Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 332 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 DIE STIMME Nr. 332. - 9. M8rr 1994 mal die Register der Grundverkehrs-I kommissionen in Österreich her und J sehe nach, wie vielen Juden der Erwerb land-l wirtschaftlicher Grundstücke bewilligt wurde. Wir glauben, daß w i r Anlaß hätten, Klage zu erheben, und nicht diejenigen, die von der jüdischen Vorherrschaft sprechen. Wir sind eine Minderheit in Österreich und wir wollen niemanden beherrschen. W i r wollen aber Gerechtigkeit für uns und haben verfassungsmäßig Anspruch auf jenes Recht, das jeder Angehörige der Mehrheit in diesem Staate für sich in Anspruch nimmt und durchsetzt. Wir glauben auch nicht, daß Österreich damit ein Dienst erwiesen wird, wenn ungerechtfertigte Anwürfe gegen die jüdische Bevölkerung erhoben werden, die doch seit jeher bereit und willig war, am Aufbau Österreichs mitzuarbeiten und ihre Pflicht dem Staate gegenüber immer erfüllt hat. Das Märchen von der jüdischen Vorherrschaft hat keinen realen Hintergrund. Soll es etwa als Vorspann für eine beabsichtigte Entrechtung der Juden, für einen Angriff auf ihre durch Gesetz und Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung dienen? Wenn wir Sympathien in der Welt haben wollen, und die braucht Österreich, dann darf nichts geschehen, was Österreich in die Gefahr bringt, mit Deutschland auf eine Stufe gestellt zu werden. In unserer letzten Nummer haben wir bei der Betrachtung der Lage in Österreich dargelegt, daß das Ausland gegen sein eigenes Interesse handelt, wenn es heute gegen Österreich scharf macht. Auf der anderen Seite aber muß gesagt werden: Es darf auch in Österreich nichts geschehen, was uns in den Augen der Welt schaden kann, Die Lage der Juden in Österreich sollte allseits objektiv betrachtet und die programmatische Auswertung nationalsozialistischer oder sonstiger antisemitischer Schlagworte vermieden werden. Wirtschaftsentente mit Ungarn und Italien? Die Verhandlungen, die dor italienische Unterstaatssekretär Suvich vor einiger Zeit in Wien und erst, vor wenigen Tagen in Budapest geführt hat, hatten außer einer Engerknüpfung der politischen Beziehungen zugestandenermaßen auch eine bis zum Zollbündnis gehende Wirtschaftsannäherung zwischen diesen drei Staaten zum Ziele. Bei der Vorsicht und Geschicklichkeit, mit welcher die italienische Politik geleitet wird, war allerdings von vornherein nicht, mit politischen Husarenstückchen, etwa in der Art der mißglückten deuteeh-östcrreichisohen Zollunion vom Frühjahr 1931, zu rechnen, sondern nur mit einem weiteren allmählichen Ausbau der sogenannten Brocchi-Verträge, welche die Grundlage der Handelsbeziehungen zwischen diesen drei 'Staaten bilden. Dies um so mehr, als Österreich, das schon bisher eine Politik der freien Hand nach allen Seiten geführt hat, eben erst die lang umkämpfte Holzpräferenz von Frankreich erhalten hat, überdies vor wichtigen Wirtschaftsverhaudlungen mit der Tschechoslowakei steht und aus diesen wie auch aus politischen Gründen in seinen Entschlüssen nicht ganz frei ist. Das Ergebnis der Wiener und Budapester Verhandlungen wird aber zweifellos ein Das faschistische Welt-Aktion*• homitee ' gegen Hitler* Rassen• Politik Rom, 26. Februar. Unter dem Vorsitz des Deputierten Eugenio Coselschi wurde in Rom das Aktionskomitee zur Verbreitung der römischen universellen Idee gebildet, dem die einflußreichsten politischen Persönlichkeiten des faschistischen Italiens angehören. Coselschi erklärte dem ITA.