Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-02-09 · Heft 327 (9.2.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 327 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054082--4011-3059579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite * DTE STIMME Nr. 327 — 9. Februar 1934 Heinrich Hann: Ihr ordinürer Anlisemilismus BILIIGE REISE oa.li vom 21. Februar bis 7. März 1.34 POLEN nmmmmmmmmmmmnmmmmmmammmmnm Im Querido-Verlag zu Amsterdam erschien vor kurzem ein Buch von Heinrich Mann, «Der Haß. Deutsche Zeitgeschichte:», in dem der Schriftsteller die Triebkräfte des nationalsozialist sehen Umsturzes in Deutschland aufdeckt. In einem «Ihr ordinärer Antisemitismus» überschriebenen Kapitel führt Heinrich Mann u. a. aus: «Die Deutschen hassen die Juden. Wenigstens glauben sie es ihren Führern, die den Antisemitismus ausschreien wie eine deutsche Errungenschaft. Die Deutschen begehen gegen Ihre eigene jüdische Minderheit jetzt sogar Handlungen, mit denen sie sich selbst am meisten schaden. Denn sie verfallen der Verachtung, und das ist schlimmer, als wenn man gehaßt wird. ... Ich habe meine Landsleute immer nur bedauert wegen ihrer unglücklichen Leidenschaft, andere zu hassen, nur weil sie vermeintlich bevorzugt vom Glück waren . . . Nach dem verlorenen Kriege blieb den Deutschen vorerst keine Aussicht, ihr falsches Selbstgefühl noch einmal an Fremden zu erproben. Sie mußten den Gegenstand ihrer Rache im Innern suchen und fanden die Juden, die angeblich nicht zu ihnen gehörten und auch nicht assimiliert werden konnten. Natürlich ist nicht einzusehen, warum gerade die Juden, deren Vorfahren vielfach schon Im frühen Mittelalter ins Land kamen, nicht ebensogut Deutsche sein sollten, wie jene Slawen, die erst viel später aufgenommen worden sind. Aber vernünftige Einwände helfen nichts, wenn man nun einmal einen Feind braucht. Füofundsechzlg Millionen gegen 570.000 sogenannte Fremtstämmige, sehr vornehm ist das nicht, und wahres Selbstvertrauen spricht daraus nicht. So oft dies gesagt wurde, es hat niemals Eindruck gemacht. Die Juden sollen unbedingt eine Gefahr sein, für die deutsche Wirtschaft und besonders für die deutsche Seele. «Das Geld, das Ihr zum Juden tragt, ist verloren für die deutsche Wirtschaft», damit begründen die siegreichen Nationalsozialisten den Boykott der jüdischen Läden. Einen so offenkundigen Unsinn können nicht einmal sie selbst glauben. Aber es handelt sich auch gar nicht um die Wahrheit, sondern umeinenVorwand, die eigenen• schlechten Gefühle zu emladen, und außerdem um innere Annexionen, die e.nzigen, die getätigt werden können. Denn die halbe Million Israeliten wächst an bis auf fünf Millionen, wenn alle Familien gemischten Blutes mit eingerechnet werden. Kein einziger aus dieser Menschenmasse hat künftig Zutritt zur Verwaltung, zum Anwaltsberuf, zum Handel oder zur Finanz. Sie sollen Hungers sterben. Ein ebenso einfaches wie wirksames Verfahren, um einen Bevölkerungsüberschuß los zu werden! Ls senadet nichts, wenn damit ein ganzes Volk vergiftet wird. Die Nazis würden dieses Volk niemals erobert haben, hätten sie sich nicht des Hasses bedient. Der Haß war ihnen nicht nur das Mittel, hoch zu kommen, er war der einzige Inhalt ihrer Bewegung. Die Republik hassen und sie stürzen, um selbst die ganze Macht zu bekommen, jahrein jahraus haben sie das dem Volk als national eingeredet, und die Republik nannten sie eine Judenrepublik, einfach um dem Volk beide zugleich verhaßt zu machen, die Republik u n d d i e J u d e n. Es ist eine Ehre für die Juden, daß ihr Name verbunden ist mit dem Versuch eines menschlichen, freiheitlichen Regimes; denn das war die Republik bei aller ihrer Unzulänglichkeit. Welche Juden werden von den triumphierenden Nazis am meisten verfolgt? Die geistigen Arbeiter unter ihnen, und auch das wäre eine Ehre, wenn triebgebundene Dummköpfe wie diese Nazis mit ihrem Haß überhaupt jemand ehren könnten. Bestand wirklich, solange eine freie Auslese erlaubt war, die Mehrzahl der Berliner Anwälte aus Juden, dann hat dies sicher Gründe gehabt, die ln der Soziologie der größten Stadt lagen, und die nicht willkürlich beseitigt werden können. Die Juden waren unentbehrlich, sie wären es auch