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Die Stimme · 1934-02-09 · Heft 327 (9.2.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 327 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 tlE STIMME 327 — 0. Februar 1034 Große Werbeversammliing Donnerstag, den 15. Februar, um 8 Uhr abends, Sektion und Zionistische Frauengruppe der „Wizo“ VI-VII, Loquaiplatz 11 Dr. Oskar Grünbaum: Ordnung in der Judenfrage / Frau Dr. Adda Kestenbaum: Gegenwartsprobleme dev iüd. Frau nicht zubilligen. Das Faustrecht. Wir müssen daran denken, daß auch die Araber im gegebenen Falle davon Gebrauch machen würden. Das heißt nicht, daß wir zu allem ja sagen müssen, was England tut. Wir müssen vielmehr klar und deutlich erklären: Was wir verlangen, ist nichts anderes, als die Durchführung des Mandates. Mit dieser, unserer Grundforderung müssen wir nicht nur die englische Oeffentlichkeit, sondern d*te ganze europäische Oeffentlichkeit vertraut machen. Wär müssen unsere Frage klar und präzise vor das Forum der Welt bringen. Zwar ist die Welt mit ihren eigenen Angelegenheiten genügend beschäftigt, allein, uns steht kein anderer Weg zur Verfügung. Es ist der Weg des positiven Protestes in Palästina, der die Welt zwingen wird, sich mit uns zu beschäftigen: Derunaufhörliche Aufbau des Landes. Hätten wir im Jahre 1929 den Rat der Revisionisten befolgt, und mit der Aufbauarbeit ausgesetzt, dann wären wir heute die Aermsten unter den Armen. Wir aber haben unsere Einwohnerschaft seit 1929 verdoppelt und neue Positionen im Lande geschaffen. Außer den Menschen strömte auch sehr viel Kapital ins Land. Privatkapital. Ich bin ein Anhänger des Privatkapitals, das in der letzten Zeit in Palästina sehr viel Wertvolles geschaffen hat. Mit Hilfe dieses Privatkapitals konnten wir sehr viele Chaluzim Ins Land bringen. Doch bei aller Achtung vor den Leistungen der Privatinitiative dürfen wir nicht vergessen, daß wir wohl viele Werte geschaffen haben, unser Besitz an Bo.’cn aber nicht reicher geworden ist. Und doch müssen ' ir uns darüber klar sein, daß wir ohne Boden in Pal .na keine Macht im Lande bilden. Unsere Parole muß daher sein: immer neuer Bodenerwerb. Und zwar nicht in dem Sinne, daß der Boden von einer jüdischen Hand in die andere wandert und so die Preise in die Höhe bringt, sondern es handelt sich für uns um die Erweiterung des nationalen Bodenbesitzes. Hiezu bietet sich uns gegenwärtig die Gelegenheit. Der «Keren Kajemeth» geht daran, einen großen Bodenkauf in Palästina durchzuführen. Aber auch ein anderer Anlaß erfordert es, daß jeder Zionist Vi4iese Aktion des Keren Kajemeth aufs tatkräftigste -'Unterstützt. Es handelt sich ja auch darum, auf diesem neuen Boden in Durchführung des Kongreßbeschlusses zu Ehren des 70. Geburtstages U s s l s c h k i n s, auf dessen Namen ein Dorf, den Kfar Ussischkin, zu gründen. Dr. Mossinson richtet einen warmen Appell, diese Aktion zu unterstützen, um «jenen Mann zu ehren, der als einer der letzten noch die Fahne des großen, alles umfassenden Zionismus hochträgt». Ich habe — schließt Dr. Mossinson seinen durch zahlreiche Beifallskundgebungen unterbrochenen Vortrag — unsere Lage in dunklen Farben geschildert. Icn habe es mit Absicht getan. Wir müssen der Wirklichkeit mit offenen Augen ins Gesicht schauen. Daß wir unser Werk nicht vollenden könnten, trage ich keine Befürchtungen. Wir werden Palästina aufbauen. Ich habe 20 Jahre in Palästina gearbeitet. Nicht einmal standen wir verzagt vor einer Wand, keinen Ausweg seheng. Aber wir haben trotzdem unsere Arbeit fortgesetzt und immer geschah ein Wunder. Wir tragen eine innere Kraft in uns, wir glauben •llerdings auch an unsere Kraft. Wir haben die innere Sie speisen gut und billig im neueröffneten Restaurant Andreashof VII., Andreasgasse 2, Ecke Mariahillerstraße. Menü v. S 1.