-Vertreter zur Judenfrage und zum Rassenproblem u. a.: Die europäischen Völker müssen zur Überwindung der ökonomischen, der moralischen und der politischen Krise vertrauensvoll Zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit findet ihren harmonischen Ausdruck am besten in dem römischen Kulturgedanken, der seit Jahrhunderten eine zivilisatorische Funktion übt und auf verschiedene Kulturen und Traditionen eingewirkt hat. Unser Begriff „romanita“ ist eine Synthese von Gerechtigkeit, Harmonie und starkem Staat, die sich gegen jede Exklusivität, gegen jede Ausschließung irgend eines Volkes oder irgend einer Rasse wendet. Die Einheit des alten Rom war keineswegs dadurch gestört, daß verschiedene ethnische Gruppen dort ihre freie Entwicklung und ihre Intentionen pflegen konnten. Die einzelnen Völkerschaften waren autonome Stämme. Das oben machte die Größe des alten Rom aus, und dies beeinflußt auch heute unsere Stellung zu der Judenfrago. Restaurant Rillet II., Hammerpurgstallgasse 3 / Streng orthod, “1^3 Bestrenommierte Küche Telephon A 41-0-25 Nächst Salztorbrücke General Balbo bei jüdischen Sportlern in Tripolis Tripolis, 20. Februar. Der frühere italienische Liiftfahrtmjnister und jetzige Gouverneur von Tripolitanien, General Balbo, besuchte den Sportplatz der jüdischen Sportverbände in Tripolis, wohnte längere Zeit den Darbietungen der jüdischen Sportler bei und sprach seine Bewunderung über die außerordentliche sportliche Schulung der jüdischen Mannschaften au.s. General Balbo übergab der Fußballgruppe „Tel Aviv“ persönlich den Pokal, den die jüdischo Mannach&ft in den Treffen gegen alle anderen lokalen Fußballverbündo gewonnen hat. engere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen Italien, Österreich und Ungarn sein, das heißt, auf wirtschaftlichem Gebiet Einräumung erhöhter Kontingente und weiterer Präferenzen. Was bedeutet nun eine weitere wirtschaftliche Annäherung Österreichs an Italien rund Ungarn? Von der Gesamteinfuhr Österreichs kamen 1933 4*2% aus Italien, im Werte von 50-43 Mill. Schilling, während von der gesamten österreichischen Ausfuhr 10’7%, im Werte von 86*85 Mill. Schilling nach Italien gingen, so daß die Außenhandelsbilanz Österreichs gegenüber Italien hoch aktiv ist, während gogenüber Deutschland und der Tschechoslowakei bekanntlich eine starke Passivität besteht. Aus Ungarn kamen von der Gesamteinfuhr Österreichs 1933 113%, im Werte von 134-96 Mill. Schilling, nach Ungarn gingen von der österreichischen Geßamtaußfuihr 10%, im Werte von 81-09 Mill. Schilling. Die Haupteinfuhrartikel aus Italien, deren Import aber 1933 im Vergleich zum Vorjahre ira allgemeinen zurückgegangen ist, bildeten Nahrungsmittel und Getränke, im Werte von 32‘22 Mill. Schilling, Hievon entfielen 11-35 Mill. Schilling auf Südfrüchte, 6*95 Mill. Schilling auf sonstiges Obst, 5"34 Mill. Schilling auf Gemüse, 4-29 Mill, Schilling, auf Reis und 1'76 Mill. BILLIGE OSTERREISEN NACH POLEN AM 18. UND 28. MÄRZ. RÜCKKEHR AM 0. APRIL Krakau tour-retoar $ 57 Lemberg tour-retour $ 90 Paß und Visa Vratis Krancopol, Wien, III., Rennwcß 1, Tel. 