Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 331 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 DIE STIMME Nr. 331. - 27. Februar 1934 »astaltungen geplant. Zur Durchführung Ist eine Kunstabteilung geschaffen worden, deren Leitung in den Händen von Otto Norden (früher Karlsruhe) liegt. Schauplatz der Festpsiele wird der architektonisch hervorragend gestaltete „Platz der jüdischen Nation“ Im Zentru:n des Messegeliindcs sein. * Mosche Smltansky 6o Jahre alt Tel-Aviv. Der bekannte landwirtschaftliche Fachechriftsteller und Vorsitzende des Verbandes jüdischer Landwirte, Mosche S in i 1 a n s k i, war am 22. d. M. anläßlich seines 60. Geburtstages Gegenstand mannigfacher Ehrungen. In R e c h o w o t h, wo Smilanski seinen Wohnsitz hat, fand im Volkshause eine Massenversammlung statt, in der zahlreiche Redner die Verdienste des Jubilars würdigten. Das Jubiliiumskomitee plant die Herausgabe eines illustrierten Gedenkbuches. Smilanski, der während des Krieges an den Kämpfen der jüdischen Legion teilnahm, ist vor 40 Jahren nach Palästina gekommen, wo er zunächst als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter in Rechowoth tätig war. Unter dem Pseudonym „Chawaja Musa“ veröffentlichte er Sittenschilderungen aus dem arabischen Leben. Unter diesem Pseudonym oder auch kurz als „Herr Mosche“ ist Smilanski, der sich von je für wirtschaftliche V e r s t ä n di g u n g mit den Arabern einsetzte, unter der arabischen Bevölkerung bekannt Er gilt als Autorität auf dem Gebiet der Agrarwirtschaft. Er ist Herausgeber der landwirtschaftlichen Wochenschrift „Bustenai“, ständiger Mitarbeiter der Tageszeitung „Doar Hayom“ und hat eine Reibe von Büchern über landwirtschaftliche Facbprobleme geschrieben. Er ist Plantagenbesitzer und vertritt gleichzeitig die Interessen englisch-jüdischer Citrus-Konzerne. * SV2 Millionen Pfund jüdisches Kapital ln Palästina im Jahre 1933 investiert Jerusalem. Im Verlaufe des Jahres 1933 haben Juden in Palästina 5,500.000 Pfund investiert; das bedeutet gegenüber 1932 mit nur 3,250.000 Pfund Investitionskapital eine Erhöhung von *2,250.000 Pfund. In der zweiten Hälfte des Jabres 1933 wurden in Palästina 133 Fabriken errichtet, weitere Fabriken befinden sich im Bau. * Palästina-Fragen vor dem Unterhaus London. Colonel Josiah Wedgwood richtete im Unterhaus an den Kolonienminister die Fragen, ob die neue Munizipalitätenordnung für Palästina bereits in Kraft sei; warum der Stadtrat von Tel-Aviv der Befugnis beraubt wurde, unbenutztes Baugelände mit Steuern zu belegen (durch eine solche Steuererhebung sollte die Bautätigkeit angeregt und der Bodenspekulation entgegengewirkt werden); warum den Frauen von Haifa und Jerusalem nicht ebenso wie den Frauen in Tel-Aviv das Stimmrecht gewährt wurde. Malcolm M a c D o n a 1 d erwiderte für den Kolonienminister, die Munizipalitätenordnung sei seit 12. Jänner 1934 in Kraft. Abschnitt 102 sieht vor, daß ein Stadtrat mit Bewilligung seitens des Distriktskommissärs Immobilien mit Steuern belegen könne; dies gilt auch für Baugelände. Mir ist nicht bekannt, daß der Stadtverwaltung in Tel-Aviv die Befugnis zur Erhebung einer solchen Gebühr entzogen wurde. Die Gewährung des Stimmrechtes an Frauen in Tel-Aviv orfolgtc, weil dies die Stadtgemeinde, wünschte. In Haifa, Jerusalem und anderen Grten kann ein gleiches geschehen, wenn die betreffenden Stadträte eine diesbezügliche Resolution mit einer Zweidrittel-Mehrheit fassen. Zionisten verschafft den Chnluzfm des Stadt-Kibbuz Arbeit! Vor einigen Tagen ist der S t a d t k i b b ti z des G d u d Z e l r 1 m ln der Ferdinandstraße 4, Tel. R 45-0-91, gegründet worden. Sämtliche Sektionen