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Die Stimme · 1934-02-20 · Heft 329 (20.2.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 329 (20.2.1934)
Date
1934-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 359. - 20. Februar 1934 DIE STIMME Abdul Medsdiid als Zeuge Jaffa. Am 8. d. wurde die Vernehmung des Arabers Abdul M e d s c h i d, der behauptet, von Rosenblatt und Stavsky unter Anbietung einer B o s t e c h u n g s s u m m e veranlaßt worden zu sein, die Schuld an der Ermordung Dr. ArlosoroiTs auf sich zu nehmen, fortgesetzt. Der 17 Jahre alte jugendliche Zeuge erkHirte, er habe schon lange vorher seinem Verteidiger von dem Antrag S t, a v s k y s und U o s e n b l a 11 s Mitteilung gemacht, und wies auf die Zurücknahme sein es ursprünglichen Geständnisses bei der Polizei hin. Der Anklagevertreter, Kommissar S h i t r e e t, legte dem Gericht die am 22. Jänner von Abdul Medsr-hid abgegebene Erklärung vor, in der dieser sein Geständnis zurückzieht. Offenbar um darzulegen, daß die Polizei der Möglichkeit, daß andere Täter als Stavsky und Hosenblatt in Betracht kommen, nicht die gehörige Beachtung geschenkt habe, provozierte der Verteidiger eine Feststellung des Zeugen, daß die Polizei trotz seines Geständnisses ihn niemals aufgefordert habe, den Ort zu bezeichnen, an dem der Mord geschah, noch auch ihn nach dem Revolver gefragt hatte, den er bei der von ihm eingestandenen Ermordung eines Arabers benutzt hat. Der bekannte extrem nationalistische Arbeiterführer und Sekretär des Obersten Moslemitischen Rates Auni Bey Abdul Ha di hat sich bereit erklärt, die Verteidigung Abdul Medschids zu übernehmen. Zusammenstoß zwischen Acht Meir und Abdul Medschid In der letzten Sitzung des Untersuchungsgerichts in Jaffa bemühte sich der Verteidiger Horace Samuel, weitere Widersprüche in den Aussagen Abdul Medschids nachzuweisen. Er wies auch darauf hin, daß in den Aussagen von Frau Arlosoroff und von anderen Zeugen viele Details, auf die sich die Anklage stützt, nicht erwähnt wurden. Der Leiter des Untersuchungsdepartements, Hauptmann Rice, verlas unter großer Spannung den in seiner Gegenwart geführten Dialog zwischen Abdul Medschid und Issar Darwish, der laut ursprünglichem Geständnis Medschids den Schuß auf Arlosoroff abgegeben haben soll. Während der Verlesung unterbrach Abdul Medschid Rice und sagte, man möge Stavsky und Roseublatt fragen, wieweit sie nach Instruktionen Achi Meirs gehandelt haben. Der Angeklagte Achi Meir sprang erregt auf und rief Medschid zu: „Sie Lügner und Mörderl“ Die Juden in der Welt von heute Im Vorlag Maemillan u. Co., London, erschien soeben ein Buch, ,.The Jews In The Modern W o r Id“, von Dr. Arthur R u p p i n, mit einer Einleitung von L. B. Namier, Professor für neuere Geschichte au der Universität Manchester. Das Buch ist XXX und 423 Seiten stark und schön ausgestattet. Ruppin muß unseren Lesero nicht vorgestellt werden. Sein neues Buch ist eine etwas gekürzte Ausgabe seiner zweibändigen ..Soziologie der Juden“, jedoch bis in die letzte Zeit, ergänzt, so daß auch die deutschen Ercignisso behandelt, werden. L. B. Namier war bis 1031 zusammen mit Leonard Stein Mitarbeiter Weizinannß. Das vorliegende Buch ist eine gediegene Arbeit, an der niemand wird achtlos vorübergehen dürfen, der sich mit der Judenfrage ehrlich befassen will. Es wäre sehr zu wünschen, daß alsbald ein dcutscho Ausgabe dieses ausgezeichneten Werk auch dem deutschsprechenden Publikum zugänglich machen würde. Wir bringen unseren Lesern mit freundlicher Genehmigung des Verlages Übersetzungen aus der von h. B. Namier verfaßten Einleitung und aus dem Buch Ruppins selbst, den Abschnitt „Mental Üharacteristics“ (Seite 16 bis 18). Verband der jüdischen Landwirte Palästinas Tel-Awlw. In Tel-Awiw fand eine Konferenz des Verbandes der jüdischen Landwirte Palästinas statt, der 50.000 In den jüdischen