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Gering war die Ausfuhr von Nahrungsmitteln und Getränken nach Italien, von der der größte Teil, nämlich 1*02 Mill. Schilling, auf Käse und Topfen ontfiel. Eine Verstärkung der österreichischen Ausfuhr nach Italien könnte sich hauptsächlich durch eine weitere Steigerung des Exportes von Holz, Papier und Molkereiprodukten, ferner von Zucker- und Glaswaren, Konfektion und der Erzeugnisse der österreichischen Geschmacksindustrie vollziehen. Eine Erhöhung des italienischen Exportes nach Österreich wäre hauptsächlich in der Gruppe der Nahrungsmittel und Getränke (Südfrüchte, Gemüse usw.), an gewissen Chemikalien, chemischen Rohstoffen, Kraftfahrzeugen, Motoren, sonstigen Maschinen und Apparaten sowie Metallwaren möglich, soweit sie bisher zum überwiegenden Teile aus Deutschland und zu einem kleineren Teile aus der Tschechoslowakei bezogen wurden. Von der Ausfuhr' Ungarns nach Österreich besteht nahezu diie Hälfte aus Nahrungsmitteln und Getränken, Werte von 63*69 Mill. Schilling (darunter für 40-09 Mill. Schilling Lebend viel], hievon 26-03 Mill. Schilling Schweine und 9*19 Mill. Schilling Rinder), zu 21-81 Mill. Schilling aus Rohstoffen und Halbfabrikaten (6’06 Mill. Schilling Futtermittel und 3*37 Mill. Schilling Kohle), dagegen nur zu 9-36 Mill. Schilling U N 6 AR.NS fef! Ot)£ KÄRNTNER^ BUSCHKINO11 SKJSfti . STA F A. vii. KOLOSSEUM« VOTIVPAAK'* nie PAG r. Gen. m, b. H., Wien, VI., Capistrangasse 2 (Telephon B 25-3-81), veranstaltet für ihre Mitglieder l*siliistiBBsi reisen ab Wien 20. Mürz, 10. April, 24. April II. Klaaie Schilf, Ul.Klasse D-Zug. 15 Tage Verpflegung; nur S 440.—; detto,, jedoch Schiff I. Klasse: S 580.— Besuch aller Millolmeerländerl Sprechstunden tßgl. von Obis 12Uhr. Prospekte gratis! Schilling auf Wein; Geringer ist schon die Einfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren aus Italien, von welchen Österreich 1933 für 10-6 Mill. Schilling bezog: Hauptsächlich Flachs, Hanf und Jute für 1*98 Mill. •Schilling, ferner Rohhäute und Felle für 1*02 Mill. Schilling, Itoh- und Alteisen, Roh- und Altmetalle, sonstige Rohstoffe und Halbfabrikate für insgesamt 5 09 Mill. Schilling. An Fertigwaren hat Österreich aus Italien 1933 nur 7-60 Mill. Schilling bezogen, wqvon fast die Hälfte, nämlich 3*68 Mill. aus Fertigwaren, hievon 2*57 Mill. Schilling Seiden waren. Der österreichische Export nach Ungarn besteht zum größten Teile aus Fertigwaren — 45*32 Mill. Schilling, hievon allein rund 14 Mill. Schilling Papier, Pappe und Papierwaron, 8*43 Mill. Schilling Eisenwaren, 2’21 Mill. Schilling chemische Hilfsstoffe —, zu 29-27 Mill, Schilling aus Rohstoffen und Halbfabrikaten, wovon 14*41 Mill. Schilling auf Holz, 2-82 Mill. Schilling auf Papierzeug entfielen und nur zu 2-15 Mill, Schilling aus Nahrungsmitteln und Getränken. Eine Steigerung der österreichischen Einfuhr aus Ungarn ist nur durch Vergrößerung des Importes an ungarischen Agrarerzeugnissen möglich. Die österreichische Ausfuhr nach Ungarn in Holz kann nur mehr in mäßigem Umfang gesteigert werden, da Ungarn sich bereits zum größten Teil auf den Bezug österreichischen Holzes iimgestollfc hat. Wohl aber kbnnto Ungarn mehr an österreichischen Fertigwaren