— bis S 2.—. Kluhzimmer mit und ohne Klavier zu vergeben. Ueberzeugung, daß wir alle Schwierigkeiten überwinden werden. Wir müssen unsere innere Stärke bewahren und der Welt offen unsere Lage schildern. Nur im Rechte liegt unsere Macht. Es klingt vielleicht nicht zeitgemäß, jetzt vom Recht, wo Recht gilt und die Faust entscheidet, zu sprechen. Allein die Entwicklung der Menschheit ist nie in einer geraden Linie vor sich gegangen. Sehr oft bewegte sie sich in einer Zickzacklinie.Wir sind jetzt unten, es kommt aber gewiß wieder ein Aufstieg. Aber die Welt wird ihre Probleme nicht lösen, so lange sie die jüdische Frage nfcäht gelöst haben wird. Es läßt sich keine Welt neu aufbauen, so lange 17 Millionen Menschen außerhalb dieses Rechtes leiden. Das haben wir der Welt ungeniert und offen zu sagen. Die Balfour-Dekiaration war kein Zufall, sie war eine eiserne Notwendigkeit und war ein Ring in einer historischen Kette. In kurzen, knappen Sätzen gibt Dr. Mossinson in einer retrospektiven historischen Betrachtung des 19. Jahrhunderts eine Analyse der Judenfrage in diesem Zeitraum. Die jüdische Frage litt das ganze 19. Jahrhundert hindurch unter dem Einfluß der französischen Revolution, deren Parole lautete: Dem Juden als Individuum alles, den Juden als Volk nichts. V* feli«b uns die Wahl übrig: entweder tu! die indivi- 1 duellen Rechte oder auf unser Volkstum zu verzichten. Und wir verzichteten auf das letztere. Allein, auch unsere individuellen Rechte blieben bloß auf dem Papier. Man fühlte bald die unmögliche Situation. Beide, Emanzipation und Toleranz einerseits und Juden anderseits haben ihr Wort nicht gehalten. Der Stärkere hat in seiner Güte den Schwächeren toleriert. Dieses Moment wirkt sich auf den Juden nicht gerade günstig aus. Der Jude wurde feige, er war sein Leben lang darum bemüht, daß man ihm sein Judentum nicht anmerke. Erst die Balfour-Dekiaration hat mit diesem Geiste der französischen Revolution gebrochen, indem sie den Juden als Volk Palästina als Heimstätte zugesprochen hat. Zum erstenmal hat man uns als Volk anerkannt. Das erst bedeutete eine wirkliche Befreiung des jüdischen Volkes.. Man gab uns damit nicht nur ein Recht, sondern man auferlegte uns auch eine Pflicht, etwas Großes aufzubauen und zu schaffen. In diesem Momente, wo die Welt etwas von uns fordert, waren wir gleichgestellt, man erwartete etwas von uns. Was einmal geschaffen wurde, das bleibt, und die Völker fühlen, daß wir ein Volk sind und daß uns ein Land gehört und es muß wieder ein Aufstieg kommen. Dann werden sie uns auch begreifen. Wir müssen Kräfte sammeln und in Palästina bauen und zeigen, daß wir etwas der Welt zu geben haben, und sie dazu zwingen, einzusehen, daß wir eine Macht der Natur sind. Glauben wir und bauen wir und wir werden siegen.» Minutenlanger, stürmischer Beifall dankte Doktor Mossinson für seine gedankenreichen Ausführungen. In seinem Schlußwort dankte in herzlichen Worten der Präsident des Landeskomitees, Herr Dr. Oskar Grünbaum, dem blendenden Redner und richtete, an die letzten Worte des Referenten anknüpfend, an die Zuhörer den Appell, ihren Dank für den heutigen genußreichen Abend durch Beitritt in die Zionistische Landesorganisation und