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Die Stimme · 1934-02-02 · Heft 325 (2.2.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 325 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. 325 — 2. Februar 1934 DIE STIMME Seife S er ju FRAUENBEILAGE DER »STIMM Ei FREITAG, 2. FsBRUAR 1934 (17. SCHWATH) 2. JAHRGANG NUMMER 5 Die „WIZO“ im Zeichen intensivierter Arbeit Es ist ein überaus erfreuliches Zeichen, wenn Jahr für Jahr immer neue Scharen jüdischer Frauen den Weg zur zionistischen Frauenorganisation, zur tW i z o» finden. Die zielbewußte Arbeit der Wizo- Exekutive und der einzelnen Föderationen haben, unterstützt von den Ereignissen der letzten Zeit, einen gewaltigen Zustrom neuer Mitglieder bewirkt. So wird denn auch das Programm der Wizo ein immer größeres und verdient deshalb in den weitesten Kreisen der jüdischen Frauenwelt Beachtung und Verbreitung. An ihren Zielen und Aufgaben der Galuth- und Palästina-Arbeit hält die Wizo weiterhin fest. In ihrer Tätigkeit will die Wizo auf eine immer breitere Basis übergehen. So sieht das Programm für die Arbeitsperiode 1933/35 eine verstärkte mündliche und schriftliche Propaganda vor. Der letzteren dienen bekanntlich die Pioniere und Helfer, die, besonders reichhaltig ausgestaltet, an die jüdischen Frauen in aller Welt hinausgehen. Sie berichten über die Leistungen und Erfolge der Wizo und sprechen eine deutliche Sprache für die schon heute erreichte Größe und Bedeutung dieser Organisation. Auf das wertvollste unterstützt wird die schriftliche Propaganda durch die neue Broschüre «Zu neuen Ufern*. Sie informiert an Hand reichhaltiger Illustrationen auf das beste über alle Wizo-Institutionen in Palästina. Von größtem Werbewert ist der W i z o - FII m, der demnächst auch in Oesterreich vorgeführt werden wird. Wie den Ankündigungen der Wizo-Exekutive zu entnehmen ist, befindet sich ein H i I f s b u c h für die Propaganda in Vorbereitung. Es soll kurz zusammengefaßt alle wichtigen Informationen, Ziffern und Daten über die Wizo-Arbeit und das Aufbauwerk in Palästina enthalten. Der Kenntnis von Land und Volk in Erez Israel dienen die von der Exekutive der Wizo organisierten Palästina-Reisen und die Propagierung palästinensischer Landesprodukte (Tozereth Haarez). Auch der von der österreichischen Organisation seinerzeit angeregte jüdische Muttertag erweist sich als wertvolles Propagandamittel. An diesem Tage Freitagabend — Stille ln den trüben Gassen des Wiener Ghettos, Stille — was man so in Wien unter Sabbathstille versteht. Die Läden geschlossen, nur wenig Wagenverkehr, fernes Klingeln der Elektrischen von der Hauptstraße, ein paar alte Juden in Pelzmützen und Kaftan, von der Schul’ heimkehrend, ein paar dunkellockige Liebespaare Arm in Arm. Und dann dringen aus dem ersten Stockwerk eines unscheinbaren Hauses, das aussieht wie alle andern Häuser dieser Gasse einige starke, helle, mitreißende Takte zu dir, ein paar Fetzen hebräischer Laute, ein paar Klänge von Galiläa, vom See Kinereth, von Jerusalem, von Tel-Awiw. Rhythmisches Stampfen der Füße im Takt, hell, wild, am Ende wie atemlos: eine Hora , . . Du trittst in das unscheinbare Haus ein und nach ein paar Stufen durch eine noch unscheinbarere, dunkle Tür. Und da bist du mitten drin, inmitten des Singens und Tanzens einer palästinensisch anmutenden, zukunftsstarken jüdischen Jugend, die das, worin sie lebt und schafft, auseigenerKraft aufgebaut hat, wie es die Jugend Palästinas tut — du bist im Wiener Stadtkibbuz des Heehaluz. Chaluzische Kibbuzim, das sind sich selbst erhaltende Wohngemeinschaften auf kooperativer Grundlage, gibt es in letzter Zeit in Polen und der Tschechoslowakei schon mehrere, ln Wien ist dieser der erste und bisher einzige. Eine Gruppe tatkräftiger Chaluzim hat ihn mit selbsterworbenen Mitteln begründet und eingerichtet, worin sie von der Kultusgemeinde unterstützt wurde. Wir bücken uns um und bemerken bald einige neue, gut gezimmerte Holzwände, die das große Lokal sinnvoll in mehrere Räunje teilen. Jetzt, am Freitagabend, sind diese Räume voll von jungen Menschen, die sich hier allwöchentlich zum «Qneg Schabbath* zusammenflmlen, wobei nach belehrendem Vortrag seitens eines Bewohners oder Gastes eine endlose Reihe