Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-02-27 · Heft 331 (27.2.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 331 (27.2.1934)
Date
1934-02-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054086--4042-3059614
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 331, — 27. Februar 1934 DIE STIMME Seile 3 PALÄSTINA MELDET: Das große Siediungswerk in Emek Sebutun Arablsdj^J/andlunsgnMund^iigllsch^Polltlk Von unserem Korrespondenten CH. Haller, Tel-Aviv Jerusalem, 23. Februar. In einer Pressekonferenz legte Doktor!A. Granowsky vorn Hauptbureau. fies Keren Kajemeth die bemerkenswerten Fortschritte dar, die bisher beim Ausbau des Emek Sebulun (Haifa-Bay-Gebiet) erzielt werden konnten, und besprach die für den weiteren Ausbau bestehenden Pläne. Die allgemeinen Verhältnisse lägen besonders günstig für die Entwicklung dieses Gebietes. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft soll demnächst ein großer Flughafen errichtet werden und auch der Endpunkt der Erdölleitung aus Mossul werde an da,s Gebiet angrenzen. Das Land in Emek Sebulun sei groß genug, um dort eine große Stadt erstehen lassen zu können. 200 Dunam seien für den Bau von Fabriken vorgesehen und es sei geplant, 52 Fabriken mit einem Anlagekapital von 300.000 Pfund und Beschäftigungsmöglichkeit für 1200 Männer und Frauen zu errichten. Von den 40.000 Dunam des Komplexes an der Haifa-Bucht seien 27.000 Dunam Eigentum des Jüdischen Nationalfonds. Dieser besitze noch weitere 7800 Dunam Sanddünen und 200 Dunam, die auf 99 Jahre von der Regierung gepachtet wurden. Auf dem für Wohnbauten reservierten Teil des Gebietes seien 205 Häuser errichtet worden, von denen ein Teil zu der Siedlung Kirjath Chaim gehören, die dem Andenken Dr. Chaim Arlosoroffs gewidmet ist. 400 Dunam seien für die Ansiedlung von Einwanderern der Mittelstandsklasse und 300 Dunam für den Hapoel Hamisrachi reserviert worden. Auch 200 jüdische Familien aus Deutschland sollen hier angesiedelt werden. Zfum Schluß wies Dr. Granowsky darauf hin, daß die Siedlungsaktion in Emek Sebulun nach geschäftlichen Grundsätzen durchgeführt werden soll. Jeder Siedler werde zu einem wesentlichen Teil zu den 'Ansiedlungskosten beitragen müssen. Für den Nationalfonds allerdings kämen erster Reihe nicht Erwägungen geschäftlicher Art, sondern Gesichtspunkte n a t i oein naler Bodenpolitik in Betracht. Aus seinem auf 2,700.000 Pfund geschätzten Besitz ziehe der Nationalfonds so gut wie keinen Ertrag. Sein Einkommen an Pachtzins habe im letzten Jahre nicht mehr als 3000 Pfund betragen. Im arabischen Lager ist. ein gewisses Vakuum eigetreten. Der See ruht, seit den Stürmen der letzten Monate, wenigstens an seiner nach außen gewendeten Fläche. Es kam auch bei ihnen manches, was sie nicht erwartet haben. Die Festigkeit und politische Draufgängerei erscheint etwas geknickt, und an deren Stelle ist eine gewisse Unsicherheit und Ratlosigkeit getreten. Arabischer „Nationalfonds" liquidiert Jerusalem, 25. Februar. Der arabische Bodenfonds für Palästina, der nach dem Muster des Jüdischen Nationalfonds geschaffen wurde und dem Erwerb von Palästinaboden als arabischem Nationaleigentum dienen sollte, ist liquidiert worden. Die Auflösung des Fonds wird auf mangelndes Interesse in den arabischen Kreisen und angebliche Mißwirtschaft bei der Verwaltung zurückgeführt. Die bisher geleisteten Beiträge wurden zum Teil den Spendern rückerstattet. ★ Neues Aktionskomitee der Htstadruth Tel-Aviv, 23. Februar. Der Generalrat der palästinensischen Arbeiterföderation (Histadruth Haowdim) hat die folgenden