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Die Stimme · 1934-02-23 · Heft 330 (23.2.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 330 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 DIE STIMME Nr. 330. — 23. Februar 1034 Amerika und die Olympiade Berlin 1936 New York. Die Na oh richte u einiger ou ropiiischer Blätter, daß das America» Olympie Committee die Einladung zur Teilnahme an der Olympiade Berlin 1936 bereits angenommen hat, ist unrichtig:: das Comittee hat vor kurzem die Frage der Teilnahme an der Berliner Olympiade im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Behandlung jüdischer Sportler in Deutschland behandelt und beschlossen, zu einem späteren Zeitpunkt ein Exekutivkomitee zu ernennen, welches dein Olympie Comittee Vorschläge unterbreiten soll. Die Angelegenheit wurde demnach auf dae tote Geleise geschoben. Im Verlauf der Aussprache sprach Charles N. Orn stein, Mitglied de« Olympie Commitee. entschieden gegen die Annahme der Einladung Deutschlands seitens Amerikas, solange die Juden im Dritten Reich unterdrückt und entrechtet werden. Der Präsident des Committee, Abery W. Brundage, wünschte eine prinzipielle Annahme der Einladung im Hinblick darauf, daß die offiziellen deutschen Sportführer erklärt hatten, in Deutschland würden jüdische Sportler nicht unterschiedlich behandelt. Ornstein erwiderte, er habe Beweise des Gegenteils in Händen. Übrigens genüge die Tatsache, daß Juden in Deutschland im allgemeinen entrechtet und unterdrückt werden, um Repräsentanten der freien amerikanischen Nation von Deutschland fernzuhalten. Nach der Sitzung erklärte Ornstein: ,.Amerika wird an den Olympischen Spielen in Berlin nicht teilnehmen, wenn wir nicht den zwingenden Beweis in Händen haben, daß Juden in keiner Sportart benachteiligt und von keiner Chance der Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen sind.“ Präsident Brundage erklärte, er wolle im Sommer 1934 Deutschland besuchen, um sich persönlich davon zu überzeugen, ob gegenüber den jüdischen Sportlern in Deutschland daß im Sportleben übliche Fair play geübt wird. Sehlafsäekon und Zelten sowie der Radioapparat, sicher auf die Eisscholle gebracht wurden. Dem Komitee zur Kettung der auf der Eisscholle wandernden ..Tscheljuskin“-Besatzung gehören zwei Juden, der Leiter der Zivilflotte. Josef Uns eh licht, und der Vizechef dos Nordpeehamlelsdepartements. Joffe, au. Die deutsch-jüdischen Ärzte in Chile Paris. Da« Pariser Bureau von HIAS-JCA-EMIG- DIRECT (HJCEM) erhielt von seinem Komitee in Santiago de Chile die Mitteilung, daß die Lage der dort aus Deutschland eingewanderten fünf jüdischen Ärzte sehr prekär sei. Die Bohürden haben den Ärzten die Ausübung ihres Berufes vor Ablegung der Nostriflzierungsexamina, was erst in ein bis zwei Jahren möglich iet, untersagt. Die Diplomgebühren betragen jetzt, etwa 12.000 Pesos, dae sind etwa 1000 Dollar. HJCEM rät deutschen Ärzten, nicht nach Chile auszuwandern. Das Pariser Fliichtlingskomitee in Not Voraus muß man denken/ sich si'diern — versichern hlji; Pk&nfac | j Allgemeine Versidierungs* j 1 ’ij) Cies*/ Wi'cn,BX.,A!serpIats3 Jüdischer Forscher bei der „T$cheljuskin“-Katastrophe umgekommen Moskau. Bei dom Untergang des großen russischen Eisbrechers „Tscheljuskin“, der von Eismassen erdrückt wurde, Iconnto sich die lOSköpfige Besatzung retten, nur einer kam um: das Mitglied der Forschunegkommission M o g i 1 e w i t s c h, ein Jude. Da