lebendiger Palästina-Lieder steigt, von dem einen intoniert, von den andern aufgegriffen und begeistert gesungen. Man ist müde vom Tanz, man sitzt nun dichtgedrängt in enger Gemeinschaft auf den rohgezlmmerten Bänken und den Stühlen des Tag- und i sollen die jüdischen Mütter der ganzen Weit ihre Verbundenheit mit der jüdischen Mutter in Palästina bekunden. Der Erlösung jüdischen Bodens ist der Lag- Bomer-Tag gewidmet, dem die Mitglieder besondere Beachtung schenken sollen. Es soll damit erreicht werden, daß auch die jüdische Frau, der eminenten Bedeutung des Bodenerwerbs in Erez entsprechend, an dieser Aktion mitwirkt. Und wenn die Exekutive der Wizo als bemerkenswerte Anregung nun die Einführung von Verzichttagen zugunsten der Wizo empfiehlt, so wird sie damit sicherlich weitere Erfolge erzielen. Es ist ein durchaus begrüßenswerter Gedanke, an einzelnen Tagen im Monat auf dies oder jenes im täglichen Leben zu verzichten, um die so erzielte Ersparnis der Wizo zuzuwenden. Einen wirklich originellen Vorschlag der Schweizer Föderation griff die Exekutive der Wizo auf und empfiehlt auch allen anderen Föderationen die Aktion des süßen Alepn- B e t h. In den Formen der hebräischen Buchstaben gehaltene Bäckereien sollen namentlich den jüdischen Kürzlich weilte die Gattin des Präsidenten des Board of Deputies Neville L a s k i in Wien, um die Fürsorgeeinrichtungen der Jüdischen Gemeinde zu besichtigen. Frau Laski hatte die Liebenswürdigkeit, in einem Gespräch mit unserem Redakteur folgende Mitteilungen zu machen: Die jüdische Frau in England entfaltet eine sehr aktive und segensreiche Tätigkeit. Es gibt in England mehrere jüdische Frauenorganisationen: die Union jüdischer Frauen, die Bnei Brith Loge für Frauen und schließlich die Wizo, deren Hauptarbeit sich bekanntlich auf Palästina konzentriert. Die Union jüdischer Frauen und die Frauenloge arbeiten vor allem auf charitativem Gebiete, wie Armenhilfe, Fonds für Mädchen usw. Interessant,, ist die Mitteilung der Frau Laski, daß in England, die Frauenlogen ihr eigenes Rituale haben und selbständig arbeiten. Frau Laski selbst war die .erste Präsiaentin der Fisuenloge in Speiseraumes, der durch eine sinnvoll gebaute Anrichte mit der Küche verbunden ist. Alles eigener Hände Werk. Auch die Bücherstellagen, gefällig und modern lackiert, die Tische und die wenigen anderen Einrichtungsgegenstände des Speiseraums sind von den werkfreudigen Einwohnern geschaffen. Wir lassen uns durch die arideren Räume führen; da ist der Schlafsaal der Burschen mit 16 Bettgestellen — aber leider nicht genug Matratzen und Bettzeug, daher ein wenig kümmerlich ausgestattet. So etwas läßt sich eben doch nicht so leicht selbst hersteilen ... da wären ein paar mütterlich helfende Hände nicht fehl am Ort. Von musterhafter Nettigkeit ist der Schrank, den uns die freundliche Wirtschafterin des Kibbuz öffnet und mit mütterlichem Stolz zeigt. Kleiner und noch bescheidener ausgestattet ist der Schlafraum der Mädchen (wovon zwei der Wiener «Mirjam» angehören), und auch die an sich große und saubere Küche entbehrt noch vieler nötiger Details. Doch merkt man die sorgfältige und fleißige Hand — nicht nur der Wirtschaftsleiterin, sondern auch die der sie unterstützenden Mädchen auf Schritt und Tritt, Ziemlichen Eindruck macht der Waschraum auf uns Gäste, denn auch dieser wurde eigenhändig von hiefür ausgebilüeten Mitgliedern des Kibbuz eingerichtet: 3 Waschbecken mit fließendem Wasser, ein Abflußrohr, ein vielfach und sauber geteiltes Gestell, welches die Waschgeräte und Handtücher jedes einzelnen Hausbewohners enthält, ferner ein gleichfalls vielfach geteilter hoher Schuhschrank, der noch leicht ergänzt werden kann. Auch eine Werkstatt mit Hobel- und Drehbänken befindet sich hier. Hier wohnen derzeit etwa 25 junge Mensehen auf der Basis der Gemeinwirtschaft und zum Zwecke der Hachscharah. Es gibt darunter Vertreter fast jedes Handwerks, also Tischler, Schlosser, Installateure, Schuster usw. Die Mädchen bilden sich In der Hauswirtschaft, im Kochen und Nähen aus, zwei von Ihnen sind Gärtnerinnen. Die meisten der jungen Leute sin<i arbeitslos, doch finden sie ab und zu Gelegenheitsarbeit in ihrem Fach. Leider sind sie noch viel zu wenig bekannt, sonst wäre ihr