werden aufgefordert, regste Propaganda dafür zu betreiben, daß die Zionisten den Mitgliedern dieses Stadtkibbuz Arbeit in allen Branchen, zum Beispiel Tischlern, Schneidern, Kürschnern, Tapezierern und auch für alle Hilfsarbeiten, zukommen lassen. Louis Lipsky über New York, 22. Februar. In einer Erklärung hat das Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency und Leiter des American Palestine Campagni, Louis Lipsky, die Gründe dargelegt, die für die Ablehnung einer Stellungnahme zugunsten der Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses anläßlich der letzten Beratung der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas maßgebend waren. Der betreffende Antrag wurde bekanntlich einer Sonderkommission zu weiterer Behandlung zugewiesen. Louis Lipsky ist der Meinung, daß angesichts der außerordentlichen jüdischen Notlage nicht bloß ein Forum zur Erörterung der Judenfrage, sondern eine mit den entsprechenden Machtvollkommenheiten ausgestattete Körperschaft erforderlich wäre, die die Aufgabe hätte, alle geistigen und materiellen Hilfsquellen zusammengefaßt in den Dienst gemeinsamer Aufgaben zu stellen. Ein jüdischer Weltkongreß bedeute einen notwendigen Schritt in der Richtung zur Schaffung einer ständigen repräsentativen Körperschaft, die das Recht hätte, im Namen des gesamten jüdischen Volkes zu sprechen und die Arbeit im Interesse der Wahrung jüdischer Rechte zu leiten; eiuer Körperschaft, die außerdem die wirkliche Möglichkeit hätte, die Hilfsmittel des jüdischen Volkes für den Wiederaufbau jüdischen Lebens nutzbar zu machen. Der Kongreß hätte die Aufgabe, das öffentliche Forum und die gesetzgebende Versammlung für eine solche ständige Körperschaft zu sein. Es handle sich hier um eine konstruktive Aufgabe. Um es einer solchen Körperschaft zu ermöglichen, praktische Erfolge zu erzielen, müßten die Vorkämpfer dieses Gedankens, bevor sie an die Bildung dieser Körperschaft schreiten, jeden Versuch machen, die Mitarbeit der organisierten Juden nicht nur im Hinblick auf ihre Teilnahme an den Beden Weltkongreß ratungen des Kongresses, sondern auch bei der Schaffung der ständigen Körperschaft z u s i c h e r n. Diejenigen, die zur Teilnahme aufgefordert werden, müßten klar und unzweideutig wissen, welche Ziele mit einer derartigen allgemeinen jüdischen Aktion angestrebt worden sollen, und ihre Ansichten betreffend den zur Erreichung dieser Ziele zu wählenden Vorgang müßten sorgfältigste und ernsteste Beachtung finden. Es sei deshalb zum mindesten unangebracht, führte Louis Lipsky in seiner Erklärung weiter aus, daß der American Jewish Congress in der Annahme der Gültigkeit eines Beschlusses, den eine Konferenz 1932 in Genf gefaßt hat, unverzüglich den Kongreß einberufen und Wahlen zu ihm ausgeschrieben hat, ohne vorher wirksame Vorbereitungen zu treffen. Die Genfer Konferenz von 1932 habe nicht die Kompetenz gehabt, über solche Fragen zu entscheiden. An ihr hätten nicht Vertreter teilgenommen, die ermächtigt gewesen wären, einen Jüdischen Weltkongreß einzuherufen, sein Datum oder sein Programm festzulegen. Sie hätten hierfür kein besonderes Mandat gehabt. Auch hätten sie die Lage nicht gründlich geprüft. Deshalb könne der Beschluß der Genfer Konferenz revidiert werden. Zum Schluß gibt Lipsky der Überzeugung Ausdruck, daß eine übereilte Einberufung des Kongresses dem Kongreßgedanken selbst, der einen revolutionären Gedanken von außerordentlicher Tragweite im jüdischen Leben darstelle und für den die Judenheit in geduldiger Arbeit gewonnen werden müsse, aufs schwerste kompromittieren und schädigen müsse. Es wäre viel besser, die Frage des Zeitpunktes des Kongresses und der