Vor* krlegskolonlen wohnhafte Mitglieder, unter Ihnen 15.000 erwachsene Arbeiter, umfaßt. In seiner Eröffnungsansprache machte der Vorsitzende des Verbandes, der bekannte Landwirt und landwirtschaftliche Schriftsteller Mosche S m i 1 a n s k i, bemerkenswerte Feststellungen über die Beziehungen der jüdischen Landwirte zur Mandatarmach und über die Vorteile, die die jüdische Kolonisation der arabischen Bevölkerung bietet. Smilanski wies darauf hin, daß ln den von den Mitgliedern des Verbandes besiedelten Kolonien 5000 Araber ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir sind englandfreundlich, erklärte Smilanski, weil wir der Überzeugung sind, daß, zum mlnl desten was unsere Generation betrifft, ln; Palästina vom jüdischen Volk nichts ohne englische Hilfe getan werden kann. Wenn auch die Landwirte für die von der englischen Verwaltung Palästinas begangenen Fehler und die Hindernisse, die dem jüdischen Aufbau ln den Weg gelegt wurden, nicht blind waren, so kiwne er seine Haltung der Toleranz gegenüber den nicht jüdischen Faktoren des Landes doch durchaus rechtfertigen, Palästinensische Zollpolitik. Jerusalem. Im Aufträge der Palästina- Exekutive der Jewish Agency haben Mosche S h e r t o k und Elieser Kaplan mit dem Schatzmeister der Palästinaregierung William Joseph Johnson Besprechungen über Fragen der Zollpolitik der Palästinaregierung abgohalten. Aus der Vorrede von L. B. Namier Die älteste Inschrift, in der die Juden namentlich erwähnt sind, wurde in Ägypten aufgefunden. Da rühmt sich ein ägyptischer Pharao, er habe die Juden aus gelöscht, nicht ein Jude sei am Leben geblieben. Trotzdem leben wir noch immer, und die Tatsache unserer Existenz ist für unzählige Nichtjuden ein Stein des Anstoßes und für viele Juden eine Bürde. In den ersten siebzehn oder achtzehn Jahrhunderten war es die Hoffnung auf den Messias, die uns gegen Leiden und Verfolgungen indifferent machte und uns auch darin bestärkte, daß wir das Exil überleben würden. Wir warteten auf die Befreiung durch ihn, der da kommen und alle, auch die in der Gallith gestorbenen Juden, nach Erez Israel zurückführen würde. Diese Hoffnung auf die Rückkehr lebt und sie ist die einzige, an der wir nicht irre wurden. Nur glauben wir, daß das Werk des Messias durch Menschenwerk vollbracht werden muß. In der Zeit der „Aufklärung“ nahmen der Glaube an „Humanität“ und „Fortschritt“, an „Demokratie“ und „Verbrüderung 4er Menschheit“ den Platz des Messiasglauoens ein. Auch dieser Glaube ist im Schwindeu, er lebt nur noch in Kulturzirkeln und in Westeuropa und. wir können auf die Humanisierung der Menschheit nicht warten. Als der Mittelstand am Kontinente antisemitisch wurde, setzten so manche Juden ihre Hoffnung auf den Sozialismus. Diese Juden sahen im Antisemitismus ein Vorurteil der „Bourgoisie“. Es spricht aber nichts dagegen, daß nicht auch ein ultranationaler, antisemitischer Kommunismus entstehen könnte. Der Kapitalismus mit seinen individualistischen Tendenzen und seiner ihm eigenen Forderungen nach wirtschaftlicher Freiheit, war international. Der Kommunismus mit seiner Forderung nach Nationalisierung der Wirtschaft, ist im Grunde national und sein Internationalismus will vielleicht so verschwinden wie der der französischen Revolution. Wehe dann demjenigen, der in einer derartigen sozialistischen Kommune als Fremder angesehen würde! Er wird die traurige Rolle eines „Deklassierten“ in der Sowjet-Union spielen< Ein bißchen Philanthropie für die ärmsten unserer Brüder, eine gute Dosis Selbsttäuschung, die Erwähnung des Zionismus bei feierlichen Anlässen (gleich wie eich manche Juden ihrer Religion an den hohen Feiertagen erinnern) — und seelenruhig überließ man die Last der Judenfrage den Kindern mit der freundlichen Versicherung, daß ihrer bessere Tage warten. Das wird nun anders werden. Wir haben kein Recht, künftigen Generationen die