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Die Stimme · 1934-03-02 · Heft 332 (2.3.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 332 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 DIE STIMME Nr. 889. - 9. M8rz 1984 K1HOPROGR AMME PER WOCHE Leopoiöstätiter VolksKino Te)ephonSRr49-0-&S Vom 2. biso. Mär»; _ „DAS GROSSE LOS“ SÄ* Wochentags 7,0, 7,8, 7*10 Uhr, Sonnu. Feiertags T/»4 Uhr minion an, einmal verflucht er England, und jetzt, will er England eine Petition überreichen. Einmal ist er für den Austritt aus der Organisation und verbietet den Soheckelkauf und sofort darauf ordnet er den Sc-heckelkauf an. Farbenprächtig ist dieses Kaleidoskop, aber so macht man keine Politik. Es sei hier in Erinnerung gerufen, daß Jabotinsky in einem starken Maße Schuld an der Zerrüttung der zionistischen Weltorganisation trügt. Es sei weiter daran erinnert, daß es Jabotinsky war, der im Jahre 1929 empfahl, Englands schlechten Willen dadurch zu brechen, daß die Kolonisationsarbeit in Palästina eingestellt wird, Wie sähen wir heute aus, hätten wir Jabotinskys Rat befolgt und Palästina verdorren lassen! In jedem normalen Volke hätte das allein einen Politiker unmöglich gemacht. Bei uns aber duldet man es ruhig weiter, daß Jabotinsky sein politisches Kaleidoskop weiterhin dreht und politische Kartenhäuser baut. Die Petition ist so ein Kartenhaus. Wir leimen sie ab, weil sie einen Bruch der zionistischen. Disziplin bedeutet und überdies schädlich und aussichtslos ist. Jeder disziplinierte Zionist in Österreich muß und wird daher die Unterfertigung der Petition ablebnen. * Die Revi$ionfsten boykottieren die zionistischen Fonds Warschau, 28. Februar. In der sechsten Konferenz der Revisionisten Kongreßpolens begründete Dr. J. Schechtman eingehend die Notwendigkeit einer großen politischen Offensive des Zionismus. Die neue Petitionsbewegung sei durchaus nicht antibritisch. Dr. Schechtman verlas ein ihm aus Paris zugegangenes Telegramm, wonach die zionistische Exekutive beschlossen hat, dem Brith Trumpeldor keine Zertifikate für Palästina zu geben; Dr. Schechtman erklärte, dies sei das größte Unrecht in der Geschichte des Zionismus, man wolle die revisionistische Organisation brechen, dies werde aber nicht gelingen, Die Exekutive der revisionistischen Union hat darauf die entsprechende Antwort erteilt: Sie ruft die Revisionisten der ganzen Welt zum Boykott der zionistischen Fonds auf! * Zu dieser Meldung ist darauf zu verweisen, daß Jabotinsky anfangs November in einem vertraulichen Rundschreiben den Revisionisten und Betharim verboten hat, Zertifikate von der Exekutive anzunehmen. Es seien, ließ er erklären, Aussichten vorhanden, daß die Betharim unabhängig von der Exekutive etwa 1000 Zertifikate erhalten. Es ist eine sonderbare Art, erst zu verbieten und Schleichwege einzuschlagen, sich dann zu empören und die Fonds zu boykottieren. Das ist nicht mehr Zionismus! * Suspendierung der Rechte des Brith Trumpeldor London, 23, Februar 1934. Das Zionistische Zentralbüro London teilt mit: Im Sinne des K ongr eßb es Chinas es hat dich die Exekutive fiiT verpflichtet gehalten, gegen den Brith Trumpeldor, welcher durch einen Erlaß an ©eine Mitglieder sich einer schwerem Verletzung der zionistischen Disziplin schuldig machte und trotz Aufforderung sich weigerte, seine strafbare Halbung zu ändern, beim Ehrengericht einzuschreiten, Wegen dieses Tatbestandes hat der Ehrengeriohtsaiiwalt die Klage beim Ehrengericht gegen den Brith Trumpeldor erhoben und hat gleichzeitig bei der Exekutive den Antrag gestellt, bis zum Urteil des