Arbeiterführer in da« neue Aktionskomitee der Histadruth gewählt: 'Joseph Aronowitsch, Mosche B eilins o n, David Ben-Gurion, Elia G o- 1 o m b, Dow H o s, Jakob C h a g a n, Meir 'Jaari, Jisrael Mereminski, Ada F i s hman, Elieser Kaplan, Sahnan Rubaßchow, David R e m e z, Joseph S p r i nz-ak, Berl Katznelson. ★ Die Klagemauer Jerusalem. „Davar“ teilt mit, daß moslemitisohe religiöse Gesellschaften hart an der Klagemauer mit der Anlage eines Kinderspiel¬ Man kann gegen die Haltung, die die palästinensische Regierung in der Frage der letzten politischen Demonstrationen prinzipiell sehr gewichtige Einwendungen erheben, aber es ist nicht zu leugnen, daß ihre Taktik, die im Gegensätze zu ihrer festen Haltung im Oktober, den Arabern ihr Einverständnis zu Veranstaltung der Demonstrationen am 16. Jänner (dem Schlußfeiertag des Ramadan-Fastens), wenn auch unter bestimmten Bedingungen, geradezu aufdrängte, für alle Teile ein überraschendes Ergebnis zeitigte. Die Gesetzlichkeit der Kundgebungen benahm ihnen mit einem Male den Anschein des nationalen Märtyrertums, und die Verpflichtung der Führer, sie in gesetzlichen Formen ablaufen zu lassen, hielt im vorhinein bestimmte Elemente fern, die, wie aus dem Bericht der vom Oberkommissär eingesetzten Untersuchungskommission hervorgeht, in den Oktoberunruhen ihre bestimmte Funktion zugedacht erhielten. In Jaffa nahmen an der Aktion etwa 600 bis 700 Leute, in Haifa die doppelte Anzahl, in Jerusalem nicht viel mehr teil, und einen ähnlichen armseligen Charakter trug sie im ganzen Lande. Was besonders bezeichnend ist, ist, daß es den Veranstaltern nicht gelungen war, die Teilnahme der angesehenen Kreise, mit Ausnahme einer Anzahl parteioffiziell verpflichteter Personen, zu erwirken, und selbst die Mehrzahl der Mitglieder der arabischen Exekutive blieb den Demonstrationen fern. Und darin sollte der angeblich im Volke gärende nationale Schmerz über das Werk dier Zionisten zum Ausdruck kommen. Es kam zum Ausdruck nationales Armutszeugnis und eine Desavouierung größter Art, nach der vorher monatelang betriebenen Vorbereitung und Bearbeitung des Volkes. Die Begründungen, die von manchen Selten versucht wurden, daß die Demonstrationen zu allzu früher Stunde angesetzt waren, oder daß die Massen ihnen deshalb fernbliebten, weil sie die behördliche Zustimmung erhalten haben, kann natürlich da, wo es sich um die Äußerung eines wirklich tiefgehenden Volksgefühls handelt, nicht ernst genommen werden. Dieses Ergebnis der letzten Demonstrationen nach dem internationalen Aufsehen, das die Oktoberunruhen begleitete und deren hauptsächlicher Zweck dieses Aufsehen war, bedeutete zunächst einen politischen Gewinn nicht nur für die Regierung, gegen die sich die ganze Bewegung im letzten halben Jahre als Protest gegen ihre Mandatspolitik in erster Reihe richtete, sondern auch für uns, die man damit eigentlich treffen wollte, und die wir seit Jahr und auf den künstlichen Charakter dieser Bewegung gegen die jüdische Arbeit hingewiesen haben. Es ist deshalb zunächst etwas still geworden im arabischen Lager, wo man vorerst das erlittene Debakel verdauen muß, ehe man sich darüber klar wird, was weiter zu tun ist. Nun würde man aber fehlgehen, wenn man aus den geschilderten Ereignissen den Schluß ziehen wollte, daß die palästinensischen Araber in ihrer großen Masse die Balfour- Deklaration und die jüdische Heimshätte bejahen. Zwischen jener Desinteressierung gegenüber der offiziellen arabischen Hetz- Politik, die in der Ablehnung der Demonstrationen zum Ausdruck kam, und auf die der jüdische