Sorge um die Judenfrage zu überlassen. In unserer Zeit muß die Judenfrage gelöst werden. Die lebende Generation hat die Verpflichtung, diese Frage, die sie nun einmal erkannt hat, zu lösen. Erst dann hat sie das Recht, eine künftige Generation mit ihr zu belasten. Nur diejenigen Juden, die ihr Leben als Mitglieder ihrer Nation aufbauen können, einer Nation gleichberechtigt unter allen Nationen, haben das Recht als Juden in eine Zeit einzugehen, die kommen wird. Geistige Rassenmerkmale Die gebräuchliche „rassische“ Einteilung der Menschen nach körperlichen Merkmalen hat beschränkten Wert. Es fragt sich daher, ob eine auf gewisse geistige Eigentümlichkeiten basierende Einteilung bessere Resultate zeitigt; denn die Geschichte zeigt beträchtliche Differenzen zwischen Gruppen und Nationen auf, und zwar sowohl ihrer physischen und geistigen als auch ihrer gefühlsmäßigen Eigenschaften. Innerhalb der weißen Rassen gibt es zwischen den einzelnen Nationen bedeutende Unterschiede, zum Beispiel in Ansehung ihrer Eignung zur Kriegsführung, ihres logischen Denkens, ihrer musikalischen Begabung, usw. Manche Anthropologen behaupten, daß die Juden mehr eine geistige als eine physische Einheitlichkeit aufweisen und diese ihnen eigene Mentalität sei ee, die sie von den anderen Völkern Europas unterscheide. Ee kann kein bloßer Zufall sein, daß die Juden fast dauernd hauptsächlich mit Handel befaßt waren. In dieser Tätigkeit hätten sie sich durch mehr als tausend Jahre nicht erfolgreich behaupten können, ohne ihre Nachbarn durch mehr Phantasie, Findigkeit und Aktivität zu überragen. Sie besitzen aber diese Superioritüt zum Beispiel nicht gegenüber Armeniern und Syriern, die ihnen im Handel ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. In Europa gelten die Juden aber jedenfalls als die spezifischen Repräsentanten der Händlereigenschaften, weil sie die einzige in Europa zerstreut lebende orientalische Nation ist, die auch eine Religion hat und sich ein Eigenleben bewahrt hat. Auch Indien und China hatte eine eigene Hündlerk.lasse, ebenso geschickt wie die im nahen Osten, während andere Nationen, zum Beispiel die Neger und Indianer, wenig Eignung zum Handel zeigen. Es scheint, diaß kaufmännische Fähigkeiten keine rassische Eigentümlichkeit bestimmter Nationen ist, sondern eher das Produkt einer langen kulturellen Entwicklung, diie mit der Zeit von jedem zivilisierten Volk erreicht werden kann. Kaufmännische Fähigkeiten sind nicht der Ausdruck einer hiefür vorhandenen natürlichen Veranlagung, sondern die in die Erscheinung tretende Fähigkeit rasch zu denken und zu kombinieren. Das sind wichtige Voraussetzungen für einen Kaufmann, aber ebenso für wissenschaftliche Betätigung, für Erfindungen und politische Tätigkeit. Im intellektuellen Leben der Juden haben ihre Begabungen zu einor übermächtigen Wichtigkeit des Talmuds geführt, dessen Studium rasoheß und scharfem dialektisches Denken erfordert. Die Tatsache nun, daß Talmudgelehrte als Schwiegersöhne von reichen Familien gesucht wurden und so ihren Kindern eine bessere Erziehung angedeihen lassen konnten, führte zu einer Höherquellung der Juden in der Richtung zu Scharfsinn und Geistigkeit. Die Entwicklung raschen und scharfen Denkens ist übrigens ein Teil der allgemeinen Tendenz der Zivilisation der menschlichen Handlungen durch die Unterdrückung der Instinkte, die das Loben primitiver Völker beherrschen, zu rationalisieren. Anderseits sind bei den Juden manche Fähigkeiten in einem geringen Ausmaße vorhanden, zum Beispiel die Beobachtungsgabe, die Kunst, das Kommando zu führen, die Geschicklichkeit in der Administration usw. Eine derartige Überlegenheit oder Unterlegenheit ist aber keinesfalls als eine dauernde oder im Blute liegende anzusehen. Sie kann sioh durch den Wechsel der so- Selfe 3 zialen Bedingungen steigern oder verringern. Die Tatsache, daß die Juden