Kongreßwahlen in Schwebe zu 1 a s s e n, bis der Kongreßgedanke die Führer der amerikanischen Judenheit wirklich tief erfaßt haben werde, bis die Situation geklärter sein und die Möglichkeit bestehen werde, Genaueres über die Ziele des Kongresses auszusagen. Palästina-T ransferabkommen für weitere 37t Millionen Mark Berlin. Wie das Palästina-Amt der Jewish Agency in Berlin mitteilt, sind die Verhandlungen, die mit den Regierungsstellen wegen Erneuerung der bestehenden Transfer-Regelung geführt wurden, zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. In einem Runderlaß der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung vom 13. d. M. wird gesagt: Verhandlungen mit den an dem Palästina-Abkommen beteiligten jüdischen Stellen haben zu der Vereinbarung geführt, daß die für das Sonderkonto I getroffene Regegelung für weitere 3*5 Millionen Reichsmark beibehalten wird. Die angespannte Devisenlage macht für die Auswanderung nach Palästina gewisse Beschränkungen erforderlich. Da die Bereitstellung der Vorzeigegelder von 1000 Pfund für jeden Auswanderer erhebliche Devisenbeträge erfordert, muß ich Wert darauf legen, daß bei der Auswanderung einer mehrköpfigen Familie das Vorzeigegeld möglichst nur einmal in Anspruch genommen wird. Die Genehmigung zum Erwerb von 1000 Pfund in bar (Vorzeigegeld) ist zu versagen, wenn der Devisenstelle bekannt ist, daß die auswandernde Person in auf- oder absteigender Linie mit jemandem verwandt ist, der selbst oder dessen Ehegatte unter Mitnahme des Vorzeigegeldea nach Palästina auswandert oder seit dem 1. August 1931 ausgewandert ist. Das gleiche gilt für die Geschwister, die vor der Auswanderung in einem gemeinsamen Haushalt gelebt haben. In diesen Fällen ist auf Antrag an Stelle des Erwerbes und der Ausfuhr von 1000 Pfund dio Einzahlung von 15.0 0 0 Reichsmark auf das Sonderkonto I bei der Roichshauptbank zu genehmigen. Aus dem Erlaß ist zu ersehen, daß es für Auswanderer nach Palästina im wesentlichen bei der bisherigen Regelung bleibt Für Einigkeit Im polnischen Zionismus Krakau. In der 15. Jubiläums-Konferenz der Westgalizischen Zionistischen Organisation, der 287 Delegierte aus 105 Städten beiwohnen, richtete der Sejmdeputierte und Krakauer Rabbiner Dr. Thon an die Zionisten aller Lager den heißen Appell, sich zum Besten Palästinas und der zionistischen Bewegung zu vereinigen. Dr. Thon unterstrich die Gefahren, die aus der Zersplitterung in Parteien und Fraktionen der zionistischen Bewegung drohen, und sagte: Wir Juden stehen heute mitten in einer feindlichen Welt und können uns den Luxus trennender Parteistreitigkeiten nicht leisten. Die Revisionisten, sagte er weiter, stellten sich selbst außerhalb des Lagers des Zionismus, aber alle übrigen zionistischen Gruppen müssen um so mehr zum Wohl des jüdischen Volkes zusammenstehen. Die Konferenz wurde von Benzion Mossensohn aus Tol-Aviv begrüßt. Kopfsteuer in Polen für die Flüchllingshilfe Warschau. In Warschau fand soeben eine vom Vereinigten jüdischen H i I f s k o m ij t e e für Flüchlingshilfo, vom Vereinigten Ko- 'mitee zur Abwehr der Judenverfolgungen in!Deutschland, vom Komitee zur Boykottieirung Hitler-Deutschlands und von Repräsentanten der größeren polnischen Städto gemeinsam veranstaltete Konferenz statt, in; der nach Ansprachen von Leon Levite, Rabbiner Professor Schorr, Exsenator R. Szereszaw.ski, Deputierten Minzherg, Präsidenten der Krakauer jüdischen Gemeinde Dr. Landau, Richter Friede, Giterman und vielen anderen die folgende Resolution angenommen wurde: Die Konferenz stellt fest: 1. Ungeachtet der Versicherungen offizieller deutscher Faktoren dauert In Deutschland die systematische Aktion zur AusstoÜung des deutschen Judentums aus allen Gebieten des wlrtschaltlichen, politischen und kulturellen Lebens an. 2. Die Hitler-Partei führt eine außerordentlieh umfangreiche antisemitische Ak* tion ln verschiedenen Ländern Europas und Amerikas durch. 