Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 326 (6.2.1934)
- Date
- 1934-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 320 — 0. Februar m< DfF STfMIWP Seife S Donnerstag, 8. Februar, 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel de fffafice, L, Schottenring 1 (Zionistische Bezirkssektion 1) Vortrag Prof. Pr. Petition Hossinson über aktuelle zionstische Probleme. Walter Frankl, Tel-Awiwi Ki Pogatschow ln Wien gestorben Der Schöpfer des ersten Kindcrdorfes im Emek Pogatschow war einer der ersten und bedeutendsten Pädagogen des neuen Erez Israel. Getragen vom Gedanken, dem jüdischen Volke den Uebergang zu einem produktiven Leben zu ermöglichen, pal» er bald ein, daß eine Schule allein die Erreichung dieses Zieles nicht herbeiführen würde. Er entschloß sich daher, den Schüler in eine Atmosphäre der wirklichen Arbeit im Leben selbst hineinzustellen. Er sch»uf das erste Kinderdorf im Emek. Hier wurden die Kinder verhalten, alle mit einer Kolonie verbundenen Arbeiten selbst durchzuführen, natürlich entsprechend ihren wachsenden physischen Fähigkeiten. Dieses Kfar Jeladim zog die Aufmerksamkeit aller Besucher Palästinas auf sich. Die von diesem Dorf ausgehende Wirkung war sehr groß. Eine Episode möge dies versinnbildlichen; Herbert Samuel, seinerzeit Oberkommissär von Palästina, besuchte einmal dieses Dorf anläßlich eines jüdischen Feiertages. Er war so ergriffen von dem, was er dort gesehen, daß er es sich nicht nehmen ließ, mit den Kindern zusammen öffentlich zu tanzen. Das Beispiel Pogatschows weckte Nachahmer. In B e n Schemen entstand das Kinderdorf von Dr. Lehmann. Der Haschomer Hazair schuf ein gleiches im Emek. Pogatschow erkrankte an einem Gehirntumor, kam nach Wien, wo er zweimal mit Erfolg operiert wurde. Aber leider war sein Herz diesen Erschütterungen nicht gewachsen. Samste.g, den 20. d. M., schloß er für immer seine Augen. Seine Tochter, ein Mitglied der «Habimah», hatte ihn nach Wien begleitet Montag, den 22. Jänner, fand die Beerdigung Pogatschows statt. Ein Kreis von Freunden des Verewigten gab ihm das letzte Geleite. An der Bahre würdigte namens der Zionisten Oesterreichs Dr. Chaim Tartakowerdas Werk des Verblichenen. Die rabbinischen Gerichte in Palästina Jerusalem. Der Waad Leumi, d!e offizielle Vertretung der palästinensischen Judenheit, hat dem britischen Kolonlalamt eine Denkschrift übersandt, in der dagegen Protest erhoben wird, daß die rabbinischen Gerichte in Palästina von der Regierung im Vergleich zu den den analogen mohammedanischen Einrichtungen gewährten Beihilfen finanziell ungenügend unterstützt werden. Für Touristik und gegen Touristik Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat eine Kommission zur Förderung der Touristik eingesetzt und mit deren Leitung den Einwanderungßkommissär Hy am so n betraut. Dies gibt Anlaß zu sarkastischen Bemerkungen in Presse und Oeffentlichkeit, wo Hyamsons Tätigkeit von je als Abschreckungsmittel gegen die Touristik beurteilt wird. Von 59 Touristen, die soeben im Jaffaer Hafen mit dem Dampfer «Patria* aus Konstantza eingetroffen sind, durften zehn Touristen auf Veranlassung Hyamsons das Land nicht betreten. Wichtig für Palästina-Touristen Das Zionistische Informationsbureau für Touristen in Palästina hat einen «Führer durch das neue Palästina* herausgegeben, welcher die wichtigsten Daten nicht nur aus der Geschichte Palästinas, sondern auch über den neuen Aufbau des Landes bringt. Diese Broschüre wird daher allen Touristen bestens empfohlen. Erhältlich zum Preise von S 2— im Pal äs ti na-Amt, Wien, I., Kärntnerstraße 28. Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes, Mittelstandssiedlung bei Haifa Wie bereits seinerzeit ausführlich mitgeteilt, werden unter der Aegide des Zionistischen Landeskomitees Verhandlungen getübrt, um für OHm aus Oesterreich, welche als Handwerker, Angehörige freer Berufe u. dgl. in Haifa ihrem Erwerb nachgehen, vom KK1. für eine Mittelstands&iedlung in der Haifa Bay Boden in Erbbau zu erhallen. Der hiefür in Aussicht genommene Boden ist in Lage und Beschaffenheit vorzüglich geeignet und soll womöglich an die gleichartige Mittelstandssiediung der Juden aus Deutschland anschließen. Die Bewerber sollen zirka 1 Dunam (1000 Quadratmeter) Boden erhalten, so daß Platz für Haus, Garten und kleine Haustierwirtschaft vorhanden ist. Bei den hohen Bodenpreisen in Erez, besonders in den Städten, wäre dies eine ganz einzigartige, außergewöhnliche Gelegenheit zur städtischen Ansiedlung bei Haifa, das bekanntlich als die große Chance im östlichen Mittelmeer angesehen wird. Der Parzellenbesitzer hätte für den Boden lediglich 4 Prozent pro anno vom Schätzwert des Bodens, also etwa Pfund, als Erbbauzins an den KKL zu bezahlen, mit der Verpflichtung, innerhalb einer gewissen Zeit ein Einfamilienhaus zu bauen. Da sich bisher schon eine ziemlich stattliche Anzahl von Bewerbern angemeldet hat, werden weitere Interessenten für diet.es Projekt eingcladtn, sich ehebaldigst bei der Wirtschaftstelle des Palästina-Amtes vormerken zu lassen. Dort werden auch nähere Auskünfte erteilt. Sprechstunden: Dienstag und Donnerstag von %7 b's V28 Uhr, L, Kärntnerstraße 28. Grieoh«nland, Rhodos, Cyparn, gynen, Palästina und Aegypten — Jeden Ta« eine andere Htaflt. otn neues Land — sehen die Teilnehmer der PAO-Hcaen für wontfr Geid In kurzer Zelt! Keine Kabinen, beste Verpflegung von Wien bla Wien. Auskünfte und Prospekte: PAQ r. Ci. in. I». H.. *V\ n, VI, Caplstrangaese 2 (Tel. tagt loh von » Ue u Uhr. (Schluß.) Gemeinsam mit den nach der Makkabiah im Lande verbliebenen Turnern und Sportlern, zu denen neben den polnischen Boxern Finn, Garbansz, Urkiewitsch, Cimberg und Birnzwelg, den polnischen Repräsentativschwimmern Schönfeld und Braciewsky, den Meisterturnern der Makknbiah Steinic, Fruchtzweig und Treister, auch der Verfasser dieser Zeilen gehört, verfügen wir heute schon über eine ansehnliche Zahl von europäischen Makkabiarbeitern und Sportfachleuten, die auch hier ihren Weg zu Malckabtbewegung gefunden haben und nun am Aufbau der Sportbewegung in Erez Israel unter den oft ganz primitiven Umständen mitarbeiten. So kommen sie jetzt aus allen Ländern, und wir freuen uns, den neuen Chawerim auf allen Sportgebieten unsere Anfänge zur Weiterführung übergeben zu können. Da aber noch immer viele Chawerim ihre Länder verlassen, ohne sich vorher bei ihrer Kreisleitung anzumelden, erfahren wir von ihrer Ankunft oft erst im Hafen oder noch später. Sie geraten oftmals in ungeratene Hände, lassen sich allerhand erlogenes und erfundenes Zeug über den hiesigen Makkabi aufschwatzen und wandern, ohne sich vorher zu informieren, ins sportpolitische Lager des Hapoel hinüber. Immer wieder finden sich Opfer, die die Märchen vom «bürgerlichen» oder gar «revisionistischen» Makkabi glauben, obwohl sie in Europa nur einen sportlichen und objektiv-unpolitischen Makkabi kannten. Sieben Fußballspieler des Berliner Baf- Kochba, die sich so hluffen ließen, haben