heute, wenn es noch eine Rechtspflege gäbe. Man hat der Juden für sehr vieles unbedingt bedurft. Warum hätte der so deutsche Chirurg Sauerbruch sieben jüdische Assistenten gehabt und wollte sie trotz Befehl der nationalen Regierung nicht hergeben? Woher ferner die bewunderten jüdischen Kapellmeister? Die Musik gilt als die deutscheste der Künste, und unter ihren glänzendsten und treuesten Vermittlern sind verhältnismäßig viele Juden. Ich weiß nicht, was jedes fühlende Herz mehr empören muß, die Grausamkeit oder der Hohn, der sie begleitet. HBHMHHHBHBnHBflnniWM Aus Pogromen und Boykott werden Volksbelustigungen ge.naci’.t und das ist auch ihr einziger praktischer Zweck. Der deutschen Wirtschaft ist mit Judenverfolgungen so wenig gedient wie dem deutschen Namen. Aber eine heruntergekommene Menge, der erlaubt wird, m i t der Qual von Menschen Ihren Spaß zu treiben, vergißt darüber auf einige Zeit, daß sie selbst so elend bleibt wie zuvor, und daß die zur Macht gelangten Abenteurer Ihr Im Grunde nichts, aber auch gar nichts zu bieten haben. . . . Das ist unverzeihlich und wird es bleiben. Krakau und reuour Lemberg un.j retour s90- Anmeldungen: „Francopo." Wien, UI., Rennweg I, U-16-4-90 „Marienarücke*4,1., Kotenturmstr. 26, R-'24-2*86 Auskünfte* r._ Forste! I Kärnterrincr 10 ll.dt.'Ull Das Land, für dessen Kultur und Gesittung wir alle gearbeitet haben, das Land, dessen geistiger Besitz auch durch meine ganze Kraft bereichert worden war, es ist von Menschen ohneWissen und Gewissen erniedrigt, verroht und in einen Zustand versetzt worden, wie keine äußere Niederlage und nicht einmal die Zerstückelung des Staates ihn hervorbringt. Es ist der Verachtung ausgeliefert.» 11H11 um nwi,'ua rrr n'Tmrwrrmnm Palästina-Ausstellung ln Berlin Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet vom 4. bis 11. Februar in sämtlchen Räumen des Berliner Logenhauses unter der Devise «Erez Israel, das Land der Juden» eine Palästina-Ausstellung, die einen Ueberblick über den Aufbau des jüdischen Palästina und der Bewegung, auf die sich der Aufbau stützt, vermitteln soll. An der am 4. Februar stattgefundenen Eröffnung der Ausstellung nahm eine große Z?A1 führender Persönlichkeiten des Berliner Judentums teil. Von der Reiohsvertretung der deutschen Juden waren Amtsgerichtsrat Dr. Art'hur L i 1 i e n t h a I, Dr. Franz Meyer (Breslau) und Dr. Plaut, vom Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde der Vorsitzende Direktor Heimich Stahl und Verwaltunrcdirektor Dr. Breslauer, vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens dessen Vorsitzender Justkiat Dr. Brodnitz erschienen. Der Vorsitzende der B. Z. V., Rechtsanwalt Dr. Benno Cohn, begrüßte die Gäste, woraufhin Kurt Blumenfeld eine Ansprache hielt, in der er zunächst auf die Prognosen SONDERZUQ y Ins fr'. a i •/. i> ii i t? I k r li ti bis Ski i;**lrten lwirfri zuanzls: 8eb('i)i?n >ili>l.itz«*n 17. bis 35. t;ebruai 19C4 Verahtttalti’t »"«un „PHÖNIX“ im Kinveninlinipn mit dem Fre in d e n v e r k e h r h « m t Salzburg u. dom Oesterreiohiselicn Verkeil isbiiieau Plätze rechtzeitig sichern! Anmeldeschluß 14. Februar Anskunftertellnng: Oest. V e r k e h r s i» u r e a u, I. Hozirk, Krlcdrichxtraße 7 Phiintx Fremdenverkehraubt., I. liezlrk. Wullnerntruße 6 a Reise h ii rea u I. R. IJ. T.. I. Hczirk, Kurlaplatz Nr. 1 einging, die der jüdischen Arbeit in Palästina in früherer Zeit von sachverständiger Seite gestellt worden sind. Obwohl adle diese Urteile die Möglichkeit einer jüdischen Kolonisation Palästinas verneinten, sei der Zionismus doch entschlossen gewesen, diese Arbeit durclizuführen. Unser höchstes Gut aber, sagte Blumenfeld weiter, ist die Entschlossenheit der Menschen in Palästina selbst. Sie kennen kein Leben des Behagens und der Saturiertheit, da auch jetzt und in Zukunft eine starke innere Kraft von Menschen in Palästina gefordert wird. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet der Hauptsaal im ersten Stockwerk, in dem an Hand von Bildern, statistischen Tafeln und Modellen sämtliche Zweige des Aufbauwerks, Landwirtschaft, städtische Entwicklung und Bauwesen, Verkehrswesen, Handel und Industrie, Elektrifizierung und Schulwesen dargestellt werden, ln einem der beiden Vorsäle, der Land und Leute in Palästina zeigt, sind u. a. archäologische Stücke aus dem Museum der Berliner Jüdischen Gemeinde ausgestellt, in dem anderen ist eine Sonderschau von Keren Kajemeth und Keren Hajessod unterbracht. Im Erdgeschoß wird in einem Saale die Arbeit der B. Z. V. gezeigt. Der Gartensaal bietet einen Ueberblick über die Entwicklung der zionistischen Bewegung. Außer einem großen H e r z 1 - B i 1 d finden wir an den Wänden die Bilder A. D. G o r d o n s, Josef Trumpeldors, AchadHaams, U ss i s c h k i n s und S o k o I o w s. Auf Tischen und Pulten sind historische Dokumente aus den Anfängen der Bewegung ausgelcgt. Ein hohes, schwarz verhülltes Prisma, das von zwei kleineren Prismen flankiert wird, trägt die Inschrift «Jiskor». Diese Gedenksäulen sind dem Andenken der Märtyrer der Bewegung geweiht. Ueber der mittleren hängt das Bild Dr. Giaim Arlosoroffs, die linke trägt die Inschrift: «Dem Gedenken von Josef Trumpeldor und all derer, diealsWäciiterderSiedlungenfieien, dieam Fieber der Sümpfestarben, die auf Gallipoii begraben sind, die in Sibirien zugrunde gingen, die ihr Leben der Bewegung opferten», auf der rechten ist der Text eines Briefes zu lesen, den der Vater des im Dienst der Kwuzaih Degania gefallenen Mosche Barski anläßlich des Todes seines Sohnes an die Kwuzaih gerichtet hat und in dem er die Kwuza-h zu weiterem Ausharren und Kämpfen auffordert. — In einem Durohgangssaal sind Stände von Palästina-Transportunternehmungen untergebracht. Die Naumann-Denunzianten In der «Jüdischen Rundschau» lesen wir: Der Verband nationaldeutscher Juden, Ortsgruppe Wiesbaden, veranstaltete einen Vortragsabend mit dem Thema: «Wie steht der nationaldeutsche Jude im Dritten Reich?» In der Einladung zu dieser Veranstaltung heißt es u. a.: «Ste und Ihre Angehörigen sind hiemi-t eingeladen. Wir erwarten, daß Sie kommen werden. Sie wollen sicherlich erfahren, wie der nationaldeutsche Jude zum heutigen Staate steht. Oder sind Sie Zionist, vielleicht sogar internationaler Jude, so daß Sie unseren vaterländischen Bestrebungen ablehnend gegenüberstehen?» Die Einladung ist eine offene Drohung mit Denunziation an die Nationalsozialisten. .Die Ansichten über diese nationaldeufsche Spitzels.ppschaft sind kaum geteilt. Jetzt ist auch Lord Rothermere ein Jude Berlin. Die parteioffizielle «Deutsche Wochenschau» greift Lord Rothermere heftig an, weil er die Fasc’iistenbewegung Sir Oswald Mosleys gegen die antisemitischen Faschisten unterstützt. Das Blatt erklärt, die Mosley-Bcwegung sei ein < jüdisches Manöver zur AbdrosscJung der nationalsozialistischen Bewegung in England» und Lord Rothermere sei «selbst Jude». Lord Rothermeres Faschismus datiere daher, daß Israel glaubt, daß Feuer am wirksamsten mit Feuer gelöscht werden kann. Diese Rasse habe kein Ideal von Ehre und keine fest? Ueberzeugung, sondern betrachte alle Dinge vom Standpunkt des eigensüchtigen Interesses. «Heil Hitler!» im ägyptischen Rundfunk Berlin. Von Kairo sprach über alle deutschen Sender der Sonderberichterstatter des «Völkischen Beobachters», W. D i e v e r g e, über «die Bedeutung des vor dem Kairoer Internationalen Gemischten Gericht erstrittenen deutschen Sieges über das Weltjudentum». Der Vorfall zeigte, daß die Hitler-Regierung den Einfluß besitzt, einen von der Regierung Aegyptens kontrollierten Sender in den Dienst der antisemitischen Propaganda zu stellen. Dieverge berichtete über den Verlauf des Prozesses des jüdischen Bankangestellten J a b e s gegen die Führer des Deutsohcn Klubs in Kairo als die Verbreiter deutscher antisemitischer Hetzschriften in Kairo. Dieverge beschimpfte den Kläger Jabes und dessen Rechtsanwalt Leon Castro und nannte sie Sendlinge der jüdischen Weltliga, die das «neue Deutschland» vor der Weltöffentlichkeit zur Rede stellen wollte, aber schimpflich unterlag. Am Schluß riet Dieverge — wie die deutschen Zeitungen freudig feststellen — «ein „H eil Hitler!“ aus Aegypten nach der Heimat herüber». Englisli ScItooE IX., Kolingasse Nr, 1, Telephon A-18-4-92 Für Anfänger und Vorgeschrittene. Sohnellkurse für Konversation (in englisoher Muttersprache). FUr Studenten, Chaluzim besondere ErmHEigung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.