Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 330 (23.2.1934)
- Date
- 1934-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 330, — 23. Februar 1934 DIE STIMME Seife 5 Board of Deputies über diejuden inDeutschland London. In der Sitzung des Board of Deputies (Gemoindoverband der englischen Juden) berichtete Leonard G. Montefiore über die Lage in Deuts ch- I a n d. Die jüdische Situation in Deutschland, sagte er, wird bald der gleichen, die vor wenigen Jahren für die Juden in S o w j e t r u ß 1 a n d bestand. Die heutige deutsche Regierung hat, wenigstens in der wirtschaftlichen Sphäre, eine unterschiedliche Behandlung der Juden untersagt, aber d ie halboffizielle NS. - H a g o setzt, davon unberührt, ihren Feldzug gegen die jüdische Wirtschaft fort, und die Zeitungen arbeiten mit den gleichen Boykottaufforderungen, den gleichen Lügen und den gleichen Verleumdungen wie zuvor. Eß hat den Anschein, daß die Nationalsozialisten gar nicht mehr die Zeit erwarten k(innen, da die ersten Hunderttausend SA.- Leute sich in das Zivilleben zurückziehen und jeder von ihnen den Posten, den jetzt noch ein Jude innehat, besetzen wird. Chefredakteur Morris Myer bemängelte, daß Montefiore in seinen Berichten mehr Nachdruck auf die Flüchtlinge und auf die Vertreibung der Juden aus ihren Arbeitsstellen gelegt und sehr wenig Uber die Entrechtung der deutschen Juden gesagt hat. Die deutsche Judenfrage ist nicht eine Frage von Arbeitsstellen, sondern eine der bürgerlichen und der Menschenrechte. Wir fordern die bürgerliche Gleichet gidftifäen efcfjwerfcen uttö Äopf* fdjmeracn mtrft Sogal rnfd) unö ftcf>cr. So.qaL Tabletten löfen öle fcfyäölfrfjcn 33cftanÖtctle tm 23lut unö führen balöfge SÜnÖmmg unö uolb ftonöfge ©enefung herbei, fragen ©Ie 3hren ^(r3t. 3n ollen ^Ipothefen erhältlich. J3ref3 S 2.40. Berechtigung der deutschen Juden, und solange Deutschland diesen Grundsatz nicht akzeptiert, werden wir unseren Ruf in die Welt hinausschicken. Nie und nimmer werden wir den Arierparagraphen akzeptieren. Eastermari sagte, in Deutschland seien die Juden völlig zermalmt. Aber auch die Lage der Juden in P o 1 en, in G r i e c h e n 1 a n d und in Rum ä n i en sei ernst. Auch in E n g 1 a n d sei die Lage eine solche, daß gewisse Gegenmaßnahmen sofort ergriffen werden müßten. Percy Samuel klagte darüber, daß man nichts über die Unterhaltungen, die zwischen dem Hochkommissar James MacDonald und den Mitgliedern der Berliner Regierung geführt wurden, erfahren kann. Horowifcz forderte eine autoritative und eindeutige Erklärung der verantwortlichen Führer der Juden Englands, um einerseits die Juden in der ganzen Welt aufzurütteln, anderseits auf die nichtjüdische öffentliche Meinung und auf Hitler Eindruck zu machen. Doktor D a i c h e s führte aus, in den letzten sechs Monaten habe sich die Lage der Juden in Deutschland etwas gebessert. Ratsherr Benno Pearlraan bemerkte, er oriunere sich nicht, vom Premierminister Rarasay MacDonald auch nur ein einziges Wort des Tadels hinsichtlich der Behandlung der Juden Deutschlands gehört zu habe n. Vorsitzender Neville Laski sagte im Schlußwort: Welchen Sinn hat es, daß der Board of Deputies immer wieder gegen den Arierparagraphen in Deutschland protestiert, wenn es sogar der italienischen, der französischen und der englischen Regierung nicht gelungen ist, die Nationalsozialisten zu überzeugen. Was wir Juden, die wir über keinen Staat und keine Armee verfügen, in dieser Krise, dio ihres gleichen in der Geschichte nicht hat, tun können, haben wir getan und werden wir tun. Leonard G. Montefiore bemerkte zum Schluß: Wir alle bedauern das Schweigen des englischen Premierministers. Aber wir dürfen auch der Reden nicht vergessen, die der Außenminister Sir John Simon und der Unterstaatssekretär Ormsby Gore bei der Behandlung der deutschen Judenfrage in Genf gehalten haben. Warum verlangen Alle Mnnrrv/\laL weil n i ii mir «i öchnudl-lrlazzoth Die Mazzolh werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seil vielen Jahren genießen die „Sdimidl-Mazzolh" das in Gesdimadt und Qualität unübertroffen sind I beste Renommee und werden von allen bevorzugt 