Beginn intensiver Arbeit abzustatten. Die streng orthodoxe "1^3 Selchwarenfabrik Peip & Co., Wien KX bringt hiemit zur Kenntnis, daß sie ihre Filiale, Wien, II., Praterstraße 38, verkauft hat, und demzufolge für rrhiPD in diesem Geschäfte keine wie immer geartete Verantwortung übernimmt. Die in diesem Lokale zum Verkaufe gelangenden Wurst- und Selchwaren stammen auch weiterhin aus unserer Fabrik, welche, wie bisher, unter bewährter Aufsicht vorzüglichste Qualitäten zu allerbilligsten Preisen erzeugt. Zionisten, verschaffet den Chaluzim des Stadt-Kihhuz Arbeit! Vor eitrigen Tagen ist der Stadtkibbuz des G d u d Z’e I r 1 m ln der Ferdinandstraße 4, Tel. R 45-0-91, gegründet worden. Sämtliche Sektionen werden aufgefordert, regste Propaganda dafür zu betreiben, daß die Zionisten den Mitgliedern dieses Staütkibbuz Arbeit in allen Branchen, z. B. Tischlern, Schneidern, Kürschnern, Tapezierern und auch für alle Hilfsarbeiten, zukommen lassen. Eine Allgemein-zionistische Ortsgruppe in Baden bei Wien Aus Baden bei Wien wird uns geschrieben: Samstag, den 10. d. M., um 6 Uhr nachmittags, findet hier im Saale des «Jüdischen Klubs» die Gründungsversammlung der «Allgemein-zionistischen» Ortsgruppe in Baden statt. Das Referat hält der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Herr Dr. Oskar Grünbaum, Wien. Gleichfalls Samstag, um halb 9 Uhr abends, spricht Dr. Oskar Grünbaum hier in einer öffentlichen Versammlung im Saale des Hotels Ebruster über «Ordnung in der Judenfrage». Laibacher Universität schließt jüdische Studenten aus 62 jüdische Studenten ans Polen, die an der Universität in Laibach inskribiert hatten, weil sie wegen des in Polen praktisch geübten Numerus clausus nicht studieren können, sind nunmehr auch aus der Universität in Ljubljana ausgeschlossen worden. Der Rektor begründete den Ausschluß mit der Ueberfüllung der Universität, wo z. B. zwei Medizin-Jahrgänge für 80 Hörer bestehen, die aber von 216 Hörern, davon 62 polnischen Juden, unter ihnen fünf Jüdinnen, besetzt sind. Auch Doppelvorlesungen schaffen keine Abhilfe. Als bei einer Verhaftung von 37 kommunistischen Studenten es sich herausstellte, daß 8 der Verhafteten Juden aus Polen waren, schritt die Polizei zur Verhaftung aller 02 polnisch-jüdischen Studenten, von denen bald 54 freigelassen wurden; alle aber wurden von der Universität relegiert und erhielten die Weisung, Jugoslawien binnen kürzester Zeit zu verlassen. Eine Vertretung des Bundes der jüdischen Genu in Jugoslawiens unter Führung von Dr. Ladoslav Sik in Zagreb bemühte sich, daß Relegierung und Landesverweisung rückgängig gemacht werden. Der Banus des Draiu« Banats, Dr. Marusic, stimmte der Ansicht der Delegation zu, daß Zionisten nicht Kommunisten sein können. Der PolizeL chef aber erblickt in den Polen ein unerwünschtes Element und besteht auf Landesverweisung. Lord Reading — «Lord-Gouverneur der fünf Häfen» London. Der König von England ernannte den Marquis of Reading (Sir Rufus Isaacs), früheren Vizekönig von Indien und späteren Außenminister, zum Lord Warden of the Cinque Ports (Lord Gouverneur der Fünf Häfen) an Stelle des zurückgetr’etenen Earl Beauchamp. Es ist dies eines der höchsten Aemter, die das Britische Reich zu vergeben hat. Das Amt eines Lord Warden of the Cinque Ports datiert noch aus der Sachsenzeit, als die fünf Häfen — Sandwich, Dover, Hvthe, Romney und Hastings — ein wichtiger Teil im System der Landesverteidigung waren. Später wurden ihnen noch Winchelsea und Rye hinzugefügt. Die offizielle