Ehrengerichtes alle Rechte, die der Betar in bei ig auf die Regelung der Immigration innerhalb der Zionistischen Organisation genießt, zu suspendieren. Die Exekutive hat diesem Anträge Folge geleistet. Somit gelten bis auf weiteres die erwähnten Rechte des Brith Trumpeldor (Betar) als suspendiert. Einberufung des zionistischen Aktionskomitees Für Ende März nach Palästina. London, 23. Februar 1034. Wie das Zionistische Zcntralbüro mitteilt, hat die Exekutive der Zionistischen Organisation da.s Aktionskomitee für die Zeit vom 25. biß 30. März nach P a 1 äs t. i n a einbenifen. Die Tagesordnung der Sitzung wird zu einem späteren Zeitpunkte veröffentlicht werden. Arlosoroff-Mordprozefi Jerusalem, 26. Februar. Der Verteidiger Horaee Samuel unterzog in der letzten Gerichtssitzung die drei Polizeioffiziere Harry Rice, Samuel Shermeister und Izza T a b a r a einem Kreuzverhör. Shermeister legte dem Gericht einen Browning vor, der an der Küste ausgegraben wurde und der ein Beweisstück im Falle der Ermordung des Arabers Lufti ist. Der Browning war bei der Auffindung voll geladen, kein Schuß fehlte. Advokat Samuel sagte, er hoffe, beweisen zu können, daß Abdul Medschid und Issar Darwish zur Tötung Luftiö einen anderen Revolver benutzt haben, nämlich den gleichen Revolver, mit dem auch Dr, Ariosoroff getötet wurde. Demnach hält Samuel Medeehid und Darwish für die Mörder Arlosoroffs. Harry Rice schilderte die Gegenüberstellung von Abdul Medechid und Frau Ariosoroff und gab Auskünfte über die Kaliber der Kugeln, die in den bedden Morden an Ariosoroff und an Lufti benutzt wurden. Izza Tabara äußerte sich über die Haft von Abdul Medschid, Reformsynagoge deutscher Juden in Jerusalem Jerusalem, 26. Februar. „Doar Hajom“ teilt mit, daß eine Gruppe deutscher Juden die Errichtung eines Reformtempels in Jerusalem nach dem Muster der Reformsynagogen in Westeuropa und Amerika plant. Der Regierung wurden die Statuten des Reformteropels zur Bestätigung überreicht. Man erwartet die Opposition der orthodoxen Judenschaft gegen diesen Plan. „Stürmer“ beschimpft Dollfuß Nürnberg, 27. Februar. Julius Streichers „Stürmer“ veröffentlicht auf der ersten Seite eine Anklage gegen den österreichischen Bundeskanzler DoRfuß, dem er vorwirft, er habe als Vollzieher der „Protokolle der Weisen von Z i o n“ den österreichischen Bürgerkrieg organisiert und seine Regierung zu einem Instrument der Juden zwecks Vollziehung von Massenmorden an österreichischen Germanen und zur Schaffung von Stellen für Juden aus Deutschland und aus anderen Ländern gemacht. „Stürmer“ erklärt weiter: „Je&us war kein Jude.“ Die Galiläer, aus deren Mitte der Heiland stammt, waren arische Ammon i t e r; deswegen können dio Semiten schon rassemäßig das Christentum nicht verstehen. „Stürmer“ widmet dann mehrere Seiten der Schilderung von Ritualmordfällen vom ersten Fall 418 in Antiochia bis zu den Fällen in Damaskus und Kischeneff, wobei ihm offenbar die Jowlsh Encyclopaedia als Quelle gedient hat. Starhembergs Erklärung zur Judenfrage Wir haben ain 27. d. oinen Bericht über Äußerungon dos Bundesführers Starhemberg zur Judenfrage veröffentlicht, die im Budapeater „Ujsüg“ erachionon waren. Wie eich nachträglich orgab, war die Übersetzung aus dem Ungarischen unrichtig gewesen. Starhemberg hatte nicht von „nationalen Juden“, sondern von den vaterländisch eingestellten Juden gesprochen. Im übrigen ist dem offiziellen Blatt der Hcimwohr, der „österreichischen Abendzeitung“, der Wortlaut des Gespräches publiziert worden. Dort lautot dio betreffende Stolle: Frage: Wie stellen Sie sieh zur 1 