Brot nicht so schmal. Einige Kindern Freude am Hebräischlernen bereiten helfen. So gibt uns die Exekutive der Wizo eine Fülle alter und neuer Anregungen an die Hand und weist uns Immer wieder den Weg zu ernster, aufbauender Frauenarbeit. An uns allen Mitgliedern der Wizo wird es liegen, mit Begeisterung und Zuversicht an ihren Zielen mitzuwirken und den Anregungen der Exekutive Folge zu leisten. Vieles Ist schon erreicht, noch mehr aber gilt es zu erkämpfen, soll die wegbereitende Arbeit der Wizo ihre Früchte tragen. Darum stehe keine von uns jüdischen Frauen zurück, wo es gilt, zäh und unermüdlich zu werben und zu wirken für unsere große Idee und eine schöne Zukunft unseres Volkes. Dr. Amalie Kantor. ♦ (Alle Wizo-Druckschriften sind Im Sekretariate der Wizo, Wien, I„ Jordangasse 7, täglich zwischen 5 bis 7 Uhr erhältlich.) Manchester. Frauenlogen gibt es noch in Leeds, London, Glasgow und Edinburg. Die Haupttätigkeit der jüdischen Frauenorganisationen wird heute natürlich durch das Schicksal der deutschen Juden stark beeinflußt. Ja, die ganze Arbeit, die gemeinsam von den jüdischen Frauenorganisationen geführt wird, ist fast zur Gänze der Hilfe für die jüdischen Emigranten gewidmet. Es ist ein Zentralfonds geschaffen worden, für den alle jüdischen Organisationen gemeinsam arbeiten und der sich insbesondere die Rettung des jüdischen Kindes in Deutschland zum Ziele gesetzt hat. Zu diesem Zwecke fanden im Beisein erster Kreise aus der politischen und gesellschaftlichen jüdischen Welt Londons zwei große Versammlungen statt, bei denen Stephan Zweig und Lion Feuchtwanger sowie bedeutende Frauen das Wort ergriffen. Die Kampagne zur Rettung des jüdischen Kindes aus Deutschland hat sich als Ziel die Aufbringung von nicht weniger als 25.000 Pfund gearbeiten als Gräber und Gärtner auf dem jüdischen Friedhof, bisweilen läßt der Himmel einige als Schneeschaufler verdienen, einige beziehen die Arbeitslosenunterstützung. Auch gibt es im Heim selbst, in der Ausgestaltung und in der Wirtschaft genug zu tun. Es ist selbstverständlich, daß alles, was einer verdient und ebenso etwaige Spenden in die Gemeinschaftskasse fließen. Dennoch ist das Budget sehr knapp: die Miete muß bezahlt werden, Gas und Licht — und so bleibt für die Verköstigung nur rund S 5.— pro Kopf und Woche. Trotz aller Künste der Küchenchefin kann hiemit nicht wunder was geleistet werden. Damit die schwer Arbeitenden sich sättigen können, müssen die andern manches — vieles — entbehren, Fleisch gibt es nur einmal wöchentlich, sonst nährt man sich außer von dem Kakao und Brot des Morgens (und vormittags) von Gemüse, wie Kraut, Hülsenfrüchten, von Nockerln und Nudeln mit Mohn oder Nuß, von Erdäpfelgulasch u. dgl, Die Ansprüche sind gering, man bescheidet sich und sieht dabei — wenngleich gewiß nicht allzu reichlich gefüttert — so doch nicht gerade unterernährt aus. Dreimal abends finden Hebräisch-Kurse statt, die von allen Hausbewohnern besucht werden müssen. Auch an den übrigen Abenden gibt es Kurse kulturellen Inhalts oder Sichoth der internen Mitglieder, Nur Freitag abends ist das Haus voll von Gästen, die nach dem Abendessen erscheinen. Das sind die Burschen und Mädchen des Heehaluz, der Jugendbünde, der Mirjam, das sind Besucher aus Palästina, Gesinnungsgenossen, Frauen der Wizo, Freunde, Man lauscht den Worten des Vortragenden beim «Oneg Schabbath», man lauscht den hingejubelten Gesängen aus Palästina, man fühlt lebendige Verbundenheit, Hingezogenheit dieser Jugend zu dem Lande ihrer Zukunft — man blickt um sich und vermeint, schon dort zu sein, ln einer Siedlung des Emek — in Judäa — im Galil ... «Am Jlsraei chaj» ... singt und tanzt es im Kreise. Sie haben die Woche durch viel gearbeitet — auch ln den eigenen Werkstätten — haben Schnee geschaufelt — Erde gegraben — Hebräisch und Jüdische Geschichte gelernt — nicht allzuviel gegessen — nicht allzu gut geschlafen. Aber sie jubeln und tanzen, ihr Geist trägt sie in den Galil, sie sind schon dort, sind Siedler des Emek, von Judäa, von Wadi Chawarith. Am Jisrael chajD Eine palästinensische Insei in Wien Von Dr. Martha Hof mann Jüdische Frauenorganisationen in England Gespräch mit Frau Neville Laski i

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