Anna L e rner und David Seidermann die Komödie „Fröhliche Chassidi m“, die allabendlich ein zahlreiches Publikum anlockt. Für den mehr als kitschigen Inhalt des Stückes wird man durch die hübsche von vielen netten jüdischen Volksliedmotiven erfüllte Musik und einzelne, ganz ausgezeichnete Leistungen des Ensembles entschädigt. Außer dem bereit® oft gerühmten stimmgewaltigen Seidermann fällt Anna L e r n e r durch ihr grotesk-komisches Spiel in bemerkenswerter Weise auf. Verblüffend da® a/usgezeichnete Spiel Tunis. In einer Episodenrolle verrät der jugendliche Schauspieler Schnattmann sein großes Talent. Frau Braslavska singt sehr hübsch und voll Innigkeit. Von derber Komik ist Grimmiger. Alles in allem eine belanglose Angelegenheit, bei der sich jedoch das Publikum außerordentlich amüsiert. Gastspiel Vera Kaniewska und Paul Breitmann. Der Direktion der jüdischen Bühne, II., Praterstraße 60 (Tel. R 43-4-59), ist es gelungen, das Künstlerpaar Vera Kaniewska und Paul Breitmann für ein kurze® Gastspiel zu gewinnen. Ab Donnerstag, den 1. März, täglich „K a t i n k a von K a s r i 10 w k a“, musikalische Komödie in drei Akten von W. Sigall, Musik von D. Beigelmann. Beginn 8.30 Uhr. Sonntag-Nachmittagsvorstellung um 3 Uhr. Verband der Filmpressechefs. In Wien bat sich ein „Verband der Filmpressechefs“ gebildet, der die Propagandaledter der österreichischen Produktions- und Verleihfirmen und Kinotheater umfaßt. Der Verband ist in erster Linie als wirtschaftliche Organisation seiner Mitglieder gedacht. Präsident der Vereinigung ist Dr. Karl I m e 1 s k i (Metro - Goldwyn- Mayer). Jüdische Jugend, wohin? Wenn man heute von einer Tragödie der Jugend spricht, so ist es vorerst die jüdische Jugend, die doppelt schwor durch diese Tragik betroffen ist. Der jüdische Jugendliche hat heute nicht allein die Härten der Weltwirtschaftskrise zu fühlen, sondern muß nebstbei einen schweren Kampf führen, um sich als Jude zu behaupten. Dort, yvo andere ihrem

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