JudD&ffftgrf Antwort: Meino Auffassung ist folgern Io: Die Judenfrage wird pich niemals durch Gewaltmethodon lösen lassen. Diese Frage ist nur dadurch zu lösen, daß der Staat Belbst derartig stark und derartig geordnet geführt wird, daß es unmöglich wird, daß sich irgend ein volksfremdes Element auf Kosten der bodenständigen Bevölkerung im Raume des Staates ausbreitet. Elemente, die sieh der dem bodenständigen Volke entsprechenden staatlichen Gesetzgebung fügen, sind keine Gefahr für das bodenständige Volk und bedeuten daher auch kein Problem. Frage: Inwieweit nähern pich dio Ideen des Heimatschutzes dem natdonalpozialistisehen Programm? Antwort: Zwischen unserer Auffassung und der Auffassung der Nationalsozialisten herrscht ln manchen Fragen Übereinstimmung, Übereinstimmung berscht in der Ab, lehnung gegen jede Form von Demokratie, in der Ablehnung des Marxismus und seiner Begleiterscheinungen, Übereinstimmung herrscht ferner in manchen wirtsehaftsppUbUßhen Auffassungen. Grundlegende Unterschiede bestehen aber: I. In unserem unbeugsamen Willen, dieUnabhängigkeitösterr e i c h s zu erhalten; 2. in unserer absolut, positiven Einstellung zur christliehen Weltanschauung, und 8. darin, daß wir die utopischen Unsinne der Rassenlehre und alles dessen, was damit zusammenhängt, ablohnen. Im übrigen gehört Österreich den Österreichern und in Österreich sollen nur Österreicher zu roden haben! Schönes lichtes Kabinett im Mezzanin für Frau oder Fräulein, bei älterer alleinstehender Frau, billig zu vermieten. IX., Pramergasse Nr, 14, Geschäft, Biro-Bidschan geht zurück Moskau, 27. Februar. Dem Bericht über die jüdische Siedlung in B i r o - B i d s c h a n ißt zu entnehmen, daß im Jahre 1933 im ganzen 3190 jüdische Seelen, davon 622 Familien und 892 Einzelpersonen, nach Biro-Bidschen eingewahdert sind. Nach dem allgemeinen Siedlungsplan für Biro-Bidschan hätten im vergangenen Jahre 25.000 jüdische Seelen nach Biro- Bidschan kommen sollen, später wurde im Plan die Elin wandererzahl auf 17.000 Seelen herabgesetzt, in der zweiten Hälfte 1933 fixierte man die Zahl der Einzuwandernden auf nur 7000 Seelen. Noch im letzten Jahrekviertel war geplant, neue 8000 Einwanderer bis Jahresende ins Land zu bringen, es kamen aber statt dessen nur 498 Seelen. Von den erwähnten 3190 Im Jahre 1983 eingewanderten Seelen kamen 2378 aus der Ukraine, 491 aus Weißrußland, 96 aus den Westprovinzen, 204 aus den übrigen Teilen der Sowjetunion, 26 aus dem Auslände. 40 Familien wurden in Moskau als ungeeignet für das Siedlung«werk in ihre Ursprungsorte zurüekgosuh iokt, ebenso vido wurdon aus Biro-Bidschan zurücke s c h i c k t, andere Familien sind freiwillig z u r ji c k g c w a ti dort oder habe*} eich andere Punkte jm Fernen Osten zum Wohnsitz gewählt, Die Moskauer „Emess“ erklärt, in Biro- Bidschan wurden die Neusiedler schlecht ufgenoramen und nicht nach ihrer Eignung oder ihrem bisherigen Beruf placiert. Auch wurden die Neusiedler nicht entsprechend mit Wohnung und Nahrungsmitteln versorgt, wodurch eine Rückwanderungisetiimimung gefördert winde. Dio Leiter von OZET und KQMZET in Kamenetz-Podolsk, Uman, Tolna, Odessa, Tultachin, Niesohin, Winiza und ln anderen Städten wurden zu gerichtlicher Verantwortung gezogen. Für das Jahr 1934 ist g o p 1 a n t, 10.000 big 12.000 Juden nach Biro-Bidschan zu bringen. Sichere Existenz. Suche für besonders vom jüdischen Publikum besuchtes Hotel-Restaurant und CaWhaus im bekannten österreichischen Kurort Kompagnon oder Zählkellner mit 4.000 bis 5.000 Schilling Kapital, um dasselbe streng nps führen zu können. EHofferte