nun, den Irrtum erkennend, den Weg in den Makkabi zurückgefunden und spielen in Rechoboth. Ich glaube, daß den zur Aliah eingestellten Makkabim meine oben angeführte Liste von eingeordne(en Makkabisportlern ersten Namens genügen wird, um alle anderen rbesonders politischen Gerüchte Lügen zu strafen. Der palästinensische Makkabi ist völlig unpolitisch, er ist derselbe nationale jüdische Turn- und Sportverband wie in Europa, er hat nur einen «Fehler» — er ist hebräisch und deshalb schwerer zu verstehen für alle Neuen, aber Hitler für den radikalen Wirtschafte antlsemltlsmus Berlin. In der Im Berliner Sportpalast anläßlch des Jahrestages der Hitler-Kanzlerschaft abgehaltenen Festversammlung erklärte der Reichspropagandaminister Doktor Göbbels, der im deutschen Wirtschaftsleben begonnene liberalere Kurs gegenüber den Juden habe nicht die Billigung Hitlers. Wenn wir, fuhr Göbbels fort, von der Stablltät Im Wlrtscliafts'eben sprechen, so bedeutet das nicht, daß Aenderungen nicht stattrinden sollen. Die Regierung stelbst bereitet solche Aenderungen vor, und diese Aenderungen werden radikal sein. Gottfried Feder erklärt Im «Völkischen Beobachter», die Arisierung des deutsohen Handels und die Verwirklichung der revolutionären Wirtschaftspolitik müssen ba’d Tatsachen werden. Jeder Nichtdeutsche werde aus dem Wirtschaftsleben eliminiert werden. Nicht umsonst haben seinerzeit dreieinhalb Mil Ionen Mit? ieder der NSDAP, das von Hitler unterschriebene nattona'sozlaäistlsche Programm mit seinen 23 Punkten (Feder ist der Autor dieser 25 Punkte) angenommen. Nicht umsonst sehen Millionen Nationolsozia istpn in der restlosen Durchführung dieses Programmes die Vollendung der deutschen Revolution gegen alles Nichtdeutsche. Informierte Kreise sehen in diesen Aeußerungen Feders das deutliche Symptom einer Spaltung des Rei:hsWirtschaftsministeriums in zwei Richtungen: Richtung Schmitt und Richtung Feder. General Versammlung der Julius Meinl A. G. Befriedigendes Ergebnis trotz der Wirtschaftskrise — 8 Prozent Dividende Daß Wirtschaftsjahr 1933 schloß trotz der allgeme'nen Wirtschaftskrise und der exorbitanten KaffeezoIIerhöbung sehr befriedigend ab. Die Liquidität des Unternehmens ist weiter erhöht, der Kred.taqsstand bleibt unverändert. Die allgemeinen üeschäftsregien zeigen eine weitere Senkung, das Unternehmen hat überhaupt keine Bankschulden, dagegen weist dieses den für eine Industriegesellschaft außerordentlich hohen Kassenstand von zirka 1 Million Schilling aus. Ebenso befriedigend ist auch die Entwicklung der Konzernunternclirnungrn, so daß mit emem weite en Ausbau derselben mit eigenen Mitteln gerechnet werden kann. I dafür um so wertvollen für unsere Makkabi-Weltbewegung Der neu ins Land kommende Makkabi findet In Tel Aw w eine Kanzlei (Advokat Sega!, Lilienblumstraße), ws täglich von 5 bis 6 Uhr nachmittags neue Makkabi-Olim empfangen und eingeordnet werden. Er wird gut daran tun, seine genaue Ankunftszeit und den Namen des Dampfers sowie den Hafens an diese Adresse bekanntzugeben. Innerhalb des palästinensischen Makkabi gibt es heute ln allen Städten und Kolonien Kommissionen für die neuen Olhn Vorträge, Hebräischkurse usw. Allen Chawerim, die zur Aliah gehen, legen wir a«s Herz, soviel ais möglich an guter Sportliteratur, Lehrtafehi, Sportbifdern sowie Sportgeräten und Ausrüstung mJtzubringen. Allen Chawerim, die erst in einiger Zeit auswandern wollen, raten wir neben der sprachlichen und beruflichen Hachscharah auch die