ihm die Überwachung der Ausbootung der Lebensmitteivorräte und der Forschungsbehelfe oblag, verließ er als Letzter das Schiff, wurde aber dabei von zusammenstürzenden Brettern erschlagen. Mog'lewitsch war 26 Jahre alt, hatte sich aber beieits einen Namen als kühner Polarforscher und Bärenjäger erworben. Der rußßische Dichter Uja Solwinski, ebenfalls Mitglied der „Tsc.heljuskin“-Expedition, widmet seinem umgekommenen Kameraden einen Nachruf, in dem Mogilewitscb als Held der Pflichterfüllung gefeiert wird. Wenn die Mitglieder der Expedition gerettet werden können — sie sind noch jetzt in einer kritischen Lago —, so wird dies, so heißt es in dem Nachruf weiter, das Verdienfit von Mogilewitsch sein. Er hat dafür gesorgt, daß alle Vorräte an Lebensmitteln, Kleidern, Paris. Die Krise in der Pariser Flüchtlingshilfe ist in ein akutes Stadium getreten. Nachdem das Hilfskomitee für die Flüchtlinge im Verlauf eines Jahres etwa 10 Millionen Franca ausgegeben hat, steht es jetzt ohne alle Mittel da und wird, falls nicht im letzten Augenblick Hilfe kommt, in wenigen Tagen seine Tore schließen müssen, wo dann viele hunderte Flüchtlinge ohne Obdach und Nahrung bleiben werden. Das Komitee appelliert an die jüdischen Gemein schäften der Welt um Hilfe. Seit einigen Tagen wird an gewisse Kategorien der Emigranten seitens de« Comitö National, Spitze Baron Robert de Rothschild steht, keine Unterstützung mehr verabfolgt. Viele FlÜchtlingsfamilien sind in eine verzweifelte Situation geraten. Zwischen der sogenannten „Deutschen Kommission“ und dem Comitö National wird über den Aufbau einer produktiven Hilfe verhandelt. Von den zur Zeit noch etwa 1500 Unteistützten sollen in den nächsten Tagen 10C bei Ililfsarbeiten in der Landwirtschaft. 100 in Handwerke- und Landwirtschaftsumsch düngen untergebracht werden. Nach Palästina geht jetzt ein weiterer Transport von 100 Flüchtlingen ab, ebenso sollen etwa 100 in anderen Ländern Unterkunft und Arbeit finden. Etwa 500 Emigranten will man durch Etablierung von 300 Familienvätern produktiv in den Wirtschaftsprozeß in Frankreich einreihen übrig blieben dann etwa 600 Ältere, Kranke und Arbeitsunfähige. Man will versuchen, diese 600 Hilflosen bei den jüdischen Gemeinden der verschiedenen i von vier Gendarmen und zwei Bauern au« Stalijska Maehala und durchsuchten es nach zwei zehnjährigen Bauernmäddien aus dem letztgenannten Dorfe, die zum Einkauf in den Laden von Ivewv geschickt wurde» und nicht zurückkehrten. Dabei wurde Lewy beschuldigt, er halte die Kinder verborgen, um an ihnen ein Ritual v c r b r o c b e » zu begehen. Bald stellte sich heraus, daß die Kinder sich zum übernachten i n d a s Haus v o n V c rwandten in W o s s i 1 o w t z i bc-gcben hatten und daß «io wohlauf sind. Die Jüdische Gemeinde der Stadt Loin a. d. Donau wandte sich an das Zentralkonsistorium der bulgarischen Juden mit dein Ersuchen, die Behörden zu einem Einschreiten gegen Ritualm o r d h e t z e r zu veranlassen. Das Konsistorium brachte den Fall den zuständigen Stellen und dom Erzbischof Stefan zur Kenntnis und forderte Untersuchung des Falles und Aufklärung der Bevölkerung, ferner Bestrafung der behördlichen Funktionäre, die durch ßolche Mißgriffe zur Fanatisierung der Bevölkerung beitragen. Ibis Konsistorium gab auch die Anregung, das Verdainmungsurteil des Heiligen Synods der bulgarischen Kirche vom 14. März 1897 gegen die Lüge vom jüdisch*’» l’itualniord neuerdings der Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen. Häuserverwaltung und Hypoiheken Kontrolle reichsdeutscher Häuser und Hypotheken übernimmt gegen Monatspauschale Rechtsanwalt Knoch aus Berlin, jetzt ständig in Wien, I., Tucnlauben 7a, Telephon U 22-3-60 AUS DEM DRITTEN REICH Arische Firmenverzeichnisse in Deutschland Provinzen in Heimen oder Privatquartieren gut unterzubringen. Das nötige Gsld zur Realisierung dieses ganzen Planes soll in Frankreich, Amerika und England aufgebracht werden. Man hofft um so mehr auf Verständnis, es sich hier unj Spenden für produktive Hilfe handelt, durch die die Beedigung der bisherigen ßo unproduktiven reinen Fürsorge erreicht werden würde. Berlin. Wie ,,Der Deutsche“, die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, mitteilt, haben einige von der Zeitung als „aüeh-arisch“ bezeiehncte Firmen eine einstweilige gerichtliche Verfügung gegen die Verteilung des vom Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze herausgogebenen R e i c h s - B e zugsquell e'n Verzeichnisses erwirkt. Hierzu bemerkt das Blatt: Wir können nicht stark genug unsere Verwunderung darüber ausdrücken, daß große, angesehene Berliner Firmen so wenig Rassebewußtsein haben, beziehungsweise heute noch eine solche Unkenntnis der . t nationalsozialistischen Weltanschauung befranzösischen sRzen. Das Rassebewußtsein ist in Antisemitische Propaganda im Elsaß Straßburg. Im Elsaß haben die antisemitichen Strömungen in letzte» Zeit zugenommen. Die von Royalisten herausgegebene Zeitung „Le Combat“ verbreitet offen antisemitische Verleumdungen und arbeitet mit denselben Argumenten wie die deutcjien Antisemiten. So wird unter anderem die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion“, die neuerdings vom Leipziger Hammer-Verlag in Taußenden von Exemplaren im Auslande ver breitet werden, ohneweiters unterstellt. Es besteht die Absicht, daß Organisationen und Körperschaften des öffentlichen Rechtes, deren Aktivlegitimation ohneweiters feststeht, die Klage gegen die Vertreter der „Protokolle“ und der in den Protokollen ausgesprochenen Verleumdungen gegen die Juden erreichen. Die Ritualmordlüge in Jtumänleyi Sofia. In das Haus des jüdischen Ladenbcßltzers Buoa Lewy im Dorfe Wassilowtzi drangen um Mitternacht echwerbewaffnet der Vlzobürgerraelsker des Dorfes in Begleitung der nationalsozialistischen Weltanschauung, und damit, im Dritten Reich, daß Fundament allen Fühlens, Denkens und Handelns. Die Aufstellung und Verteilung eine« arischen Lieferantcnverzeiehnisses von berufener Stelle kann daher nie und nimmer als ge schüft liehe Schädigung für Firmen angesehen werden, die es nicht für notwendig halten, sich darin eintragen zu lassen. Oder sollte etwa gar die Rücksicht auf nicht arische Kundschaft sie zu dieser Handlung bewogen haben? Jüdische Unternehmungen in arische Hände Berlin. Die Press eabtoilimg des Justizministeriums teilt mit, daß der jüdische Textilfabrikant S. Cohn und der Kaufmann Ernst Cohn, beide in Bremen, unter dom Verdachto, ein größeres Kapital im Auslände zu besitzen und diosen Tatbestand den Behörden verschwiegen zu haben, verhaftet wurden, und daß die Fabrik von S. Cohn dem Präsidenten der Bremer Textilbörse Dr. Gramer übergoben wurde. Zu Tode gemartert Genf. Der Saarbrückener „Freiheit“ wird September 1933 der Kölner Sehlaehthofdiroktor einigen SA.