unter „bevorzugt aus dor Branche“ an die Administration. AUS DEM DRITTEN REICH „Wir wollen unser Schicksal mit Würde tragen" Karlsruhe, 26. Februar. ' Anläßlich des 125jährigen Bestehens der Badischen Laudossynagoge veröffentlicht der Oberrat der Israeliten folgende, von seinem Vorsitzenden Professor Dr. Nathan Stein Unterzeichnete Erklärung: Huncierfünfimdzwanzig Jahre sind seit Gründung des Oberrates der Israeliten vergangen; seine Errichtung bedeutete die Eingliederung der Juden Badens in das Staatsgefüge. In tiefer Dankbarkeit gedenken wir deg Großherzogs Karl Friedrich von Baden, der die Ißraelitische Religionsgemeinschaft Badens geschaffen hat, und seiner Nachfolger, insbesondere des Großherzogs Friedrich I., unter dessen Regierung uns die Synodal Verfassung gegeben wurde. Dankbar gedenken wir auch der landesherrlichen Kommissare, die bis zum Jahre 1920 an der Spitze des Oberratß standen: sie alle haben verständnisvoll geholfen, unsere Aufgabe zu erfüllen. Die Neuordnung der Dinge nach dem Kriege hat auch eine neue Regelung unserer Verfassung veranlaßt; seitdem ist die Landessynagoge auf sich selbst gestellt. Auch heute fühlen wir uns eng verknüpft mit unserer badischen Heimat und dem deutschen Vaterland. Sein Wohl ist unsere Sehnsucht, an ©einem Gedeihen wollen wir nach' unseren Kräften arbeiten, wo immer wir einen Weg hiezu finden. Treu unserem ererbten Glauben, treu unserer jüdischen Gemeinschaft, wollen wir in Einigkeit zusammenstehen; wir wollen unser Schicksal in Würde tragen, wir wollen der Verantwortung, die auf uns liegt, ge^ recht worden. Pessach der deutschen Judenhelt Berlin, 28. Februar. Der Preußische Lan- Ruudschreiben an alle ihm angeschlossenen Synagogengemeinden versandt, in dem er den Gemeinden naliolegt, durch verschiedene Maßnahmen und Einrichtungen dafür zu sorgen, daß möglichst alle Gemeindem i t g 1 i e d e r bei d#m kommenden Pessachfest an Sederfeiern teilnehmen. In dem Rundschreiben ist unter anderem ausgefUhrtt Wir halten es für unbedingt notwendig, unter Heranziehung aller in jeder Gemeinde bestehenden Vereinigungen Sederfeiern für die sonst ohne solche Feier Bleibenden zu veranstalten. Hieftir werden insbesondere dio berufstätigen Jugendlichen: in Betracht kommen, ferner die jungen Menschen, die sjcli der Berufsumschichtung unterziehen, aber auch sicher vielfach ältere Menschen, die ohne jeden Anhang sind. Daneben wird es im Umkreis jeder größeren oder mittleren Gemeinde Juden geben, die ganz vereinzelt In kleinen Orten oder Dörfern wohnen, und die zu solchen Feiern In dio nächste größere, beziehungsweise mittlere Gemeinde eingeladen worden sollten. Mieder-, Kleider-, MentUien Schnittzeichnen, Zuschneider: und Modellieren, auch Kinderkleider, lernen Sie gründlich»« in den Fachschulen und Salons POLLAK - 8CHAHINGER Wien, V!„ Mariahilferstraße 45, IV, Hof, I, Stock - - Telephon B 25-7-41 / Spezialkura« für Audi nde*},M&rxi!iimiUi“ Die Erziehung der deutschen Schulfugend Leipzig, 26, Februar. Dürr* Vaterländische Bücherei, Leipzig, gibt soeben eine Sammlung von Heften zur Erziehung der deutschen Schuljugend heraus. In Heft 2, das den Titel „Adolf Hitler“ trügt, ist zu lesen: „Der Judo will nur Zwiespalt ins Volk säen, will H«iß und völkische Selbstzctfleischung, weil starko, einige Völker dor von ihm angostrebten Weltherrschaft hindernd im Wego stehen. Dio Schöpfer der Klassonkampflohro waren die Juden Ferdinand Ea&s.'ille und Karl Marx (der Arier Friedrich Engel wird verschwiegen). Nach dem letzteren nennt man dieee Lohre

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