sportliche Hachsoharah zu pflegen und sich möglichst viel theoretisches und praktisches Wissen anzueignen, denn — wie schon erwähnt — bildet jeder Sportler eine Zelle für sich, alle Zellen jedoch harmonisch einen Körper. Der spezifische Wert der Zelle bestimmt den Wert des ganzen Körpers. Also denket daran und seid alle herzlichßt willkommen! «Hagibor» geht nicht nach Deutschland Prag. Die Schwimmsektion des jüdischen Sportvereins «Hagibor» in Prag hatte vor kurzem zu entscheiden, ob die Hagibor-Schwimmer am den Europa-Meisterschaften in Magdeburg teilnehmen sollen. Einstimmig wurde beschlossen; «Jüdische Sportler können es mit ihrer Ehre nicht vereinbaren, in einem Lande an dem Start zu gehen, in welchem Juden vollkommen entrechtet und von der Ausübung des Sportes im offenen Wettkampf ausgeschlossen sind.» Der anwesende Vertreter des tschechoslowakischen Schwimmverbandes erklärte, kein jüdischer Sportler könne gezwungen werden, für den Verband in Magdeburg an den Start zu gehen, obwohl man gerade auf einige jüdische ,tV Schwimmer angewiesen ist. 5 r i ——»g—Wi* Professor Adams Verbrechen Stuttgart. Der württembergische Kultusminister hat bekanntlich dem Theologieprofessor der Universität Tübingen, Dr. Ada m, seine Mißbilligung ausgesprochen. Dies geschah wegen eines Vortragse Adams an der Universität, der sich gegen die Meinung der «Glaubensbewegung deutscher Christen* wendete, daß die Deutschen nur den deutschen Gott erkennen sollten. Professor Adam hatte die «Deutschen Christen» mit folgenden Worten apostrophiert: «Wo ist euer Zeugnis, wo ist eure Beglaubigung dafür, daß das deutsche Volk in demselben erhabenen Sinn zum Instrument der göttlichen Heilsentschlüsse erwählt ward wte das jüdische? Weist auchdie deutscheGeschichtc Männer Gottes auf wie Moses, Jesajas und Jeremias, Männer Gottes, die eingetaucht in die Gluten des heiligen Geistes, mitten unter dem Wildwuchs zügellosen Heidentums und polytheistischer Verirrungen den einen wahren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde verkündeten und die sein heiliges Gesetz, das Gesetz des Gehorsams und der 'freue, der Wahrhaftigkeit und Liebe, der entarteten Menschheit wieder ins Herz schrieben? Nichts von all dem hat die deutsche. Geschichte, hat die deutsche Glaubensbewegung aufzuweisen: Keinen Propheten, keinen Erlöser, keinen Apostel, keinen Märtyrer — sie weiß nichts von harten Wirklichkeiten und ihrer herben Not, sie weiß nur von Sagen, Märchen und Mythen.» Die jüdische Geschichte sei eine überjüdische, übernatürliche, göttliche Geschichte und offenbare den Anbruch einer neuen übernatürlichen Liebesbewegung von Gott her. Sie werde deshalb immer eine einzigartige sein und bleiben. Ke:ne staatlichen Zuschüsse für Rabbiner Karlsruhe. Im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt wird ein Gesetz verkündet, wonach in Zukunft die Rabbiner der israelitischen Landessynagogen und ebenso die freireligiösen Prediger keine staatlichen Aufbesserungszuschüsse mehr erhalten. «Jude» als Briefadresse Ein Schweinfurter Rechtsanwalt hatte gegen einen Zollobersekretär Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, weil der letztere den Umschlag eines Schreibens an den Rechtsanwalt mit der Adresse «an die Juden, die Herren Rechtsanwälte» versehen hatte. Gegen einen Strafbefehl in Höhe von 50 Mirk hatte der Beklagte Einspruch erhoben. Der Verteidiger des Angeklagten stellte die Frage: «Kann man einem langjährigen Nationalsozialisten XUS DEM DRITTEN REICH