Jischuw aus seinen unmittelbaren Eindrücken heraus immer wieder hinwies, und dieser Bejahung liegt eine ganze Skala von Einstellungen, soweit solche in den verschiedenen Schichten des Volkes bewußt bestehen, die mit einer einheitlichen Formel nicht zu erfassen sind. Was feststeht, ist, daß in breiten arabischen Volkskreisen die primitive Form früherer Jahre der politischen Ablehnung gegenüber dem jüdischen Werke, wie sie in der Politik der heutigen arabischen Führung zum Ausdruck kommt, nicht mehr gebilligt wird, und daß Wandlungen und Differenzierungen im Gange sind. Die politischen Erfahrungen der letzten 15 Jahre sind nicht ohne Wirkung gehliehen, und mit dem Umsichgreifen des jüdischen Wirtschaftswerkes und der als Folge des allgemeinen ökonomischen Fortschrittes vor sich gehenden Verflechtung der gemeinsamen Wirtschaftsinteressen ist eine veränderte Grundhaltung in den verschiedenen Schichten zu den politischen Problemen und vor allem zu den politischen Kampfmitteln im Entstehen begriffen. In einer wachsenden bürgerlichen Schicht üben unmittelbare praktische Interessen einen zunehmenden Einfluß. Die große Masse der produktiv tätigen Araber will vor allem keine Unruhen. Es ist die Einstellung des Bürgers, der etwas zu verlieren hat, und deshalb Ruhe will. Diese Masse war gegen die letzten Demonstrationen. Es ist bekannt, daß am Vorabend der Demonstrationen vom 16. Jänner die jungen Agitatoren bei den arabischen Geschäftsleuten in Jaffa entschiedenen Widerstand begegneten. Gleiche Erscheinungen gab es an anderen Punkten. Man ist gegen die auf Verneinung und Zerstörung gerichtete Politik. Diese geistigen Wandlungen bleiben aber bei dem negativen Verhalten nicht stehen, sondern sie äußern sich auch in der Erhebung positiver Forderungen. Man stellt sich auf einen Kampf auf lange Sicht ein und erkennt, daß man damit beginnen muß, sich der jüdischen Waffen zu bedienen: man propagiert die Forderung der eigenen wirtschaftlichen Stärkung. Eine gewisse Zuwendung zu eigenen wirtschaftlich-konstruktiven Aufgaben ist zu erkennen, wenn auch zunächst dem erhebliche Schwierigkeiten psychologischer (schwacher Unteruehmungssinn der kapitalistisch potenten Kreise) und ökonomischer Natur (niedriger Lebens- und Bedarfsstandard der breiten Bevölkerungs- Dr. Alfred Loewy gratuliert herzlichst Dr. Chaim Stein, Tel - Aviv, zur Geburt eines Sohnes massen) entgegen stehen. Aber man erkennt trotzdem die Möglichkeiten, vielleicht auch durch die zunehmende Verquickung mit der jüdischen Wirtschaft. Als erste Äußerungen dieser Tendenzen ist. die Veranstaltung der arabischen Messe im vorigen Jahre, die wohl ihre Fortsetzung erfahren wird, die Ausweitung des Bankwesens und die Propaganda für arabischen Bodenaufkauf. In letzter Zeit hört man von beabsichtigten Gründungen auf dem Gebiete des Schiffsverkehrs, des Kinowesens u. a. Dadurch hofft man, allmählich, dem trotz aller Hindernisse stetig wachsenden jüdisch-wirtschaftlichen Werke und dem politischen Einfluß, der von diesen ausgeht, eigene Werte gleicher Art neben dem überwiegenden Gewicht der arabischen Volksmehrheit entgegensetzen zu können. Das Moment der wirtschaftlichen Konkurrenz ist im Entstehen begriffen. Über das Verhalten der Regierung zu diesen Tendenzen fcoll in einem nächsten Aufsatz berichtet weren. Die platzes begonnen haben. Der Zugang führt über den Platz vor der Klagemauer. „Davar“ schreibt, dies sei eine eklatante Verletzung des Status quo und könne zu Unannehmlichkeiten für die an der Klagemauer betenden Juden führen. Flugzeug• und Tonfilmaufnahmen vom neuen