-Lernten die Weißung erteilte: „Nehmt doch mal den Moses mit zur Behandlung 1 n die Schwei zl“ Die Schweiz —- da« ist eine Müllgrube hinter dom Schlachthof. Dort wurde das Opfer hingeführt und befohlsmäßig „b e h a n- (1 e 11“. Man fand ihn bewußtlos: daß Nasenimin zertrümmert, Abdrücke von eisenbeschlagenen Stiefelabsätzen in Gesicht, umd Stirn, den Brustkasten eingetroten, Rippen gebrochen usw. Am 19. Jänner ist Moses unter grausamen Schmerzen nach viermonn tigern Siechtum der Hitler-Kultur erlegen. Der Schlaehtiiofdircktor und seine braune Schlachthofgarde sind nach wie vor in Amt und Würden. — Die Polizei des berühmten Staate«, in dem keinem Juden ein Haar gekrümmt wird, hat in dieser Sache bisher nichts getan. Selbstmord deutscher Wissenschaftier Berlin. Der hervorragende Mediziner Doktor II a n « t e i », Berlin-Wilmersdorf, der Kenner der Geschichte der Syphilis, war Mitte vorigen Jahres verhaftet und kurze Zeit danach wieder entlassen worden. Am 12. November lag erneut Haftbefehl gegen ihn vor. Um sich der nochmaligen Verhaftung zu entziehen, hat sich Hanstein vergiftet. Dem weltberühmten Professor der Zahnheilkunde Moral alte Rostock, der im Laufe der Jahre vielo Lehraufträge von Universitäten des In- und Auslände* erhielt, wurde auf Grund seiner jüdischen Abstammung vor einigen Monaten die Lehrberechtigung entzogen. Prof. Moral hat nunmehr Selbstmord verübt. Jüdische Kranhenschwester zu einem Jahr Gefängnis verurteilt Köln. Wegen Verleumdung der nationalen Regierung' durch Verbreitung von ,,Greuelberichten“ war vor dem Kölner Gericht die jüdische Krankenschwester Theodora H e r z angeklagt. Am 10. Oktober 1933 war sie im Eisenbahnabteil mit einem älteren Kaufmann in ein Gespräch gekommen. Dabei sagte eie, nach der nationalen Revolution seien viele Juden zu.sammengese.liJagen worden. Ale der Kaufmann bemerkte, das könne er nicht glauben, versicherte die Herz, ß i e selbst h a b e i n den Kölner Krankenhäusern die verwundeten Juden gepflegt. Das Gericht verurteilte Theodora Herz zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, und führte in der Begründung au«, wenn sich dio Angeklagte auch während des Krieges als Schwester in einem Frontlazarett Verdienste erworben habe, und wenn ßio auch noch unbestraft sei, so sei doch in diesem Falle eino empfindliche Strafe am Platze gewesen. Jüdischer Kulturbund in Bayern München. Die bayerische Staats regiorung hat in oinem vom bayerischen Kultusminister Sehe m m gezeichneten Schreiben der Schaffung des „J ü d i s c h o n Kulturbundes i ti Bayern“ zugeetimmt. Träger dieses Kulturbundes sind der Vorband bayerischer israelitischer Gemeinden und dio Gemeinden selbst. Eino Besuchororganißation wio beim Kulturbund in Proußen und in anderen Teilen des Roichos ist in Bayern nicht vorgesehen. Allo Veranstaltungen und Darbietungen sind ausschließlich auf Gemeindomitglioder beschränkt und dürfen nur in jüdischen Zeitungen angoldindigt werden. Vom Verband bayerischer israelitischer Gemeinden wurden in die Vorstandsehaft des Jüdischen Kulturbünde« in Bayern berufen: Konsul Justizrat Dr. Ball ln, München als geschrieben: ln Wesseling bei Bonn starb i Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Hans Taub, am 19. Jänner unter großon Qualen dar München, Dr. Alfred Fraenkel, München. 49 Jahre alte Viehhändler M o s o s, vor- Zum Geschäftsführer ist Kapellmoister Erich heiratet, Familienvater, ein allgemein be-|Erck ernannt worden. In jedes jüdische Haus die „Stimme“!

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