1 Auf die txlraquallffll meiner Fabrikate „Marke Sdimidl SrnvniHI-M^77af'li N. B." auf Mazzolh, Griefs und Farve) wird besonders aufmerksam gemacht. Ul/llllllul ITUIaaI/ 111 werden unter streng orthodoxer Aufsicht des Zentrale: N. Brodetzky II., Leopolds j-asse 43, und In allen besseren einschlägigen ran dm omnn -isdd nov1 ann Geschäften erhältlidi hergeslellt Telephon-Nummern A 46-1-90, A 60-2-63 und A 41-9-52 Tulo Nussenblait: Zum Tode Heinrich York-Steiners In T e 1 Aviv starb am 20. Februar, 75jährig, der bekannte Wiener Schriftsteller Heinrich York-Steiner, der zum engsten Freundeskreis Theodor Herzls und zu den Mitbegründern der Zionistischen Organisation gehörte. Heinrich York-Steiner war auch außerhalb Österreichs als glänzender Schriftsteller bekannt. Eine große Anzahl begabter, junger Schriftsteller wurde durch ihn beeinflußt und erzogen. In Italien, in der Schweiz, aber auch in Amerika war er als Publizist mit den dortigen Verhältnissen wohl vertraut. Diese Beziehungen stellte er vor und während des Krieges den offiziellen Stellen Österreichs zur Verfügung. Aus seinem reich bewegten Leben ist seine zionistisch-publiz-istische Tätigkeit die interosfianteste. Die erste Begegnung zwischen Herzl und York-Steiner fand am 17. März 1896 statt. York-Steiner machte, nach den Worten Herzls in den Tagebüchern, auf ihn den Eindruck eines braven, tüchtigen und entschlossenen Mannes. Er war von Herzl vorgesehen, die „Wiener Allgemeine Zeitung“ oder ,,Szeps-Tagblatt“, für den Fall des Ankaufes, zionistisch zu machen. Herzl wollte hiebei nur unsichtbar mithelfen. Die Verhandlungen waren eine saure und enttäuschende Arbeit. Als Herausgeber der „Wiener Mode“ lernte York-Steiner Theodor Herzl im jenem Zeitpunkte kennen, als Herzl daran ging, die zionistische Organisation zu schaffen. York-Steiner bildete zusammen mit Johann Kremenezky, Dr. M. T. Schnirer, Prof. Kellner, Dr. Kokeseh und anderen dem zunächst engen Kreis um Herzl. Seine verlagstechnischen Kenntnisse waren für Herzl wertvoll, als Herzl in Wien ein neues Tag- Watt schaffen wollte, an dem Ministerpräsident Badeni ein besonderes Interesse kundgab. Später, anläßlich der Gründung des zionistischen Organs „Die Welt“, war York-Steiner einer der Helfer Herzls. Er blieb in der Folge ständiger Mitarbeiter dieser Zeitschrift. Während der zionistischen Tätigkeit Herzls, die kaum neun Jahre dauerte, stand York-Steiner Herzl nahe. Der große Freund seiner Mitarbeiter, wie es Herzl war, hatte für die Schwächen seiner Getreuen stets ein entschuldigendes Wort. Auch York-Steiner empfindliches Wesen verursachte manchmal Herzl großen Kummer. Diese kleinen Reibungen entschuldigte Herzl mit den Worten: „Es scheint, daß Menschen nicht miteinander arbeiten können, ohne sich gegenseitig wehe zu tun.“ In der Auseinandersetzung Herzls mit Rabbiner Bloch spielte York-Steiner eine bedeutende Rolle. Es war wiederum die Frage der Presse und ihre Einstellung zum Zionismus. Eine geraume Zeit später wurde York-Steiner von Herzl nach Kiow geschickt, um die mit Professor Mandelstamm und dem Millionär Broclsky eingeleiteten Verhandlungen über die Gründung einer Zeitungsaktiengesellschaft weiterzuführem. Über die weiteren Beziehungen Herzls zu York-Steiner enthalten die Tagebücher und unbekannt gebliebenen Briefe viele Mitteilungen. Kurz vor dem Tode Herzls sollte York-Steiner zum Leiter eine<r in Amerika zu gründenden großen zionistischen Bank bestellt werden. York-Steiner sollte nach den Plänen Herzls das Est-end in New York finanziell organisieren und eine jüdische Mutual-Versicherung etablieren, mit der er nach Europa zu rückgreifen wollte. Die Mutualidee, die Herzl in einem wunderbaren Aufsatz, der merkwürdigerweise bis heute unbeachtet geblieben ist, in der „Welt“ entwickelte, spielte in den Zukunftsideen Herzls eine bedeutende Rolle. Es wäre Sache unserer zionistischen Wirtschaftspolitiker, angesichts der heutigen Judennot auf diese Ideen Herzls zurück zu kommen. Die Freunde Herzls, insbesondere Doktor Katzenelson aus Libau, wandten sich gegen die Entsendung York-Steiners, den sie für diese Aufgabe als nicht geeignet bezeiohneten. Es