Palästina Vor einigen Tagen ist der Schweizer Weitstreckenflieger Mittelholzer, der durch seine großen Flüge von Zürich nach Persien und quer durch Afrika berühmt geworden ist, auf dem Weg nach Abessinien in Palästina eingetroffen und nach zweitägigem Aufenthalt über Arabien weitergeflogen. Seinen Aufenthalt in Palästina benutzte er, um Aufnahmen des Landes aus der Luft und vom Boden und insbesondere auch Aufnahmen des jüdischen Aufbauwerkes in seinem großen Film einzuschalten. Ein großer Teil der Tonaufnahmen soll -Volkslieder betreffen. Die Teilnehmer an der Expedition hatten sich an den Keren Hajessod mit dem Ersuchen gewandt, sie bei der Durchführung der Aufnahmen zu beraten. Zunächst wurden in Tel-Aviv und Umgebung Aufnahmen gemacht. Ein Teil dieser Aufnahmen ist als Botschaft des Bürgermeisters M. Dizengoff an die Kaiserin von Abessinien gedacht, die vor kurzem in Palästina weilte und Gast der jüdischen Stadt Tel-Aviv war. Am nächsten Morgen ist die Expedition, begleitet von dem bekannten jüdischen Journalisten Ch. Z. Kloetzel, von Gaza aus aufgestiegen, um im Laufe des Vormittags Aufnahmen aus der Luft von ganz Palästina zu machen. Arlosoroff-Morduntersuchung Jaffa. In der Arlosoroff-Morduntersuchung wurde die Vernehmung des Arabers Abdul Medschid durch den Jaffaer Richter Ralph B o d i 11 y, die sechs Verhandlungstage in Anspruch genommen hatte, abgeschlossen. Das Kreuzverhör, dem Abdul Medschid durch den Verteidiger Horace Samuel unterzogen worden war, hat zu dem Ergebnis geführt, daß Abdul Medschid eine Erklärung abgab, in der er bekannte, daß der Anklagevertreter Kommissär Shitreet ihn bei seiner zweiten polizeilichen Vernehmung auf eine Anzahl von Widersprii-* chen zwischen seinen Aussagen und den Bekundungen Frau Arlosoroffs aufmerk« am gemacht hat. Ein hierauf vom Verteidiger Horace Samuel gestellter Antrag, die arabische Mittelsperson zu vernehmen, die die Verbindung zwischen den; Angeklagten und den arabischen Mithäftlingen hergestellt hat, wurde von Richter Bodilly a b g e i e h n t. Es sollen nach dem Vorschlag des Anklagevertreters zunächst sämtliche von der Anklagebehörde geführten Zeugen und sodann nochmals die Angeklagten A c h i Meir, Stavsky und Rosenblatt vernommen werden. Polizeirichter Bodilly vernahm zunächst Abdul Medscliids Zellengenossen Sulejma Nabu Schaanun, der aussagte, Stavsky habe versucht, Abdul Medschid zu bestechen, damit dieser die Mordsohuld auf sich nehme. Stavsky habe zu Abdul Medschid neunmal durch das Fenster gespro chen, wobei ihm Rosenblatt assistierte. Es folgte die Einvernahme von S u b h Zablawi, der den Vermittler zwischen Stavsky und Medschid gespielt haben soll, Der Zeuge erklärte, er habe im Jänner be wußt falsch ausgesagt, als er Abdu Medschid als den Schuldigen bezeichnete er war hiezu durch den jüdischen Mithäft ling Josef Urphali, der im Zusammen hang mit den Unruhen 1929 zum Tode ver urteilt und dann zu mehrjährigem Kerker begnadigt worden war, beeinflußt worden, Urphali versuchte ihn zu überreden, die Mordschuld auf sich zu nehmen, weil er dadurch seine Lage nicht verschlechtere. Er aber riet, diese Rolle Medschid zuzuteilen, der ebenfalls keine höhere Strafe, als sie ihm jetzt schon zukommt, zu erwarten hat. ★ Mitteimeer-Festspiele Tel-Aviv 1934 Tel-Aviv. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadt Tel-Aviv und in engster Verbindung mit der diesjährigen Levante-Messe werden unter dem Titel „M ittelmeer-Festpiele Tel-Aviv 1934“ eine Reihe Ver- Schmidl-Mazzoth in Qualität unerreicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.