Residenz des Lord Gouverneurs ist Walmer Castle. «Sunday Times» schreibt: «Reading ist damit Nachfolger eines William Pitt, eines Duke of Wellington und anderer berühmter Männer geworden. Von den Männern des heutigen England genießt Marquis of Reading höchstes Vertrauen und Sympathie bei allen Parteien.» Gegen die Zwangs-Sonntagsruhe in Saloniki Saloniki. Unter den Kaufleuten und Gewerbetreibender in Saloniki wurde am 28. Jänner auf Anordnung des grie* chischen Volkswirtschaftsministers eine Abstimmung über den Vorschlag, die vor zwei Wochen eingeführte Zwangssonntagsruhe wieder abzuschaffen, unter dem. Vorsitze des Arbeitsinspektors Malagardis durchgeführt. Das Ergebnis der Abstimmung liegt noch nicht vor. Von den Sowjets nach Sibirien verschickter Rabbiner in Riga eingetroffen Riga. In Riga ist der von den Sowjetbehörden seinerzeit zu drei Jahren Verbannung nach Sibirien verurteilte ehemalige Rabbiner von Minsk Abraham Goldberg eingetroffen. Die Verurteilung Rabbi Goldbergs erfolgte auf Grund einer Verleumdung. Es wurde behauptet, er hätte in einer Piedigt die Sowjetregierung angegriffen. Der Synagogendiener war verleitet worden, in dem Prozeß gegen den Rabbiner auszusagen. Rabbi Goldberg hat seine Strafe vol verbüßt Die Juden im rumänischen Senat Bukarest Bei Zusammentritt von Kammer und Senat Rumäniens wurde seitens der Regierung und der Führer der Parteien des ermordeten D u c a gedacht. Im Senat ergriff auch der Vertreter des jüdischen Kultus Landesrabbiner Dr. J. N i e m i r o w e r das Wort, um Ducas Gerechtigkeitssinn und seine loyale Haltung gegenüber den Bürgern aller Konfessionen und Nationen zu rühmen. In dem Nachruf berührte Dr. Niemirower auch die Situation der Juden in Rumänien. Im rumänischen Senat sind die Juden äußer durch Dr. Niemirower auch noch durch die gewählten Senatoren S. B i r m e n, Präsident der Jüdischen Gemeinde Bukarest Max Ausschnitt, Präsident der Galatzer Handelskammer, und Dr. Asra B e r c o v i c i vertreten, ln der Kammer, wo die Jüdische Partei über keine Sitze mehr verfügt, sitzen nur zwei Juden als Abgeordnete der Liberalen Regierungspartei: der Vizepräsident der Liberalen Partei in der Bukowina Dr. Michelsohn und M. Stok. Landeskonferenz der Zionisten Bulgariens Sofia, ln Sofia wurde eine Konferenz der zionistischen Landesorganisation Bulgariens abgehalten, an der Delegierte aus 18 Städten, ferner Vertreter der Jugendorganisationen, der Wizo, schließlich die zionistischen Mandatare im Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens teilgenommen haben. Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Frage der Wiedererrichtung einer einheitlichen zionistischen Landesorganisation. (Die Revisionisten verließen vor etwa zwei Jahren, die Poale-Zionisten vor etwa einem Jahre die Landesorganisation.) Die Konferenz nahm einstimmig eine die Vereinheitlichung gutheißende Resolution an und setzte eine Kommission zur Führung der Verhandlungen mit den Sonderveijbänden zwecks Wiedererrichtung der einheitlichen Organisation auf Grund der individuellen Mitgliedschaft ein. In einer Entschließung fordern die Zionisten Bulgariens die Weltexekutive der Z. O. auf, alle Anstrengungen zu machen, damit in der bevorstehenden Aktiunskomiteesession der Weg zu einer einheitlichen Zionistischen Weltorganisation gebahnt wird Die Konferenz faßte einstimmig eine Protestresolut t o n gegen die den Aufbau des jüdischen nationalen Heims hemmende Politik der Mandatartnacht

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