derzeit auf allen Gebieten der Kultur Repräsentanten in den höchsten Rangstufen besitzen, scheint zu beweisen, daß ihnen durchaus nicht Fähigkeiten mangeln, die andere Nationen der weißen Rasse besitzen, beziehungsweise wiederum diese potentiell alle geistigen Fähigkeiten der Juden besitzen. Wie wäre es möglich gewesen, daß da.s kulturelle Erbe der Juden zum Fundament der Kultur fast alleT Völker der weißen Rasse geworden wäre, wenn es eine tiefe, fundamentale Differenz zwischen ihrer Mentalität und der der Juden gäbe? Die Dinge liegen eben so, daß alle Fähigkeiten in gleicher Weise bei Juden und Nichtjuden vorhanden sind, daß viele Fähigkeiten aber dauernd latent bleiben. Die Vererbung bestimmt, was ein Mensch kann, die Umstände bestimmen, was er tut und wird, und für längere Zeitläufte gilt dasselbe auch für die Nationen. Unterscheidungszeichen wachsen mit der Zahl von Generationen, die unter verschiedenen Bedingungen loben. Ein Viehzüchter kann die Besonderheit eines bestimmten Tieres nicht ändern. Züchtet er aber mehrere Generationen Tiere, dann kann er zu Tieren gelangen, die die von ihm gewünschten Merkmale aufweisen und mit der Zeit wird er eine neue Spezies gezüchtet haben. Bei den Menschen spielen die Umstände und der Kampf um die Existenz bis zu einem gewissen Grade die Rolle des Züchters. Wenn auch eine derartige soziale Selektion nicht so rasch erfolgen kann wie bei der wohlüberlegten Zuchtwahl des Tierzüchters, so kann doch im Verlaufe weniger Mensohengenerationen ohne Hinzutritt von fremdem Blut eine Gruppe oder Nation ihre geistigen Merkmale ändern. Die Differenzen der Mentalität zwischen Juden und Nichtjuden sind daher weder grundlegend noch konstant. Leben unter gleichen Bedingungen wird sie im Laufe weniger Generationen vermindern oder aus tilgen, In Westeuropa haben sie sich im letzten Jahrhundert verringert. Die charakteristischen Kennzeichen der Nationen sind variabel, nicht feststehend und nicht unabänderlich. Wird der gegenwärtige Status einer städtischen, kapitalistischen, industrialisierten und mechanisierten Gesellschaft andauern, dann werden sich die heute als jüdisch bezeichneten Charakteristiken, wie rasches Denken und Rationalismus, möglicherweise auf andere Völker ausdehnen. Das würde dann so atrsseben, als ob die Juden die Vorläufer einer allgemeinen Entwicklung gewesen wären. Aber so wie der Unterschied zwischen alt und jung, wenn auch vorübergehend, sehr real ist, so ist es auch mit dem Unterschied zwischen den Juden und den anderen Völkern, Er beeinflußt die sozialen Bedingungen der Juden und ihre Beziehungen zu ihren Nachbarn. Trotzdem ißt e6 sehr zweifelhaft, ob selbst diese geistigen Unterschiede ausreichen um eine jüdische Rasse zu konstituieren. Carl Oppenheimer 60 Jahre Berlin. Der berühmte Biochemiker Prof. Dr. med. et phil. Carl Oppenheimer, Sohn des einstigen Predigers an der jüdischen Reformgemeinde Berlin und Bruder des hervorragenden Nationalökononion und Soziologen Prof. Dr. Franz Oppenheimer, wird am 21. Februar d. J. 60 Jahre alt. Der Gelehrte, der heute noch in Berlin lebt, war 1908 zum Professor an der Lanclwirtschaftlieheu Hochschule in Berlin ernannt worden und hat unter dem neuen Regime seinen Lehrberuf aufgeben müssen. In jungen Jahren bereits veröffentlichte er seine „Grundrisse der anorganischen und organischen Chemie“, die iu mehr als einem Dutzend Auflagen erschienen sind und nach der ganze Ärzte-Generationen gelernt haben. Von höchster Bedeutung für die Forschung sind seine Standardwerke „Die Fermente und ihre Wirkungen“, „Handbuch der Biochemie des Menschen und der Tiere“, „Grundriß der Biochemie“ u. v. a. Carl Oppenheimer war immer auf seine1 eigene Kraft angewiesen und hat seine Forschertätigkeit oft unter kümmerlichen Verhältnissen ausüben müssou. SchmlMzzoth - «e Harke rnr Kennet

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