3. Die öffentliche Meinung in der Welt hat bis jetzt die der Zivilisation seitens der Hitler-Barbarei und Ihrer Entwicklungen drohende Gefahr noch nicht in ihrem vollen Umfang einschätzen gelernt Die Konferenz fordert das Judentum Polens auf, den politischen Kampf gegen das Hitlertum auf internationalem Boden mit ganzer Energie weiterzuführen. In Anerkennung der Zweckmäßigkeit der Boykottaktion, als der wirksamsten Waffe der jüdischen Gesellschaft in ihrem Kampf gegen das Hitlertum, fordert die Konferenz eine Verstärkung und Popularisierung dieser Aktion unter den breitesten Schichten der jüdischen Bevölkerung sowie eine solidarische Mitarbeit mit den Anti-Hitler-Komitoes. Die Konferenz proklamiert eine das ganze Judentum verpflichtende Kopfsteuer, die durch das Präsidium des Hilfskomitees für die deutschen Flüchtlinge nach bestimmten Normen festgesetzt werden wird, und fordert alle Juden auf, dio entsprechenden | Summen zu leisten. Sämtliche Lokalkomitees! und alle jüdischen Gemeinden werden aufgefordert, die Besteuerungsaktion durchführen zu helfen. * Befähigungsnachweis ln Polen Warschau, 25. Februar. Die Handelskommission des Sejm behandelt jetzt eine Novelle zum Industriegesetz, dergemäß auf allen Gebieten der Industrie, des Handwerkes lind des Handels Konzessionszwang bestehen soll. Vor Erteilung der Konzession wird der Bewerber naehweisen müssen, daß er über Fachkenntnisse verfügt. In den jüdischen Kreisen sieht man hierin eine Gefahr für jüdische Kaufleute, Handwerker und Industrielle, die auf Grund einer Konzessionsvorschrift nach bekanntem Muster aus ihren Positionen leicht entfernt werden können. Dr. I. TAUBES Amsterdam/ Spul 7, Yel. 34299 Wirtschafte-, Rechts- und Finanzbe»atung. Arbeitsgemeinschaft mH alteingesessener, hofländ. Bank und Amsterdamer Accoun anL Bureau Zuschriften werden ausführlich und prompt beantwo tet Die Lage der Juden In Crieclzsn- I and Auch in Griechenland rollt die Mark und so kann es nicht wundernehmen, daß die antisemitische Bewegung in Griechenland von Tag zu Tag wächst. Die antisemitische E. E. E.-Organisation besteht nach wie vor und insbesondere in Saloniki wird die Bevölkerung durch Hitler-Agenten gegen die Jugend aufgewiegelt. Kürzlich veranstaltete die E. E. E.-Organisation in Saloniki eine Demonstration. Hiebei sangen die Demonstranten nach der Melodie der Giovinezza, der italienischen Faschistonhyrnne, ein Iletzlied mit dotn Refrain: „Nieder mit den Juden!“, und stießen Rufe aus, wie: „Massakriert die Judenl“ „Verbrennt sie!“ usw. Auch ein großer Teil der Presse hetzt gegen die Juden. Das Regierungsblatt „V o 1 o n t e“ droht den Juden mit der Entziehung des Schutzes, wenn sie nicht für dio Regierung stimmen. Das vonizelistische Blatt „Makedonia“ bedroht die Juden aus dem gleichen Grunde und kündigt an, daß ihr weiterer Aufenthalt in Saloniki, „problematisch“ werden könnte. Dasselbe Blatt fordert zum Boykott gegen die Juden auf, weil jüdische Kinobesitzer in Saloniki den Boykott deutscher Filme beschlossen hatton. In Saloniki erscheint auch ein nationalistisches Organ „D r a s s i s“, in dessen Büro kürzlich eino polizeiliche Razzia stattfand, bei der fünf Nationalsozialisten verhaftet wurden. Der „Völkische Beobachter“ rühmte sich kürzlich der Propagandaerfolge des Nationalsozialismus in Griechenland und führte eine Reihe von griechischen Organisationen an, dio im Sinne Hitlers arbeiten.