gab auch ein Moment im Leben York- Steiners, wo er sieh selbständig als Diplomat hervortun konnte. Die erste Audienz Herzls beim Vatikan kam durch den akademischen Maler, päpstlichen Grafen Lippay zustande. Doch war der Erfolg für Herzl nicht befriedigend. Nach dieser Audienz gelang es, eben durch denselben Grafen Lippay, der hinter den Kulissen der Politik bis in den Weltkrieg hinein eine nicht unbedeutende Rolle spielte, York-Steiner, vom Kardinal-Staatssekretär Merry de Val ein Interview für den Zionismus zu erlangen. York-Steiner wurde mit Zustimmung des SOEBEN ERSCHIENEN PALÄSTINAKUNDE VON DR. HUGO HERRMANN LIEFERUNG I: GEOGRAPHIE DAS ZUR KENNTNIS DES LANDES, DER STÄDTE U. DÖRFER, DES KLIMAS USW. USW. UNENTBEHRLICHE WERK MIT *1 ABBILDUNGEN U. KARTEN. PREIS S 3.46 CIDA VERSANDrlDA BUCHHANDLUNG WIEN, VI. GUMPENDORFERSTR. 10 TELEPHON A 24« 9 -78 Papstes autorisiert, eine Erklärung abzugebeu, „daß der Heilige Stuhl aus Gründen der Humanität die Besiedlung Palästinas durch die Juden nicht verhindern werde“. York-Steiner veröffentlichte viele wertvolle Werke. Einige, wie „Künstlerfahrteil vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean“, „Der Talmudbauer“, „Die Kunst, als Jude zu leben“, dürften allgemein bekannt sein. Viele wertvolle Erinnerungen erschienen aus seiner Feder, und letztens war er damit beschäftigt, seine Memoiren gesammelt herauszugeben. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte York-Steiner in Palästina, wo er, betraut von seinem Schwiegersohn, dem bekannten Arzt Dr. Muszkat, und seiner Tochter, an einem neuen Werke arbeitete. Das Ungeheuer von Loch Ness und die „Protokolle der Weisen von Zion“ Die Basler „Nationalzeitung“ weist auf „Zusammenhänge“ zwischen dem Ungeheuer von Loch Ness und dem Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion“ hin. Obwohl jede wissenschaftliche Erfahrung gegen die Existenz eines prähistorischen Ungetüms im Loch Ness spricht, haben trotzdem Millionen von Menschen an das Vorhandensein eines solchen Ungeheuers geglaubt. Dieser Vorfall sei ein Symbol für ein „Wahrhalten“ von Unbewiesenem. In die Reihe solcher Vorfälle gehöre die Legende der „Weiten von Zion“, wenngleich der Glaube an dieses Ungeheuer weit weniger harmlos sei. Das Blatt legt dann in längeren Darstellungen die Entstehungsgeschichte der „Protokolle“ dar und weist darauf hin, daß obwohl die „Protokolle“ als Fälschung entlarvt und die Geschichte dieser Fälschung bis in alle Einzelheiten bewiesen ist, der moderne Antisemitismus diesen Fälschungen immer noch seine gefährlichsten Waffen entnehmen kann und immer wieder gläubige Scharen findet. <S) zeigt Conan Doyle’s Meisterdetektiv Stierlock Holmes mit Clive Brook Ab heute: Kreuz-Kino I. lux-Pulusf-Hino, XVI. Wollzeile 17 Neulerchenfelderstraße 43 Erklärung des Verbandes der f*cdlschen Gemeinden Italiens Rom. Gegenüber einer von der römischen Zeitung „Tevere“ eröffneten Polemik, in der das Thema „Vaterlandsliebe und Zionismus“ behandelt und das Problem erörtert wird, ob es möglich ist, zionistische Einstellung und vaterländisches Empfinden miteinander in Einklang zu bringen, veröffentlicht der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens (Unione delle Comunitä Israelische Italiane) eiue Erklärung, in der festgestellt wird, daß der Patriotismus der italienischen Juden, sowohl der Zionisten wie der Nichtzionisten, über allem Zweifel steht und daß das italienische Judentum bei allen Gelegenheiten und in allen Lagen seine tiefe patriotische Verbundenheit mit Italien bewiesen hat. Der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens, so heißt es in der Erklärung weiter, bekundet feierlich, daß alle italienischen Juden, Zionisten und Nichtzionisten, aus Tradition und Überzeugung von den reinsten patriotischen Gefühlen beseelt sind. Unabhängig davon, welche Stellung die einzelnen italienischen Juden innerhalb des Judentums selbst einnehmen, wird die Größe und Reinheit ihres Italienertums durch nichts gemindert. Am Schluß seiner Erklärung betont der Gemeinden erb.;nd, daß zwischen zionistischer Idee und Hingabe au das italienische Vaterland vollste Harmonie möglich ist.