aufnehmen als bisher, so zum Beispiel an Kraftfahrzeugen, von denen es 1933 nur für 698.000 Schilling aus österreicli bezog. Ein ernstos lliudornis für eine Steigerung der österreichischen Ausfuhr mich Ungarn bildet die Finanz-, beziehungsweise Deviseriten Österreichs naclh Ungarn dort österreichische Valutaguthaben entstehen würden, die wegen Devisenmangels nicht bezahlt werden könnten. Anderseits ist der Handel zwischen diesen beiden Staaten dadurch erheblich gefördert worden, daß durch die Abwertung sowohl des Schillings als auch des Pengüs eine Annäherung im Werte beider Währungen herbeigefiilirt wurde, die den Zahlungsverkehr wesentlich vereinfacht und erleichtert. Der Außenhandel zwischen Österreich, Ungarn und Italien ist gewiß noch entwicklungs- und ausbaufähig. Hauptsächlich aber der Weise, daß eine Umstellung der Warenbezüge in der Weise vorgenommen wird, daß weniger aus dem sonstigen Auslände und mehr als bisher von den beiden anderen Partnern bezogen wird. Aber über eine gewisse Grenze hinaus ist eine Wirtschaftsgemeinschaft zwischen diesen drei Staaten kaum zu verwirklichen. Die Auf-* nahmsfähigkeit Österreichs sowohl für Ungar rische Agrarerzeugnisse wie überhaupt für Agrarerzeugnisse, ebenso für Südfrüchte un4 andere Produkte Italiens ist beschränkt, ebenso die Auf nahmsfähigkeit Ungarns und, Italiens für österreichisches Holz und Papier, Von besonderem Wert für Österreich Ist eine Steigerung seiner Ausfuhr an Fertigwaren, hauptsächlich an Industdeerzeugnissen. Im; dieser Richtung bietet eine Wirtschaftsannäherung an Ungarn und vor allem aü Italien noch große Möglichkeiten, so daß der Gedanke einer engeren Verbindung mit diesen beiden Staaten nicht nur als interessant, sondern auch als fruchtbar Und aussichtsreich bezeichnet werden darf. Antisemitische Unruhestifter vor einem rumänischen Kriegsgericht Jassy, 26. Februar. Vor dom Jassy er Kriegsgericht hat der Prozeß gegen die Unruhestifter begonnen, die anläßlich der umfangreichen antisemitischen Ausschreitungen, die im letzten Sommer in C z c r n o w i t z stattgefuuden haben, verhaftet worden sind. Insgesamt sind 28 Personen angeklagt, gegen hundert Zeugen wurden vorgeladen. Die Verhandlung diirfto mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Unruhen in Czcrnowitz, die jetzt ihre, gerichtliche Sühno Anden sollen, waren von c u z i s t is c h o n Studenten ausgegn ngen, die Zuzug aus verschiedenen Minderheitengruppen'erhalten hatten. Sie hatten einen äußerst bedrohlichen, fast progromartlgen Charakter angenommen. Es war auch zu P1 ii n d e r u n g eii jüdischer Geschäfte gekommen. Da zur Zeit der Unruhen in Czornowitz Belagerungszustand herrschte, ist das Kriegsgericht für die Aburteilung der Schuldigen zuständig. Der Prozeß endete mit der Verurteilung von elf Angeklagten zu G e 1‘ ä u g n i ss trafen von acht Tagen bis zu drei Monaten und außerdem zu Geldstrafen. Die übrigen Angeklagten — ns waren ihrer insgesamt 28 — wurden frqigospro c h e n. Soltsam ist, daß sich unter den Verurteilten z W O i Juden befinden, die sich gegen Angriffe gewehrt haben, Sie Avarcn angeklagt, als „Kommunisten“ Widerstand gegen. läge Ungarns, da bei orheblichon Mohroxpordie Staatsgewalt geleistet zu haben. Es sind WER NEUKOLONISATION WILL - MUSS „KFA3 USSISCHKIN" WOLLEN